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Predigt von Pfarrer Habdank am 7. und 8. Mai 2016

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zur Konfirmation bei den Festgottesdiensten in Aufkirchen

 

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmanden,

das mit dieser Konfirmation zu Ende gehende Konfirmandenjahr hatte vor allem den Zweck, Euch dem Ziel näher zu bringen, selbstständige, mündige Christen zu werden. In einigem wart Ihr es schon vorher, dann kamen diverse Lernerlebnisse, und in einigem anderen ist auch weiterhin noch Potential vorhanden. Aber diese Spannung zwischen „Schon mündig sein“ und „Noch nicht mündig Sein“, die gibt es nicht nur bei Euch, die gibt es auch bei den Erwachsenen, also persönlichkeitsintern bei jedem Christenmenschen. Den perfekten Christen, sozusagen den Vorzeigechristen schlechthin - den gibt es nicht. Das ist urlutherische und auch modern-protestantische Überzeugung. Und wer meint oder vorgibt, ein solch lupen-reiner, ja Premiumchrist zu sein, bei dem liegt der Irrtum, der Fehler genau in dieser Meinung! Wie es die Überlegungen beim Beichtgottesdienst gezeigt haben: Alle sind Heilige und Unheilige zugleich!

Ich spreche vom mündigen Christen. Also dem, der nicht einfach alles autoritätsgläubig nachbetet, was oder weil es die Kirche oder die Bibel sagt. Nein: der mündige Christ prüft für sich selbst kritisch, was er von dem allen, von Bibel und kirchlichen Traditionen und analog bitte auch, was ihm sonst noch alles erzählt wird von anderen Religionen, der Esoterik oder irgendwelchen Sekten, heute für sein Leben glauben und vertreten kann. Bilde dir deine persönliche religiöse Meinung und dann: so gut es geht, handle danach, persönlich und sozial! Das ist besonders wichtig, dass sich der Glaube in der sozialen Lebenspraxis auch bewährt, verwirklicht.

Also: Wenn jemand erzählt, wie schön er doch die christliche Idee der Nächstenliebe, die ja ursprünglich aus dem Judentum kommt, findet, und verhält sich nicht entsprechend und handelt auch nicht danach, dann ist das zwar schön, aber nur für ihn, nicht für die anderen, die seine nächstenliebende Zuwendung bräuchten. Dann bleibt sein Glaube fruchtlos. Dann wird man ihn auch als Christ schwer erkennen können. Denn: zwar frommer Glaube und Gerede, aber es folgt nichts daraus! Es wird nicht persönlich-soziale Wirklichkeit im Umfeld, in der Gesellschaft, in der du lebst! Obwohl Jesus doch Jesus von seinen Jüngern und Gläubigen gesagt hat: „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen.“ (Bergpredigt, Matthäus 7, 20).

Nebenbei bemerkt: Ob man, liebe Konfirmandeneltern, Sie auch an Ihren Früchten, ich meine: Ihren Früchtchen erkennen kann? Ich weiß es auch nach sieben Jahren Konfirmandenarbeit noch nicht. Manchmal wünsche ich es Ihnen, wenn Ihre Kinder super gut waren und wirklich tolle Diskussionsbeiträge eingebracht haben, manchmal lieber nicht! Es ist wie bei meinen eigenen Kindern auch, kommt mir vor. Bisweilen kamen mir die Ihrigen, je länger wir beieinander waren, schon auch ein bisschen so vor, als wären sie schon wenigstens etwas auch die meinigen geworden, die ich – jede und jeden, so wie sie sind – gerne mag und in ihrer Persönlichkeit, ja, auch lieb gewonnen habe, jeden auf seine Weise. Und das war nicht nur bei denen so, die ich schon von früher aus der Schule kannte. Manche mussten auch regelmäßig ermahnt werden, wenigstens einmal am Tag auch einem anderen Menschen zuzuhören, und nicht nur immer sich selber reden hören. - Zugeben, ich rede auch oft lieber selber … und Ihr habt es ertragen. Das wird dann bei den Jugendfreizeiten, zu denen Ihr künftig eingeladen seid, etwas anders sein. Da sind wir dann in einem Selbstversorgerhaus in Riederau: dort gehen die Uhren etwas anders, nur leider nachts nicht …, aber: danke für Eure Rücksichtnahme beim letzten Mal in Joseftstal ! Ich bin krank hingefahren und gesund wieder nach Hause gekommen, ein Wunder!

Und damit zurück zu Jesus: An Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, damals wie heute. Das sagt Jesus in der Bergpredigt. Und im selben Sinne sagt Jesus, auch in der Bergpredigt, es ist eine Gleichnisrede: „Darum, wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“ (Bergpredigt, Matthäus 7, 24-27)

Der Glaube an Jesus, an das, was er gesagt und getan hat, als Maßstab für das eigene Leben heute, soll also das Fundament sein. So wichtig, weil tragend, soll der Glaube für Dich sein, sonst droht die Gefahr, dass du in deinem Leben irgendwann einmal - religiös hilflos - einbrichst. Und zwar dann, wenn es heftig kommt, wenn der Sturm kommt, wie es in der Gleichnisrede heißt, also eine schwere Krise, eine Identitätskrise, wenn du nicht weißt, wie es weiter gehen soll, wenn du verlassen wirst von Freunden oder jemandem, mit dem du enger zusammen warst, wenn du plötzlich an einer schwierigen Krankheit leidest; oder wenn ein Mensch stirbt, den du sehr lieb gehabt hast.

Über diese ganzen Themen haben wir ja miteinander auch immer wieder geredet und uns Gedanken gemacht: gute Gedanken kamen da von Euch, zum Leben und zum Sterben, auch zum Leben Jesu anhand der Bibel und des Jesus-Films, den wir gesehen und besprochen haben, und auch zum Glaubensbekenntnis.

Und da hat sich jedes Mal gezeigt: weder Ihr, geschweige denn alle Christen glauben und meinen zu den verschiedenen Fragen dasselbe. Jeder findet an Jesus, am Christentum, an seiner Kirche, wie er sie erleben kann (und leider manchmal auch muss), etwas anderes wertvoll, wichtig, bedenkenswert oder kritikwürdig. Das gilt genauso auch für das Gemeindeleben bei uns in Berg, an dem ihr Euch beteiligt habt. Da gibt es auch große Vielfalt.

Die Glaubens- und Meinungsvielfalt der Christen ist unhintergehbar, wir haben Pluralismus, weil jeder Jesus und auch die Kirche anders sieht, anders haben will als die andern, wenigstens irgendetwas an ihr kritisiert und hoffentlich sich dann auch kritisch einbringt und nicht einfach geht. Kirchliche Kritik und Selbstkritik, nicht nur der Gläubigen, sondern auch der Institution, gehört zu den Grundprinzipien des Protestantismus. Mit dem Ergebnis: Einheit ja, aber nur in Jesus Christus, gelebte Vielfalt des Glaubens, des Christentums: ohne Ende! Seht Euch, sehen Sie sich in der Welt um! Bei jedem Urlaub kann man es wahrnehmen: Viele, viele Christentümer – die sich alle auf den einen Jesus Christus berufen.

Nun, um die Vielfalt wusste Jesus sehr wohl selbst schon, wenn er, wie in der Lesung vorhin gehört, zu seinen Jüngern, die ja auch kein homogener Haufen waren, sagt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.“ Da ist wieder dieses Bild vom Haus. Diesmal geht es aber nicht um das Fundament, das stabil sein soll, sondern um die Vielfalt der möglichen christlichen, an Jesus orientierten Optionen. Die gab es also schon von Anfang an, diese Vielfalt, zu Lebzeiten Jesu selbst! Das heißt auch für heute: Für jeden, der auf seine persönliche Weise an Jesus glaubt, glaubt und danach handelt, ist Platz in Gottes Haus, sagt Jesus selbst. Pluralismus ist von Gott vorgesehen und gewünscht. Sonst hätte sein Haus damals wie heute nicht so viele Wohnungen: wie im Himmel, so auf Erden.

Es heißt auch: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ Also: Wer Wohnung bei Gott im Glauben in der Orientierung an Jesus gefunden hat, bei dem werden sich Gott und Jesus einwohnen. So, wie Du an Gott und Jesus glaubst, so sind sie in dir und bei dir und begleiten dich. Du bist als Christ mit Gott und Jesus, wie du auch an sie glaubst, bleibend verbunden. Das ist deine geistige Heimat, dieses Haus, diese Wohnung, wo immer und wie weit weg du gerade davon bist in deinem Leben. Besinne dich auf diese Heimat, besuche sie immer wieder, pflege sie in deinem Gemüt, deiner Seele.

Nun sind wir uns der bleibenden Verbundenheit mit Gott und Jesus, wie sie uns in der Taufe zugesprochen ist und heute durch diese Konfirmation bestätigt wird, in unserer Lebenswirklichkeit und in unserem Alltag natürlich nicht immer bewusst. Und im Lauf des Lebens ändert sich das ja auch immer wieder: bei jedem im engeren Sinne „Gläubigen“ und auch bei den eher kirchendistanzierten Kulturchristen, oder wie sie eine EKD-Studie einmal genannt hat: den Christen auf „Halbdistanz“ - ein Begriff aus der Boxer-Sprache. Weil eben keiner im Leben jemals ein perfekter Christ ist.

Und damit komme ich zu meinem Gedanken vom Anfang dieser Konfirmationspredigt zurück: Wir sind im Glauben, in Religionsdingen, in denen es um die Sinndeutung des Lebens und der Welt in einem letzten Horizont geht, immer wieder Menschen, die neue Erfahrungen mit dem Leben machen – oder sind es nicht doch schon immer dieselben? - und entsprechende Lebensfragen haben, meistens Lebensfragen, für die es keine fertigen Antworten gibt, vielleicht sogar gar keine Antworten: wo der Sinn, ein höherer oder tieferer, offen bleibt, bleiben muss. Wo wir an unsere Verstehensgrenzen stoßen. Weil Glaube und religiöse Lebensdeutung ein lebenslanges Lernen sind, durch alle guten und bösen, schlechten Zeiten bis ans Ende. Entwicklung - offen!


Und so widme ich Euch, liebe Konfirmanden, wie schon Euren Vorgängern, zum Abschluss eurer Konfirmandenzeit einen zentralen Gedanken von Martin Luther, er hat gesagt:

Das christliche Leben ist nicht Frommsein, sondern Frommwerden,
nicht Gesundsein, sondern Gesundwerden,
nicht Sein, sondern Werden,
nicht Ruhe, sondern Übung.
Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber.
Es ist noch nicht getan und geschehen,
es ist aber im Gang und Schwang.
Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.
Es glüht und glänzt noch nicht alles, es bessert sich aber alles.

Das wollen wir hoffen!

Auf die Hoffnung auf eine positive Entwicklung im Leben und Glauben hin, dazu sollt ihr gesegnet werden in Eurer Konfirmation heute.

Amen.


 

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