Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Konfirmandeneinführung am 25.09.2016

Aktuell >>

 

Weitere Fotos in der Bildergalerie.

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank über Epheser 4, 22-32

Liebe Gemeinde,
der heutige Predigttext steht geschrieben im Brief an die Epheser, also an die Christen in der Stadt Ephesus. Die Stadt Ephesus kann man sich heute an der türkischen Westküste als große archäologische Ausgrabungsstätte ansehen. Ephesus war im 1. Jh. n. Chr. die viertgrößte Stadt des römischen Reiches nach Rom, Alexandria und Antiochia (das liegt heute im Landesinneren der Türkei), war eine blühende römisch-hellenistische Hafen- und Handelsstadt und hatte jüngst Pergamon auf Platz 5 in der Tabelle verdrängt.


In Ephesus gab es Christen, die früher Juden gewesen waren, sog. Judenchristen. Und es gab aber auch sogenannte Heidenchristen, also Leute, die von irgendeiner anderen Religion, i.d.R. aus der römisch-griechischen Vielgötterei (Polytheismus) – Heiden sagt man da – zum christlichen Glauben gekommen waren: die also auf einmal nur noch an einen Gott glaubten – wie im Prinzip auch die Juden –, aber auch daran, dass dieser Gott der Juden den Menschen in der Person und dem Leben Jesu von Nazareth sich neu dargestellt, offenbart habe.

Glaube und christliches Gemeindeleben der Epheser hatten zur der Zeit, als der Epheserbrief (vermutlich von einem Schüler des Apostels Paulus) geschrieben wurde, ihren ersten Schwung verloren: Und die Christen heidnischer Herkunft in Ephesus wurden auch moralisch in ihrer Lebensführung etwas laxer, lockerer: sie fielen wohl auch in vielem in ihre alten, früheren Lebensgewohnheiten zurück.

Dagegen stellt sich der Schreiber des heutigen Predigttextes mit folgender Mahnung – ich lese aus Epheser 4 die Verse 22-32:

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Liebe Gemeinde,
das klingt nach fast 2000 Jahren immer noch aktuell, vielleicht da und dort in der Formulierung etwas altklug, „moralinhaltig“. Aber ich denke, zu diesen Worten fallen jedem von uns sofort einige aktuelle Beispiele ein, aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, vielleicht auch aus dem privaten Bereich?

Nun, die Kultur, die Gewohnheit, mit dem Finger auf andere zu zeigen, blüht allerorten! Es geht aber dem biblischen Autor gar nicht um die Anderen, sondern um die Kirche selbst, die Gemeinde vor Ort. Also für uns gesprochen: nicht um Politik, Wirtschaft und sonstige Gesellschaft, auch nicht um die Landeskirche, sondern um diese Gemeinde, uns selbst, jeden und jede, die hier Mitglied ist, dabei ist, mitmacht, um uns, so wie wir hier sind: um jeden, wie alt oder jung er ist, um jede, wie eng oder eher locker sie dieser Gemeinde verbunden ist. Auch jeden Menschen, der erst neu dazu gekommen ist, also „noch jung ist in der Bewegung“, - um alle, die wir hier in unterschiedlicher Weise miteinander verbunden sind.

Um uns selber geht es. Wenn wir mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die anderen deuten, zeigen wir zugleich mit dem Daumen auf uns selbst. - Wer mit sich selbst ehrlich ist, und das bitte ich Sie und Euch für sich jeder persönlich selber zu bedenken, wird sich eingestehen und von sich sagen müssen: ich bin nicht immer nur so (Daumen hoch), sondern auch so (Daumen nach unten), meistens wahrscheinlich so (Daumen waagrecht gestellt). Und zwar nicht nur in dem, was ich erlebe und wie mir geschieht, sondern auch mit dem, was ich tue und sage, wie ich mich aktiv verhalte.

Nun ist die Moralpalette der Empfehlungen im heutigen Predigttext ja sehr groß, liebe Gemeinde, und in vielen Punkten, die da angesprochen werden, ja auch nicht einmal spezifisch christlich. Und auch gar nicht besonders neu, schon damals nicht. Das Meiste kann man schon im Alten Testament nachlesen. Oder es kommt aus der römisch-antiken Philosophie der Stoa der damaligen Zeit. Also wirklich neu und originell ist dieser Passus aus dem Epheserbrief im Großen und Ganzen nicht. Und doch möchte ich auf zwei Gedanken abheben, die ich für besonders bemerkenswert halte und die das spezifisch Christliche in die allgemeine Moral einbringen, auch im Blick auf den Umgang innerhalb der Kirche und im Gemeindeleben:

Der eine Gedanke ist: „Zürnet nicht“ – nein, so heißt es gerade nicht! Denn zu zürnen, also auf jemanden wegen irgendetwas zornig zu sein, wird hier gerade als menschlich anerkannt. Deswegen heißt es wörtlich: „Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, und gebt nicht Raum dem Teufel.“

Du sollst also etwa schauen, liebe Konfirmanden, dass, wenn du Streit hattest mit Mitschülern oder Freunden, oder wenn es zu Hause gezofft hat mit deinen Eltern, dass der Rauch am Abend auch wieder verfliegt, dass der ganze Terz verraucht und deine Aufregung weg ist und dein Zorn. „Runtertrimmen!“ ist angesagt. Nicht in den nächsten Tag mit hinein nehmen. Es ist vorbei – neu anfangen!

Und dann heißt es noch: „Gebt nicht Raum dem Teufel.“ Teufel? Damit ist nicht eine Kasperltheater- oder Faschingsfigur, rot gekleidet mit schwarzen Hörnern oder schwarz gekleidet mit roten Hörnern gemeint. Schon eher die Figur des Mephistopheles aus Goethes Faust, der sagt: „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht; drum besser wär´s, wenn nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“ Ja, das kommt sehr nahe dem, was in der Bibel der Teufel ist, der „Satan“, wörtlich übersetzt: der „Hinderer“, der sich jeglichem gelingenden Leben in den Weg stellt. Und für heute gesprochen, nicht als Person vorgestellt: alles, was dir im Weg steht, was Kommunikation und Beziehungen stört und kaputt macht, was Lebensmöglichkeiten infrage stellt und verhindert, dass sie verwirklicht werden, menschlich und in der ganzen Schöpfung. Was dir selbst im Weg steht, von außen und von innen, aus dir selbst heraus. Was einfach hinderlich ist für eine gute Weiterentwicklung, dir selbst und anderen. Das meint „Teufel“ heute. Und der heutige Predigttext legt uns dringend nahe, sich nicht zu sehr davon beeindrucken zu lassen. Mit der Sonne soll für dich, lieber Christ, auch das, was dich heute erzürnt hat und der ganze „Teufelskram“, am Abend untergehen. Schau nach vorne: morgen ist ein neuer Tag!

Der andere Gedanke, der für ein christlich orientiertes Leben entscheidend ist und damit zusammen hängt, soll sein – und das ist für uns Christen heute ja auch nichts Neues zu hören, für die Damaligen wohl schon, für uns deswegen auch erinnerungswürdig: Es ist die Idee der Vergebung. Und dafür, liebe Gemeinde, brauchen wir kein Ritual wie zum Beispiel in der Grundschule in Aufkirchen, wo es etwa für den Schulhof ein Verhaltensmuster für beaufsichtigende Lehrer und die Schüler gibt/gab, wie sich die, die sich vorher geprügelt haben, wieder versöhnen können – dort ist das sinnvoll, ein Ritual zu pflegen, weil: zu Hause lernen viele Kinder das offensichtlich nicht mehr in genügender Weise. Aber – und darauf kommt es sehr viel mehr an, liebe Gemeinde – es geht oftmals, und zwar ritualfrei, in einer sehr angespannten und dichten zwischenmenschlichen Konfliktsituation darum, dass einer den ersten Schritt darüber hinaus tut. Und zwar ohne absehen zu können, ob der andere darauf eingeht und ebenfalls ein Zeichen der Versöhnung aussendet. Vergebung ist jedes Mal ein Wagnis. Es geht um nicht weniger als um das Nachmachen von Jesu Art und Methode, ja die „Politik der Entfeindung“, wie es Pinchas Lapide, der große jüdische Neutestamentler in seinem Buch „Jesus der Jude“ einmal eindrücklich formuliert hat. Vergebung als „Entfeindung“ (in militärischer Sprache hieße das: die „Erstschlags“- Option der Vergebung zu verwirklichen). Das bedeutet: den vergebenden ersten Schritt ins Ungewisse hinein zu tun. Das ist bei einem ernsten Konflikt riskant, aber: der Erste, der die Hand reicht, ist im Grunde der Führende. Jesus selbst hat diese seine Überzeugung und Art, zu vergeben, noch am Kreuz durchgehalten gegenüber denen, die ihm dieses sein Schicksal beschert haben. Und er ist für diese Einstellung auch noch in seiner letzten, qualvollen Stunde eingetreten, wenn er am Kreuz sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Was bedeutet das alles für uns? Tu im Konfliktfall den ersten Schritt zur Versöhnung und hab keine Angst! Selbst eine Absage, die du dir einfangen würdest, ist keine wirkliche Niederlage, allerdings auch kein Sieg. Darum geht es aber auch nicht. Alles andere, als vergebend dem anderen entgegen zu kommen, wäre gleichbedeutend mit: weiterhin abwarten, mit Berechnung und Aufrechnen.

Das aber würde „den Heiligen Geist betrüben“, wie es heißt, den Geist, der doch ein Geist der Vermittlung, der Grenzen überwindenden Verbindung und der Versöhnung und des Trostes ist. Und des motivierenden Neuanfangs!

Ich lese zum Abschluss den Predigttext noch einmal:

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Amen.

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier