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Predigt von Pfarrer Dr. Gerhard Pfister

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über 1. Petrus 1,3-9 und 2,21.25

Liebe Gemeinde!

Bei einer Feier in Berg sagte mir einmal ein Mann, den ich nicht kannte: Ich gehöre auch zu Ihren Schafen. Das war wohl scherzhaft gemeint, denn er sah sich selbst gewiss nicht als Schaf an. Er wollte mir mitteilen, dass er zur evangelischen Gemeinde gehört, und in dem scherzhaft gebrauchten Bild von den Schafen und ihrem Hirten steckt auch die Kritik an einer solchen Sichtweise der Gemeinde und der Pfarrer. Nun wissen längst alle in der Gemeinde, dass dieses Gemeindebild vom Hirten und der Herde Vergangenheit ist, kein erwachsenes mündiges Gemeindeglied und erst recht kein Pfarrer sieht sich mehr so.

Aber wie steht es, wenn es bei dem Hirten nicht um den oder die Pfarrer geht, sondern von einem ganz anderen guten Hirten die Rede ist wie heute an diesem Sonntag und besonders im Sonntagsevangelium. Bei manchen Menschen, einige haben es mir auch schon gesagt, bleibt auch da ein gewisses Unbehagen Sind wir denn Schafe?“

Die meisten freilich wissen, dass das Bild des Hirten, des guten Hirten, zu den Urbildern des christlichen Glaubens gehört.

Es gibt Bilder, eben die Urbilder, die prägen sich tief in uns ein, die stecken ganz tief in uns drin. Die sind so sehr Bestandteil unseres Innersten, dass sie zur Lebensgrundlage, zum Lebensfundament werden, das unserem Leben Halt und Tragkraft gibt. Ein solches urtümliches und wohlvertrautes, kraftspendendes Bild ist das des Hirten, nicht nur im christlichen Glauben. Herrscher aller Reiche und Kulturen haben sich seit frühester Zeit als Hirten ihrer Völker darstellen lassen. Das soll ausdrücken: Sie haben Macht, aber sie setzen sie nicht ein, um Gewalt auszuüben, um Furcht und Schrecken zu verbreiten. Sondern die Macht soll als verlässliche schützende, bewahrende Kraft erfahren werden, die absolute Geborgenheit schenkt.

Für viele ist deshalb der Hirte das wichtigste Bild des Glaubens und Vertrauens. Die meisten von uns haben es nicht nur als Psalm auswendig gelernt, sondern als tiefstes Bild des Vertrauens sich eingeprägt und daraus immer wieder Mut und Vertrauen geschöpft: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23). 

Der Herr ist mein Hirte, Jesus Christus, der von sich und zu uns sagt: Ich bin der gute Hirte. 

Heute, am Sonntag vom guten Hirten in der Osterzeit, sind wir eingeladen, den guten Hirten und seine Beziehung zu uns bzw. unsere Beziehung zu ihm im Licht von Ostern zu sehen.

Ich lese dazu einige Verse aus dem für den Sonntag im Jahr 2016 vorgegebenen Predigttext im 2. Kapitel des 1. Petrusbriefs und davor einige Verse aus dem ersten Kapitel dieses Briefes (wenn vorigen Sonntag nicht musikalischer Abendgottesdienst Lust auf Kirche gewesen wäre, wäre vermutlich über diese gepredigt worden.

Lesung

Wir fragen uns vielleicht nach jedem Osterfest: Hat sich an Ostern eigentlich bei mir etwas verändert? Der Apostel, ein Schüler der Petrus. stellt einfach fest: Es ist an Ostern etwas für uns ganz Entscheidendes passiert, natürlich nicht in diesem Jahr 2016 oder in dem Jahr, in dem der 1. Petrusbrief geschrieben wurde, sondern durch das Ereignis, das wir jedes Jahr an Ostern feiern: Gott hat uns zu neuen Menschen gemacht durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Da sind also nicht vor fast 2000 Jahren im Orient absonderliche Dinge passiert, zu den wir so wenig Beziehung haben wie zur Schlacht im Teutoburger Wald. Nein, es geht um etwas, was jeden und jede von uns im innersten Kern der persönlichen Existenz betrifft. Wir sind durch die Auferstehung Jesu neu geworden, neue Menschen geworden. Und zwar, das wird aus dem Zusammenhang des 1P deutlich: durch unsere Taufe! In der Taufe hat jeder und jede von uns Anteil bekommen an der Auferstehung Jesu Christi, am neuen Leben, hat Gott uns von neuem geboren. Und jedes Ostern, das wir feiern, kann und will uns daran erinnern und dankbar machen:

Danke, Gott für das Leben, Danke, dass du uns noch einmal anders lebendig gemacht hast. Du hast uns den Grund gelegt für ein ganzes, erfülltes, ewiges Leben. Darum singen wir heute. Dafür danken wir dir mit unseren Gebeten. Diesen Segen nehmen wir mit. Danke, dass wir das Lebensziel nicht erst selbst herstellen müssen, sondern du es für uns schon angelegt hast. Daran erinnern wir uns und das feiern wir heute im Gottesdienst. 

Das ist mit „er hat uns zu neuen Menschen gemacht“ gemeint, nicht irgendeine Verjüngungskur oder ein biologischer Neubeginn des irdischen Lebens, an dessen Ende umso sicherer der Tod steht. Sondern von Ostern her ist die Macht des Todes überwunden. Das macht uns zu neuen Menschen, in deren Leben der uns so unausweichlich erscheinende, alles bestimmende Tod nicht das letzte Wort hat. 

Damit ist uns „wieder eine Zukunft gegeben, der wir entgegengehen können, seit Jesus Christus aus dem Reich der Toten wieder lebendig wurde“. So haben wir es gerade gehört (Jörg Zink), in der Lutherübersetzung heißt das „wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung“

Denn Gottes Gabe, das neue Leben, ist Hoffnung, wird nicht unser Besitz, wir können nicht darüber einfach verfügen. Wir bleiben auf Gott angewiesen. Er will, dass wir als neue Menschen seine Kinder sind und bleiben, im Vertrauen auf ihn und auf das Ziel hin leben, zu dem er uns führen will.

Die Hoffnung heißt deswegen lebendige Hoffnung, weil sie voller lebendiger Bewegung ist. Eine Bewegung, deren Leben von der Auferstehung Jesu ausgeht, in die Gott uns durch Taufe hinein genommen hat und zu deren Ziel der gute Hirte uns führen will. Das Ziel liegt nicht im Ungewissen, sondern es ist uns als lebendige, gewisse, von Gott selbst garantierte Hoffnung geschenkt. Der 1P gebraucht dafür das Bild vom Erbe „auf uns wartet ein Besitz der nicht verdirbt“. So wie einem Kind das elterliche Erbe durch ein Testament gesichert ist, so bürgt Gott selbst dafür, dass er uns das Leben in seiner Herrlichkeit schenken wird. Ja, der gute Hirte schenkt es uns eigentlich schon jetzt, denn mit der lebendigen, gewissen Hoffnung ist ja schon der entscheidende Neuanfang gegeben, ist das Leben gewährleistet, über das der Tod keine Macht mehr hat.

Wie sieht nun diese Zukunft, diese Hoffnung in unserem Leben aus? Wie wirkt sie in unser Leben hinein, in die Wirklichkeit des Jahres 2016 in Berg, in Deutschland, in der heutigen Welt, in der wir alle stehen und der wir uns nicht entziehen können? Die Bibel, der 1P nimmt diese unsere Situation in der Welt ganz ernst. Denn für die ältesten Christengemeinden war das Leben in der Welt weit problematischer als für uns. Die Gemeinden, an die sich unser Brief wendet, standen unter stärkstem Druck von Seiten des römischen Staates und der heidnischen Umwelt. Da zeichnete sich schon ab, dass bald wieder eine Verfolgung beginnen würde. Da galt es dann, auch unter Folterqualen dem christlichen Glauben treu zu bleiben. Die Verlockung lag ja sehr nahe, durch ein paar auf irgendeinen Opferalter gestreute Weihrauchkörner alle Schwierigkeiten zu beseitigen, anstatt durch das Bekenntnis zu Jesus Christus seinen Besitz, sein Vermögen, seine Familie oder gar das eigene Leben zu verlieren. In dieser Bedrängnis, so werden die Christen damals erinnert, gibt es eine Hoffnung, die so fest verankert ist, dass sie durch alles Leid hindurch hilft. Wir heute in Deutschland sind wohl nicht von Christenverfolgung bedroht. Es gab aber schon eine Situation, wo das Bekenntnis zu Jesus Christus dem guten Hirten gleichzeitig Widerspruch gegen den anderen mächtigen Hirten und Heilsbringer und deshalb gefährlich war, weil der Heilsbringer allseitige Verehrung forderte („Heil Hitler“ hatten alle Menschen zu sagen, die sich begegneten). In dieser Situation entstand die Barmer Theologische Erklärung von 1934, mit der wir uns im Forum für Gegenwartsfragen am nächsten Donnerstag beschäftigen wollen.

Christenverfolgungen gibt es auch 2016, etwa wenn vor zwei Wochen am Ostersonntag 60 Menschen, darunter Frauen und Kinder, in einem Park in Pakistan beim Feiern des Osterfestes getötet werden. In unserem gibt bei uns andere Sorgen und Nöte, Ängste und Bedrängnisse. Auch hier ist keine traurige Stimmung oder müde Resignation am Platze. Mit der lebendigen Hoffnung auf Gott leben heißt nämlich nicht, sich unter Aufbietung aller Kräfte gerade noch hindurchretten. Sondern selbst in aller Bedrängnis kann uns diese Hoffnung mit tiefer Freude erfüllen. Es ist die Freude darüber, dass in der Auferstehung Jesu das Leben den Tod besiegt und Gott uns eine Zukunft, eine lebendige Hoffnung schenkt. Und von dieser Osterfreude können wir leben und es wagen, ruhig und gelassen unseren Weg zu gehen, mit dem guten Hirten Jesus Christus, auch im Alltag als Christen zu leben.

Amen.

 

 

 

 

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