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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank

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an Jubilate 2016 (17. April) über 1. Johannes 5, 1-4

Liebe Gemeinde!

Wie geht Christsein? Anders gefragt: Was gehört zum Christsein dazu? Noch anders: Woran erkennt man uns Christen? Der Predigttext für diesen Sonntag Jubilate gibt drei Antworten. Er steht im 1.Johannesbrief, einem kleinen theologischen Traktat vom Beginn des 2. Jahrhunderts, Kapitel 5, 1-4, und seine Worte lauten:

Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Das also ist typisch christlich. Das sind die drei christlichen Hauptmerkmale nach dem 1. Johannesbrief: Erstens der Glaube an Jesus als den Christus, zweitens die Treue zu Gottes Geboten und drittens: Hoffnung über alle Grenzen hinweg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Was bedeutet das für uns heute?

1 Jesus ist der Christus. Für Leser und Zuhörer des ersten Johannesbriefes war das eine klare Aussage. Damals, im 2. Jhd., kannte man sich ganz selbstverständlich aus in der Symbolsprache des Judentums. Der Begriff Christus ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes Messias und bezeichnet den Gesalbten. Der Christus, der Gesalbte ist der, dem einige Tropfen eines besonderen Öls auf den Kopf geträufelt werden. Die Salbung ist das Zeichen dafür, dass er der neue Herrscher ist. Jesus ist der Christus, der neue Herrscher.

Die Aussage des 1. Johannesbriefes war nicht nur ein religiöses, sondern zugleich und unvermeidlich auch ein politisches Bekenntnis. Wer so gesalbt wurde, war nicht nur religiöses, sondern auch politisches Oberhaupt. Könige wurden so gesalbt und der römische Kaiser auch. Und Jesus auch, wenn auch auf etwas seltsame Weise, durch eine daher gelaufene Frau, die ihn verehrte. So ist es erzählt. Mit Jesus beginnt also eine neue Herrschaft. Kein Wunder, dass frühe christliche Gemeinden wegen dieses Christusbekenntnisses angefeindet wurden: von Juden, weil die ihre Messiaserwartung miss-raucht sahen, und von Römern, weil die den Machtanspruch ihres Kaisers bedroht sahen.

Wenn wir das Christusbekenntnis aus dem 1.Johannesbrief in unsere heutige Sprach- und Vorstellungswelt übertragen wollten, müssten wir etwa sagen: Jesus ist Papst und Bundeskanzlerin zugleich – außerdem vielleicht auch noch UN-Generalsekretär - Bayerischer Ministerpräsident würde nicht reichen, König von Bayern wäre vielleicht schon näher am Messias dran, für manche zumindest. Nein: Jesus ist der Christus: Nicht mehr, denn mehr geht ja auch gar nicht – aber auch nicht weniger, dieser hohe religiöse und in Grenzen auch politisch-ethische Anspruch ist ein Merkmal des Christseins von Anfang an, nicht immer unproblematisch in den Auswirkungen, vor allem dann, wenn sich die Kirche in ihrer Geschichte als exklusive Heilsagentur für die Welt und ihre Menschen mit ihrem geglaubten Herrn Jesus Christus selbst verwechselt hat und für sich Absolutheitsansprüche religiös und politisch gestellt hat. Nein: Jesus selbst und allein ist der Christus.

2 Typisch christlich ist im 1.Johannesbrief nicht allein eine bestimmte theologische Weltanschauung und Glaubenshaltung, sondern auch eine ganz praktische Lebensgestaltung. Typisch christlich ist es auch und ganz wesentlich, die Gebote Gottes zu halten. Damit sind hier die 10 Gebote gemeint. Jesus hat sie ausdrücklich bestätigt, wenn er sie in atl. Tradition zusammenfasst im Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst.

Was heißt hier Liebe? Liebe heißt hier nicht Liebe im Sinne von Liebhaben. Wenn Jesus zur Gottesliebe und zur Nächstenliebe auffordert, meint er auch nicht eine Liebe im Sinne von Erotik. Er meint auch nicht Liebe im Sinne von Freundschaft. Jesus meint eine Liebe im Sinne von Fürsorge und Respekt. Für alle drei Formen von Liebe gibt es in der griechischen Bibelsprache jeweils ein besonderes Wort. Wenn Jesus von Liebe redet, steht da nicht das Wort für Erotik und auch nicht das Wort für Freundschaft, sondern dann steht da der griechische Begriff Agape. Und Agape bedeutet Respekt und Fürsorge. Nächstenliebe und erst recht Feindesliebe sind keine emotional innige und auch keine sentimentale Beziehung, sondern durchdachte und konsequente Haltungen auf der Basis der Gleichberechtigung untereinander und Gleichheit aller Menschengeschöpfe vor Gott.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant hat das so formuliert: Handle immer und überall so, dass die Regeln deines Handelns immer und überall auch für alle anderen Menschen gelten könnten. Ein deutsches Sprichwort sagt dasselbe etwas einfacher: Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu. Positiv formuliert: Behandle andere Menschen so, wie du auch von ihnen behandelt werden willst. Und über den sog. Kategorischen Imperativ und die Goldene Regel hinaus, meint das Gebot der Nächstenliebe: konkrete Zuwendung zu dem, der dich und deine Unterstützung, unbedingt braucht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, ist wesentlich und typisch christlich.

Im 1. Johannesbrief heißt es, so ein christliches Verhalten sei nicht schwer. Kann sein, muss nicht sein, manchmal fällt einem die Einhaltung der Gebote Gottes schon auch schwer, ist es sogar für einen Menschen unmöglich. Wenn sich aber alle daran halten würden, könnte das Leben schöner sein, aber irgendwie klappt das doch nicht so richtig, nirgends recht. Warum nicht, das wäre ein eigenes Thema.

3 Womit wir bei dem dritten Merkmal des Christseins sind: der Hoffnung über alle Grenzen hinweg. „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“, lautet der Schlusssatz des Predigttextes. „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ Was für ein monumentales Schlusswort.

In diesem starken Schlusswort steckt nicht nur der Sieg, sondern auch die Überwindung. In diesem Schlusswort steckt weniger der Triumph über andere, sondern auch die Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Welt: In meinem Glauben kann ich die Welt überwinden, weil der Glaube ein Perspektivwechsel ist, der Berge versetzen kann, wie es Jesus einmal gesagt hat. Die Dinge sehen sich von einer anderen Seite an, Problem überwindend, wenn du glaubst und auf Gott vertraust. Mein Glaube kann so auch meine Welt verändern. Mein Glaube kann mein Leben verbessern, nicht erst irgendwann, sondern im Hier und Jetzt. Und übrigens geht es nicht nur um mein Leben - auch um mein Sterben. Im Lichte des Glaubens kann der Tod für Christen anders aussehen: Genuin christlich ist, den Tod nicht als ein dunkles schwarzes Loch zu fürchten, sondern ihn als Aufnahme in die Ewigkeit bei Gott zu erwarten und schon jetzt in dieser endgültigen Hoffnungsperspektive über den eigenen Tod hinaus zu leben – in diesem Sinne heißt es: unser Glaube ist ein Sieg, der sogar den Tod überwunden hat.

Für alle drei wesentlichen christlichen Inhalte - Jesus ist der Christus, Gebote halten, Welt überwindender Glaube –, ist eines unverzichtbar notwendig: Vertrauen, und Glaube heißt Vertrauen im NT: Vertrauen zum Gottvater, Vertrauen zu Jesus als dem persönlichen Christus, und Vertrauen in das Leben und seine Überwindung. Vertrauen, wie es Jesus selbst zu seinem Gottvater ganz intensiv hatte, in seinem Leben und an seinem Ende. Grundlegendes Vertrauen zu Gott.

Zu diesem über- und außergewöhnlichen Grundvertrauen zu Gott lese ich abschließend eine Gleichnisgeschichte vor, die ich von einem Kollegen aus Bonn, Helmut Siebert, habe:

Stellen wir uns vor, dass wir auf einem Marktplatz stehen. Viele Menschen sind versammelt. Sie stehen dicht gedrängt, und rundherum stehen hohe Häuser. Mitten über den Marktplatz ist ein Hochseil gespannt von einem Haus zu dem gegenüberliegenden Haus. Alle Menschen gucken zu dem Hochseil hinauf. Auf dem Hochseil balanciert einer. Er balanciert auf dem dünnen Seil quer über den Platz und über die Köpfe der Menschen hinweg. Die Menschen staunen, und sie klatschen – aber es kommt noch toller: Der Hochseilkünstler nimmt sich eine Schubkarre hinauf auf sein Seil. Es wird totenstill auf dem Marktplatz. Der Künstler setzt die Karre mit dem Rad auf das Seil und macht einen ersten Schritt. Das Seil schwankt, aber Karre und Künstler setzen ihren Weg über das Seil fort – von einem Ende des Seils über die Köpfe der Menschen hinweg quer über den Marktplatz. Die Menschen staunen noch mehr, und sie klatschen noch mehr, und sie rufen: Noch mal! Noch mal! Der Künstler auf dem Seil nickt und schiebt die Karre auf dem Seil wieder zurück. Als er das Ende des Seils erreicht, sind die Erleichterung und der Jubel wieder groß, und wieder sind da die Rufe: Noch mal! Noch mal! Und wieder nickt der Künstler auf dem Seil, aber dann ruft er zurück: Wer von euch setzt sich in meine Schubkarre? Da ist es wieder totenstill auf dem Marktplatz. Und wieder hört man die Frage: Wer von euch kommt zu mir auf das Seil und setzt sich in meine Schubkarre? Plötzlich hört man eine Antwort: Ich! Ein kleiner Junge hat das gesagt, und wenig später setzt der Junge sich in die Schubkarre auf dem Hochseil. Wieder beginnt der Balanceakt über den Menschen, und wieder ist es totenstill. Auch als der Künstler und die Schubkarre und der Junge das Seilende erreichen, bleibt es still. Als der Junge aus der Schub-karre aussteigt, ertönen laute Rufe: Junge, wie konntest du das tun? Was glaubst du denn, wie gefährlich das ist? Da lächelt der Junge und antwortet: Aber der Künstler ist doch mein Vater.

Soweit die Gleichnisgeschichte vom göttlichen Kunststück über unseren Köpfen, die Geschichte von jenem Künstler, der alles zu können scheint, dem man jedenfalls unbedingt vertrauen darf, die Geschichte aber auch von Menschen, die selber nicht zu tun wagen, was sie von anderen erwarten, die Geschichte von einem großen Vertrauen, das den Tod kennt, aber nicht fürchtet.

Ich wünsche uns, dass wir von anderen nicht mehr Kunststücke erwarten als von uns selbst. Ich wünsche uns genug Hoffnung für den Balanceakt des Alltags. Und ich wünsche uns das Gottvertrauen, das Leben verändern kann und uns, wann immer vonnöten, die Welt, in der wir leben, die Welten, in denen wir leben, überwinden lässt.

Getreu einem Wort Jesu selbst: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Amen.

 

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