Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank

Aktuell >>

am 26. Juni 2016 im Berggottesdienst in St. Nikolaus auf der Ilkahöhe

"Religiöse Begleitgedanken zur schönen Natur"  (Bilder vom Gemeindeausflug hier)

Liebe Gemeinde, in sommerlichen Zeiten finden viele Berggottesdienste statt, gerade in unseren vor- und alpenländischen Gegenden. Und jedes Jahr geht es wieder um dasselbe Thema Berge und den Kult, der auf den herrlichen Bergen und sonnigen Höhen, wie Bergvagabunden singen, und um sie herum seit alten Zeiten, aber auch in neueren getrieben und gemacht wird. Die vielen heiligen Berge in aller Welt und den vielen Religionen werden thematisiert, vom Sinai / Horeb über den Kailash, den Athos und den Olymp bis hin zum Heiligen Berg in Andechs.

Nun, das kann man auch kritisch sehen und den regelrechten Bergkult, der da auf einmal, immer wieder, fast schon so überraschend wie Weihnachten religiöse Konjunktur bekommt, infrage stellen, und zwar in dem Sinne: dass diese ganzen Berge und Höhen, so erhaben und schön und großartig sie wirken mögen, eigentlich und an und für sich betrachtet, also ohne unsere würdigende Wahrnehmung und Deutung, nichts Göttliches an sich haben. Sie sind auch keine „steingewordenen Götter“, die Berge, als die sie gerne von sog. Bergfexen apostrophiert werden. Sie haben auch keine „Persönlichkeit“ mit „religiöser oder mystischer Ausstrahlung“, die manchmal sogar „hypnotisierend wirken“ könne. Nein, der Berg, jeder Berg, auch die Ilkahöhe, auf der wir heute mit ihrem wunderschönen Panoramablick auf die Alpen, wenn man ihn denn noch haben wird, – all das gehört nach biblischem Verständnis in die Sphäre des Geschöpflichen, des von Gott Geschaffenen, und ist nicht selbst etwas Göttliches, mit keinem Stein, mit keinem Baum, mit keiner Blume, in keiner Faser, auch nicht im Morgen- oder Abendrot. Gerade auch das traumhaft schöne Alpenglühen ist selbst keine göttliche Veranstaltung. Oder vielleicht doch? Wenigstens „a bisserl“?

Nach urbiblischer und christlicher Anschauung ist die ganze Natur Geschöpf und trägt selbst nichts Göttliches in sich. Gut, der Mensch mit seiner Persönlichkeit und seiner sagenhaften Intelligenz wird biblisch wenigstens als Abbild des Schöpfers angesehen, mit dem selbst er aber nicht zu verwechseln ist und sich auch selber nicht mit ihm verwechseln darf und soll: der Mensch ist nicht Gott, er ist höchstens ein zu Gott Gehörender, in diesem Sinne Heiliger, aber immer auch ein Gottferner, Unheiliger zugleich, von Anfang an, wie uns die Schöpfungsgeschichte lehrt und bleibend einschärft. Selbst das Alpenglühen und andere schöne, ja traumhafte Naturerlebnisse: die Natur selbst ist nichts Göttliches!

Soll also das alles deswegen nichts mit Gott, Göttlichem, Religion zu tun haben? Natürlich nicht! Oder doch schon? Und wenn doch ja, in welchem Sinne?

Wir als betrachtende, die Natur erlebende Menschen erfahren ein Naturphänomen als staunenswert, bewundernswert, überwältigend. Und diese Erfahrung deuten wir spontan als eine Erfahrung des Erhabenen, des sehr viel Größeren, als wir es sind, des Außerordentlichen, des ungewohnt Schönen, ja, des Göttlichen, weil Unübertrefflichen, Absoluten. Der Anblick der Natur affiziert unsere Seele und erhebt sie. „Affiziert“, seltenes Wort, das meine ich nicht im negativen medizinischen Sinne von „anstecken“, als wäre es eine Krankheit, sondern, wie der Duden es nennt, „bildungssprachlich“ gemeint, im Sinne von „bewegen, reizen, Eindruck machen, sich übertragen“ im besten Sinne. Der Anblick eines Naturschauspiels, einer schönen Landschaft zum Beispiel, eines Gartens, einer Blume, kann also den Sinn fürs Unendliche in uns auslösen, uns angesichts des Angeschauten eine gottgläubige Haltung einnehmen lassen, genießend demütig angesichts des Größeren, oft auch nur im Kleinen.

Religion ist angesichts der Natur „Sinn und Geschmack für´s Unendliche“. So hat es wegweisend der Theologe Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher formuliert in seinem großartigen Frühwerk (um 1800) „Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern“. Das Buch legte im evangelischen Bereich den Grundstein für Schleiermachers Ruf bis heute als „Kirchenvater des 19. Jh.s“. Schleiermacher erklärt darin seine Sicht, was Religion ihrem Kern nach ist: Gefühl und Anschauung des Universums, des Ganzen, das man in und hinter dem Einzelnen erkennt, vernimmt, erahnt. Die Anschauung und das Gefühl, das das Angeschaute auslöst, sind die „höchste Blüthe der Religion“, wie Schleiermacher es sagt. In diesem Augen-Blick, der religiös gedeuteten Naturwahrnehmung offenbart sich das Universum, das Ganze, das Göttliche. Je stärker das Gefühl, desto stärker die Religiosität. Schleiermacher sagt: „Religion ist Sinn und Geschmack fürs Unendliche.“ Wenn man Religion hat, begegnet einem im Endlichen eigentlich ständig das Universum, das Ganze, das Göttliche: „alles Einzelne als einen Theil des Ganzen, alles Beschränkte als eine Darstellung des Unendlichen hinnehmen, das ist Religion. Alle Begebenheiten in der Welt als Handlungen eines Gottes vorstellen, das ist Religion“. Wunder sind, so gesehen, überall, wenn man alles mit Religion in diesem Sinne wahrnimmt. Wobei die Vorstellung von einem personalen Gott dazu nicht unbedingt nötig sei, sondern nur eine besondere Anschauungsart des Universums, des Ganzen, das man hinter dem Einzelnen und Endlichen als gedeutetem Schönem wahrnimmt und erahnt. Und: Das Unendliche, das sich dem religiösen Gefühl im Endlichen zeigt, lässt sich vom Menschen auch in sich selbst mitunter finden: die eigene Persönlichkeit umfasse nämlich das ganze Spektrum der menschlichen Natur und Naturerfassung an sich und in sich.

So kann also, liebe Gemeinde, für heute gesagt, jeder Berg, jeder Garten, jede Blume, jede Landschaft, auch die um uns herum, die wir als schön erleben, ohne, dass wir sie selbst vergöttlichen müssten, aber auch jede Selbstwahrnehmung und jeder besinnliche Gedanke über uns selbst und die anderen, das religiöse Gefühl in uns erzeugen, dass hinter dem allem ein Höherer ist, der alles durchwirkt und belebt, Gott selbst als tragender Grund und Hintergrund allen Lebens, so auch des unseren.

Wie es in dem alten Kirchenlied „Gott ist gegenwärtig“ besungen wird: „Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter. Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Ge-sichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“

Ich wünsche uns allen immer wieder einmal – über die Alltagserfahrungen hinaus – schöne Naturerlebnisse und Selbsterfahrungen, die uns mehr erahnen lassen als das direkt Angeschaute und unmittelbar Greifbare: Gott als Schöpfer und Bewahrer, tragenden Grund und Hintergrund unseres Lebens und des Lebens der Welt – und das auch trotz allem, was sichtlich nicht danach aussieht.

Amen.

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier