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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank am 1. Weihnachtstag 2015

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Predigt über Heilandserfahrungen am 1. Weihnachtstag 2015 
von Pfarrer Johannes Habdank

Es begab sich aber zu der Zeit, liebe Gemeinde,

was sich da Wunderbares begeben hat: wir haben es soeben gehört. Und es ist gute Tradition, dass wir diese alte Weihnachtsgeschichte immer wieder einmal hören, wenn auch nur zu Weihnachten.

Es begab sich aber auch zu der Zeit – es war ein paar Tage später – , dass es Weihnachten wurde für einen sehr alt gewordenen Menschen, dem schon lange versprochen war, dass er nicht sterben werde, ohne vorher den Messias gesehen zu haben.
Ich lese aus dem Lukasevangelium, ein paar Verse weiter, ein Stück aus der Simeonsgeschichte, Lukas 2, 25-32:

„Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war mit ihm. Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“


Was wünschen Sie sich für die nächsten Tage? Das war einmal die Frage, die ich vor einigen Jahren, damals noch im Augustinum in München, einigen Bewohnern, also älteren Menschen gestellt habe, in einer Gesprächsandacht in der Adventszeit. Eine Rückmeldung lautete: „Ich möchte mich fühlen wie der Simeon.“ Eine andere: „Ich möchte herausfinden: wo habe ich meinen Heiland gesehen.“

Ja, wo haben Sie Ihren Heiland gesehen in Ihrem Leben? Haben Sie ihn überhaupt gesehen? In welcher Gestalt ist er Ihnen begegnet? In welchen Momenten war er zu erkennen, zu erleben, zu spüren, oder wenigstens hintergründig zu erahnen, ganz subtil verdeckt zu ent-decken?

Das kann auch der Blick in die Augen eines Neugeborenen, eines kleinen Kindes sein. Bei seinem Anblick gerät alles Äußerliche und Vordergründige aus dem Blick, wird unwesentlich und das Eigentliche des Lebens tritt in Erscheinung, noch ganz unverstellt und offen: dieses bloße Angewiesensein auf Geborgenheit, eine bergende Hand und Herberge. Kinder, Enkel, Urenkel. Auch geistige Kinder gibt es, die dem einen oder der anderen geschenkt sind. Ihr Anblick tut gut. Kann einem inneren Frieden bringen, ganz persönlich.
Wo haben Sie Ihren Heiland gesehen in Ihrem bisherigen Leben? Das kann vor langen Jahren, die immer noch präsent sind, nachhaltig, gewesen sein. Es kann die ersehnte Wiederbegegnung mit lieben, vertrauten Menschen nach Jahren der Trennung und Ungewissheit des Schicksals sein. Alle Anspannung, äußere und innere Last fielen ab. Du fühlst dich auf einmal ganz frei und wie neu geboren. Neues Leben ist dir geschenkt worden - von Gott, vom deinem Heiland. Ist es das?

Es kann spürbar sein im Aufatmen nach einer überlebenswichtigen Operation, dass alles gut gegangen ist und dein Leben wieder heil wird. Es kann im Kümmern um einen deiner Zuwendung Bedürftigen sein, dem es hoffentlich bald wieder besser gehen wird, konkret und aktuell mit „unseren“ Flüchtlingen hier vor Ort, sofern sie „die unseren“ geworden sind. Ja, vielen hier in Berg sind sie Nächste geworden. Das ist heilsam, für ihre Seele, für sie und für uns. Im Heilsamen, im Heilwerden, ist da der Heiland zu spüren?

Wenn Frieden wird in der Welt, eine unendliche Aufgabe, ein großes Ziel, Friede wenigstens an einem der unzählig vielen Brand- und Konfliktherde, wo die Menschen terrorisiert werden und viele auch selbst mitterrorisieren; wenn Waffengänge beendet werden, wenn aufeinander zugegangen, miteinander geredet und verhandelt wird, wenn stabilere Lebensordnungen wieder aufgebaut werden, so dass die Menschen wieder in Ruhe und mit der Perspektive auf Gerechtigkeit und Frieden leben können. Verbirgt sich vielleicht dahinter, wenn es denn einmal gelänge, so etwas wie „Heiland“?

Wenn ein Mensch im mittleren oder höheren Lebensalter Frieden gewinnt mit seinem bisherigen, ereignisreichen, auch wechselhaften Leben mit seinen vielen Wegen und Umwegen. Wenn das Bedrückende, Belastende und Lebensfeindliche, das du schon mal erlebt hast, nicht die Oberhand in der Erinnerung und in der Lebensvorausschau behält, so dass du nicht verbittern oder verzweifeln, resignieren musst, sondern ein lebensgerechtes, eher ausgewogenes Bild entsteht, das nicht nur aus Schatten, sondern auch aus Licht besteht, ohne Licht kein Schatten. Wenn also das Licht, die guten Seiten, das Gelungene, die Glückserleb-nisse, die Situationen des Bewahrtwerdens und der Weiterführung hervortreten und ins rechte Licht gesetzt werden. Und wenn dann die Ambivalenz des eigenen Lebens in Zustimmung zu dieser Ambivalenz, zumindest in Akzeptanz umschlägt – dann, ja dann liegt das Gefühl nahe, das Gefühl der Befreiung von der Dominanz all dessen, was dich in den vielen Rollen deines bisherigen Lebens bestimmt hat, so dass du kein Sklave deiner Erlebnisse mehr bist, sondern im Gottvertrauen frei bist und loslassen kannst, - ja, dann wird in dir das Gefühl des Simeon geboren. Es ist das Gefühl, das übrigens auch Ordensleute jeden Abend in der Komplet sich vergegenwärtigen, sich in dieses Gefühl einüben, wenn sie beten „Nunc dimittis“: Nun lässest du fahren, wörtlich: nun entlässt du deinen Diener in Frieden. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Wo auch immer Sie Ihren Heiland gesehen haben, wie jung oder alt Sie auch seien, wo und wann auch immer Sie ihre persönlichen Heilandserfahrungen gemacht haben und machen: es ist darin ganz wesentlich - vielleicht auch nur insgeheim - ein schauendes Moment enthalten, ein Moment der deutenden Schau des geistigen Auges, der Schau dessen, der seit alten Zeiten - als es sich begab - im Geiste an den Seinen wirkt, sie führt und tröstet; und der nicht erst gegen Ende, aber da mit endgültiger Perspektive der Seele Frieden gibt und uns in seine Obhut hinein birgt, dich und mich, so dass wir, entlastet von allem unwesentlichen Kram und aller Sorge, getrost auf uns zukommen lassen können, was uns im weiteren Leben noch erwartet, bis wir sehen werden von Angesicht zu Angesicht.

Ja, schließlich nicht mehr behelligt zu sein von dem, was war, sondern das wahre Licht des Lebens erblicken, auf das, was kommt.
Darum geht es im Sinne des Simeon als eines wahrhaft weihnachtlichen Ratgebers und Vorbildes eines getrösteten Christenmenschen.
Herr, nun lässest Du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.
Ich wünsche Ihnen zu Weihnachten und darüber hinaus, dass Sie sich die Zeit nehmen, Ihren ganz persönlichen Heilandserfahrungen in Ihrem Leben nachzuspüren und - dass Sie sich fühlen können wie Simeon.

Es begab sich aber zu der Zeit - möge sich auch zu unserer Zeit begeben, zu Ihrer und zu meiner Zeit, zu SEINER Zeit, unseres Gottes Zeit, was sich seinerzeit begeben hat, auf dass in dir und mir wahrhaft Weihnachten werde, im Frieden Jesu Christi, unsres Herrn.

Amen.

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