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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank

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am Sonntag Okuli, 28.2.2016, über Lukas 9, 57-62

Predigttext:
"Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes."

Liebe Gemeinde,
seinen Vater nicht begraben dürfen, um Jesus nachfolgen zu können. Seine Toten nicht begraben dürfen, um Jesus nachfolgen zu können. Seiner Familie nicht wenigstens noch ein Abschiedswort sagen zu dürfen, allein um ihm, Jesus, nachfolgen zu können, zu sollen, zu dürfen. Das sind schon schwer zu erfüllende Bedingungen, Forderungen, die Jesus da an seine Jünger stellt. Offenbar gegen jedes natürliche und menschlich-soziale Empfinden, gegen das, was wir heute familiäre Wertebasis und Pietät nennen. Auch gegen die Vorschriften des damaligen jüdischen Gesetzes, gegen das Jesus allerdings im Kern immer gerne und stark aufbegehrt hat. Skandalös also mal wieder, was Jesus hier fordert? Er hebt in freiem Vollmachtsbewusstsein die gesellschaftlichen und religiösen Spielregeln und Werte auf: die Leute sollen gefälligst ihm folgen. So der erste Eindruck, wenn man das Evangelium für heute hört.

Liebe Gemeinde, das Entscheidende an diesem Text ist nicht dieser „Aufreger“, der sofort emotional auffällt und einem widerstrebt, weil er so extrem ist, also nicht die radikalen Forderungen Jesu, über die sich – wie damals – auch heute noch trefflich streiten lässt, sondern nur der letzte Satz ist entscheidend für das Verständnis: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt“ also tauglich – „für das Reich Gottes.“

Das Bild vom Pflug, das Jesus hier verwendet, ist uns Heutigen etwas schwer zugänglich und vorstellbar. Es war damals aber ein ganz zentrales Bild, das sofort jeder verstanden hat, weil die Landwirtschaft das gesellschaftliche und persönliche Leben jedes Einzelnen elementar geprägt hat. Landwirtschaft und Handwerk und deren Handel waren die primären Wirtschaftssektoren. Industrie, Dienstleistung, Wissenschaft und Technologie sind in ihrer heutigen Zentralstellung ja erst neuzeitlich-moderne Phänomene, vom Computer ganz zu schweigen. Jesus redet aber nicht, wie er es vielleicht heute tun würde, vom Computer oder vom Auto als ganz zentralen arbeitsmarktrelevanten Arbeits- und Fortbewegungsmitteln. Jesus spricht von der damals wichtigsten Maschine, die noch gar keine Maschine war, vom Pflug, menschengesteuert, gelenkt von Hand und zu Fuß. Und der Pflug war so konstruiert, dass: wer die Hand an den Pflug legt, sich nichts Gutes tut, wenn er zurückblickt. Denn er läuft Gefahr, die gerade Linie, die er pflügen will, nicht hinzubekommen und ins Schlingern zu geraten. Er fährt dann Kurven oder Umwege, kommt auf den Abweg. Das ist ja dann doch wieder irgendwie mit dem heutigen Auto vergleichbar. Wer beim Fahren dauernd zurückschaut im Rückspiegel, in den toten Winkel oder auf den Rücksitz zu den Kindern oder anderen, oder auch auf´s Handy oder sein Smartphone blickt, der läuft Gefahr, aus der Spur zu geraten und hat verringerte Chancen, sein Ziel heil zu erreichen. Oder: wer am Computer sitzt und nicht auf den Bildschirm und die Tastatur schaut, sondern nach hinten aus irgendeinem Grund, der läuft Gefahr, dass er einen Zeichensalat produziert oder plötzlich versehentlich irgendeine Symbolleiste verschwinden lässt, jedenfalls nicht das direkt hinkriegt, was er eigentlich will.

Diese Direktheit und die Geradlinigkeit des notwendigen Nach-Vorne-Schauens, um sein Ziel zu erreichen - das ist das, was Jesus mit dem Bild vom Pflügenden meint. Und wie immer bei Jesus: auch dieses Bild vom Pflug ist wie alle seine Bilder auf den Glauben in seinem Sinne gemünzt: auf den Glauben an ihn und, wie er ihn selbst hat, an seinen Vatergott, der auch der unsere werden soll. Auf nichts anderes. Es sind immer Gleichnisse für den Glauben.

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der taugt nicht für das Reich Gottes.“ Die Direktheit und das Nach-vorne-Schauen – das sind die wesentlichen Aspekte des Glaubens und des Lebens eines Christen nach Jesus. Das findet sich auch ähnlich ausgedrückt im Kindersegen Jesu, wo es heißt – und das vergegenwärtigen wir uns bei jeder Taufe: "Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen." Dieses kindliche Noch-Unverstelltsein, diese Noch-Unmittelbarkeit der Bezugnahme auf Eltern und Geschwister, auch auf Großeltern, auf das vertraute Umfeld – darauf kommt es entscheidend an im Glauben.

Und deswegen passt es Jesus - vielleicht jetzt eher verständlich - so gar nicht und geht ihm völlig gegen den Strich, dass angesichts seines Rufes zur direkten, unmittelbaren und vorbehaltlosen Nachfolge jeder der Gerufenen einen anderen Grund nennt und hat, um zunächst noch etwas angeblich oder tatsächlich persönlich Wichtigeres zu tun.

Ich glaube, es geht Jesus in dieser Geschichte, seiner Geschichte mit den Seinen, die ihm zugetan sind oder werden wollen, gar nicht so sehr darum, dass er ihnen den Abschied von ihren Lieben, seien es Verstorbene oder die Familie, nicht gönnen würde oder sie ihnen vermiesen will. Worum es ihm eigentlich geht: das ist die Kritik daran, dass diese ganzen Aktionen zur Verhinderung der unmittelbaren Nachfolgebereitschaft rückwärtsorientiert sind, im Fühlen, Denken und im Handeln. Also für uns Heutige: nicht die Sache an sich, dass wir begraben und trauern, dass wir uns verabschieden, ist in Jesu Sinne kritisch zu sehen, sondern dass wir es zu sehr tun im Blick zurück, und nicht nach vorne. Das ist der kritische Vergleichspunkt des Bildes, des Gleichnisses. „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Die radikalen Forderungen Jesu an die, die ihm nachfolgen sollen, so paradox es klingen mag, sind angesichts dieses Bildwortes vom Pflug sogar eine Ermutigung, mit dem einen Ziel, und das lautet: "Lieber Mensch, ganz gleich, wie jung oder alt du bist, wo du dich befindest und was dich gerade beschäftigt, was dir auch immer passiert: blicke nach vorne, gehe direkt auf die Dinge zu, die dir begegnen, und gehe direkt mit den Deinen und mit deinem Gott um, habe Vertrauen in dich und deine Umgebung, in deinen Gott, sei nicht zögerlich, sei nicht dauernd so umständlich, habe nicht irgendwelche Vorbehalte und weiche nicht aus. Wenn du ein Problem hast, etwas entscheiden musst: Überlege dir, wie es positiv geht - und nicht, warum es so und so nicht gehen kann. Spreche die Dinge, die dich bewegen, direkt an. Der direkte Weg ist der gerade Weg, im Glauben und im Leben. Und sei dabei gottvertrauend und menschlich furchtlos, wie ich, Jesus, es war. Schau nach vorne und mache etwas aus deinem Zukunftspotenzial. Habe unmittelbares Gottvertrauen in deine Zukunft."

Dazu braucht es eine gewisse, ganz elementare Ungebundenheit und, wenn man so will, persönliche Freiheit von allem, eine im Glauben allein an Gott und niemanden anders rückgebundene und darauf fundierte Selbstständigkeit. Wie Jesus sie hatte. Und er sagt am Beginn unseres heutigen Predigttextes ja dazu auch etwas ganz Wichtiges: „Die Füchse haben ihre Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben ihre Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ Das war natürlich biografische Erfahrung bei ihm, Jesus, als Wanderprediger. Sie soll auch noch uns Heutige dazu motivieren, nicht an äußerlich Erreichtem und Stabilitätsgewährendem um jeden Preis und zwanghaft festzuhalten, sondern offen zu sein für Neues, ohne Wenn und Aber, ganz direkt, auf´s – im positiven Sinne – Geratewohl, aus reinem Gottvertrauen heraus. Wir Christen sollen nicht letztlich erdgebunden leben, sondern letztlich gottgebunden sein, frei für Veränderungen und Ortswechsel im Leben vor einem stabilen Glaubenshintergrund, der uns trägt, wo wir auch sind.

Der freie Blick nach vorne im Gottvertrauen, ohne verhindernden Rückblick, das wünsche ich jedem persönlich und unserer Gemeinde. Und dabei helfe uns das Wort Jesu: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Nur wer gut und gerade pflügt, kann nämlich dann in der Folge auch so säen, dass er reichlich, im Segen ernten wird, für sich und andere.

Amen.




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