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Predigt zum Thema „Kreuz und Toleranz“ am Sonntag Kantate, 29. April 2018

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Predigt zum Thema „Kreuz und Toleranz“ an Kantate, 29. April 2018

von Agnes Seidl, Konfirmandin

Liebe Gemeinde,


wie sie wissen, ist Toleranz heute ein großes Thema, war es auch schon immer und wird es wahrscheinlich auch immer bleiben.

Der 1. Satz für die Definition in Wikipedia lautet: Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Gelten lassen und Gewähren lassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Tja, aber trotzdem muss immer geschaut werden, wie es im Einzelfall gedeutet werden soll.

Toleranz bedeutet aus christlicher Sicht Nächstenliebe, also den anderen gelten lasen, wie er ist und für ihn da sein. Ohne die Toleranz würde der christliche Gedanke gar nicht so richtig existieren. Toleranz beruht also auf Nächstenliebe, und umgekehrt: Nächstenliebe ohne Toleranz gibt es nicht.

Heute definieren wir „intolerant“ als teilweise nicht rücksichtsvoll, z.B. wenn beim Autofahren gedrängelt und aufgefahren wird. Das macht natürlich keiner von uns – oder: fühlen Sie sich jetzt intolerant und schlecht?? Sie haben immer noch die Möglichkeit, ab jetzt rücksichtsvoller zu fahren!

Doch wann ist etwas intolerant, und wann geht es nur um die Wahrheit, oder gehört das vielleicht zusammen? Wie sah es vor Jesu Zeit mit der Toleranz aus? Und wie danach?! Wie hat Jesus den Gedanken der Toleranz beeinflusst?

Als Jesus auf der Erde war, herrschte sehr viel mehr Intoleranz als nur beim Auffahren. Frauen wurden wie Menschen zweiter Klasse behandelt, Juden und Samariter waren verfeindet und tolerierten einander nicht. Jesus hingegen war anders. Für ihn war Liebe der Schlüssel zur Toleranz! Er wollte über die Menschen nicht richten, sondern sie Gott näherbringen. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen war er aufgeschlossen und ja, auch vorurteilsfrei, da er mit Sündern aß und sprach. „Dieser Mann heißt Sünder willkommen und isst mit ihnen“ (Lukas 15, Vers 2). Vielleicht hat Jesus so auch den Gedanken der Toleranz beeinflusst, indem er ,,Nächstenliebe gegenüber Sündern“ gezeigt hat, da es ja anscheinend nicht üblich war mit „Sündern“ Zeit zu verbringen. Jesus war also ein Musterbeispiel in Sache Toleranz.

Was die Leute vor Jesu Zeit von Toleranz hielten und was danach, ist eigentlich nirgendwo festgehalten. Aber, da Jesus viel verändert hat, vor allem in sozialer Hinsicht, ist eigentlich auch hier zu erwarten, dass seine Handlungsweisen zum Umdenken vieler Leute geführt haben.

Die Frage von Wahrheit, Intoleranz und Toleranz beschäftigt wahrscheinlich viele Menschen. Zu Recht auch, denn die beiden wichtigen Begriffe haben durchaus Überschneidungen. Vielleicht stehen sich Wahrheit und Toleranz aber auch manchmal gegenseitig im Weg! „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Johannes 14, Vers 6), das behauptete Jesus Christus in der Bibel. Ist das nicht per se sehr intolerant? Wer das so ausschließlich glaubt, würde sich also sofort festlegen. Es ist andererseits aber vielleicht auch die Wahrheit. Man kann also intolerant sein und an der Wahrheit festhalten. Jesus hat die eine Wahrheit für sich beansprucht, war aber ebenso tolerant mit seiner Idee von Nächstenliebe.

Dass Toleranz starke Grenzen überwinden kann, ist uns vielleicht nicht immer bewusst. Doch durch Toleranz und konsequente, intolerante Willenskraft kann sehr viel erreicht werden. Ein Beispiel, wo diese Gegensätze, wie bei keinem anderen deutlich werden, ist der Berg der Kreuze in Litauen. Dort wurden zum Widerstand gegen die russischen und dann kommunistischen Besatzer im 19. beziehungsweise im 20. Jahrhundert immer wieder Kreuze aufgestellt. Diese wurden aber immer wieder zerstört und entfernt. Sie wurden also nicht toleriert. Das brachte allerdings wenig, denn es wurden immer mehr Kreuze aufgestellt. Die Balten haben sich nicht einschüchtern lassen, sondern an ihrem Glauben festgehalten und weitergemacht. Sie hatten Willenskraft. Das ist auch ein gutes Beispiel um zu zeigen, dass der eigene Glaube weit mehr erreichen kann, als man denkt. Durch Willenskraft kann anfangs nicht Toleriertes erreicht und können Grenzen überwunden werden. Heute ist der Berg mit den unzählbar vielen Kreuzen im Baltikum ein Touristenmagnet und, ja, ich würde sagen: ein Wahrzeichen der Freiheit, nur nicht so bekannt wie die Freiheitsstatue in New York.

Toleranz und Intoleranz, wer diese beiden Begriffe hört, denkt wahrscheinlich zuerst an „positiv“ und „negativ“ oder, für alle Star Wars Fans: Die helle Seite der Macht und die dunkle Seite. Meistens möchte niemand intolerant sein. Das funktioniert aber leider nicht immer. Trotzdem sollte doch jeder mal in seinem Alltag darauf schauen sich tolerant zu verhalten und nicht immer egoistisch handeln, wie zum Beispiel beim Autofahren. Ob ich jetzt zwei Minuten früher zuhause bin oder nicht ist doch egal, wenn wir ehrlich sind, springt die Ampel doch eh kurz vor uns wieder auf Rot. Ich möchte jetzt keine Werbung für richtiges Fahren oder gar Fahrschulen machen, aber manchmal ist es einfach auch ungefährlicher langsam zu fahren. Die meisten Leute versuchen sich oft tolerant zu verhalten, auch wenn es nicht immer leicht ist. Aber wenn wir ehrlich sind, fühlt man sich danach doch auch besser, als wenn man immer seinen eigenen Kopf zu 100% durchsetzt. Bei anderen Sachen ist es aber auch wichtig sich durchzusetzen, zum Beispiel, wenn es um Leib und Leben geht. Aber ich finde, das hat dann auch nichts mit Toleranz oder Intoleranz zu tun.

Die Aufgabe der Toleranz in der Zukunft ist noch nicht abschätzbar. Dennoch denke ich, dass die Aufgabe vor allem darin bestehen wird, die einzelnen Religionen wieder richtig zusammenzuführen. Mit Akzeptanz, Toleranz und Ökumene.

Liebe Gemeinde, es viele Beispiele für Toleranz und Intoleranz. Ich denke, es ist wichtig, mal wieder auf die Aufgabe und die Wichtigkeit der Toleranz hinzuweisen. In gewisser Weise hängt der christliche Gedanke doch davon ab. Persönlich finde ich, dass die Intoleranz oft überwiegt. Vor allem die vorsätzliche Intoleranz. Viele Leute achten nur noch auf sich und reagieren so pauschal intolerant. Niemand erwartet die reinste Toleranz, auch das Christentum nicht. Aber ich finde, jeder sollte sich selbst im Alltag mal in die Pflicht nehmen, sein eigenes Verhalten unter die Lupe zu nehmen.

In allen Epochen spielte, spielt oder wird Toleranz also eine große Rolle spielen. Zu Jesu Zeit vielleicht auch stark, da die Unterschiede zwischen den Menschen groß waren und er versucht hat die Gesellschaft etwas näher zusammen zu bringen. Genau das ist heute immer noch ein Problem. Nicht nur deswegen ist es auch im Hier und Jetzt ein wichtiges Thema.
Und das lege ich Ihnen heute ans Herz, liebe Gemeinde!

- Amen. -

 

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