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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank an Heiligabend 2016

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in der Pfarrkirche Aufkirchen

Liebe Heiligabendgemeinde,

wir feiern Weihnachten, das „Fest des Friedens“, „das Fest der Liebe“, „das Fest der Familie“, „das Fest der Besinnlichkeit“; „Fest der Menschwerdung“ – und wie Weihnachten sonst noch genannt oder apostrophiert wird.


Diese Bezeichnungen für Weihnachten klingen alle sehr schön, sie haben aber alle etwas Problematisches an sich, und zwar in vergleichbarer Weise: Sie grenzen alle und alles aus, was dem jeweiligen Ideal nicht entspricht, das gemeint ist: Also die, bei denen nicht Frieden ist, die, bei denen nicht Liebe da ist, die, die keine Familie oder gerade zerrüttete Familienverhältnisse haben, die, die nicht besinnlich drauf sind, weil sie gerade arbeiten oder das Fest für andere vorbereiten müssen, also viele von uns auch, weil man einfach nicht dazu kommt; schließlich „Fest der Menschwerdung“: was soll denn das heißen? „Mach´s wie Gott, werde Mensch?“ Entschuldigung: Bin ich schon! Oder welcher Mensch soll ich werden? Gute Frage! Einfach nur ein bisschen mehr Mensch, und ein bisschen mehr Mensch so, wie der Mensch Jesus es war: zuhörend, nächstenliebend, den anderen zugetan, großzügig und vergebend. Er war es in unnachahmlicher Weise: unüberbietbar ist bis heute, was er gesagt, getan hat und wie er war. Weswegen er in christlicher Tradition von Anfang an als ein exemplarischer, ja göttlicher Mensch eingeschätzt und an ihn als einen Gottessohn geglaubt worden ist. Wenigstens ansatzweise sollten wir es immer wieder mal probieren, so wie er zu sein, seinen Idealen nachzustreben! Für uns und die anderen!

Weihnachten feiern?

Ja, gerne, wobei die Vorstellungen des Festes des Friedens, der Liebe, der Familie, der Besinnlichkeit und der Menschwerdung – sie beinhalten alle auch einen u-topischen Überschuss – u-topos (griech.): kein Ort ist gegeben, kein Ort in dieser Welt. Weil die Welt eben auch vielfach kein Ort des Friedens, der Liebe, der Familie, der Besinnlichkeit und wahrer Menschlichkeit, „Humanität“ ist.

Wie kann man angesichts dessen überhaupt Weihnachten feiern? Noch dazu in unseren gegenwärtigen Zeiten, wo man den Eindruck bekommen kann, dass es schon lange nicht mehr so schlimm zugegangen ist in der Welt wie jetzt gerade. Kriegs- und Krisenherde mit Bildern unmenschlichen, brutalen Verbrecher- und Zerstörertums, die uns täglich präsentiert werden, etwa aus den Ländern des Nahen Ostens – Syrien, Irak – und des Mittleren Ostens oder aus vielen afrikanischen Ländern. Dazu kommen noch: die tendenziell oder offen faschistoiden, antidemokratischen Entwicklungen in einigen Ländern Europas. Auch hierzulande zeichnet sich ja einiges ab. Da muss man „dem Rad in die Speichen fallen“, bevor es zu spät ist, jeder, wo er kann. -

Da kommt doch eigentlich keine rechte Weihnachtsstimmung auf nach diesem zu Ende gehenden Jahr, oder? Denken wir auch an die Terroranschläge in Frankreich und bei uns, in München und Ansbach, jetzt vor ein paar Tagen in Berlin wieder ganz schlimm. Wie kann man da Weihnachten feiern, bitte? Auch in unserem friedlichen Berg. Die vielen Toten und Verletzten hierzulande und die abertausenden woanders in diesem Jahr, grauenhaft! Und dazu kommen dann – über die Nachrichten aus unserer und der ganzen Welt hinausgehend – noch die je persönlichen Erfahrungen, die einige von uns dieses Jahr machen mussten: mit familiärem Unglück, Trennung, Entfremdung von Vertrautem, schwerer Krankheit und Tod lieber Menschen, alter und junger, großer und - noch ganz Kleiner, deren Leben noch gar nicht recht begonnen hatte. Weihnachten feiern angesichts der zahllosen Hiobsbotschaften, angesichts des Todes?

„Du brauchst Bilder des Lebens, damit dir die Bilder des Todes nicht zu stark werden.“ Ein Spruch von Martin Luther. „Du brauchst Bilder des Lebens, damit dir die Bilder des Todes nicht zu stark werden.“

Die christlichen Weihnachtsgeschichten malen uns solche Bilder des Lebens, führen uns positive, verheißungsvolle Lebensgeschichten vor Augen.

Denken wir an die Geschichten von der Verkündigung an Maria oder an ihre Verwandte Elisabeth: Elisabeth wird die Geburt ihres Sohnes angekündigt, obwohl schon gar keine Aussicht mehr darauf war: er soll Johannes heißen, ja, der Name eines Menschen hat Bedeutung: Johannes: Gott ist gnädig. Also die Identität eines Menschen ist von Gott so vorher- und vorgesehen, gottgewollt. Wenig später wird Maria die Geburt ihres Sohnes angekündigt: Jesus, der Name bedeutet: Gott rettet. Und damit ist eigentlich schon alles vor Beginn von Jesu Leben gesagt über ihn, der rettet, indem er vergeben, heilen und versöhnen wird, den Frieden Gottes mit den Menschen und untereinander predigen und leben wird, und so den Menschen die Liebe Gottes nahe bringen wird.

Oder denken wir an die Verkündigungsszene der Engel bei den Hirten auf dem Felde, die Verachtetsten und Schwächsten in der Gesellschaft werden besonders gewürdigt. Oder an die Geburtsgeschichte Jesu selbst: Neues, positives, rettendes Leben wird geboren – es sind alles Bilder des Lebens, neuen Lebens und – des Überlebens. So gerade auch die Legende von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten über die Berge und durch Wüste Sinai, nachdem Josef im Traum mitgeteilt worden war, dass Herodes einen Kindermassenmord bei allen unter 2jährigen in Bethlehem vorhabe, also: Josef wusste es intuitiv, würde man heute sagen, und floh mit seiner Familie nach Ägypten, woher Mose ehedem sein Volk herausgeführt hatte, und zwar auf der Sinai-Route, jetzt in der Gegenrichtung zum einstigen Exodus, auf der er später zurückkehren wird. Das ist auch eine Über-Lebensgeschichte. Der kleine Jesus überlebt angesichts und, während ein bisher einigermaßen kluger König, weil er Angst bekommen hat um seine Macht, zum sadistischen Verbrecher und Massenmörder mutiert. Ja, solche Bilder des Todes und der Barbarei gab es damals schon, wie heute.

„Du brauchst Bilder des Lebens, damit dir die Bilder des Todes nicht zu stark werden.“

Was sind Ihre Bilder, liebe Gemeinde, was sind aktuelle Bilder des Lebens in Ihrem Leben, Erlebnisse der Freude, Erinnerungen des Davongekommenseins, des neu gewonnenen Lebens, die Ihnen helfen, damit die Bilder des Todes, die Sie ereilen, Ihnen nicht zu stark werden, an Weihnachten, auch sonst nicht?

Es geht nicht um „Fakten“, schon damals, biblisch, bekanntlich nicht, das sind alles keine historischen oder Kriminalberichte in der Bibel, wie wir heute wissen: es geht um Bilder, Sinnbilder und Vorstellungen, die tragen und durchtragen in schwierigen Lebenssituationen, die weiterhelfen, die aufbauen, ermutigen, Mut zum Leben machen, Freude bereiten, und zwar ohne über die Bilder des Todes hinweg zu schwindeln oder einfach zu vertrösten. Denn das wäre die reine Folklore, am Tod und am Leben vorbei.

„Du brauchst Bilder des Lebens, damit dir die Bilder des Todes nicht zu stark werden.“

Die Weihnachtsgeschichten und -bilder der Bibel wollen solche Lebens- und Überlebensbilder sein. Und sie möchten bei uns eigene Lebens- und Überlebensbilder assoziativ auslösen, anregen: das können positive Erinnerungen sein, die stabilisierenden Charakter haben, z.B. an eine wunderbare Rettung aus größter Not, aus einer schweren Krankheit, wo Heilung oder zumindest ein stabil bleibender Zustand ganz unwahrscheinlich waren, aus einer üblen Krise, oder gute Erlebnisse aktuell, Visionen, positive Ziele, die aufrichtend wirken.

Wer Weihnachten feiert mit Blick auf die biblischen Weihnachtsgeschichten und das Kind in der Krippe, der kann durch diese Weihnachtsgeschichte positiv berührt und auferbaut werden. Nun kenne ich aber auch Menschen, denen die Weihnachtsgeschichte selbst nicht genug ist und gibt. All denen sei in Erinnerung gerufen, dass die im besten Sinne des Wortes „erbaulichen“ Bildergeschichten von der Geburt der Kindes und um sie herum nur den Anfang einer längeren Geschichte des Lebens Jesu und seines Wirkens in Wort und Tat, bilden, die selbst wiederum sehr bilderreich erzählt wird. So dass der, dem Weihnachtsgeschichten nicht genügen, sich durchaus noch mehr und andere Jesusbilder ansehen und aneignen kann: Bilder für das eigene Leben und Weiterleben. Die Bilder vom sozialen und vom heilenden Jesus, also wie Jesus den Menschen hilft durch Heilung, durch Zuwendung, durch Vergebung. Das sollen auch Urbilder, Lebens-Vorbilder für uns sein. Im weiteren Kirchenjahr ist es ja nach dem Bild von dem Kind in der Krippe etwa am Gründonnerstag das Bild von der Gemeinschaft beim Abendmahl, am Karfreitag sind es die Bilder vom Kreuzweg, den wir bei uns ja immer ökumenisch gemeinsam gehen, die sieben lebens-spendenden Worte Jesu am Kreuz, und an Ostern gewinnt der Gekreuzigte Über-Lebens-Bedeutung für die Seinen, für uns, schließlich kommt neues Leben an Pfingsten in die Welt: mit dem christlichen Geist, seiner ungeahnten Verständigungsmöglichkeit und Power für alle Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache unter den Völkern. Ja, davon bräuchte unsere Welt heute mehr denn je. Eine ur-christliche Idee, zu deren Verwirklichung beispielsweise der Berger Asylhelferkreis, ohne ihn jetzt kirchlich vereinnahmen zu wollen, beispielgebend, in bewundernswerter Weise beiträgt.

Heute, an Weihnachten ist das Kind in der Krippe das Bild, das uns stärken soll. Lebensstärkung im Leben und über den Tod hinaus – das alles geht von Jesus aus, geboren als Kind in der Krippe, dessen Geburtstag wir heute feiern.

Feiern wir seinen Geburtstag, feiern wir Weihnachten! Tun wir es nachdenklich, aber auch fröhlich!

Das gebe uns Gott.

Amen.

 

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