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Predigt an Palmsonntag 2017 von Pfarrer Johannes Habdank

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im Katharina von Bora-Haus

Der Predigttext steht geschrieben bei Markus 11, Verse 1-11:

Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien an den Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sobald ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her! Und wenn jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr das?, so sprecht: Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her. Und sie gingen hin und fanden das Füllen angebunden an einer Tür draußen am Weg und banden's los. Und einige, die dort standen, sprachen zu ihnen: Was macht ihr da, dass ihr das Füllen losbindet? Sie sagten aber zu ihnen, wie ihnen Jesus geboten hatte, und die ließen's zu. Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten. Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe! Und Jesus ging hinein nach Jerusalem in den Tempel und er besah ringsum alles, und spät am Abend ging er hinaus nach Betanien mit den Zwölfen.

Soweit diese Version der Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem aus dem Markusevangelium, liebe Gemeinde, die weniger theologisch aufgeladen ist als die vorhin als Evangeliumslesung gehörte des Johannes oder auch die des Matthäus, die dieses Ereignis beide mit Blick auf alte Zionshoffnungen interpretieren im Anschluss an prophetische Tradition, die ihrerseits bei uns in der Kirche vor allem in der Adventszeit als Zeit der Ankunftserwartung Jesu Christi gepflegt wird – und eben auch sinniger Weise am Palmsonntag als dem Gedenktag der Ankunft Jesu in Jerusalem. Deswegen singen wir heute, vielleicht manchen irritierend, „Tochter Zion, freue dich!“ und „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn´ ich dir“, zwei Lieder, die wir sonst nur im weihnachtlichen Festkreis singen.

Liebe Gemeinde, am Palmsonntag stehen wir mit unserem christlich-kirchenjahreszeitlichen Gedenken am Beginn der Leidenszeit Jesu, der Karwoche: Kar- von althochdeutsch kara „Klage, Kummer, Trauer“. Und der Palmsonntag konfrontiert uns im Umfeld dieser Thematik mit einem besonderen Phänomen, nämlich dem der Brüchigkeit von Anerkennung durch die Massen, von Jubel, Ruhm und sozialer Ehre. Das alles wollte Jesus selber gar nicht. Schon dass er auf einem Esel statt etwa hoch zu Ross wie ein siegreicher Feldherr einzog, zeigt dies. Und die Brüchigkeit des Massenjubels zeigt sich dann bald darin, dass nur wenige Tage später wohl dieselbe, zumindest auch wieder die Menge ruft: Kreuziget ihn! Der bewaffnete Kämpfer und Zelot Barabbas, genauer nach Mt 27: Jesus Barabbas, also Jesus, Sohn des Abbas oder Sohn des Herrn / Vater wird freigegeben, Jesus von Nazareth muss in Jerusalem ans Kreuz gehen, weil er gerade nicht dem von vielen erhofften Ideal eines politischen Messias entspricht, der das jüdische Volk von der Römer-herrschaft befreit. Jesus nimmt sein Kreuz auf sich.

Dass Jesus kein politischer Volksheld sein wollte: Sein ganzes Leben, seine Glaubenseinstellung (Gott ist in den Schwachen mächtig), seine entsprechenden Worte, Predigten und Taten bezeugen es. Hätte man eigentlich wissen können, wurde aber wohl damals von kaum jemandem richtig verstanden. Dass Jesus vielfach nicht richtig verstanden, ja oft völlig missverstanden wurde von seinen Zuhörern, den Gelehrten oder vom Volk, ja oft auch von seinen Anhängern, die ihm nachgefolgt waren, den Jüngern, also auch dem engsten Kreis, das wird immer wieder deutlich, etwa im immer wiederkehrenden Unverständnis der Jünger für Jesus im Markusevangelium, grundlegend im Johannesevangelium, schon im Prolog, Kap. 1: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“, heißt es da. Oder: „Und das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat´s nicht ergriffen.“ Ein besonderes Beispiel: Judas, der Jesus verraten wird, tut dies aus Enttäuschung darüber, dass Jesus in Jerusalem, wo doch jetzt eigentlich die Gelegenheit dazu wäre beim Passahfest, nicht als politischer Revolutionär auftritt. Und wenn Jesus als „König der Juden“ hingerichtet wird, dann ist das zynisch, denn so einer wollte er in einem politischen Sinne nie sein. Vielleicht in einem neuen geistliche Sinne, im Sinne seines neuen Gottesglaubens – aber das hat wohl kaum jemand verstanden.

Dass das Volk, die Masse leicht verführbar ist und schwankend in der Meinung, das war damals so wie heute. Da werden bei uns ja auch manchmal einzelne Prominente vorübergehend zu Quasi-Messiassen hochstilisiert, in den Medien und im Volk, aber der Wind dreht sich bzw. die Fähnchen, die nach dem Wind gehen, oft sehr schnell, und dann werden dieselben, die gerade noch über alle Maßen hochgejubelt wurden, genauso schnell wieder fallen gelassen, verteufelt, fertig gemacht.
Bei Jesus hatte das seinen Grund, und der lag in ihm selbst: seinem Glauben, seinem kompromisslosen Eintreten für ein anderes Gottesbild, den vergebenden und liebenden Gott, und zwar in Wort und Tat. Das klang alles erst sehr überzeugend und hat viele Menschen fasziniert, viele sind ihm buchstäblich gefolgt und nachgelaufen. Und dann hat er dafür leiden müssen, hat er dafür gelitten und ist, seinem Gottesglauben und sich selbst treu, ans Kreuz gegangen, also dafür, dass den Menschen dieser vergebende und liebende Gott nahegebracht wird. Denen damals, auch uns Heutigen?

Ja. Insofern kann man auch heute noch sagen: Jesus ist im Namen des liebenden, barmherzigen und vergebenden Gottes „für uns“ den Leidensweg gegangen und hat uns von jedem anderen Gottesglauben, einem knechtenden und strafenden Gott, im Prinzip befreit! Im Prinzip, das sage ich deswegen, weil er der war, der angefangen hat, von der Wurzel her, also „radikal“, ganz anders von Gott zu denken, zu reden und zu glauben.

Die Frage ist, ob sein Lebenseinsatz für die Menschen damals und uns heute auch so angenommen wird, so dass auch wir seinem Gott glauben für unser Leben. Sonst wäre er umsonst gestorben! Zumindest für uns umsonst.

Dass wir Jesu Gott glauben: diese Frage stellt sich besonders in Situationen, die keiner gerne hat, die uns schwer mitnehmen und beuteln können, nämlich in Leidenszeiten und wenn es ans Sterben geht, also in „Kara“-Zeiten: in Zeiten der Klage, des Kummers und der Trauer. Auch in dieser beginnenden Karwoche. Sagt uns da dieser Glaube Jesu, der in den Schwachen mächtig ist, etwas? Es ist so viel Leid in der Welt, so unglaublich schweres Leid, auch immer wieder bei uns. Hilft da der Glaube an den Gekreuzigten etwas?

Passionszeit, Karwoche: leben im Blick auf den Kreuzweg, auf das Kreuz? - Er, Jesus Christus, der uns exemplarisch, urbildlich vorangegangen ist, kann Menschen, die ins Leiden gesetzt sind, ihr Schicksal zu tragen und erleichtern helfen. Auch durch Menschen, die das Kreuz eines anderen mittragen, wie es ihm selbst ja auch getragen wurde, in vielen sozialen Berufen, aber auch vielfachen ehrenamtlichen Begleitungen, in den Familien, untereinander in der Gemeinde. Da kann es helfen, wenn wir im Blick auf ihn uns persönlich zuwenden: dem Schwachen, dem Fremden, dem, der es schwerer hat als wir.

Wir haben als Christen da einen guten Grund, der uns motiviert: Jesu eigene Hilfe und Trost, die er gegeben hat bis ans Kreuz: seine Ermutigung soll uns stärken im Glauben, indem wir auf den Glauben schauen, den er selbst hatte, bis zuletzt. Das bringt vielleicht nicht unbedingt die große soziale Anerkennung, Applaus von vielen oder zählbaren Erfolg. Aber es hilft.


Wie schon Mathias Grünewald, der Meister des Isenheimer Altars gesagt hat: „Geht mir nit drum, ob mein Leib verdorrt wie Gras, aber um dein Bild in mir geht´s mir.“ Den Glauben gebe uns Gott! Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

 

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