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Ökumenischer Wortgottesdienst am 14.01.2018

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Predigt von Pfarrer Dr. Gerhard Pfister in der Pfarrkirche Aufkirchen
über Römer 8,15-17 und 2.Mose (Exodus) 15,1-2

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Pfarrer Zott hat es vorhin bei der Begrüßung schon gesagt: Wir feiern diesen Gottesdienst in ökumenischer Offenheit und Verbundenheit anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2018. Dieser Anlass war sicher nicht allen, die heute in die Kirche gekommen sind, schon vorher bewusst. Den meisten ist bekannt, dass in Aufkirchen mehrere ökumenische Gottesdienste im Jahr gefeiert werden, einige wissen auch die Anzahl „dreimal“ und Tage wie Pfingstmontag oder 1. Advent und irgendwann im Januar. Dabei gibt es die ökumenischen Gottesdienste in der Gebetswoche für die Einheit der Christen in Aufkirchen ungefähr schon so lange es diese Gebetswoche überhaupt gibt, also über 50 Jahre. Der langjährige Pfarrer von Aufkirchen Monsignore Alfons Wimmer hat sie zusammen mit einem meiner Vorgänger eingeführt und ich durfte vor genau 40 Jahren zusammen mit ihm zum ersten Mal hier einen solchen Gottesdienst gestalten, nachdem ich die Gebetswoche schon in meiner ersten Gemeinde in München kennen gelernt hatte. Die ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christen gab es zuerst im deutschsprachigen Raum, inzwischen ist sie aber über Europa hinaus in mehreren Kontinenten verbreitet. Die Themen oder Leitworte werden alle Jahre von einem anderen Land vorgeschlagen.

Für 2018 kommen sie aus Mittelamerika, aus der Karibik, von einer gemeinsamen Vorbereitungsgruppe der Kirchen der Karibik unter Leitung des römisch-katholischen Erzbischofs von San Domingo. In der Geschichte des Christentums in dieser Region gibt es ein Paradox: Einerseits missbrauchten die Kolonialmächte die Bibel, um die Unterwerfung der einheimischen Bevölkerung des Gebiets und vieler anderer Menschen, die aus Afrika oder Asien in die Karibik gebracht wurden, zu rechtfertigen. Völker wurden ausgelöscht, zahllose Menschen in Ketten gelegt und zu Sklaven gemacht. Andererseits wurde die Bibel für viele, die unter der Kolonialherrschaft zu leiden hatten, zur Quelle des Trostes und der Befreiung. Die Bibel ermutigt bis heute die Gläubigen der Karibik, für Menschenrechte und bessere Lebensbedingungen zu kämpfen. Sie schreiben uns zur ökumenischen Gebetswoche: Wenn die Ketten der Versklavung sich von unseren Händen lösen, wächst ein neues Band der Gemeinschaft. Es bringt die Einheit zum Ausdruck, für die unsere christlichen Gemeinden aus unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen beten.

Deshalb haben wir in der Lesung das Danklied für die Errettung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten gehört: „Ich singe dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Meine Stärke und mein Lied ist der Herr. Er ist für mich zum Retter geworden.“ Und die Bestätigung des Apostels Paulus: „Ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsst. Sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen (und Töchtern) macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist Gottes selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“

Paulus betont in seinem Brief an die Römer genau wie das Danklied der befreiten Sklaven, welche befreiende Kraft Gott uns schenkt, und darüber hinaus: Welche Würde er uns zuerkennt, dass wir seine Kinder sein dürfen. Das ist ja beileibe keine Selbstverständlichkeit, auch wir Menschen sind zunächst einmal Geschöpfe, genau wie die Tiere und Pflanzen Gottes Geschöpfe. Dass wir durch Jesus Christus mehr sein dürfen, nämlich Kinder, die voll Vertrauen zu Gott DU, Vater sagen dürfen, das ist ein wunderbares Geschenk, die größte Würde, die größte Freiheit, die wir haben. Jede und jeder von uns ist nicht nur ein Sandkörnchen in der riesigen Menge der Milliarden von Menschen. Gott kennt jeden und jede von uns, er sagt zu mir und zu dir: Du bist mein Kind. Die Taufe (die christliche Taufe, es gibt keine katholische und evang. Taufe, sondern wie die Bibel sagt und wie alle Kirchen bis auf ein paar Sekten anerkennen, nur die eine christliche Taufe) ist die Handlung, wo das sichtbar geschieht und jedem und jeder einzelnen ganz persönlich zugeeignet wird. Und Gott selbst gibt uns durch seinen Geist immer wieder die Gewissheit, dass wir seine Kinder sind und bleiben. Seine Kinder, die als seine Kinder wie die Kinder einer Familie auch zusammengehören und nicht durch Grenzziehungen auseinanderdividiert werden dürfen, selbstverständlich auch nicht durch Konfessionsgrenzen.

Es ist gut, dass wir uns durch die Worte aus der Bibel an die Kraft Gottes, die in unserem Leben wirksam wird, an den kraftvollen Geist Gottes erinnern lassen, gerade heute in unserem ökumenischen Gottesdienst in der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Wir beten für die Einheit der Christen, die nicht unbedingt eine einheitliche weltweite Mammutorganisation braucht, sondern durchaus eine versöhnte Einheit aus sehr unterschiedlich organisierten Gemeinden sein kann. Wir beten in diesem Gottesdienst für die Einheit der Christen und blicken dabei dankbar auf das ökumenische Miteinander, das uns jetzt schon geschenkt ist, gerade in Deutschland, gerade in unserem Bereich, auch hier und heute.

Kardinal Marx hat in dieser Woche gesagt: Das abgelaufene Jahr 2017 war ein gutes Jahr für die Ökumene. Er bezieht sich dabei vor allem auf das Feiern des 500jährigen Reformationsjubiläums, das nicht wie von manchen befürchtet als Fest der Kirchenspaltung gefeiert wurde, sondern als gemeinsames Christusfest unter Einbeziehung der katholischen Kirche.

Kardinal Marx hatte zum Stichwort „Reformationsfest als Christusfest“ von Anfang an betont: Der Glaube an Jesus Christus, das Lesen der Heiligen Schrift und das sakramentale Band der Taufe verbinden uns zutiefst miteinander. Die beiden großen christlichen Kirchen stehen in der gemeinsamen Verantwortung, dass wir unsere Einheit im Glauben sichtbar werden lassen und ihr in einer Weise Ausdruck verleihen, die die Christen in ihrem Glauben bestärkt und die Menschen, die unseren Kirchen fern stehen, uns als Brüder und Schwestern im Glauben erleben lässt. Unser gemeinsames Zeugnis für Jesus Christus ist heute in unserer Gesellschaft und bei der Suche vieler Zeitgenossen nach Halt und Orientierung von besonderer Dringlichkeit.“

Aus diesen drei Sätzen von Kardinal Marx wird deutlich, was an ökumenischer Gemeinschaft und damit an christlicher Einheit alles gewachsen ist, wofür wir wirklich dankbar sein können. Es klingt aber auch an und wird ebenso deutlich, was es an der Einheit noch fehlt und dringend nötig wäre. Wir können nicht einfach sagen: Dann machen wir es halt, führen wir es durch. Das wäre zu kurzschlüssig gedacht. Was 500 Jahre auseinander gelaufen ist, lässt sich nicht mit ein paar Maßnahmen zusammenbringen. Wir können nur mit Geduld und vor allem nur mit Gottes Hilfe, mit der Kraft des Geistes Gottes zu einer Einheit der Christen kommen. Deshalb beten wir darum, heute und hoffentlich nicht nur heute. Also: Lasst uns beten!

Amen

Exodus 15,1-2:
Damals sang Mose mit den Israeliten dieses Lied. Sie sagen:
Ich singe dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben, Rosse und Kampfwagen warf er ins Meer. Meine Stärke und mein Lied ist der Herr. Er ist für mich zum Retter geworden. Er ist mein Gott, ich will ihn preisen.

Römer 8,15-17
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsst. Sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen (und Töchtern) macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist Gottes selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben. Wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.

 


Fotos vom Gottesdienst sind in der Bildergalerie abgelegt.


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