Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigt von Pfarrer Peter Morgenroth

Aktuell >>

am Sonntag Reminiscere, 21.02.2016 im Katharina von Bora - Haus

Wie alt dieser junge Mann genau ist, das ist nicht überliefert. Aber er ist sicher schon so alt, dass er sich ein Mädchen in den Kopf setzen kann. Es ist das Jahr 627 vor Christus, da hört er Gottes Stimme. Was er hört, ist für ihn unabweisbar:

„Ich kannte dich schon vor deiner Geburt. Und jetzt bestelle ich dich zum Propheten. Da sagte der junge Mann: Ach Herr, ich tauge nicht zu predigen. Ich bin zu jung. Und Gott sagt zu ihm: Sage nicht, ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. Siehe, ich lege meine Worte in denen Mund.“

Der junge Mann, von dem ich erzähle, heißt Jeremia. Was soll er jetzt machen? Er probiert´s: „Ich bin doch zu jung!“ Aber das Argument ist zu fadenscheinig. Letztlich lässt er sich auf seine Berufung ein, nur um einige Jahre später diese Entscheidung und letztlich sein Leben zu verfluchen. Fern der Heimat werden sich seine Spuren verlieren. Ich gebe Ihnen ein kurzes Portrait von Jeremia:

1. Gnaden - Kritik

Am Anfang hat Jeremia gewissermaßen noch theologische Eierschalen um die Ohren. Er spricht in religiösen Dingen noch die Sprache seiner Lehrer. Oder ist es die Sprache seines Vaters, der ein Priester war? Er ergeht sich jedenfalls in landläufiger Theologie und sagt, was alle sagen: Ach, wir haben doch einen freundschaftlichen Gott. Er hat uns seine Freundschaft zugesagt. Und weil Gott ewig ist, wird auch diese Zusage ewig gelten. Das gilt ein für alle Mal. Gott ist treu. Vor dem braucht man sich nicht fürchten. Die Theologie zu Jeremias Zeit dient der Seelenberuhigung. Zahnlos. Tut keinem weh.

Jeremia aber ist jung. Er verlässt das Gedankengebäude seiner Zeit. Weil er sieht, wie wenig Glaube und Lebensalltag zusammenpassen.

„Glaubt nicht, sagt er, das es euch etwas hilft, wenn ihr beschwörend immer wiederholt, hier ist Gott, hier wohnt Gott, hier wohnt wirklich Gott. Betrügt euch nicht selbst. Nur wenn ihr euer Leben und Tun gründlich ändert, könnt ihr in diesem Land bleiben.
Geht gerecht miteinander um! Nützt nicht Fremde aus! Lauft nicht ständig den Wohlstandsgöttern nach. Damit stürzt ihr euch ins Unglück. Ihr brecht nicht nur Ehen, sondern ihr brecht auch das Lebensbündnis, das Gott mit euch geschlossen hat. Jedem, der euch verspricht, es soll euch gut gehen, gebt ihr euch hin.“

Und Jeremia hält seinen Hörern vor „ein Volk hat doppeltes Unrecht getan: Mich, die Quelle frischen Wassers, hat es verlassen – und damit ist Gott gemeint – und stattdessen gräbt es sich Löcher für Regenwasser, die auch noch rissig sind und das Wasser nicht halten können."

Jeremia leidet an seiner Beobachtung, wie weit religiöse Grundanschauungen und das praktische Leben auseinander klaffen. Er leidet körperlich. Er muss darüber sprechen. Er fragt nicht, wer seine ätzende Kritik überhaupt hören will. Er stellt sich provokativ auf die Stufen des Tempels.

Eine Last liegt auf meinem Herzen und macht es krank, sagt er. Diese Qual in meinem Innern. Ich winde mich vor Schmerzen. Mein Herz klopft, dass es fast zerspringt. Ich kann nicht mehr schweigen.

Jeremia hat nicht nur ein paar schöne Worte möglichst gesetzt und wohlformuliert an den Mann und an die Frau zu bringen. Jeremia leidet unter seinem Glauben. Denn er sieht böse Folgen als Konsequenz am Horizont. Er sieht, dass sein Volk in die Katastrophe schliddert. Er sieht, wie sie schon verloren sind. Es tun ihm Vater und Mutter leid. Es tun ihm seine Freunde leid. Es schmerzt ihn, wie verkehrt sie leben. Und ausgerechnet er muss ihnen den Spiegel vorhalten!

2. Gott kann auch alles hinschmeißen

Jeremia geht er in eine Töpferei. Er beobachtet den Töpfer bei der Arbeit. Der sitzt an der Scheibe und zieht aus einem Batzen Ton ein Gefäß hoch. Aber dieses Stück misslingt ihm unter den Händen. Jeremia sieht, wie der Töpfer den Ton wieder zusammen knetet und noch mal anfängt und einen Topf daraus macht.
Und da sagt Gott zu Jeremia:
Kann ich es mit meinem Volk nicht genau so machen? Wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand.“

Was Jeremia da sagt, ist unerhört. Seid euch nur nicht allzu sicher. Rechnet auch damit, dass Gott alles hinschmeißen könnte!

Und dann geht Jeremia noch einen Schritt weiter: Er schnappt sich ein paar einflussreiche Leute aus Politik und Religion. Kommt mit, ich will euch was zeigen: Er geht mit ihnen in einen Töpferladen. Dort kauft er einen schönen, großen Krug. „Was sollen wir denn...?“ Und er führt die illustre Gesellschaft hinaus zum Müllplatz der Stadt und wirft den Krug zum Schutt in den Abgrund, so dass er in tausend Scherben zerbricht. „So spricht Gott, sagt Jeremia zu ihnen, so will ich dieses Volk und diese Stadt zerbrechen“ Diese Zeichenhandlung ist ein einziger Skandal: Die Trümmer der Weltgeschichte werden sich über Menschen legen, die einmal Gottes Auserwählte waren.

Da hat die Stadt ihren Skandal. Jeremia wird verhaftet. Das kann er doch nicht sagen! Das darf er nicht machen! Er wird verprügelt. Er wird in die Ausnüchterungszelle gesteckt. Der Spinner bekommt Hausverbot im Tempel! Und Jeremia leidet. Er leidet furchtbar:
„Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich von dir beschwatzen lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen, aber ich bin darüber zum Spott geworden. Und jedermann verlacht mich. Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin. Das Dunkel wächst und frisst sich ständig weiter in Jeremia hinein. Und es kommt der Zweifel:

3. Täusche ich mich? Jeremia als religiöser Individualist.

Jetzt geht es für ihn nicht mehr nur um die Frage: Kann Gott gnädig sein und dann wieder seine gütige Hand entziehen. Jetzt geht es um die Frage: Ist das Gottes Stimme, die ich da höre. Oder täusche ich mich und es sind nur Bilder der Seele, die in mir hochkochen und mir die Angst bringen? Wie kann ich wissen, ob ich nur meinen eigenen Angstträumen begegne oder wirklich Gottes Stimme höre?

Diese Unsicherheit zeigt sich auch äußerlich. Es stellen sich ihm Berufskollegen in den Weg. Sie beruhigen die Menschen schnell wieder im traditionellen Sinn. Lasst gut sein. Sagen sie. Regt euch nicht auf: Gott ist gnädig. Das wissen wir doch. Das war doch immer schon so.

Jeremia sucht Belege für seine Sicht und misst sie an der biblischen Tradition. Wie hat sich Gott denn meinen Vorfahren gezeigt? Die Bibel erzählt doch, wie Gott ist. Sie berichtet doch von gelebtem Glauben.

Aber auch die biblische Tradition macht Jeremia nicht sicher, ob es nun Gottes Wort ist, was er hört, was Gott zu ihm spricht. Oder ob es Bilder seiner Seele sind. Die Sicherheit kann ihm niemand geben. Dazu muss er sich selbst durchringen. Darunter leidet er am meisten. Er weiß, dass er sich mit nichts absichern kann. Er kann nur sagen: "Ich habe erkannt und geglaubt, dass du mein Gott bist.“

Er bleibt bei seinem ICH. Und kann nicht mehr eintauchen in die kollektive Religiosität.

4. Eine direkte Kommunikation: Gottes Geist direkt ins Herz

Er warnt und wird nicht gehört. Und dann kommt es leider doch so, wie er es hat heraufziehen sehen und angesagt hat. Städte und Dörfer werden militärisch niedergewalzt. Das Volk wird niedergemacht. Viel bleibt nicht übrig. Wer überlebt, wird deportiert. Elende Zwangsarbeit in der Fremde. Von Jeremia ist nichts zu hören. Kein Wort der Rechthaberei: Ich hab´s euch doch gesagt! Nein, er leidet daran, dass eingetreten ist, wovor er die Selbstsicheren und Selbstgefälligen gewarnt hatte. Jahrelang schweigt er.

Doch dann beginnt er in einer unerhörten Weise von Gottes Güte zu sprechen:
Ich bin mir wohl bewusst, was für Gedanken ich über euch habe, spricht Gott, nämlich Gedanken des Heils und nicht des Unheils, euch zu geben Zukunft und Hoffnung. (29,11)
Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

Und er schreibt den Deportierten einen berühmten Brief: Hört auf zu Jammern. Integriert euch! Und suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohl geht, so geht´s auch euch wohl. (29,5-7)

Nichts mehr von Weltuntergangsstimmung, der er vorher das Wort geredet hat. Nichts mehr vom Leiden an der Gottverlassenheit dieser Welt. Jeremia sagt jetzt:
„Kann denn ein Mohr seine Haut ändern
oder ein Panther seins Flecken?
Dann vermögt auch ihr nicht, gut zu handeln,
die ihr gewohnt seid, Böses zu tun! (13,23)
Es ist ein vernichtendes Urteil. Ihr seid ja gar nicht in der Lage, euch grundlegend zum Guten zu wenden. Luther wird sagen: Mit unserer Kraft ist nichts getan, wir sind gar bald verloren. Unfähig zum Wandel. Da nützen alle Appelle nichts.

Aber das ist für Jeremia nun kein Grund mehr zum Verzweifeln. Weil er hofft und sieht, dass Gott seinem Volk ein Herz geben wird, ihn zu erkennen. Das ist neu. Gott wird den Vorgang des Anredens und Hörens gleichsam überspringen und seinen Willen gleich ins Herz legen. Eine neue Kommunikation gewissermaßen. Missverständnisse ausgeschlossen.
So spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.

Zum Guten werdet Ihr Euch wenden, wenn euch Gottes Geist erfüllt. Es ist ein Geist des Vertrauens und der Offenheit, ein Geist der Güte und der Herzlichkeit. Der Geist, der Nähe zulassen kann. Und am Schluss steht bei Jeremia ein versöhnliches Gotteswort:
Ich habe dich je und je geliebt, hört Jeremia als Wort Gottes. Ich habe dich je und je geliebt, und darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte (31,3)

...

Zum Predigtende hat Pfarrer Morgenroth noch Stegreifanregungen gegeben, die nicht schriftlich festgehalten sind.

 








 

 

 

 

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier