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Lebenslauf-Predigt zur Bestattung von Ursula Hoyer

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Liebe Trauergemeinde,


Ursula Hoyer ist gestorben. Nach langer und schwerer Krankheit. Die meisten von Ihnen haben in den letzten Jahren mitverfolgt, wie sie immer weniger wurde, und gestaunt, dass ihr Geist und ihre innere Kraft dabei eher zu wachsen schienen.
Dass sie auf den Tod zuging, wussten viele schon lange. Auch sie selber. Aber ihre Liebe zum Leben hat sie nicht verlassen und sie länger am Leben gehalten, als viele erwartet hatten. Bis zuletzt hat sie ihr Leben geliebt. Das hat ihr das Sterben nicht einfacher gemacht.

Und nun sind wir hier versammelt, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Um an sie zu denken, um uns zu erinnern, wie sie war, wie wir sie erlebt haben. Um diese Erinnerung im Herzen zu behalten. Und ich will versuchen diese Erinnerung an sie in Worte zu fassen.

Ich habe überlegt, wie ich beginnen soll. Und ich möchte mit dem beginnen, wie ich Ursula Hoyer erlebt habe, als ich vor ziemlich genau 15 Jahren hier in die Gemeinde kam. Es gibt wohl in jeder Gemeinde viele Mitarbeiter, die gerne mal was für die Gemeinde tun. Die sagen: Sie können mich mal anrufen. Ich helfe gern, wenn ich Zeit habe. Und es gibt, wenn man Glück hat, auch einige wenige Mitarbeiter/innen, für die ihre Gemeinde an erster Stelle steht. Die immer da sind, wenn man sie braucht, die mit überlegen, mitplanen, auch mit leiden, wenn etwas nicht so läuft, wie man es erhofft hatte. Solch eine Mitarbeiterin war Ursula Hoyer. Sie war einfach da. In ihrer ruhigen, freundlichen Art, mit einer großen Selbstverständlichkeit. Sie war jeden Sonntag auf der Orgel. Man konnte sich darauf verlassen. Sie hat den Seniorenkreis geleitet und selbstverständlich beim Sommerfest mitgeholfen und beim Gemeindeadvent. Und kam immer zum Mitarbeiterkreis. Die Gemeindetermine standen bei ihr als erste im Kalender und alles andere wurde drum herum geplant.
Ich weiß nicht, ob das für die Familie immer angenehm war. Aber offenbar hat ihr Mann es akzeptiert und ihre Kinder es ertragen.
Sie hat das einfach getan, weil es ihr wichtig war und es ihr Freude gemacht hat.
Das wichtigste Thema ihrer Mitarbeit war immer die Musik. 25 Jahre hat sie den Chor in Starnberg geleitet und wohl 35 Jahre allein in dieser Gemeinde die Orgel gespielt.
Sogar in den letzten Jahren hat sie im Altenheim den Singkreis geleitet, in Berg den Projektchor und hat in Söcking mit den Kindern Singspiele für Weihnachten und Ostern einstudiert. Und hat noch die Orgel gespielt, als es für sie schwer war, die Treppe der Empore zu erklimmen.

Die Musik war für ihr Leben sehr wichtig, die Kinder und der Glaube. Alles hat in ihrem Leben eine große Rolle gespielt und sie konnte am Ende ihres Lebens sagen, dass sie ein erfülltes Leben hatte, in dem sie all das leben konnte, was ihr wichtig war.

Und nun möchte ich doch zurückgehen zu ihrer Kindheit. Geboren wurde sie als Ursula Mayer im Fränkischen in Wassertrüdingen. Ihr Vater war Uhrmachermeister, ihre Mutter führte ein kleines Lebensmittelgeschäft. Sie lernte früh Klavier und bekam auch Orgelunterricht, aber ihren Wunsch Musikerin zu werden haben ihre Eltern nicht unterstützt. So wurde sie zunächst Zahnarzthelferin, hatte aber in den zwei Praxen in denen sie arbeitete, wenig Freude.

So machte sie eine weitere Ausbildung als Erzieherin. In Tüllingen in Baden arbeitete sie mehrere Jahre in einem Kinderheim. Für Kinder da sein zu können hat ihr große Freude gemacht. Sie hat dort auch Freunde fürs Leben gefunden, mit denen sie bis zuletzt Kontakt hatte. Auch dort spielte sie bereits Orgel und leitete sogar einen Männerchor. Aber die Kurse für Chorleitung, die sie dazu belegt hatte, reichten ihr nicht und nachdem sie genug Geld gespart hatte, erfüllt sie sich doch den Wunsch und studierte in Basel Chorleitung. Danach konnte sie als Musiklehrerin arbeiten und kehre nach Tüllingen zurück.

Sie war schon 36 Jahre alt, als sie ihren Mann kennen lernte. Dann veränderte sich ihr Leben sehr plötzlich. Im Jahr 1976 heiratete sie, zog zweimal um, zuerst nach München, dann mit ihrem Mann nach Söcking und dann kam im Winter auch schon ihre Tochter Uta zur Welt. Zwei Jahre später wurde ihr Sohn Ulrich geboren. Nun hatte sie Zeit, sich ihren eigenen Kindern zu widmen und sie hat diese Aufgabe gern getan und war ihnen eine liebevolle Mutter. Auch bei ihren Kindern hat sie sich bemüht, die Freude an der Musik zu wecken und sie darin unterstützt ein Instrument zu lernen. Andere Aktivitäten der Kinder waren ihr weniger wichtig.
In Starnberg und Söcking hat sie sich von da an sehr am kirchlichen Leben beteiligt. Sie hat nicht nur die Orgel gespielt und später den Chor in Starnberg geleitet, sondern auch Flötenunterricht gegeben, jahrelang im Mitarbeiterkreis mitgearbeitet, der alle Veranstaltungen in Söcking geplant hat, später im Regionalausschuss Söcking, Sie war im Kirchenvorstand, hat den Weltgebetstag der Frauen mit vorbereitet und Kinderbibelwochen mitgestaltet.
Neben den Kindern waren ihr die alten Menschen der Gemeinde ein besonderer Anliegen. So hat sie in Söcking den Seniorenkreis gegründet und jahrelang geleitet, später im Kriegsblindenkursanatorium Andachten gehalten und zum offenem Singen eingeladen. Mit ihren Kindern ist sie vor Weihnachten ins Altenheim und hat den Senioren etwas vorgeflötet, um ihnen eine Freude zu machen.
Anderen eine Freude machen, das hat ihr gefallen. Den Kindern, den Älteren, bei Festen. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie bei unserer Hochzeit mit dem Chor und der ganzen Gemeinde im Gemeindesaal ein selbst gedichtetes Lied gesungen hat. Manche erinnern sich noch an die Faschingsfeiern, bei denen sie Spiele anleitete und lustige Lieder sang.
Da war sie in ihrem Element. Und immer war es auch wichtig, dass richtig gesungen wurde. Manch einer fürchtete, wenn sie im Gottesdienst einen Kanon anleitete, dass es jetzt wieder Gesangsunterricht gab.

Ich hoffe, die Auflistung ist Ihnen nicht zu lange. Aber es zeigt für mich, wie ungeheuer vielfältig sie ihre Gaben eingesetzt hat.

Vor 10 Jahren änderte sich wieder viel in ihrem Leben. Und diesmal nicht zum Guten. Und vielleicht haben wir, haben Sie Ursula Hoyer gerade in diesen Jahren noch einmal anders und neu kennen gelernt. Vollkommen unerwartet brach ihr Mann vor 10 Jahren im Garten tot zusammen. Das war 2002. Da schwelte der belastende Konflikt in der Gemeinde um Pfarrer Kunas schon lange. Ein Jahr später erkrankte Frau Hoyer an Brustkrebs, sie bekam außerdem einen Nierentumor, später musste sie wegen Hautkrebs operiert werden.
Während es ihr gesundheitlich so schlecht ging, musste sie erleben, dass sie in der Gemeinde durch den Gemeindekonflikt von Menschen gemieden und verurteilt wurde, mit denen sie jahrelang zusammengearbeitet und denen sie viel Gutes getan hatte.

Ursula Hoyer war kein Mensch, der viel über Gefühle redete, so können wir nur ahnen, was das für sie bedeutet hat.
Aber gerade in diesem Konflikt und auch in ihrem Kampf mit ihrer Krankheit wurde vielleicht besonders deutlich, welche Kraft und Richtschnur der Glaube ihr gegeben hat.

Das erstaunliche war, dass sie trotz des Konfliktes und all der Enttäuschung, die damit verbunden war, trotzdem in der Kirchengemeinde Söcking blieb und dort auch weiter aktiv war. Sie hat sich nicht verdrängen lassen. Sie hat weiter das getan, was sie richtig und wichtig fand. Sie hat weiter im Gottesdienst gespielt. Sie ist zu den Kriegsblinden gegangen. Sie hat mit den Kindern und Pfarrerin Reichenbacher Weihnachtsgottesdienste vorbereitet. Sie hat hier in ihrer Gemeinde weitergearbeitet.
Gleichzeitig ist sie auch oft nach Berg gefahren. Dort hat sie sozusagen eine 2. kirchliche Heimat gefunden mit vielen Starnberger Emigranten, denen sie sehr verbunden war und die ihr in ihrer Krankheit auch zur Seite standen. Sie hat auch dort die Gottesdienste musikalisch unterstützt und am Gemeindeleben teilgenommen – besonders am Tanzkreis - und auch den Projektchor geleitet.

Und als sie nach mehreren Operationen noch einmal eine Spanne Zeit hatte, in der sie beschwerdefrei war, genoss sie das Leben. Sie fuhr bei mehreren biblischen Reisen mit nach Spanien, Zypern, Tunesien. Sie hat das Leben ausgekostet.

2008 kehre der Krebs wieder, diesmal als Lungenkrebs. Da ging es ihr gesundheitlich langsam aber stetig immer schlechter. In den folgenden vier Jahren ging es oft bergab und nur selten bergauf. Und gerade da genoss sie dankbar die kleinen Höhen, die ihr blieben. Sie feierte ihren 70. Geburtstag groß im Gemeindehaus Berg mit der ganzen Gemeinde. Bei der Hochzeit ihrer Tochter feierte sie bis in die Nacht. Sie war glücklich noch ihr Enkelkind erleben zu können.

Ich habe überlegt, welches Bibelwort zu Ursula Hoyer und ihrem Leben passen könnte.
Mir kam ein Wort aus Nehemia in den Sinn: Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. ( Neh 8,10)
Ursula Hoyer hat die Freude am Herrn gelebt mit ihrer Musik an der Orgel und dem Singen. Und sie hat in dieser Freude am Herrn so eine Stärke und so eine Kraft gefunden, die wir an ihr vielleicht gar nicht vermutet hätten. Sie war ja so zierlich.
Und doch hat sie jahrelang gegen die Krankheit gekämpft und für ihr Leben. Nicht verbissen, sondern mit einer inneren Kraft. Mit viel Humor und mit einem tiefen Glauben. Und indem sie dem Leben seine guten Seiten abtrotze. Über ihre Krankheit oder den Tod zu reden war ihr ein Gräuel. Ihr Thema war nicht der Tod sondern das Leben. Sie jammerte nicht darüber, wie es ihr ging. Sie wollte nicht bemitleidet werden, sondern ihr Leben leben, sich über alles freuen, was ihr noch geschenkt wurde und dies dankbar aus Gottes Hand nehmen.
Und bis zuletzt wollte sie selbst darüber bestimmen, was mit ihr geschah.

Sie, Ihre Kinder, haben es ihr möglich gemacht, die letzten Wochen so selbstbestimmt zu leben wie es ihr Wunsch war: Ursula Hoyer konnte zu Hause bleiben. Sie war nie allein und konnte noch selber darüber entscheiden, wie sie behandelt wurde. Sie haben ihr das zugestanden, auch da, als es für Sie kaum zu ertragen war. So konnte sie nach einem schweren Abschied dieses Leben im Ihrem Beisein verlassen.

Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.
Auch wir dürfen uns das sagen lassen: Seid nicht bekümmert!
Denn wir wissen, wohin Ursula Hoyer gegangen ist:
Wir wissen, dass sie in Gottes Licht sein darf.
Dort wo es keine Tränen, kein Leid und keine Schmerzen gibt.
Wir wissen, dass sie dort erlöst ist.
Wir wissen, dass sie dort empfangen wird von Christus, der sie schon immer geliebt hat und dem sie immer vertraut hat.
Wir wissen, dass sie dort froh sein darf.
Und ich stelle mir vor, dass Christus sie dort - vielleicht nicht ganz so fest - in den Arm nimmt, weil sie das nicht so gern hatte. Und dass sie nun singen kann. Und vielleicht gibt es dort ja auch einen Engelchor, der gerade nach einer Chorleitung sucht. Und der auch unbedingt ein wenig Stimmbildung braucht.
Wir vertrauen in Gottes Güte und Macht, dass er Ursula Hoyer vom Tod zum Leben führt.

Amen.
 

Söcking 26.04.2012 Pfarrerin Bettina Mogk

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