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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank am 19.3.2017 (Okuli)

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 über "Geld"

Liebe Gemeinde,

heute geht´s ums Geld, das bekanntlich die Welt regiert in seinen mehrfachen Funktionen, die es für die moderne Wirtschaft erfüllt als allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel, Wertmesser und Recheneinheit, Wertaufbewahrungsmittel und Wertübertragungsmittel, ja auch Spekulationsobjekt: Geld um des Geldes willen.

Geld wurde wegen seiner allgegenwärtigen Macht und der allgemeinen Geldbestimmtheit aller möglichen Lebenssphären, auch Kultur und Religion, auch schon mal mit Gott verglichen: Geld als alles bestimmende Wirklichkeit, Geld: das absolute Medium. So die kritische These des Münchner Theologen Falk Wagner 1984 in seinem Buch: „Geld oder Gott?“

Ja, heute geht´s im Gottesdienst ums Geld, allerdings nicht um die Geldbestimmtheit der Lebenswirklichkeit heute. Und auch nicht um Ihr Geld oder meines, oder was davon etwa für den Glockenturm sinnvollerweise zu spenden sein könnte, gegen Spendenquittung, versteht sich – nein, davon will ich natürlich gar nichts gesagt haben …. Denn heute geht es ums Geld von vor 2000 Jahren, in Gestalt des sog. Scherfleins der Witwe aus der Bibel.

Zur Information: „Scherflein“ kommt von „Scherf“. Der Scherf oder scharfer Pfennig war eine in Erfurt und anderen Städten vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert genutzte geringwertige Silber-, später auch Kupfermünze mit dem Wert von etwa einem halben Pfennig. Kaum eine andere Münze wie, nach der Lutherübersetzung, das „Scherflein“ der Witwe hat so viel Berühmtheit und Symbolkraft erlangt, wie jene als Witwen-Scherflein bekannte Bronzemünze aus dem „Heiligen Land“! Es ist eine Münze, die angeblich um und noch über die Zeitenwende hinaus als Zahlungsmittel in Judäa verwendet wurde: geprägt mit dem Anker als Zeichen der Hoffnung und dem achtspeichigen Rad als Zeichen für das Göttliche. Sehen Sie selbst auf dem Bild! Wobei ich der Anker nur schwer zu erkennen ist. Vielleicht sollte man sich diese Münze im Original kaufen!? Sie wird im Internet angeboten, und zwar das Stück für günstige 39,99 € - das ist doch eine erstaunliche Wertsteigerung für das Scherflein der Witwe, das ursprünglich einem viertel Cent von heute entsprach. Ein trügerisches Geschäft, das da mit dem angeblichen Scherflein der Witwe von damals gemacht wird! Der Anbieter schreibt, dass diese Münze im Zeitraum von 103 bis 67 vor Christus Zahlungsmittel war. Das Scherflein, im Original die entsprechenden damaligen Lepta, sollte aber schon um 30 nach Christus Zahlungsmittel gewesen sein. Schwindel mit antikem Geld – Spiel mit dem Reliquienbedürfnis heutiger Christen – so weit, so schlecht!

Liebe Gemeinde, es geht ums Geld in diesem Gottesdienst? Nein, eigentlich nicht!

Ich lese den Predigttext aus dem Markusevangelium, Kapitel 12, die Verse 41-44:

„Das Scherflein der Witwe
Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.“


Liebe Gemeinde, diese Textstelle wird in der Kirche gerne so interpretiert und gepredigt, als ginge es doch ums Geld, nämlich das Geld der sog. Reichen und der sog. Armen, dass die Reichen deutlich mehr geben können und auch geben als die Armen, so laufen die meisten Predigten über das Scherflein der Witwe doch immer auf eine Reichenschelte hinaus, weil sie von ihrem großen Vermögen relativ weniger gäben als die Armen, für die die Witwe mit ihrem Scherflein exemplarisch steht, mit dem sie alles gibt, was sie hat. - Dazu muss man im Hinterkopf haben: Witwen gehörten damals zu den Ärmsten im Lande, denn es gab keine rechtliche Absicherung und finanzielle Versorgung für Witwen, anders als heute. Meistens waren sie darauf angewiesen, dass Verwandte sie unterstützten oder der Bruder des verstorbenen Mannes sie als Frau übernahm, seltsame Vorstellung heute, damals Rechts- und Lebenspraxis. So war es wohl auch bei der Frau, die Jesus beim Tempel beobachtete. Ihr Name ist nicht bekannt.

Andere Interpretationen laufen auf die Betonung hinaus, dass auch jeder noch so kleine Betrag wertvoll sei, der gegeben wird, also auch die Cent-Beträge in Klingelbeutel und Kollekte. Ja, richtig, und herzlichen Dank für jeden Cent! Wer den Cent nicht ehrt, ist des Euros nicht wert …

Beide Sichtweisen dieser Geschichte greifen meines Erachtens aber nicht, denn sie bleiben auf einer materiellen Ebene hängen. Und um die geht es nur scheinbar und ganz vordergründig in unserer heutigen Geschichte vom Scherflein der Witwe. Nebenbemerkung: Weil man immer nur „vom Scherflein“ der Witwe redet, also im Singular: es war nicht eins: sowohl in der Markus-Fassung als auch im Lukasevangelium ist von zwei Scherflein die Rede, also dem doppelten Scherflein – das sollte man jenem Internethändler aber vielleicht besser nicht verraten, sonst will er einem gleich zwei Münzen verkaufen wollen … .

Also: Wenn´s doch nicht ums Geld geht, liebe Gemeinde, worum dann?

Es geht um die Motivlage, aus der heraus gehandelt, in diesem Fall gegeben wird. Die Witwe tut etwas, was die anderen – unterstelltermaßen – nicht tun: sie gibt mit ganzer Hingabe: die ganze Habe – alles, was sie zum Leben hatte, heißt es. Sie gibt sich mit ihrer Gabe selbst ganz hin.

Und damit liegt diese Geschichte ganz nah an jenen anderen, in denen eine Frau mit teuerstem Salböl Jesus das Haupt bzw., in anderer Version, die Füße salbt – ganze Hingabe, überfließende Liebe.

Um die Motivlage geht es, wie bei Jesus immer, auch in der Bergpredigt, um die Gesinnung, aus der heraus etwas getan wird. Gibst Du aus voller Überzeugung und Hingabe oder nur aus halber? Wie gesagt, es geht nicht um die objektive Summe, dein objektives, zählbares Engagement, nein Jesus legt Wert auf die volle Gesinnung, die ganze Überzeugung, aus der du etwas tust, dich engagierst, etwas gibst - nein, nicht etwas: dich ganz, wenn du gibst, dass du dich darin gibst. Und dieses Radikale, von der Wurzel auf sich Geben und Einsetzen, hat Jesus an der Witwe fasziniert. Ausgerechnet eine, die sozial so gut wie nichts galt in der Gesellschaft damals, - und mit denen hatte es Jesus ja besonders - wird für ihn zum Beispiel wahren Glaubens im Tun. Ganze Hingabe!

Also jetzt einmal bezogen auf heute: Es kommt nicht darauf an, wieviel Zeit, die ja auch Geld sein soll heute, du dich beispielweise irgendwo ehrenamtlich engagierst, im Asylhelferkreis, im Kultur- oder Sportverein, in der Gemeinde, in der Politik, sondern mit wieviel Herzblut, wie man sagt, du das machst, und Herzblut heißt ja Energie, aufopferungsbereite Leidenschaftlichkeit, Passion.
Liebe Gemeinde, die Geschichte vom Scherflein der Witwe steht kurz vor Beginn der Passionsgeschichte Jesu. Und sie soll auch nach unserer kirchlichen Ordnung in der Passionszeit gepredigt werden. Warum?

Weil sie sinnbildlich stehen soll für die Hingabe Jesu selbst: für die Hingabe zu den vielen, die er aus dem Abseits geholt und integriert hat, die er geheilt hat, denen er Trost gespendet hat, die er gerettet hat. Für seine Hingabe am Kreuz. Der Name „Jesus“ bedeutet ja „Gott rettet“.

Er; Jesus Christus, steht selbst für die Hingabe an die Menschen und den Glauben an einen Gott, der sich den Menschen zuwendet, der die Menschen annimmt und ihnen vergibt. Und dafür nimmt Jesus, weil das alles unpopulär war und bis heute ist, den Kreuzweg und den Tod auf sich. Es geht um den Hingabe-Charakter, der die Witwe und Jesus verbindet – und im übertragenen Sinne um das Scherflein Jesu selbst für uns. Worin sehen wir seinen vollgültigen Lebensbeitrag für unser Leben? Seinen Wert für uns?

Denken wir darüber bei Orgelspiel nach.

Amen.



 

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