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Predigt Pfarrer Johannes Habdank

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Herr, gib trübe Augen für Dinge, die nicht taugen, und Augen voller Klarheit, für dich und deine Wahrheit. Amen

Der Predigttext für diesen Gottesdienst steht geschrieben im Evangelium nach Markus, Kapitel 14, die Verse 3-9:
Als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Herr, segne dein Wort an uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde,
was Jesus im letzten Vers sagt – „Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.“ – , das hat sich leider erst sehr spät bewahrheitet. Erst seit 1978 gehört diese Geschichte zum festen Predigttextbestand in der Kirche. Die vielen Jahrhunderte vorher fristete diese Geschichte eine Art „Mauerblümchen“-Dasein in der kirchlichen Landschaft, im Gottesdienst. Warum?
Weil sie als anstößig und schwierig empfunden wurde und so wenig zum sozialen Jesus und dem Evangelium für die Armen passt!
Beginnen wir aber von vorne!
Die Frau, die das Öl über Jesu Haupt ergoss, konnte sich das wahrscheinlich gar nicht leisten. Doch als sie hörte, dass Jesus in der Nähe ist und bei Simon zu Tisch sitzt, da gibt es für sie kein Halten. Schnell greift sie das Wertvollste zu, was sie besitzt – ein kleines Glasgefäß mit Nardenöl –, und läuft los. Sie platzt hinein mitten in die Tischrunde Jesu, zerbricht das Glas an seinem dünnen Hals und gießt das Öl auf Jesu Haupt. Ein einziger Tropfen hätte wohl schon gereicht, um den Raum mit dem süßlich schweren Duft der Narde zu füllen; doch sie gießt alles aus und salbt Jesu Haupt damit.
Was für eine Verschwendung! 300 Silbergroschen kostet solch ein Fläschchen Nardenöl bestimmt, das ist das Jahresverdienst eines Tagelöhners oder sogar eines Handwerkers damals; nach heutigen Maßstäben ein Wert in fünfstelliger Euro-Höhe, wohl zwischen 20 T€ und 50 T€. Das Öl ist so kostbar, weil es aus Indien kommt und aus der Wurzel einer sehr seltenen Pflanze gewonnen wird. Doch danach fragt die Frau gar nicht, sie gibt alles hin. Und betörend verbreitet sich der Duft im ganzen Raum. Ihr Motiv?
Na, so verschwenderisch ist nur die Liebe. Sie ist ihr Motiv. Wie vom Duft des Öls ist die Szene erfüllt von der Liebe dieser Frau. Wer wirklich liebt, der lebt verschwenderisch, der verschwendet, was er hat und sich selbst.
Nur einmal sonst noch wird in der Bibel das Nardenöl erwähnt, in der Liebeslyrik des Hohenliedes im Alten Testament, einer hebräisch-altorientalischen Liebes-liedersammlung. Dort singt der junge Mann seiner Freundin: „Du bist gewachsen wie ein Lustgarten von Granatäpfeln mit edlen Früchten, Zyperblumen mit Narden, Narde und Safran, Kalmus und Zimt, mit allerlei Weihrauchsträuchern, Myrrhe und Aloe, mit feinen Gewürzen.“ Sinnlich wie im Hohenlied der Liebe geht es auch hier im Haus des Simon zu. Zärtlich und mit Hingabe geht die Frau auf Jesus zu und verströmt ihre Liebe. Sie fragt nicht, ob vernünftig ist, was sie tut: sie verschenkt, was sie hat, sie gibt sich ganz hin. So verschwenderisch ist die Liebe - und Jesus heißt das gut.
Welch eine Verschwendung! Was hätte man mit dem Geld alles machen können? Nur zu verständlich, dass sich die anderen aufregen, die mit Jesus gerade beim Essen sitzen. Hier wird teures Salböl vergeudet und dort gibt es so viele Arme, denen man hätte helfen können. So wird auch heute noch vielfach gedacht, wenn es etwa um die Anschaffung von einfach nur schönen, teuren Dingen geht, privat oder öffentlich, das sei ja der reine Luxus: Sollte man das Geld nicht lieber Notleidenden zukommen lassen? Zum Beispiel bei teuren Museums-Projekten im Städtebau, bei Großinvestitionen für spektakuläre Events – da melden sich schnell die zu Wort, die sagen: Das Geld sollte doch besser für soziale Zwecke ausgegeben werden. Ja, ist es nicht geradezu verwerflich, Geld einfach für nur schöne Dinge auszugeben, solange andere nicht genug zum Leben haben? Verantwortung für den Nächsten – geht es nicht genau auch darum bei Jesus und in der Kirche? Einwände, die nicht so leicht von der Hand zu weisen sind!
Und doch: Ich bin eher skeptisch, wenn jemand mit einem so hohen moralischen Anspruch daherkommt. Ich vermute: Wer so redet, ist selbst nicht großzügig und verschwendet sein Geld an die Armen, sondern hält zusammen, was er hat. Genau berechnet er seine kleine Gabe, aber er wird sich nicht verausgaben. Mag so sein, kann aber auch anders sein, ich weiß es nicht genau. Jedenfalls ist die Aussage unserer heutigen Geschichte: Wahre Liebe ist verschwenderisch.
Daher kann ich es nachvollziehen, wie Jesus seine Tischgenossen zurückweist: „Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun.“ Es ist gut und richtig, den Armen zu helfen, und dazu ist jederzeit Gelegenheit. Aber von dieser Frau kann man lernen, was Liebe wirklich heißt. Sie gibt einfach, grenzenlos, sie begrenzt und berechnet nicht. Denn berechnende Liebe ist keine wahre Liebe. Wer wahrhaft liebt, der kann loslassen, der kann sich verausgaben.
Interessanter Weise weist Jesus den Gedanken an die Notleidenden nicht zurück! Er weist den rechnenden, den berechnenden Umgang mit der Liebe zurück. Insofern gilt für die wahre Liebe, ob Gottes- oder Nächstenliebe: Wahre Liebe ist unberechenbar und irritierend, weil sie so irrational, unvernünftig und nicht verrechenbar, unglaublich großzügig und verschwenderisch ist. Das kann unruhig machen.
„Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun.“ Was Jesus da sagt, macht soll aber auch unruhig machen, weil es wohl stimmt: Arme gibt es allezeit. Und es wird uns wohl nicht gelingen, Armut wirklich immer und überall zu besiegen. Es bleibt eine dauernde Herausforderung, den Armen zu helfen und Gutes zu tun.
In diesen Tagen stehen uns zum Beispiel die Bilder Flüchtlingen aus Syrien vor Augen. Oder nach wie vor Menschen, die aus Nordafrika geflohen sind nach Europa und nun nichts mehr haben als ihr nacktes Leben. Asylbewerber und Flüchtlinge, die auf der Strecke bleiben in ihrer Armut. Ja, Arme haben wir allezeit. Massenhafte Arme in den Slums von Großstädten weltweit, Elende in den Wüstenregionen, für uns in der Ferne irgendwo, aber auch arme Leute in unserer Nachbarschaft. Auch hier bei uns in Berg. Man sieht sie kaum, weil sie sich nicht blicken lassen, weil sie sich schämen. Wir als Evangelische Kirchengemeinde Berg verzeichnen etwa eine steigende Anzahl von hilfsbedürftigen Familien in den vergangenen drei Jahren, von 4 auf 11, denen wir durch Ihre Spenden ermöglichen, dass sie Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder kaufen können. Und: Wie viele Leute hätten kein Mittagessen, gäbe es nicht vielerorts die Tafeln – auch aus Berg wandern zu Fuß regelmäßig einige Leute nach Starnberg zur dortigen Tafel; und: wie viele wissen nicht, wo sie heute Nacht schlafen werden. Ja, das alles gibt es. Und Verschwendung gibt es bei uns auch. Lebensmittel, die vernichtet werden, ein Blick in die Nachrichten oder besser: den eigenen Haushalt genügt -, und Geld, das sinnlos verprasst wird. Doch das ist keine verschwenderische Liebe. Der Reichtum wird für den eigenen Spaß und Genuss und die eigene Nachlässigkeit verwendet und verschwendet. Das ist so, vielfach. Ich weiß, wovon ich da rede. Da ist auch bei mir durchaus einiger Korrekturbedarf. Zurück zum heutigen Predigttext!


Liebe Gemeinde,
das Geheimnis der Liebe, wie es mit unserer heutigen Geschichte gemeint ist, lautet: Nicht, was wir festhalten, macht uns wahrhaft reich, sondern was wir verschenken. Die Frau in Betanien wird reich, weil sie so verschwenderisch im Geben ist. Nur wer sich verausgabt, wird den Reichtum der Liebe erfahren.
Verschwenderische Liebe. Das ist die Liebe, von der die Bibel spricht. Damit wird die Frau in Betanien zu einem Bild der Liebe Gottes selbst. Sie salbt mit dem unendlich teuren Nardenöl, Jesus bezieht das auf seinen bevorstehenden Tod: „Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis.“ Dazu kommt: Nicht nur die Frau verschwendet ihre Liebe, auch Jesu Liebe ist verschwenderisch. Er gibt sich selbst hin - bis zu seinem Tod. So wird das Salböl zum Zeichen der Liebe Gottes in Jesus. Ganz und gar lebte Jesus die unendlich großzügige Liebe Gottes, in seiner Zuwendung zu den Menschen, in seiner konsequenten Hingabe für sie bis zum Tod.
Jesus, der von dieser Frau Gesalbte. Christos nannten ihn die ersten Christen, zu Deutsch: der Gesalbte. Im alten Israel wurden die Könige bei ihrer Inthronisation gesalbt, darum nannte man den künftigen König, von dem man das Heil erhoffte, den Messias, den Gesalbten. Weil die ersten Christen in dem für sie wieder lebendig gewordenen, auferstandenen Jesus diesen Messias sahen, nannten sie ihn Christos, den Gesalbten. Mit ihrer Salbung nimmt die Frau aus Betanien schon vorweg, was Christen seit Karfreitag und Ostern glauben: Jesus ist der Christus, der den Menschen Gottes Liebe bringt und sie selbst verkörpert, ja: ist. Damals wie heute. Eine Liebe, die sich nicht be- und verrechnen lässt, eine Liebe, die sich verausgabt für den Menschen.
Das wird durch diese verschwenderische Aktion der Frau aus Betanien im betörenden Duft des Nardenöls deutlich, diese Art der Liebe Gottes selbst wird in ihr erkennbar.

Verschwendung? Ich hoffe, dass der Duft dieser Liebe auch uns erreicht. Dass wir nicht ängstlich an dem festhalten, was wir haben, sondern uns anstecken lassen von der verschwenderischen Liebe Gottes und dieser Frau.
Und da gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Gottes- und Nächstenliebe. Unseren Nächsten, wer immer es sei, kann unsere Zuwendung genauso großzügig gelten wie Gottes Liebe uns.
Mag wohl sein, dass unsere Fähigkeit zu einer solchen Liebe da und dort ziemlich begrenzt ist, dass wir uns schwer tun. Gottes Liebe, für die die Liebe jener Frau zu Jesus symbolisch steht: Seine Liebe höret nimmer auf, wie der Apostel in seinem Hohenlied der Liebe sagt.
Das zu erfahren, zu verspüren, wünsche ich uns allen – in dieser Passions- und Osterzeit, und darüber hinaus.
Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.
 

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