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Predigt von Pfarrer Peter Morgenroth am 19.02.2017

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im Katharina von Bora - Haus

Was Worte anrichten können! Ein paar tweets, ein paar fake news – und alle Welt hört zu. Schaut drauf wie gebannt. Ein paar Worte nur – sie können die Welt verändern.
Worte können verletzen und sie können heilen.
Worte können vernichten und sie bauen auf.
Worte sind Watte und Waffe zugleich.
Worte sind mehr als Schall und Rauch.
Worte fallen in ein Leben, sie wachsen und reifen.
Um solche Worte geht es heute in diesem Gottesdienst.
Um gute Worte. Um persönliches Wachstum.


Markus 4,26-29
26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. 28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.


Mt 9,9-13
9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.
10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.
11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?
12 Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.
13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.« Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.



I Vom Säen und Wachsen und Ernten spricht Jesus
Als Kind habe ich u.a. auch einmal bei Stuttgart gewohnt, ein paar Kilometer neckarabwärts. Mühlhausen. Direkt neben der mittelalterlichen Veitskapelle. Ein Juwel. 3 Sterne im Baedecker. Eine Doublette der Veitskapelle in Prag. Unglaublich schön. Der Innenraum über und über bemalt. Aber das hat mich damals noch nicht interessiert. Interessiert hat mich die Sandsteinmauer, die den Pfarrgarten neben der Kapelle schützte, und da wiederum besonders der Treppenaufgang zur Eingangspforte. An dieser Mauer haben die Hühner im Sommer im Sand genüsslich gebadet. Und wir Kinder hatten die Idee, dass man die Stufen unterhöhlen sollte. Eine Falle. Für den Pfarrer natürlich. Sonst hatte ja keiner den Schlüssel zu dieser Tür. Wir kratzten eifrig am Treppenfundament. Und dann legten wir uns auf die Lauer. Aber er kam nicht, der Pfarrer, als wir uns das wünschten.
Dafür nahm ich ein Plakat wahr an der Friedhofsmauer. Hab es immer wieder angeschaut. War ja stolz darauf, dass ich gerade lesen gelernt hatte.
„Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ Das war die Jahreslosung damals vor 67Jahren.
Diese Jahreslosung hing lange. Aber ich hab´s nicht verstanden. Ich weiß noch, dass ich meine Mutter gefragt habe, wie das denn zu verstehen sei. Aber die wusste mir´s auch nicht so recht zu erklären. Ich sollte den Pfarrer fragen. Aber das schien mir kein guter Rat zu sein.
Als er dann doch einmal zufällig bei unserer hartnäckigen Grabungsarbeit vorbeikam, blieb er stehen und warnte uns, dass die schwere Stein-Stufe herunterbrechen könnte, wenn wir sie weiter unterhöhlten. Hat noch freundlich mit uns geplaudert. Ziemlich beschämend die Situation. Wir haben das Graben dann bleiben gelassen.
Zwei Dinge hatte ich bei dieser Grabungsaktion fürs Leben verstanden: Dass Kirche etwas mit Güte zu tun hat und mit Säen und Wachsen und Ernten.
Später dann habe ich gemerkt, dass Jesus immer und immer wieder vom Säen und Wachsen und Ernten gesprochen hat. Von Wachstumsprozessen. Von der Reife der Seele. Sein Wirken konzentriert sich auf dieses Wachstum der Seele. Deshalb vergleicht er Sie und mich mit einem offenen Acker. Und er meinte, dass in jeden Menschen etwas wie in eine offene Furche hineingesät sei.
Was denn?

II Gutes ist in mein Leben hineingelegt
Güte ist hineingesät: Da war jemand, der sich ganz am Anfang über die Wiege gebeugt hat.
Zutrauen ist in unser Leben hineingelegt: Es wachte doch jemand über dem ersten Schlaf und sagte: Du bist willkommen auf dieser Welt. Du hast einen Platz. Wir haben auf dich gewartet und es ist schön, dass es dich gibt.
Zuneigung haben sie uns mitgegeben: So viel Zeit haben die Eltern mit uns verbracht, haben gespielt, konnten die schönsten Dinge herzaubern auch in karger Zeit. Haben uns mit ihren Fantasie-Geschichten die Welt erschlossen.
Trost: Wenn man gelaufen kam mit aufgeschlagenen blutigen Knien, weinend. Da war oft ein tröstendes Wort schon Pflaster genug.
Mut haben sie uns mitgegeben:
Das erste Mal allein im Wald! Was war das unheimlich. Und wie nachts alles knarren konnte im Haus, wenn die Eltern weg waren. Und die Schatten an der Wand, wenn die Autos vorbeifuhren und die Fantasie sich auf die Reise machte. Ja, mach du nur deine Erfahrungen, mein Kind. Geh nur! Mach nur deine eigenen Schritte!
Wer wollte all die kleinen und unscheinbaren Wichtigkeiten der Kindheit hervorholen, mit denen ganz unmerklich das Vertrauen zum Leben wuchs. Das waren die Basics, die in unser Leben hineingesät wurden.
Vielleicht kam dazu schon in früher Kindheit das deutende Wort: Dass Gott es ist, der dich lieb hat und segnet. Er kennt dich beim Namen. Er freut sich mit dir und er geleitet dich. Er sei dein Schutz.
Oft haben das ja Opa und Oma gezeigt und gesagt. Sie sind Experten für Wärme, für Ermutigung, für Stütze. Das ist die vornehmste Aufgabe als Großeltern, diese große Ermutigung zum Leben bei den Kleinen auszusäen. Und wer keine eigenen kleinen Kinder hat, suche sich andere. Es gibt genug. Keiner soll sich überflüssig fühlen.

III Auch Schlimmes und Ungutes ist in mein Leben hineingesät
Vertrauen ins Leben, Vertrauen auf Gott. Aber da war noch ganz anderes in unser Leben hineingesät!
Da waren die Eltern sich uneins und es gab Streit. Was sie anfangs noch vor den Kindern verbargen, wurde immer lauter. Und nicht jeder kannte den Trick, den mir einmal ein 4.Klässler verraten hat. Er drehte – wenn die Eltern sich zu streiten begannen, einfach den Radio so laut auf, dass sie ihr eigenes Wort nicht mehr verstanden. Dann hörten sie auf.
Da waren die vielen kleinen Verletzungen, die aber genau saßen.
Wenn sie lachten und man fühlte sich ausgelacht.
Wenn sie einen allein ließen, einfach allein.
Wenn sie kein gutes Wort hatten, das Wunder bewirkt hätte, wenn sie ihrer Wege gingen.
Und manchmal merkten sie nicht, wie dunkel es in einem war. Sie sollten es ja auch nicht sehen. Die Trauer und die Verzweiflung.
Das war wohl auch mit in die offenen Furchen der Kindheit geraten. Unkraut des Lebens, das bald schon ins Kraut schoss und seine Blüten trieb. Und da kamen dann auch die bitterbösen Kommentare über den lieben Gott, der so lieb auch wieder nicht sein könne und über die Beschränktheit der Frommen und die Kirche im Allgemeinen.
Das wächst alles zusammen auf. Und so kommt´s, dass Menschen schier verzweifeln. "Immer wieder die alte Rille. Ich will doch, dass das Leben in unserer Familie fröhlich miteinander gelingt. Was ist nur mit uns los?"
Wehe dem, der dann das Unkraut ausjätet, der wird auch die Frucht mit zerstören. "Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten?" haben sie Jesus gefragt. "Nein! Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut jätet. Lasst beides miteinander wachsen; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt es zuerst und bindet es in Bündeln, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune." (MT13)
Es wird weiter miteinander wachsen. In jedem Menschen.
Liebe und Wut,
Zuneigung und Abneigung,
Hingabe und Egoismus.
So sind wir Menschen halt.
In einer Person Held und Feigling,
Riese und Zwerg,
Unkraut und Weizen.

IV Kann man nachbessern und nochmals aussäen?
Und nun sagt Jesus: Vieles ist in euch hineingesät. Aber ich bin der Sämann, der erneut aussät. Und er meint natürlich, dass sein Wort in Menschen fallen kann und sie gesunden.
Kann man nachsäen? Nachbessern? Kann man gewissermaßen mitten im Leben nochmals Furchen ziehen, neu anfangen?
Man kann, sagt Jesus.
Und seine Botschaft dabei ist einfach: Komm, geh mit mir. Begleite mich, und ich geleite dich.
Wohin?
Ich zeige dir, wie man Sorge teilen kann und Freude teilen kann und Leben teilen kann. Wie man einander hilft, das Leben zu meistern.
Ich werde dir zeigen, dass Gott nicht finsteres Rätsel ist. Und du wirst zu ihm reden lernen wie zu einem Vater. Du wirst auf eigenen Beinen stehen und doch wissen, wo du zu Hause bist.
Du wirst das Unrecht beim Namen nennen. Und die Heuchelei. Und deinen Beitrag leisten in deiner Gesellschaft.
Und du wirst erleben, wie sich die üblichen Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen, die Grenzen zwischen Freund und Feind.
Du wirst die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.
Das ist nicht nur nachgebessert. Das ist NEUE AUSSAAT.
Da wächst was Neues. Eine neue Chance.

V Was wächst Neues?
Matthäus. Wie beiläufig ist es erzählt. Wie beiläufig kommt Jesus vorbei. Und sagt: Folge mir nach. Und er steht auf und tut´s. Und erlebt eine neue Gemeinschaft:
Zöllner und Sünder sitzen zu Tisch mit Jesus. Die Underdogs. Ein Skandal. Die Trennung zwischen dem Heiligen und dem Profanen ist aufgehoben. Schluss mit dem Ausgrenzen von Menschen. Matthäus erlebt wie eine offene Gesellschaft beginnt und glückt. Die inneren Grenzen fallen. Die inneren Vorurteile schweigen. Die Projektionen sind zurückgenommen. Eine neue kleine verschworene Gemeinschaft entsteht. Es gibt keine Menschen mehr erster und zweiter Klasse. Nicht mehr Freund und Feind. Nicht mehr Sieger und Verlierer. Die Welt wird nicht mehr eingeteilt in winner und looser. Es geht nicht mehr um good jobs und bad jobs, bei denen andere zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Keine Eingrenzung, keine Ausgrenzung.

Und was da geschieht, das deutet Jesus selbst und sagt:
Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen.
Die Abgesonderten.
Die Ausgegrenzten.
Die Sonderlinge.
Die nicht Dazugehörigen.
Die Übersehenen.
Die Gekränkten.
Die Gekränkten – die brauchen den Arzt. Nicht die Selbstzufriedenen.
Als umstürzend haben das die Zeitgenossen Jesu empfunden. Die haben miterlebt, wie eine neue revolutionäre Bewegung entsteht. Denn das ist eine Revolution, wenn Menschen ihre Berührungs-Ängste überwinden und üben, sich offen zu begegnen. Und sich mitteilen.
Ihre Sorgen.
Ihre Hoffnungen.
Ihre Verzweiflung.
Ihre Freude und ihr Leid.
Sie sitzen an einem Tisch. Und sie teilen.
Das war Grund genug, sich dieser Jesusbewegung anzuschließen.
Der gute Same Jesu ist in ihnen aufgegangen.

VI Was geht ins uns auf?
Und nun bleibt die Frage: Was hat Jesus mir zu sagen.
Wenn er heute wie zufällig vorübergeht. Komm, geh mit mir. Folge mir nach. Schließ dich dieser Jesusbewegung an!
Was antworte ich?
Sage ich „Aber Jesus, ich gehöre doch schon lange dazu! Ich bin doch getauft. Und ich bin konfirmiert. Ich bekenne mich als Christ und gehöre zur Kirche.
Oder gehe ich einen Schritt weiter und sage, ja, ich gehe innerlich mit dir. Ich bin dir verbunden. Ich weiß mich dir verpflichtet. Ich folge dir nach. Ich bin ein Teil dieser Jesusbewegung. Ich weiß, woran ich glaube. Aber ich brauche dein Wort. Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Immer wieder. Und das soll meinem Leben immer wieder das Profil geben. Und ich werde selbst wieder Botschafter dieser Jesusbewegung sein.
Ein Botschafter dieser Jesusbewegung: Da schließt sich der Kreis. Die Ernte ist groß auch in Berg. Aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter schickt in seine Ernte in Berg. Botschafter der Jesusbewegung. Botschafter wie Sie und mich. Zeugen des lebendigen Gottes.
 

 

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