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Predigt von Pfarrer Peter Morgenroth zu Joh. 1,29-34

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Das Evangelium des 1. Sonntags nach dem Epiphaniasfest steht bei St.Johannes 1,29-34

"Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht:
Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!
Dieser ist's, von dem ich gesagt habe:
Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich.
Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser.
Und Johannes bezeugte und sprach:
Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.
Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft.
Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn."

Ringsum Wüste. Nur ein kleiner schmaler Streifen grün windet sich durch verbrannte Erde. Ein Flüsschen, das kaum Wasser führt. Der Jordan. Und knapp bevor dieser Jordan ins Tote Meer mündet - da muss es gewesen sein, dass Johannes mit seinen Jüngern lebt. Dorthin pilgern sie herunter von den Dörfern und Städten der Berge.
Es werden nicht in erster Linie die Kranken und die Hoffnungslosen gewesen sein, die man am Jordan treffen kann. Sie schaffen den beschwerlichen Weg und das unbequeme Leben im Freien gar nicht.
Es sind wohl mehr die Sucher, die Sehnsuchtsvollen, denen das Leben so nicht mehr genügt.
Sie streifen das verführerische Gewand des Herkömmlichen einmal ab und gehen hinaus in die lebensfeindliche Wüste. Es ist der Ort, um nachzudenken, ob das schon alles war im Leben.

1

Was sagt Johannes, als sie sich gewissermaßen bei ihm an der Rezeption anmelden, um ein paar Tage mit ihm zu leben?
„Wer bist du?“
Und man wird den Namen sagen.
„Wer bist du?“.
Nun stellt man sich mit seinem Beruf vor.
„Wer bist du?“
Und da geht´s schon los. Was soll ich jetzt sagen?

Ein zärtlicher Vater? Die Frau mit der dünnen Haut? Bald gehen die Antworten aus. Es gibt Menschen, die zusammenbrechen, wenn man diese Frage immer weiter stellt. Weil die Antworten bald ausgehen. Wer bin ich?
"Ich habe mich um alles gekümmert, nur nicht um mich selbst. Ich bin leistungskräftig. Ich bin anerkannt. Ich bin etwas in dieser Welt. Aber in mir ist die Sehnsucht nach etwas anderem. Eine Ahnung davon, dass es mehr gibt, als nur gut zu funktionieren.“

"Schön, dass du da bist", wird Johannes schließlich gesagt haben. „Und mach deine Erfahrung, dass da noch mehr sein könnte, als gut in der Welt zurechtzukommen? Oder kennst du solche Erfahrungen schon?"
Ja, kenn´ich. Da wird einer plötzlich daran denken, wie er 5 Jahre alt war und in einer Wiese saß und wie es summte und roch und wie die Sonne auf der Haut wohltat und ein großer Zauber da war, den er sein Leben lang nicht mehr vergisst. Er wird sein Leben lang nicht mehr vergessen, dass es auf mehr ankommt, als nur darauf, gut zu funktionieren und in der Welt gut zurechtzukommen. Darauf kommt es natürlich auch an. Aber das ist nur die halbe Wirklichkeit. Die andere Hälfte sind solche Seinserfahrungen, nämlich das Wissen und das Fühlen, dass noch etwas GANZ ANDERES da ist, dass etwas Überweltliches in uns anwesend ist, das sich aller analytischen Betrachtung entzieht.
Und ein anderer wird zurückdenken, wie er stundenlang den Sternen zusah, wie sie sich über ihm übers Firmament schoben. Und alles andere unwesentlich war und die Zeit versank.
Und ein anderer wird an die Liebe denken. Die Liebe, die alles andere zurücktreten lässt.

Solche Erfahrungen, in denen plötzlich eine größere Wirklichkeit aufleuchtet, müssen nichts Dramatisches an sich haben. Man kann solche Erfahrungen in einer besonderen Not machen, wenn man einen Verlust erlitten hat, wenn die Liebe den Blick schärft, es sieht für jeden anders aus. Aber es ist immer die Erfahrung des Überweltlichen, Göttlichen, das wir in unserem Kern selbst sind. Nicht haben, sondern sind.

2

Und nun reiht sich Jesus also auch in die Kette derer ein, die unzufrieden damit sind, nur mit den Aufgaben dieser Welt zurechtzukommen und die das ganz andere suchen, die mystische Wirklichkeit gewissermaßen. Und er erfährt dabei seine Initiation, seine Einführung in eine wesentliche Wirklichkeit.

In unserer Sprache sagen wir nicht umsonst, dass einem ein Licht aufgeht, wenn man plötzlich eine Erkenntnis hat. Es ist in der Tat so, als ob die Wolken weichen, die Sonne durchbricht. Man fühlt sich plötzlich geborgen. Es sind Erfahrungen verbunden mit der Geburt eines neuen Gewissens. Man weiß plötzlich um seinen Auftrag: Du hast etwas Unglaubliches erlebt und es ist der Ausgangspunkt für einen Weg. Der Ausgangspunkt für deinen Weg der Wandlung, auf dem etwas anderes durch dich hindurchscheinen wird.

Solche Initiation, solches Aufleuchten von Wesentlichem, das war den Früheren nichts Ungewöhnliches, das gab es in vielen Religionen, deshalb hat man Tempel gebaut und Wallfahrten gemacht.

Wenn Johannes bezeugt: "Ich sah über ihm den Himmel offen. Das Licht Gottes war auf ihm, wie eine Taube von Licht blieb es bei ihm." Dann verstanden die Früheren dies als eine Geschichte der Initiation.
Hier ist für Jesus der Ausgangspunkt für einen neuen Weg. Es ist ein Weg der Wandlung. Anderes wird durch ihn hindurch- scheinen. Gottes Gegenwart in ihm hat nichts mit biologischen Fragen zu tun. Gottes Gegenwart in ihm hängt nicht mit der Erziehung durch Maria und Josef zusammen. Sondern Jesus ist dem Wesen der Welt selbst begegnet. Und es hat ihn ausgefüllt, und es wird der Ausgangspunkt für einen Weg für ihn, auf dem Gott selbst heilsam in ihm da ist. Etwas ganz anderes leuchtet nun durch ihn hindurch. So dass Johannes der Täufer und viele andere nur bezeugen konnten: „Dieser ist Gottes Sohn.“ In ihm ist Gottes Geist bleibend. Da funkt es nicht nur mal auf wie bei unsereinem...

3

"Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt", das bezeugt Johannes zu allererst. Was das heißt, darüber haben viele Generationen nachgedacht und großartige Gedankengebäude darüber errichtet.

In Wirklichkeit ist es ganz einfach, wenn man Sünde nicht als Unmoral und Fehltritt definiert. Sünde, das heißt, dass man sich nur noch um das Zurechtkommen in dieser Welt kümmert und nicht mehr um das überweltliche Wesen, das jeder auch ist. Sünde, das ist Trennung von Gott. Sünde, das ist Verfehlung dessen, was ich sein könnte. Sünde, das ist Zwiespalt der Person. Mit dem Welt-Ich gut zurechtkommen aber den Weg zum Wesentlichen oft nicht finden und damit das Leben verfehlen.

"Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt"
Johannes sieht einen Menschen vor sich, in dem wieder geeint ist, was in uns getrennt und abgespalten ist: In ihm strahlt Gottes Wirklichkeit auf. Johannes hat das sehen können. Hier in diesem Menschen Jesus sind das Weltliche und das Überweltliche wieder vereint. Deshalb geht die Kraft der Heilung von ihm aus. Deshalb wird Jesus die Menschen stören, die nur am Welt-ich, nur am guten Funktionieren interessiert sind. Er wird nicht nur stören, er wird daran zugrunde gehen. Er trägt schwer an der Art der Menschen, ihr eigenes Wesen zu verfehlen.

4

"Dieser ist Gottes Sohn. Meine Lebensaufgabe hat sich erfüllt." Sagt Johannes. "Ich bin Zeuge, wie das Überweltliche in der Welt aufleuchtet und greifbar wird. Das ist der Sinn meines Lebens."

Zeuge sein von etwas Überweltlichem in der Welt als Sinn des menschlichen Lebens. Mag das für Johannes, den Täufer damals am Jordan stimmen. Aber stimmt das auch für uns? Können wir das für uns so sagen?

Was ist der Sinn Ihres Lebens? Die meisten werden jetzt gar nicht so schnell auf eine so gewaltige Frage antworten können. Vor allem wird man abwehrend sagen: Das ist doch verschieden von Mensch zu Mensch. Und es hängt doch auch vom Alter ab. Gibt es denn DEN Sinn überhaupt. Gibt nicht jeder seinem Leben einen eigenen Sinn? Das ist alles richtig. Aber auch das ist richtig, dass das noch keinen Sinn gibt, wenn man nur tüchtig funktioniert. Der Sinn eines jeden Lebens liegt darin, das Überweltliche zu fassen und Zeuge zu sein in dieser Welt von etwas Überweltlichem. Nicht HABEN, sondern SEIN. Das ist der Sinn des menschlichen Lebens, dem wir ein Leben lang nachjagen, nicht nur zu funktionieren, sondern nach dem eigenen Wesen zu suchen, offen zu sein für Seinserfahrungen und dies zu bezeugen.


 

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