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Predigt von Prädikantin Cornelia Jung an Trinitatis

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(22. Mai 2016) - Gottesdienst mit den BergerBlechBläsern im Gemeindegarten des Katharina von Bora-Hauses (Fotos in der Bildergalerie)

Wer je ein gründliches Erstaunen
über die Welt empfunden - will mehr.
Er philosophiert - und was er auch sagen mag
- er glaubt.

Wilhelm Busch

Über das Staunen und Glauben.

Liebe Gemeinde,

wann haben Sie das letzte Mal gestaunt? – So richtig aus tiefstem Herzen? Also, ich meine Sie sind gerade dabei irgendetwas zu tun oder zu denken und dann …..STOP, Wow! Es ist, also ob Sie Jemand mit dem Finger angestupst hätte. Ein Augenblick … und eine ganz neue Welt tut sich vor Ihnen auf. Sie kennen es bestimmt.

Das passiert schon mal, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.
Wenn man aus dem Wald herausfährt und der Blick frei wird auf einen Morgenhimmel so rot, so orange, so orangerot, dass es nicht zu beschreiben ist. Als ob der Himmel brennen würde. Der Wahnsinn. Das kann sich doch kein Mensch ausdenken, das ist gewaltig. Sicher haben Sie auch schon mal so einen Sonnenaufgang fotografiert,… Doch das Gefühl des Erkennens, dieser Moment, dieser besondere Augenblick war darauf nicht zu sehen.

Oder auch in der Musik.
Ich glaube, es war bei der Generalprobe zum Osterkonzert, als sich die satte Tenorhornstimme aus den anderen Tönen heraushebte, dieser warme, wohlige Klang, und sich wie ein Teppich ausbreitete, - so leicht wie ein Seidentuch - und über uns schwebte, da lief mir ein Schauer den Rücken hinunter und ich musste mich zwingen weiterzuspielen,
statt mit offen stehendem Mund zu staunen. Da kann ich nur Gott für die Musik danken und dem, der sie spielen kann.

Wann haben Sie das letzte Mal gestaunt?
Wann wurde für Sie die Zeit einen Moment angehalten, um genau in diesem Augenblick etwas mit ganz anderen Augen zu sehen oder etwas mit neuen Ohren zu hören?

Das erstaunliche am Staunen ist ja, das das was wir bestaunen oftmals bekannt ist. Wir haben schon viele Male einen Sonnenaufgang gesehen. Und doch war es in diesem einen Moment etwas ganz Neues, Erstaunliches, unbegreifbar Schönes.

Oder die Musik.
Wir haben das Lied ganz oft geprobt und doch war es in diesem einen Moment, als ob noch etwas dazu kam, vielleicht die Freude oder Liebe an der Musik – ich weiß es nicht. Unerklärlich und wunderbar und auf der Tonaufnahme nicht so zu hören.

Der Moment des Staunens ergreift den ganzen Menschen. Das Herz wird zu tiefst berührt und der Kopf wird klar, weit und frei. Das ist ein Geschenk Gottes. Wir dürfen es behalten. Das Echo klingt noch lange nach.

Von so einem Staunen hören wir heute aus dem Brief von Paulus an die Römer. In den Kapiteln davor ist Paulus dabei seine Welt in Schachteln einzusortieren. Dabei stellt er sich die Frage wer die Barmherzigkeit und Liebe Gottes erhält.

Da sind zu allererst die Judenchristen. Sie kommen in die Schachtel der Perfekten. Sie gehören zu dem Volk, dass Gott vor langer Zeit auserwählt hat. Außerdem haben sie Jesus Christus als Gottes Sohn anerkannt.
Sie haben sich von ihm berühren lassen und ihrem Leben eine
neue Richtung gegeben.

In die nächste Schachtel kommen die Heidenchristen. Ihnen ist das Alte Testament, die Geschichte der Väter mit Gott völlig unbekannt oder nur wenig geläufig. Sie kennen sich auch nicht mit den Essensvorschriften oder dem Beschneidungsritus aus. Aber - sie sind getauft auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sie haben ihre alte Lebensauffassung im Taufwasser zurückgelassen und wurden als neue Menschen wiedergeboren.
In die letzte Schachtel kommen die Juden, die Jesus Christus nicht als den Messias anerkennen, auf den sie schon so lange Zeit warten. Gott hat sie aber als Volk auserwählt. Sie nehmen diese Verantwortung auch sehr ernst. Zu den Geboten Gottes haben sie noch eine Menge anderer Regeln aufgestellt, die ihnen die Barmherzigkeit Gottes und seine Liebe garantieren sollen. Doch Paulus ist skeptisch. Und er weiß von was er redet, denn er war viele Jahre Teil dieser Gesellschaft.

Paulus rauft sich die Haare, wägt das eine Argument gegen das andere ab. Gibt diese Einschränkung dazu, sieht dort die Vorteile, schreibt Warnungen aus. Er merkt, je mehr er darüber nachdenkt umso komplizierter wird das Ganze.

Und mit einem Mal kommt dieses STOP!
Die Welt bleibt stehen und dreht sich gleichzeitig weiter!
Der Kopf wird frei und ein neuer Horizont zeigt sich.

Hören Sie seine Worte:

Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam,
damit er sich aller erbarme.
O welch eine Tiefe des Reichtums, beides,
der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte
und unerforschlich seine Wege!

Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt,
oder wer ist sein Ratgeber gewesen«?
Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben,
dass Gott es ihm vergelten müsste«?

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm
sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!
Amen.

Ein Lobpreis der Wunderwege Gottes von Paulus an die Römer.

Was ist passiert?
Paulus hat erkannt, dass er an einem Punkt angekommen ist, an dem er nicht alleine weiterkommt. Er ist zu klein. Er ist zu Mensch. Er ist zu begrenzt. Er sieht nur bis zu seinen Schuhspitzen.

Und dann passiert das ganz und gar Erstaunliche:
Paulus erkennt ein Stück der Weisheit Gottes. Er spürt wie er sich innerlich aufrichtet – und damit die Wände, der mühsam geordneten Schachteln, durch die Größe der Erkenntnis nach außen klappt.

Paulus wird klar, während er noch versucht das Leben nach den Regeln Gottes aufzuteilen, hat Gott selbst sie doch schon längst gebrochen.

Denken wir an Abraham und seine Frau Sara, bekommen sie doch im hohen Alter noch einen Sohn. Eigentlich ist das in seiner eigenen Schöpfung nicht vorgesehen, denn die Eltern sollten biologisch doch noch in der Lage sein ihre Kinder zu versorgen. Und doch sind seine Nachkommen so zahlreich geworden, wie die Sterne am Himmel.

Und dann die Geschichten um Jakob.
Als dem Zweitgeborenen wäre es ihm normalerweise vorgezeichnet gewesen, im Schatten seines älteren Bruders aufzuwachsen. Doch Gott sucht sich ihn aus, um mit ihm seine Geschichte zu schreiben. Jakob, ein Lügner und Betrüger wird der Vater der zwölf Stämme Israels.

Zuletzt Jesus Christus.
Hier reißt Gott nun die letzten Wände ein. Er schickt sich selbst als seinen Sohn. War im Alten Testament noch der Schrein, das Allerheiligste, vor dem Normalbürger verborgen, kommt Gott uns in Jesus Christus ganz nah. Und mit ihm wird auch die Schranke zwischen Leben und Tod überwunden.

Also wenn hier einer Regeln nicht einhalten kann, dann ist das Gott.
Damit wird er für Paulus und auch für uns unerklärlich.

…unerforschlich sind seine Wege!

So wie uns Gott unerklärlich ist, so ist uns auch oftmals das Leben in der Welt unerklärlich. Kriege, Ungerechtigkeiten, Naturkatastrophen, sterbende Kinder, Brutalität, Anhäufung von unglaublichen Schicksalsschlägen in einer Familie, …. die Liste ist endlos.
Wie kann man das nur begreifen?

Auch Paulus kommt in diesem Denken an seine Grenzen. Aber ganz erstaunlich, Paulus geht nicht nach Hause und igelt sich ganz fest unter seiner Bettdecke ein, wie ich es dann gerne mache.
Nein. Er richtet sich auf und hebt zu einem Lobpreis Gottes an!
Wie kann er das?

Paulus hat Gottes Möglichkeiten ganz körperlich erfahren. Jesus Christus ist ihm mit einem Blitzschlag erschienen, ganz nah. Und danach in Damaskus hat er Zeit geschenkt bekommen um Gottes Geist in sich wirken zu lassen. Dort hat er sich von einem in sich gekrümmten Menschen – so hat Martin Luther einen Sünder beschrieben – zum aufrecht stehenden Menschen entwickelt.

Für mich ist Sünder ein furchtbarer Begriff, sehe ich doch sofort Bilder vor mir, von Menschen, die mit blutigen Knien Buße tun und doch nicht aus der Sünderrolle entlassen werden – und das auch noch in heutiger Zeit. Aber das Bild des gekrümmten Menschen, das finde ich passend.

Denn so geht es mir auch, wenn ich nicht mehr ein und aus weiß in meinem Leben. Ich spüre, dass ich etwas verändern muss und weiß nicht was es ist. Sind es die Lebensumstände? Ist es meine Haltung zu mir selbst, zu Anderen, zu Gott? Ich fühle mich dann klein, verkrümmt und mein Blick reicht nur bis zu meinen Schuhspitzen und nicht weiter darüber hinaus. Bei den Machthungrigen und Gierigen, ist es genauso. Ihr Leben dreht sich nur um sie selbst.

Es ist schwierig aus dieser Situation wieder herauszukommen. Und doch ist das die Zeit, in der viele Menschen mit Gott wieder ins Gespräch kommen. Ich denke, Paulus hat unterm Schreiben auch immer wieder gebetet. Wie heißt es: Gott ist nur ein Gebet weit von uns entfernt. Und genau das ist unsere Chance etwas zu ändern.

Wenn wir dann zu Gott beten, dann dürfen wir das wie zu einem guten Vater tun. So wie ich von meinem leiblichen Vater immer Hilfe bekommen habe, so weiß ich einfach, dass Gott Vater immer für uns da ist.Er erfüllt uns nicht jeden Wunsch genau so wie wir das möchten, das macht auch mein Vater nicht. Väter sind weitsichtiger als ihre Töchter und Söhne und
das ist es was Gott uns schenken möchte. Ich kann den Vorgang nicht erklären, aber durch die Nähe, die im Gebet entsteht, öffnet Gott einen ganz neuen Horizont. Nicht sofort. Aber wenn wir in Geduld und voll Vertrauen auf seine Gnade warten und hinbeten, dann – oh was für ein STAUNEN – richtet er unseren Blick wieder auf - weg von den Schuhspitzen – hin zur Schönheit dieser Welt.

… unbegreiflich sind seine Gerichte!

Manchmal kommt Gott mir auch ganz nah. Dann habe ich das Leben Jesu Christi vor Augen und frage mich: Wie ist er mit verschiedenen Lebenssituationen umgegangen? Wie haben seine Mitmenschen auf ihn reagiert? Dann bete ich: Mach mich sehend. Zeige mir den richtigen Weg.

Und ganz erstaunlich:
Immer wieder habe ich in meinem Leben das Gefühl, dass Gott mein Leben lenkt. Mal lässt er mich gerade Wege gehen, dann wieder die holprige Strecke, die aber hinterher umso herrlicher wird. Es gibt allerdings keine Wegweiser, die vom Himmel fallen, da können Sie lange warten.

Es sind Menschen, die mir ihre Hilfe schenken. Mein Mann, der plötzlich vor mir steht und mich beim Fahrdienst für unseren Sohn ablöst, weil er gemerkt hat, dass meine Migräne doch schlimmer ist, als ich sie am Telefon dargestellt hatte.
Oder ein neuer Job, für den ich mich gar nicht bewerben wollte, aber meine Freundin darauf drängte, der mich aber letztlich auf ganz neue Wege geführt hat.

und wieder: …unerforschlich sind seine Wege!

Und was ganz besonders hilft ist Zeit. Diese Zeit hat auch Paulus sich genommen in Damaskus und beim Briefe schreiben.
Zeit in der der Heilige Geist – so sehe ich es – in uns wirkt.
Zeit zum Nachdenken.
Zeit zum sich neu Ausrichten.
Zeit loszulassen.
Zeit sich auf neue Gedanken oder Wege einzulassen.
Zeit dem Leben unter Gottes Schirm zu vertrauen.

Trinitatis – Gott Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist. Es muss nicht extra so geschrieben stehen im Brief an die Römer, der Lobpreis drückt es auch so aus. Die Tiefe des Reichtums entfaltet sich erst durch die verschiedenen Möglichkeiten wie uns Gott begegnet.


Manche sagen ja auch es gibt keinen Gott, schon gar nicht einen dreifaltigen. Alles ist Zufall. Ehrlich gesagt kann ich da mit Logik auch nur schwer dagegen halten.

Dagegen sprechen aber die vielen persönlichen Erfahrungen, die die Menschen mit Gott gemacht haben. Nicht nur die Bibel ist voll davon auch heute in der Zeitung oder im Fernsehen hört man immer wieder Geschichten von Menschen, die mit Gottes Liebe und Barmherzigkeit in Berührung gekommen sind.

… damit er sich aller erbarme.

Gott erbarmt sich uns Allen – früher oder später. Ich glaube, er wartet ganz nach bei uns den Moment ab, wenn wir soweit sind, den Blick von den Schuhspitzen heben zu wollen.

Dann ist der Moment da des großen Staunens. Wenn wir erkennen, wie tief seine Liebe in uns eindringt, wie er uns damit aufrichtet und uns nicht mehr loslässt. Das Leben ist doch ein einziges Sehnen nach Liebe und nun können wir erkennen wie geliebt wir sind. Gottes Barmherzigkeit schenkt uns das nötige Selbstbewusstsein und Stärke unser Leben und letztlich auch das Sterben zu meistern.

Wenn wir es schaffen uns auf die Liebe Gottes einzulassen, uns ihr öffnen,
dann kommt das große Staunen:
Es verändert uns und somit auch unsere Ausstrahlung. Wer auf seine Schuhspitzen schaut, sieht die freundlichen Gesichter nicht. Doch wenn wir die Nasenspitze erst einmal gehoben haben, mit der Kraft Gottes, dann können wir Hilfe annehmen. Wir können anfangen zu heilen und letztlich auch Liebe und Heil weitergeben.

Was für ein brennender Horizont voller Farben und Musik
eröffnet sich da!

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm
sind alle Dinge .

O welch eine Tiefe des Reichtums, beides,
der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unbegreiflich sind seine Gerichte
und unerforschlich seine Wege!


Ihm sei Ehre in Ewigkeit!
Amen.


Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen



 

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