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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank am 26.2.2017 (Estomihi)

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Lesung „Lob der tüchtigen Hausfrau“ aus dem alttestamentlich-weisheitlichen Buch der Sprüche, Kapitel 31:

Wem eine tüchtige Frau beschert ist, die ist viel edler als die köstlichsten Perlen. Ihres Mannes Herz darf sich auf sie verlassen, und Nahrung wird ihm nicht mangeln. Sie tut ihm Liebes und kein Leid ihr Leben lang. Sie geht mit Wolle und Flachs um und arbeitet gerne mit ihren Händen. Sie ist wie ein Kaufmannsschiff; ihren Unterhalt bringt sie von ferne. Sie steht vor Tage auf und gibt Speise ihrem Hause, und dem Gesinde, was ihm zukommt. Sie trachtet nach einem Acker und kauft ihn und pflanzt einen Weinberg vom Ertrag ihrer Hände. Sie gürtet ihre Lenden mit Kraft und regt ihre Arme. Sie merkt, wie ihr Fleiß Gewinn bringt; ihr Licht verlischt des Nachts nicht. Sie streckt ihre Hand nach dem Rocken, und ihre Finger fassen die Spindel. Sie breitet ihre Hände aus zu dem Armen und reicht ihre Hand dem Bedürftigen. Sie fürchtet für die Ihren nicht den Schnee; denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider. Sie macht sich selbst Decken; feine Leinwand und Purpur ist ihr Kleid. Ihr Mann ist bekannt in den Toren, wenn er sitzt bei den Ältesten des Landes. Sie macht einen Rock und verkauft ihn, einen Gürtel gibt sie dem Händler. Kraft und Würde sind ihr Gewand, und sie lacht des kommenden Tages. Sie tut ihren Mund auf mit Weisheit, und auf ihrer Zunge ist gütige Weisung. Sie schaut, wie es in ihrem Hause zugeht, und isst ihr Brot nicht mit Faulheit. Ihre Söhne stehen auf und preisen sie, ihr Mann lobt sie: »Es sind wohl viele tüchtige Frauen, du aber übertriffst sie alle.« Lieblich und schön sein ist nichts; eine Frau, die den HERRN fürchtet, soll man loben. Gebt ihr von den Früchten ihrer Hände, und ihre Werke sollen sie loben in den Toren!


Liebe Gemeinde,

das soeben gehörte “Lob der tüchtigen Hausfrau” war zu seiner Zeit, etwa 500-300 v. Chr., ein ziemlich moderner Entwurf des Idealbildes einer Frau, die schon damals nicht das sogenannte Heimchen am Herd war, sondern im Grunde die Sozial- und Allroundmanagerin eines ganzen landwirtschaftlichen Familienbetriebs, mit großen Einflussmöglichkeiten, wenngleich unter letztlich klar patriarchalischen Bedingungen. Der Mann hatte höhere Rechte und durfte disputieren über Politik und Recht „im Tor“, im Stadttor, wo Politik gemacht und Recht gesprochen wurde.


Das „Lob der tüchtigen Hausfrau“ aus dem Alten Testament mag also für heutige Ohren altmodisch bis reaktionär klingen, war aber damals sehr fortschrittlich, mit allem, was an der Frau des Hauses geschätzt und gelobt wird. Der in der heutigen Lutherbibel durch Fettdruck hervor gehobene, vielleicht auch von Luther selbst schon sehr geschätzte, Vers „Lieblich und schön sein ist nichts; eine Frau, die den Herrn fürchtet, soll man loben“, sagt uns etwas über bereits damals im Keim aufkommende Emanzipations- (ja wenigstens) -ansätze bezüglich der Rolle der Frau. Vor Gott gilt letztlich allein, ob du glaubst, ob du ihn fürchtest. Egal ob Mann oder Frau. Das sind, wie auch noch öfter in der Bibel zu finden, ganz frühe, zarte Gleichberechtigungsansätze zu der kulturgeschichtlich später dann erworbenen Menschenrechtsidee der Gleichheit aller Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht.


Luther hat diesen Text sehr geschätzt, und seine Frau scheint geradezu das Musterbeispiel einer tüchtigen Hausfrau gewesen zu sein. Und was Luther persönlich betrifft: Luther selbst hätte keine Chance gehabt, seine Reformation durchzusetzen, wenn er nicht Katharina von Bora als seine Frau erworben und gehabt hätte. Das wurde auch sehr schön klar in dem Film Katharina Luther, der am Mittwochabend im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ohne seinen „Herrn Käthe“, wie er seine Frau respektvoll oder ironisch(?) genannt hat, wäre seine Kraft und Tätigkeit für die evangelische Sache nicht machbar und durchschlagend gewesen. Dafür loben wir hier Katharina von Bora ja noch heute, und haben unser Gemeindehaus ja auch nach ihr benannt.

Liebe Gemeinde, was hat eigentlich Jesus von der „tüchtigen Hausfrau“ gehalten? Hat er sie auch gelobt? Wir kennen Jesus als den, der heilt, der vergibt, der viele integriert, die ansonsten ausgeschlossen sind, aber auch als den, der von denen, die ihm nachfolgen und an ihn glauben, viel verlangt, der viel fordert. Er lobt aber auch dann und wann, nein er preist vor allem und nennt selig all die, die sanftmütig und barmherzig sind, die Leid tragen, die reinen Herzens sind, die jetzt weinen, denn sie werden lachen … Sie kennen alle die Seligpreisungen aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium, parallel der Feldrede bei Lukas. Aber: Konkretes Lob von Jesus für eine bestimmte Person, gar einer Hausfrau - wo finden wir es?


Ein Beispiel ist die Geschichte von Maria und Marta, Freundinnen Jesu, in Bethanien aus Lukas 10, und die Geschichte steht auch nur dort, sie ist Predigttext für heute:


„Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“


Liebe Gemeinde, diese Geschichte wird manchmal so verstanden, dass Jesus das Hören auf sein Wort gegenüber der guten Tat bevorzugt habe: Religion vor Sozialem. Vita contemplativa vor vita activa, d.h. Meditation, nachdenklich-besinnlicher Frömmigkeits- und Lebensstil vor der aktiv-sozialen Rollenwahrnehmung für andere. Nun, das wird man so nicht sagen können im Gesamtzusammenhang der ganzen Geschichte und Person Jesu und ihres Wirkens.


Übrigens ist auch nicht der Punkt, dass es in dieser Geschichte von Maria und Marta darum gehe, unterschiedliche, ja gegensätzliche psychologische Frauencharaktere oder -typen darzustellen, damit wir uns fragen sollen, also die Frauen vor allem: welchem Typ gehöre ich eher zu? Wie fühlt sich das für mich an? Und: ist das gut so? Was meint Jesus dazu? –

Jesus sagt, noch einmal: „Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“ Das klingt wie eine harte Abfuhr an Marta zugunsten von Maria. Muss es auch, weil dieser Lutherübersetzung eine bestimmte griechische Textquelle zugrunde liegt, in der das auch genauso so steht: Eins aber ist Not.

Nach vielen anderen griechischen Textquellen, die sogar in der Mehrheit sind und vermutlich den ursprünglicheren Wortlaut wiedergeben, steht an dieser Stelle aber etwas mehr da, nämlich: „weniges ist not oder eigentlich nur eines“. Also nicht nur „eins aber ist not.“ Das würde dann einen ganz anderen Sinn ergeben, und zwar den: „Marta, du machst Dir viel Mühe, wir brauchen aber nur wenig, eines ist schon genug!“ Dann wäre mit Jesu Antwort keine (zumindest so große) Abwertung von Martas haushaltlichem Sorgen und Mühen und eifrigen Wirken als Gastgeberin verbunden. Sondern es würde auf die Bedürfnislosigkeit Jesu und der Seinen abgehoben werden und damit zur geistlichen Notwendigkeit hingeführt: Eins aber ist Not.


Umgekehrt wäre damit gleichwohl Maria in Schutz genommen gegenüber Martas Klage über Marias haushaltliche Faulheit und Untätigkeit und der forschen Aufforderung an Jesus, er solle doch Maria mal zum Mitmachen bewegen! Eigentlich eine Unverschämtheit, sie könnte es ihr ja auch selber sagen. Oder merkt sie, dass Marias Ohr ganz Jesus gehört und wendet sich deswegen an ihn? Jedenfalls gehört Maria, so Jesus, das Hören auf Jesu Wort bleibend, und diese Haltung macht sie zu einem Beispiel.


Nun, wie wir das Verhältnis von Martas und Marias Verhalten auch interpretieren wollen, also: eher steil zugunsten von Maria (Eins tut not), oder mehr ausgleichend: „wir brauchen nur wenig, eines ist schon genug!“ - liebe Gemeinde, die Geschichte von Maria und Marta steht in einem Kontext, und zwar meine ich die vorangehende Episode: Da geht es um die Frage nach dem höchsten Gebot mit der doppelten Antwort: 1. Du sollst Gott lieben, und 2. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Und die Nächstenliebe wird dann illustriert mit der Erzählung vom barmherzigen Samariter - Sie kennen sie alle - der ausgerechnet als Nicht-Volksgenosse genau das Richtige, das Gebot der Nächstenliebe tut. Es kann also gar keine Rede davon sein, dass Jesus die soziale Tat abgewertet hätte gegenüber dem Glaubensakt, auch an vielen anderen Stellen nicht, ja, er hat sogar einmal gesagt: an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Insofern setzt die Geschichte von Marta und Maria, mit ihrer Würdigung der Haltung der Maria, höchstens einen kleinen Gegenakzent im Sinne des 1. Gebots: Du sollst Gott lieben. Wobei die Stärke dieser Akzentuierung offen bleibt.

Liebe Gemeinde, es ist in jedem Christenleben, auch heute, ja immer die Frage, wo setzt Du deine Schwerpunkte: mehr beim Hören, beim Lesen, beim Beten, bei der Kontemplation und Meditation, beim Nachdenklichsein, Zweifeln und Glauben, beim Hoffen? Oder: Schwerpunkt setzen auf das Tun, das Machen, die soziale Verantwortung wahrnehmen ob im Haushalt, gesellschaftlich, politisch, wo und wie auch immer, Aktivität für andere, im Sinne der gebotenen Nächstenliebe, die sich auch auf Fremde, ja sogar Unbequeme und Feinde beziehen soll.

Da sind wir immer in der Spannung. Und die bleibt ein Leben lang. Manchmal neigst Du mehr zu der Richtung, und manchmal zur anderen. Beide gehören zusammen und bedingen sich, aber wie in der Lebenswirklichkeit genau, das muss jeder für sich herausbekommen und verbinden. Und es kann einem auch niemand sagen, was für einen selbst das richtige Maß, die gute Mischung ist. Kann sich ja auch ändern, je nach eigener Lage und Situation, wie die Anforde-rungen und Perspektiven auf einmal sind.


Die Geschichte von Maria und Marta – kann sie dabei hilfreich sein?


Ja, und zwar ganz einfach so, dass sie uns auf einen Punkt aufmerksam macht, den auch wir täglich erleben können. Es war ja eine Alltagsgeschichte für Maria und Marta, wenn auch mit einem überraschenden „sonntäglichen“ Besuch von Freund Jesus: Dass wir in unserem Alltag mit seiner Routine sensibel bleiben, merken, wann wir unsere Geschäfte auch einmal unterbrechen und ruhen lassen sollen, also mit dem „Gschaftln“ aufhören sollen, um Ruhe zu geben und uns auf einiges Wesentlicheres oder eigentlich das eine Wesentliche zu konzentrieren. Eine Auszeit nehmen, innehalten und Ruhe geben, in Konzentration auf Gott, auf Jesus. Könnte der Seele gut tun.


Dazu verhelfe uns Gott. Amen.

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