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Kurzpredigt Pfarrer Johannes Habdank

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Kurze Predigt zu einem Gedicht von Khalil Gibran am Sonntag Miserikordias, 5. Mai 2014, Musikalischer Gottesdienst mit Konfirmandenvorstellung

Lesung: Gedicht von Khalil Gibran (Text siehe unten)

Das sind eigenartige Worte in Vorbereitung auf die Konfirmation, bei der wir hier gemeinsam Abendmahl feiern werden und das so tun, wie es in einem Abendmahlslied heißt:
Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen: wir sind, die wir von einem Brote essen,
aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

Khalil Gibran, christlich-libanesischer Dichter, Philosoph und Maler – gelebt 1883–1931 – setzt da einen anderen Akzent. Khalil Gibrans Themen sind im Wesentlichen das Leben, die Liebe und den Tod, auch die Freundschaft, wie wir gehört haben.
Also elementare Beziehungsthemen: Beginn, Grund / Basis, Blüte und Ende von Leben, Liebe – Beziehung, echte und unechte, substantielle, tragfähige und falsche, flache, also Beziehung und Nicht-Beziehung, Leben und Tod.
Khalil Gibran, der von klein auf ein eher schweres Leben hatte, nimmt diese Themen entsprechend auch nicht leicht, verfremdet sie in der lyrischen Darstellung, gleichwohl so, dass immer ein wahrer Kern zur Geltung kommt. Ich lese die Worte noch einmal:

Liebet einander, doch macht die Liebe nicht zur Fessel:
Schaffet eher daraus ein webendes Meer
zwischen den Ufern eurer Seelen.
Füllet einander den Kelch, doch trinket nicht aus einem Kelche.
Gebt einander von eurem Brote, doch esset nicht vom gleichen Laibe.
Singet und tanzet zusammen und seid fröhlich,
doch lasset jeden von euch allein sein.
Gleich wie die Saiten einer Laute allein sind,
erbeben sie auch von derselben Musik.
Gebet einander eure Herzen, doch nicht in des andern Verwahr.
Denn nur die Hand des Lebens vermag eure Herzen zu fassen.
Und stehet beieinander, doch nicht zu nahe beieinander:
Denn die Säulen des Tempels stehen einzeln,
und Eichbaum und Zypresse wachsen nicht im gegenseitigen Schatten.

Ja, das finde ich durchaus sympathisch: Liebe – wie schon Freundschaft – mündet nicht darin, dass die Beteiligten sich in einem „Wir sind alle eins–Wohlgefühl“ auflösen und dabei tendenziell ihre individuelle, persönliche Identität preisgeben bzw. verlieren. Nein, lasst jeden von Euch auch allein sein, also weiterhin er selbst sein! Bleibt selber wer mit eurem ganz persönlichen Charakter, Eurer eigenen Persönlichkeit und Lebensart, mit Eurem Ernst, mit Eurem Charme, mit Eurem Humor. Weder Freundschaften noch Liebesbeziehungen dürfen das verändern oder aufheben wollen.
Gib dein Herz nicht aus der Hand, und einem anderen in die Hand,
es ist zu groß, dein Herz: er kann es nicht fassen, kein Mensch kann es fassen,
denn nur die Hand des Lebens, ein Bild für Gott, kann es fassen.
Und jetzt zu dem, was ich gerade anfangs angesprochen habe:
Füllet einander den Kelch, doch trinket nicht aus einem Kelche.
Gebt einander von eurem Brote, doch esset nicht vom gleichen Laibe.
Das kann man verstehen als Abendmahlskritik, im Kern ist es aber anhand der christlichen Abendmahlssymbolik eine sinnbildlich verkleidete Warnung vor zu viel Vergemeinschaf-tung, Vergemeinschaftungsdruck, Gleichsein-wollen und –sollen, ob in Freundschaft, in Liebesbeziehung, in Ehe und Familie oder auch in einer Kirchengemeinde.
Ja, das jeweils überindividuelle Ganze, der Tempel steht nur deswegen stabil, weil die Säulen jede für sich eine Säule ist und als Einzelne zum Gesamten beiträgt. Und jede Säule ist für sich ein Individuum mit ihren ganz eigenen Kurven und Kratzern, Höhe eher nicht, keine überragt die andere in nennenswerter Weise, und nur so ergibt sich ein organisches Ganzes, ein harmonisches Gesamtgebäude, wie wir es bei den antiken Tempeln in Griechenland, Bassai oder Akropolis oder in Paestum und Segeste immer noch wahrnehmen können. Im Neoklassi-zismus in München dann nicht mehr, Königsplatz. Da ist das Ganze dann modern-deutsch domestiziert und vergleichsweise vereinheitlicht worden.
Noch einmal Khalil Gibran:
Füllet einander den Kelch, gebt einander von eurem Brote
Singet und tanzet zusammen und seid fröhlich,
doch lasset jeden von euch allein – also er selbst – sein.
Gleich wie die Saiten einer Laute allein sind,
erbeben sie auch von derselben Musik.
Amen.

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