Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigt Pfarrer Johannes Habdank

Aktuell >>

Predigt über Jakobus 5, 7-8 am 2. Advent 2015


Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Jakobusbrief 5, 7-8:


„So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn ist nahe.“


Liebe Gemeinde, „Geduld“ ist eine Tugend oder Haltung, die sich in vielfältiger Weise durch unseren Alltag zieht: „Mir reißt gleich der Geduldsfaden“, „Meine Geduld ist jetzt wirklich am Ende“, „Sei nicht so ungeduldig“ – wir alle kennen solche Wendungen und haben sie selbst auch schon einmal gebraucht.


Das Wort Geduld kommt vom althochdeutschen „dulten“ = tragen, ertragen. Es hängt auch zusammen mit dem lateinischen Wort „tolerare“ = tolerieren. Im NT bedeutet das Wort für Geduld „hypomone“ „darunter bleiben, ausharren, aushalten“. Und so hat Geduld häufig auch einen problematischen, negativen Beigeschmack: als ein passives Aushalten und stillschweigendes Hinnehmen von Situationen, die eigentlich unerträglich sind – aber nein: In der Bibel geht es bei Geduld nicht um „Wegducken, Wegschauen, sich Arrangieren, Hinnehmen von Unerträglichem“. Auch in der frühen Kirche nicht, zu der auch der Autor des Jakobusbriefes zu zählen ist, geht es um einen anderen Aspekt der Geduld: Beharrlichkeit und Standhaftigkeit, Konstanz. Die frühen Christen wurden von außen bedrängt, weil ihr Glaube selbst als Gefahr angesehen wurde für die etablierten Religionen und für die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die jungen Christen wurden um ihres Glaubens willen verfolgt. Jakobus mahnt seine Glaubensgeschwister in dieser Situation beharrlich festzuhalten am Glauben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, denn das Kommen des Herrn sei nahe.


Na, da hat sich Jakobus aber gewaltig geirrt – könnte man jetzt sagen. Von wegen, „der Herr kommt bald“! Bis heute ist er nicht gekommen. Und so wie es aussieht, werden wir wohl in Kürze wieder ein Weihnachten feiern, ohne dass der Herr gekommen ist.


In der Theologie nennt man dieses Phänomen „Parusie-Verzögerung“, Wiederkunftsverzögerung. Wobei man bei einem Zeitraum von etwa 2000 Jahren ja wohl nicht mehr von Verzögerung sprechen kann, sondern von Ausbleiben aufgrund Irrtums. Oder gilt das Wort des atl. Beters von Psalm 90: „1000 Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache“ – wonach unsere menschliche Zeitwahrnehmung, Zeitverständnis angesichts der Ewigkeit des Höchsten völlig zu relativieren wäre.


Jedenfalls: es sieht so aus, als habe sich auch sonst in der Welt seit 2000 Jahren recht wenig getan, trotz massiver Epochen- und Entwicklungsschübe. Aber: Immer noch werden Christen verfolgt, andere Religionen, weltanschauliche Gruppierungen und Sekten haben zumindest auch oder sogar vermehrt Zulauf. Morden und Kriegen in der Welt haben kein Ende. Wird es schlimmer?


„So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn ist nahe.“


Ja, das Kommen des Herrn ist nahe, aber wir sind nicht Gott, darum können wir den Zeitpunkt seines Kommens nicht ermessen. Entscheiden können wir aber vor diesem Letzthorizont der Erwartung, ob wir in der Zwischenzeit – und die scheint ja nun auch weiterhin ziemlich anzudauern – der „Sache Jesu“, wie es Heinz Zahrnt einmal genannt hat, seinem Evangelium uns anvertrauen und bereit sind, geduldig zu warten. Geduld!?


Das Problem ist, dass so eine langsame, auch Zähigkeit erfordernde, auch widerständige Haltung oder Tugend wie „Geduld zu haben“, heute bei uns weitestgehend aus der Mode und Übung gekommen ist. In unserer Gesellschaft zählt oft allein Schnelligkeit, der schnelle Erfolg. Wir beurteilen unsere Situationen oft nur vom gewünschten Ergebnis her, nicht aber von dem Wert des Weges dorthin, schon gar nicht, wenn es sich länger hinzieht. Wir sind kaum bereit auf ein Ziel hinzuwarten. Wir fordern sofortigen Lohn für unsere Anstrengungen. Stellt sich der Erfolg aber nicht rasch genug ein, wird das Projekt aufgegeben, etwas anderes, Neues angefangen. Dies ist schon bei Kindern zu beobachten, die Mühe haben sich auf eine Sache zu konzentrieren, um komplizierte Dinge zu lernen. Da spricht man dann gerne von einer „geringen Frustrationstoleranz“.


Doch wie ist es eigentlich um die Geduld bei uns Erwachsenen bestellt? Können wir es aushalten, an einer Sache dran zu bleiben, ohne dass sich die gewünschte Veränderung gleich einstellt? Jakobus gibt uns ein gutes Beispiel für das Warten: „Siehe der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.“ Das ist ein jedem selbstverständliches Bild aus der damaligen Agrarwirtschaft, die der absolut dominierende Wirtschafts- und Gesellschaftszweig war. Das Bild soll uns auch heute darauf aufmerksam machen, dass Wachsen und Reifen, Entstehen und Werden Zeit brauchen.


Die Adventszeit hat ja eigentlich auch den Sinn, innezuhalten und Warten einzuüben, auch einmal bewusst die eigene Haltung zum Aushalten kritisch zu überprüfen. Und dazu gibt es ja dann unterschiedliche Fasten-Vorstellungen.

Drei Aspekte möchte ich dazu abschließend kurz näher betrachten:

  1. Geduld mit sich selbst haben
    Wir Menschen sehnen uns zumindest hin und wieder nach einer Veränderung unserer selbst. Da würden wir gerne anders sein, als wir sind. Entsprechend werden z.B. zum Jahresabschluss, also demnächst wieder - die „guten Vorsätze“ für das neue Jahr gefasst. Doch schnell geht es mit diesen guten Vorsätzen in den ersten Wochen des Neuen Jahres den Bach hinunter: „Ich schaffe es ja doch nicht. Bei mir wird das nie etwas“. Und daran erinnert uns Jakobus heute, dass auch die eigene Entwicklung Zeit braucht. Verwandlung geschieht langsam, oft unmerklich. Rückschläge gehören dazu, genauso wie kleine und größere Fortschritte. Vertraue dir selbst als Geschöpf Gottes; das Gute, das von Gott in dir angelegt ist, das wird er auch vollenden, heißt es in der Bibel.
     
  2. Geduld mit seinen Mitmenschen haben
    Ob es der Partner in einer persönlichen Beziehung ist, der mich immer wieder mal herausfordert, auch mal ärgert, mir auf den Keks oder auf den Wecker geht oder mich auf die Palme bringt – unsere Bilder sind ja da sehr vielfältig und phantasiereich - oder ob es die Kinder sind, die nicht so „funktionieren“, wie wir es gerne hätten, weil sie aufsässig sind, bockig, unverschämt, zu laut, usw... Oder: ob es umgekehrt für die Kinder und Jugendlichen die Eltern sind, die zu engstirnig sind, zu streng und autoritär, „von gestern“ – und jeder kann sich noch weitere Beispiele überlegen oder sich erinnern - wichtig ist: Die Zeit, die ich mir selbst für das weitere Wachsen zugestehen will oder muss, die gilt in gleicher Weise auch für meine Mitmenschen. Erstaunlicherweise beruhen viele Fernseh- und Kinofilme, die genau dadurch berühren, gerade darauf, dass die Partner lange Durststrecken miteinander durchstehen mussten, sich aber treu blieben und immer wieder um ihr gemeinsames Glück kämpften, bis zum Happy End. Geduld miteinander haben, beharrlich warten, auch wenn es schwer fällt, das lehrt uns der heutige Bibeltext.
     
  3. Geduld mit Gott haben
    Gott ist der Herr der Zeit, nicht wir. So die alte biblische Vorstellung, die von uns den entsprechenden Druck nimmt und uns entlastet. Gott ist der souveräne Schöpfer, der die Welt geschaffen hat und in seiner Hand hält, sie bewahrt. Nicht wird halten sie in der Hand, nicht wir sind die, die die Welt retten. Wir können sein göttliches Reich und die absolute Gerechtigkeitssphäre, nicht herbeizwingen. Alle Versuche, das Reich Gottes auf Erden mit Gewalt herbei zu schaffen, sind brutalst in ihrer menschlichen Auswirkung gewesen und letztlich kläglich gescheitert und werden auch weiterhin scheitern, auch der neueste barbarische Versuch der menschenverachtenden Kämpfer im Nahen Osten, gegen die vorgegangen werden muss, und selbst wenn erfolgreich, dann bedeutet das aber nicht, dass dann das Reich Gottes, das Paradies auf Erden kommen würde – dazu fehlt es mehr denn je, kann man den Eindruck gewinnen. Nur dem Bösen wurde gewehrt.
    Dennoch kommt sein Reich auf uns zu, im Verborgenen, im Glauben. Bleiben wir in vielerlei Hinsicht geduldig, überheben wir uns nicht in besserwisserischem Aktionismus und Moralismus.

Geduld und Demut als Lebenshaltung sind gefragt. Üben wir uns darin. Das ist die Botschaft des Jakobus zum Advent 2015.


Amen.

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier