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Festvortrag Prof. Dr. Harz

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Bildung in christlicher Verantwortung

Kirchliches Bildungsengagement wird oft nur sehr eingeengt als kirchliche Methode zur Nachwuchssicherung verstanden. Ein vor einiger Zeit erschienener Beitrag zur religiösen Er-ziehung in Kinderkrippen führte in der Presse zu dem aufgebrachten Kommentar: jetzt ver-greift sich die Kirche schon an Zweijährigen. Im Berliner Streit um die Einführung eines E-thikunterrichts als Pflichtunterricht für alle wurde kirchlicher Widerstand vielfach aus so ver-standen: Die Kirche wolle doch nur ihren Fuß in der öffentlichen Schule drin behalten. Aber christliche Verantwortung im Bildungsgeschehen ist in solcher Engführung falsch verstanden. Es geht um einen weiteren Horizont, auch in meinem Vortrag. Ich setze bei der Frage an, was das denn wohl Wesentliche an Bildung ist und möchte von da aus einen Fächer auf die ver-schiedenen Bereiche christlicher Bildungsverantwortung in unserer Gesellschaft hin öffnen. Ich bitte dabei um Verständnis dafür, dass da Vieles nur kurz angerissen werden kann. Wich-tig ist mir die Öffnung der benannten Engführung hin zur Weite all der Aktivitäten, in denen Kirche Verantwortung für Bildung wahrnimmt.

Anstelle von klugen, wissenschaftlich gut abgesicherten Definitionen möchte ich mit zwei sehr anschaulichen, vielleicht auch überraschenden Kennzeichnungen von Bildung beginnen. Die eine lautet: Bildung ist der Rohstoff zwischen den Ohren. Dahinter stehen offensichtlich volkwirtschaftliche Überlegungen: Wir sind ein rohstoffarmes Land, unser Rohstoff heißt deshalb Bildung. Den gilt es ökonomisch gut zu nutzen. Bildungsökonomie ist da gefragt, im Zusammenhang mit Bildungspolitik. Bildungsinvestitionen sind nötig, um die Schätze mög-lichst ertragreich für die Volkswirtschaft zu machen. Die Investitionen sollen sich ja auszah-len. Was mir an dieser Definition nicht gefällt, ist, dass da nur von außen her auf Bildungsgü-ter zugegangen wird. Der Gedanke der Ausbeutung liegt nahe, die Frage nach Rentabilität und Ertrag von Bildungsprozessen. Woran wird denn der Ertrag von Bildung gemessen? Gibt es so etwas wie ein Bildungsbruttosozialprodukt? In diesem Zusammenhang ist da auch schnell von Humankapital die Rede, das es effektiv und rationell zu erschließen gilt.

Was mir an dieser Definition gefällt: jeder Mensch hat diesen wertvollen Rohstoff. Er ist da, und es gilt ganz im Sinne seiner Besitzer gut mit ihm umzugehen. Damit ist eine andere Blickrichtung angezeigt. Dieser Rohstoff ist zuallererst der zu pflegende Schatz für jeden ein-zelnen, soll Anleitung und Hilfe sein für viele bereichernde Erfahrungen in der je eigenen Biografie. Darauf ist zu achten.

Mit zunehmendem Alter wird mir mit eine andere Definition sympathisch: Bildung ist das, was übrigbleibt, wenn man alles vergessen hat. Die Spitze richtet sich hier gegen ein lediglich quantitatives Verständnis von Bildung als Akkumulation von Wissensmengen, mit denen man dann Eindruck machen, etwa bei Pilawa im Fernsehen viel Geld einheimsen kann. Natürlich gehört zur Bildung das Wissen, das soll unbestritten sein. Aber welchen Stellenwert hat es bzw. soll es haben? Welche anderen Aspekte dürfen nicht zu kurz kommen? Ist Bildung der Kampf gegen das leider oft erstaunlich früh einsetzende Vergessen? Die Definition zielt auf das, was übrig bleibt, wenn das Wissen sich verflüchtigt hat. Was ist das, was bleibt?

Das Weiterdenken an dieser Stelle führt uns zu dem Hinweis, dass Bildung ursprünglich ein theologischer Begriff ist. Er stammt aus der deutschen Mystik (es ist übrigens ein Begriff, der im Englischen kein Pendant hat) und bezieht sich auf das Bild Gottes, das der Suchende in seinem Inneren, in der Tiefe seiner Seele findet. Diese Gottesschau gibt dem Menschen einen besonderen Wert, eine besondere Auszeichnung, kennzeichnet ihn als Ebenbild Gottes – nicht im Sinne von Überheblichkeit gegenüber anderem Lebendigen, sondern als etwas Einmaliges, Unverwechselbares, Wertvolles. Bildung hat in seinem Ursprung also viel zu tun mit dem Bild, das jeder Mensch von sich machen darf und soll, nämlich als ein Wesen, das sich selbst als Gottesgeschenk verstehen darf. Bildung wurzelt also in einem solchen Menschenbild, das jedem einzelnen als Gottesgeschöpf seine besondere Würde zuspricht. Das findet sich so auch in vielen biblischen Formulierungen. Jenseits von Bildungsmengen und deren Vermarktung geht es da also um so etwas wie einen Quellgrund von Bildung in jedem einzelnen Menschen. Jeder Mensch soll so zu einem Brunnen der Bildung werden.

Wie verhält sich das zur aktueller Bildungsdiskussion? Zu vermeiden ist ja, dass christlich-theologische Gedanken und pädagogische Theorien unverbunden und unvermittelbar neben-einander stehen, dass Theologie für die bloße Gedankenwelt und erbauliche Worte und Hu-manwissenschaft für die Realität stehen. Der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther hat ein-drücklich vorgestellt, wie das Lernen im menschlichen Leben beginnt: der Prozess milliarden-facher Verschaltungen im Gehirn setzt ein mit dem grundlegenden Empfinden, in verlässli-chen Beziehungen leben zu können, mit dem Spüren von Liebe und Wertschätzung. Da ent-deckt sich das Kind gleichsam im liebevoll zugewandten Gesicht von Mutter, Vater und ande-ren Bezugspersonen, gewinnt so ein erstes Bild von sich selbst. Und solche Bildempfindun-gen und –erfahrungen sollen zur tragfähigen, wirksamen Basis für alle weiteren Bildungspro-zesse werden. Bildung beginnt also damit, dass sich der Mensch im Spiegel anderer als wert-voll erleben kann, als einmalig und einzigartig. Und das geht so weiter in der Individualität, in der sich jeder Mensch seine eigenen Bilder von der umgebenden Wirklichkeit macht, sie ei-genständig verarbeitet, im Computerjargon gesprochen, sich seine eigene Lernsoftware schreibt, sich mit eigenen Neigungen, Begabungen, Interessen, Fähigkeiten, in eigenem Lern-tempo, in eigenen Lernschüben die Welt aneignet.

Die Nähe zu den biblisch-christlichen Bildungswurzeln ist nicht zu übersehen. Der Einmalig-keit jedes von Gott geschenkten Lebens entspricht da das pädagogisch sorgsame Achten auf das, was wohl der ganz persönliche Lernweg jedes jungen Menschen sein kann. Christliches Menschenbild muss da nicht länger gegen die sog. harten Realitäten des Bildungsgeschehens stehen, sondern kann sich ganz gezielt mit solchen Bildungsabsichten und –zielen verbinden, die ebenfalls aus humanwissenschaftlicher Sicht von solcher Einzigartigkeit, von der Indivi-dualität des Menschen und seinem Lernen ausgehen und ihm dienen.

Das bedeutet: christliche Bildungsverantwortung macht sich stark dafür, dass diese Bildungs-impulse nicht untergehen. Wie geschieht das konkret? Vor etlichen Jahren hat eine Synode der EKD einen pädagogischen sog. Perspektivenwechsel proklamiert: weg vom Kind als Ob-jekt der Belehrung, als Gefäß von einzuverleibenden Wissensinhalten hin zum Kind als Sub-jekt seiner eigenen, individuellen Lernprozesse, ganz im Sinne des gerade Beschriebenen. Ein Bewährungsfeld dafür tut sich auf, wo Kirchen als Träger von Bildungseinrichtungen wirk-sam sind. Das beginnt bei den vielen Tageseinrichtungen für Kinder in kirchlicher Träger-schaft, führt weiter zu ebensolchen Schulen, von Familienbildungsstätten bis hin zu den Er-wachsenenbildungswerken. Ganz konkret: Spüren die Mitarbeitenden in solchen Einrichtun-gen hier den Rückhalt auch von theologischer Seite aus, wenn unterschiedliche Bildungskon-zepte aufeinander prallen, wenn etwa möglichst effizientes Lernen mit messbaren Erfolgen eingefordert wird, das den individuellen Lerngeschichten der Kinder nur noch wenig Spiel-raum lässt? Spannt sich da der Bogen von der Achtung jedes Menschen als Ebenbild Gottes hin zum aufmerksamen Wahrnehmen seiner sich zeigenden Fähigkeiten, die sich nicht nur auf abprüfbare Lernerfolge richten, sondern auf so vieles andere. Da liest sich dann eine Beurtei-lung z.B. auch so: Es / sie kann aufmerksam wahrnehmen, was um ihn bzw. sie herum ge-schieht; kann gut zuhören und mit guten Ideen ein Gespräch voranbringen; zeigt viel Phanta-sie und ganz eigene, ungewohnte Ideen; kann andere gut trösten, kann in Konfliktsituationen gute Vorschläge machen usw.

Bildung in christlicher Verantwortung zeigt sich z.B., wenn Konfirmanden bzw. Firmlinge in ihrer schwierigen Lebensphase erleben können, dass in der Kirche Platz und Aufmerksamkeit für sie da ist - durch Menschen, die auch Widerspenstiges aushalten können und zu Auseinan-dersetzungen bereit sind; dass Kirche auch ein Forum ist, auf dem Jugendliche etwas von sich selbst zeigen können, von ihrer Art zu leben, zu denken und auch über den Glauben nachzu-denken. Sie zeigt sich auch, indem von kirchlicher Seite aus zu Fragen der Bildungspolitik Stellung genommen wird. Da geht es nicht nur um Fragen des Religionsunterrichts, sondern viel grundsätzlicher darum, ob und wie in den Reformaktivitäten in Bildungsverständnis und -planung der Respekt vor der Individualität der Lernenden im Vordergrund steht. Sie zeigt sich – um ein ganz konkretes Beispiel zu nennen – wenn sich Christen einer Kirchengemeinde zusammentun, um Patenschaften für Hauptschüler zu übernehmen, ihnen helfen, ihre Stärken ausfindig zu machen, und ihre Schwächen in bestimmten Bereichen zu mindern, wenn sie ihnen das Signal geben, dass sie eben nicht nur ein Bodensatz der Bildungspolitik sind, son-dern Individuen mit ihren eigenen Bildungswegen, die ebenso wie die der anderen Aufmerk-samkeit und Förderung verdienen.

Insgesamt also gilt: Biblisch-christliche Sicht des Menschen ist von dessen Würde als Ge-schenk Gottes her bestimmt. Das hat Konsequenzen für das Verständnis von Bildung. Men-schen werden nicht gebildet, sondern sie bilden sich. Bildung ist Selbstbildung. Und förder-lich für solche Bildung sind nicht uniformierende Leistungsschablonen, sondern Möglichkei-ten, eigenes Leistungsprofil immer besser kennenzulernen, sich an eigenen Lernerfahrungen zu freuen und Lust zu neuen Wegen zu bekommen. Christliche Bildungsverantwortung heißt, das Gewicht dieses Verständnisses in die Wagschale der Bildungsdiskussionen zu werfen und entsprechende Aktivitäten zu unterstützen. Was dann an Bildung beständig bleibt, sind gute Erfahrungen mit einem eigenständigen, selbstbewussten Umgang mit der umgebenden Wirk-lichkeit. Aber das ist noch nicht alles, denn die Frage bleibt: zielt Bildung nur auf individuelle Bereicherung. Das wäre doch Bildungsegoismus. Deshalb ist ein weiterer Aspekt zu beden-ken.

2) Auf dem Schulhof unterhalten sich drei Grundschüler; bald ist Religionsunterricht, bei dem sich die Klasse in unterschiedliche Gruppen aufteilt. „Was bist du?“ fragt der eine. „Ich bin katholisch“. – „Und du?“ – „Ich bin evangelisch“, antwortet der andere. Und der dritte sagt: „ich bin ethisch“. Was mir an dem schon benannten Berliner Streit samt Volksbegehren im zurückliegenden Jahr zum Religionsunterricht und Ethikunterricht auffiel, war die hier offen-sichtlich vorgenommene Trennung zwischen Religion und Ethik: Religionsunterricht küm-mert sich um das religiöse Seelenheil in kirchlicher Sicht, das ist dann auch die Privatsache jedes einzelnen. Dem Ethikunterricht dagegen geht es um die handfesten Fragen des Zusam-menlebens. Dazu braucht es keine kirchliche Beteiligung, das geht alle an. So als ob nicht auch Religion viel mit Ethik zu tun hätte, und umgekehrt Ethik mit religiöser Fundierung. Das sehen wir uns jetzt noch etwas genauer an: Mit dieser Fundierung ist eine höchste Autorität gemeint, die menschliches Handeln auch jenseits von wechselnden Meinungen und Trends bindet. In der Präambel des Grundgesetzes heißt es: In der Verantwortung vor Gott und den Menschen gibt sich das deutsche Volk dieses Grundgesetz. Das muss und darf nicht durch den christlichen Glauben definiert sein, diese Autorität kann christlich wie auch humanistisch ge-dacht werden. Aber unverzichtbar ist diese Autorität, die über dem steht, was in der Verfüg-barkeit von menschlichen Entscheidungen liegt, was mit Gesetzen eingeführt oder abgeschafft werden kann. Es geht da um das Unverfügbare und Unverletzliche, um die höchsten Werte wie Würde des Menschen, Gerechtigkeit, Toleranz, Recht auf Leben, Freiheit für alle.

Kirchen nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr, indem sie bei entsprechenden Diskussionen aus christlicher Sicht die Verpflichtung auf diese Werte anmahnen. Dies ge-schieht weniger, um christliche Traditionen und kirchlichen Einfluss zu wahren, sondern als Aufforderung an alle, ihre eigene Bindung an solche leitenden Werte ins Spiel zu bringen, ob sie nun christlich oder humanistisch begründet sind. Von der christlichen Position her kom-men da verständlicherweise biblisch-christliche Begründungen und Bindung zu Wort und fordern damit zugleich auch die anderen auf, dies mit der gebotenen Ernsthaftigkeit von ihrer jeweiligen religiösen Grundierung her zu tun.

In diesem Sinne verstehe ich z.B. auch die von der EKD-Ratsvorsitzenden, Frau Bischöfin Käßmann unfreiwillig angestoßenen Diskussion. Sie bringt aus ihrer christlichen Sicht bibli-sche Werte wie Frieden, Gerechtigkeit, Recht auf Leben ins Spiel, und sie regt an, im Blick auf diese Werte, auf das durch sie bestimmte Gute, die eingefahrenen Abläufe und Strategien neu zu durchdenken, neu zu justieren, das Bestehende an diesen Werten zu überprüfen. Was ist gut? Was kann auf welche Weise gut werden? Sie ruft nicht nur Christen auf, sondern wirbt bei allen, durch wen auch immer sie sich an diese Werte gebunden fühlen.

Szenenwechsel Schule: Ein Schüler hat einer türkischstämmigen Schülerin ein böses Schimpfwort nachgerufen und wird in der Klassenkonferenz zur Rechenschaft gezogen. Die Wiedergutmachung wird ziemlich zügig und phantasievoll geregelt: Der Täter muss der Schü-lerin eine bestimmte Zahl von Nachhilfestunden in einem ihrer schwachen Fächer geben. A-ber dann geht es im Gespräch doch noch weiter: Warum können einen bloße Worte so sehr kränken? Was passiert da bei einem? Der Gedanke der Menschenwürde kommt ins Spiel, auch die Frage, wo sie gewahrt und wo sie übertreten wird. Ist es selbstverständlich, dass sie einen besonderen Schutz erhält? Was bringt einen dazu, sich an dieses Schutzgebot zu halten? Ist es lediglich die Angst vor Strafe oder etwas anderes? Erfahrungen werden ausgetauscht. Auch der Lehrer erzählt von sich - von dem, was ihm selbst da wichtig ist. Und dann ist eine neue Frage im Raum: Was ist eigentlich das Gewissen? Der Klassenlehrer kündigt weiteres Nachdenken in diesem Zusammenhang an und nimmt zugleich Kontakt mit der Religionsleh-rerin auf: denn das sind ja wohl vor allem religiöse Fragen, meint er.

Die Frage nach leitenden Werten ist verständlicherweise auch eine Bildungsaufgabe. Und in der Frage nach christlicher Bildungsverantwortung stoßen wir auf eine zweifache Ausrich-tung: Es geht zum einen darum, auch außerhalb des Religionsunterrichts, der kirchlichen Kin-dergärten usw. das Bewusstsein für tragfähige Bindungen zu unterstützen und zu stärken, da-mit aus denen die Verpflichtung zu einem wertbewussten, verantwortlichen Handeln er-wächst. So zielt Gewissensbildung auf eine innere Autorität, in der das Recht jedes einzelnen auf Leben verankert ist. Woher kommt solche Autorität? Hat das etwas mit Gott zu tun? Wie sieht das in den verschiedenen Religionen aus? Christliche Bildungsverantwortung wirbt so auch außerhalb der kirchlichen Arbeitsfelder dafür, dass solche Gewissensbildung geschieht. So gesehen wünsche ich mir da noch mehr Zusammenarbeit zwischen Religions- und Ethik-lehrkräften in den Schulen, zwischen kommunalen und kirchlichen Tageseinrichtungen für Kinder, nämlich Verständigung über die gemeinsamen Aufgaben und auch die unterschiedli-chen Wege zu deren Bewältigung.

Und dann geht es um die Bildungsaufgabe im eigenen, christlichen Haus, d.h. von den bib-lisch-christlich begründeten Geboten des Lebens und Zusammenlebens her die je persönliche Verantwortung für das Miteinander zu wecken. Und wie sieht das aus? Eine geschichtliche Lagebestimmung zeigt uns da leider auch dunkle Flecken: Christliche Ethik kann ja bis zum heutigen Tag oft nicht den Charakter des Moralapostels ablegen, der sauertöpfischen Prüfin-stanz, so wie etwa einmal ein Konfirmand die Bedeutung der Zehn Gebote so definiert und kommentiert hat: Alles, was Spaß macht, ist verboten: „Du sollst nicht, du darfst nicht….“ Und über allem schwebte viel zu lange die drohende Instanz des strafenden Gottes, der alles sieht, dem wirklich nichts entgeht und der dann auch folgerichtig das entsprechende Donner-wetter folgen lässt, wenn nicht schon hier und in nächster Zeit, so doch spätestens beim Jüngsten Gericht, in Fegefeuer und Hölle.

Nein, christliche Bildungsverantwortung in diesem Bereich muss anders aussehen! Sie nimmt ihren Ausgang bei der Freude am Leben, bei allem Liebenswerten, beim Staunen und dankba-ren Annehmen all des Guten als eines Geschenks von Gott. Genau da beginnt dann auch die Bereitschaft zur eigenen Verantwortung. Eine klassische biblische Geschichte ist die vom Zöllner Zachäus. Auslegungsvariante 1: Gut, dass er endlich eingesehen hat, dass sein Reich-tum nur durch Betrug und Ausbeutung der anderen entstanden ist. Gut, dass er bereit ist, all das wieder herzugeben, die Betrogenen vielfach zu entschädigen. Variante 2: Der Akzent liegt woanders: Jesus bietet Zachäus völlig vorbehaltlos Freundschaft an. Der ist glücklich und feiert diesen ganz anderen Gewinn in einem rauschenden Fest. Und dann macht er sich Ge-danken, ob und wie diese Erfahrung mit Freundschaft auch weitere Kreise ziehen kann. Die Gewichte für Lebenswichtiges verschieben sich, etwas anderes als Geldbesitz wird für ihn zu einem zentralen, wertvollen Gut.

Aus christlicher Sicht wird so die Einsicht bestätigt, dass man eigentlich nur für das Verant-wortung übernehmen kann, was man selbst zu lieben gelernt hat. Das 8. Gebot heißt dann nicht bloß: „du sollst nicht lügen“, sondern: „mach dir bewusst, wie wichtig und wertvoll dir verlässliche Worte anderer Menschen sind. Welchen Teil kannst du selbst dazu beitragen? Und nicht nur um Blick auf das 5. Gebot „Du sollst nicht töten“ heißt das in der Umkehrung: Mach dir bewusst, was Leben angenehm und lebenswert macht. Wie kann das für dich selbst wie für die anderen Bestand haben? Für Jesus und seine Verkündigung ist bezeichnend, wie er überkommene, tradierte Regeln kritisch auf den Prüfstand gestellt hat, sie an dem eigentlichen Anspruch der Gebote gemessen und dabei auch zu Ergebnissen gekommen ist, die bei den Hütern der religiösen Ordnungen manchen Unwillen erregt haben.

Das Zusammenleben mit anderen geht keineswegs immer glatt vonstatten. Die Bibel erzählt viel vom Misslingen, von Enttäuschungen, Zerwürfnissen und Streit – und auch, wie sich dem zum Trotz wieder Möglichkeiten des guten Zusammenlebens ergeben haben: von Jakob und Esau bis hin zu den beiden Brüdern in Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn. Die Bibel ist eine Fundgrube von solchen Geschichten des alltäglichen Lebens – auch für den Ethikunterricht, auch für die kommunale Kindertagesstätte. In diesem christlichen Kontext begegnet Gott als Ursprung der Kraft, die zum Neubeginn Mut macht. Christliche Bildungsverantwortung tritt - innerhalb wie außerhalb des eigenen kirchlichen Hauses - für eine Gewissensbildung ein, mit der Menschen sich in ihrem Verhalten nicht bloß durch zu befürchtende Angst vor Strafen und Sanktionen leiten lassen, sondern eigenständig und selbstbewusst durch religiös fundierte Maßstäbe – Maßstäbe, die durch andere glaubhaft vorgelebt wurden und werden; Maßstäbe, die tief in dem gründen, was das Leben wertvoll macht; Maßstäbe, die Spielräume für eigene Entscheidungen eröffnen: Maßstäbe die auch durch eigene Fehler und Versäumnisse nicht geknickt werden. Das Ergebnis solcher Bildung ist weniger Wissensinhalt als vielmehr per-sönliche Haltung. Es sind Erfahrungen, wie z.B. das Eintreten für Gerechtigkeit einem selbst gut tun kann und das Selbstvertrauen stärkt. Und dahinter steht - ausgesprochen oder unaus-gesprochen - die Überzeugung, dass Gott den Menschen zu solchen Aufgaben bestimmt hat.

3) Aber was ist denn nun endlich mit dem Wissen? Welche Rolle spielt es in einem christlich begründeten Verständnis von Bildung, und wie sieht da kirchliche Bildungsverantwortung aus? Auch hier möchte ich dies in zweierlei Richtung bedenken, außerhalb wie auch innerhalb der spezifisch kirchlichen Tätigkeitsfelder. Nach biblischem Verständnis ist dem Menschen als Ebenbild Gottes die Welt zu Füßen gelegt, um sie – mit dem vorher bedachten Respekt gegenüber allem Lebenden – mit wachen Sinnen zu erkunden. Die Welt als Schöpfung Gottes bietet viel Raum für menschliches Erfahren und Erforschen. Motor dafür ist die Neugierde, das immer neue Fragen nach Ursachen und Zusammenhängen. Peter Bieri, besser bekannt als der Romanautor unter dem Pseudonym Pascal Mercier hat es so formuliert: „Bildung beginnt mit Neugierde. Man töte in jemandem die Neugierde ab, und man stiehlt ihm die Chance, sich zu bilden“. Die angemessene Methode für die Neugierde ist das eigenständige Entdecken. Das wäre genau das Gegenteil der ziemlich flapsigen Definition eines Schülers, was Unterricht sei: Schule ist, wenn permanent Antworten gegeben werden auf Fragen, die niemand gestellt hat. Christliche Bildungsverantwortung unterstützt ein Lernen und damit auch eine Wissens-aneignung, bei der das Feuer der Neugierde brennt. Dass das durchaus nicht selbstverständ-lich ist, zeigt die unrühmliche Geschichte kirchlicher Denkverbote von Galileo Galilei bis zu Charles Darwin. Ich hoffe, dass dieses Kapitel endgültig abgeschlossen ist.

Unter religiösem Gesichtspunkt aber gilt es noch weiter zu denken: die Schöpfung Gottes darf uns zum offenen Buch werden, Gott selbst aber bleibt das unergründliche Geheimnis. Christ-liche Bildungsverantwortung macht auf diesen Rand, diese Grenze des naturwissenschaftli-chen Erkundens und Erforschens aufmerksam. Zu den Experimenten in der Natur soll das Staunen hinzutreten können. Neben der Messbarkeit der Dinge geht es eben auch um wunder-bare Schönheit der Natur, um die Freude daran, um das Bewundernswerte an ihr, samt den Fragen, woher das kommt. Das Staunen weckt in noch anderer Weise Fragen nach Ursprün-gen und dem Sinn des Ganzen als das experimentelle Bestimmen von Ursachen und Wirkung. Christliches Bildungsverständnis legt den Finger darauf, dass dieser Rahmen für naturwissen-schaftliches Forschen und Experimentieren nicht vergessen wird.

Und es darf auch nicht das eine gegen das andere ausgespielt werden, etwa das wissenschaft-liche Erforschen der Entstehung unserer Welt gegen das Staunen über all das Wunderbare in ihr, wie es etwa in den poetischen Schöpfungstexten der Bibel zum Ausdruck kommt. Beides gehört zusammen: die Frage, was sich da alles erklären lässt und die andere nach dem, was da rückblickend als etwas Sinnvoll-Planvolles anschaulich wird, das Dankbarkeit weckt und nach einem Adressaten dieses Danks sucht. Dieses Nebeneinander und Miteinander dieser beiden unterschiedlichen Zugänge zum Verständnis unserer Welt zeigt sich ja immer wieder, ist immer noch ein wichtiges Thema christlicher Bildungsarbeit. Zum methodischen Forschen gehört die staunende Nachdenklichkeit mit den Fragen und unbeweisbaren Antworten, welche wirksamen Kräfte da wohl dahinterstecken mögen. Im Sinne einer Bildung in christlicher Verantwortung dürfen diese Fragen nicht verloren gehen, innerhalb wie außerhalb kirchlicher Zugehörigkeit. Es ist eine gesellschaftliche Bildungsaufgabe.

Die Gegenseite des Staunenswerten ist das Erschreckende. Woher kommt das Zerstörerische im Handeln der Menschen wie in den zu beobachtenden Verfallserscheinungen in der Natur? Warum gibt es Sterben und Tod in der Art und Weise, wie es Menschen oft so schmerzvoll trifft? Gibt es ein Jenseits des irdischen Lebens? All das sind Fragen und Gedanken, die über eine rein kirchliche Unterweisung hinausgreifen, weil sie alle bewegen, bzw. bewegen sollten, ob Christen, Angehörige anderer Religionen, Menschen außerhalb religiöser Bindungen. Christliche Bildungsverantwortung zielt darauf, dass solche Fragen nicht nur im kirchlich verantworteten Religionsunterricht ihren Ort haben, oder nur im kirchlichen Kindergarten, sondern auch in philosophischer Nachdenklichkeit im sog. Ethikunterricht und noch weiter auch in den naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, bei kinderphilosophischen Ge-sprächsrunden in möglichst allen Kindergärten und Schulen. In den Bereich solcher Nach-denklichkeit zählt auch die Beschäftigung mit philosophischen Themen, wie sie etwa vom Berger Kulturverein angeboten werden.

Christliche Bildungsverantwortung schließt die Sorge dafür ein, dass die sog. „großen Fragen des Lebens“ nicht als rein binnenkirchliche verstanden bzw. abgehakt werden, sondern als religiöse Fragen aller Menschen, unabhängig davon, ob die Antworten innerhalb oder außer-halb der christlichen Überlieferungszusammenhänge gesucht werden. So verstehen sich etwa viele Religionslehrerinnen und –lehrer in höheren Klassen als Moderatoren, als ehrliche Mak-ler solcher Gespräche, in denen alle Überzeugungen zu Wort kommen sollen, neben den kirchlich-christlichen auch die vor-, neben- und nachchristlichen, und gemeinsam deren Trag-fähigkeit auf Herz und Nieren geprüft wird. Damit entfällt auch hier der eingangs benannte Vorwurf, kirchlichem Bildungsengagement gehe es nur um sog. Besitzstandswahrung, um Nachwuchssicherung. Die hier beschriebene Bildungsverantwortung reicht viel weiter, ist gesellschaftliche Mitverantwortung für alle Menschen: damit alle die Möglichkeit haben, un-abhängig von ihren je verschiedenen Verwurzelungen den „Großen Fragen“ des Lebens zu begegnen.

Die religiöse Landkarte unserer modernen Gesellschaft ist unübersichtlicher geworden. Neben den Traditionen der Großkirchen sind auch andere Weltreligionen präsent, dazu kommen die vielfältigsten religiösen Strömungen. Christliche Bildungsverantwortung zielt auch darauf, sich in dieser religiösen Vielfalt kundig zu machen, neben den eigenen Antworten auf die wesentlichen Sinnfragen auch die anderer religiöser Orientierungen wahrzunehmen. Insofern braucht christlicher Religionsunterricht zum einen das Weiterarbeiten an konfessionellen Ko-operationen und Verknüpfungen, zum anderen z.B. auch den islamischen Religionsunterricht als Gesprächspartner. Solche neugierige Aufgeschlossenheit hat zugleich viel Rückhalt an unserem grundlegenden Verständnis von Bildung: dem Kriterium der Ebenbildlichkeit, der Wertschätzung jedes einzelnen in seiner individuellen Einzigartigkeit, mit dem Recht der Ent-faltung der eigenen Persönlichkeit – auch in dessen eigenen Denkwegen, Orientierungen, reli-giöser Zugehörigkeit.

Und dieses Kriterium muss christliche Bildungsverantwortung auch im eigenen kirchlichen Haus anwenden: Die Zeiten sind hoffentlich vorbei, in der christliche Unterweisung haupt-sächlich in der Wiedergabe von auswendig Gelerntem bestand. In einer modernen Konfir-mandenarbeit etwa, die auf die Mündigkeit junger Christinnen und Christen zielt, steht die Suche nach dem eigenen Glauben im Vordergrund: das Einbringen der eigenen Zweifel, das Sagen mit eigenen Worten, das Sich-Herantasten an das christliche Glaubensbekenntnis in der Sprache der eigenen Gedanken, mit den eigenen Vorstellungen und auch Ausdrucksformen. Ein Beispiel dafür war da auch bei uns die Konfirmation mit einem Beispiel des von den Kon-firmanden selbst Formulierten im letzten Jahr.

Ein ziemlich junger Zweig in der kirchlichen Bildungslandschaft, der gleichermaßen von ka-tholischen und evangelischen Fachwissenschaftlern wie Praktikern vorangetrieben wird, ist das sog. Theologisieren mit Kindern und zunehmend auch mit Jugendlichen. Da lernen die Kinder zu biblisch-christlichen Überlieferungen aufmerksam und kritisch Stellung zu neh-men, ihre eigenen Zugänge zum Verständnis zu suchen, eigene Deutungsideen ins Spiel zu bringen – auch wenn dabei ganz andere Bilder und Gedanken zum Vorschein kommen als es die überlieferten biblischen und christlich tradierten sind. Vorstellungen von Gott werden auf ihre Tragfähigkeit geprüft, überlieferte Glaubenssätze munter auf den Prüfstand der Verständ-lichkeit gestellt. Kinder lernen so unbefangen zu tun, was Erwachsene eigentlich auch gerne möchten, was aber oft noch so schwer fällt, weil es zu wenig geübt wurde und mit der Ängst-lichkeit verbunden war, Fehler zu machen: mit dem wirklich eigenen Kopf und Herz zu glau-ben und immer wieder neu nach dem Echten, Überzeugenden, Glaubwürdigen Ausschau zu halten - ohne Hemmungen und ohne vorgehaltene Hand Fragen zu stellen und Antworten zu suchen. Das entspricht den Wurzeln einer christlichen Bildungsverantwortung und gilt von den kleinen Kindern im Kindergarten über das Schulalter bis hin zu jungen Eltern und weiter zu den Erwachsenen bis ins hohe Lebensalter.

Ich gebe zu, dass dies vor allem auch die Wurzeln reformatorischen Denkens waren und sind. Martin Luther und seine Wegbegleiter haben sich mit dem Verweis auf die Autorität der Bibel und das Recht der eigenen Auslegung gegen die Unantastbarkeit kirchlicher Lehrmeinungen gestellt. Ich möchte aber zugleich betonen, dass es da keinesfalls um konfessionelle evangeli-sche Identitätsmerkmale in Abgrenzung von katholischen geht. Es geht vielmehr um eine Grundhaltung und um Impulse, die in beiden Kirchen und Konfessionen ihren Ort gefunden haben und hier wie dort mal mehr, mal weniger zur Geltung kommen. Im Sinne gesamtchrist-licher Bildungsverantwortung ist da viel Platz und Anlass für ökumenisches Miteinander.

Zusammenfassend zu diesem Aspekt gilt also: Aus der Gottebenbildlichkeit jedes einzelnen erwächst die eigenständige Aneignung der Überlieferungen des christlichen Glaubens. Was Glaube ist und bedeutet, das will von jedem einzelnen selbst bewegt und bedacht sein. Und das entspricht auch dem profanen Verständnis von Bildung als dem, - salopp gesprochen - was übrigbleibt, wenn Wissensinhalte absinken: denn wissenschaftliche Forschung genauso wie eigene persönliche Erfahrungen zeigen, dass sich im eigenständigen Aneignen ein Wissen ausbildet, gleichsam erobert wird, das nicht so schnell dem Vergessen anheim fällt – eben weil es aus einem Fragen heraus entstanden ist, das einen immer wieder umtreibt, verbunden mit dem Wunsch, dass das als tragfähig erwiesene Glaubenswissen auch zu einem hilfreichen Lebenswissen wird.

4.) Der Kreis der verschiedenen Aspekte christlicher Bildungsverantwortung ist noch nicht geschlossen. Etwas Wichtiges fehlt noch. Vorher ging es schon einmal, aber noch eher beiläu-fig, auch um die Schönheit der Welt – in der poetischen Gestalt des Nachsinnens über Gottes Wirken im biblischen Schöpfungslied. Und der Blick biblischer Dichter geht nicht nur zurück zu den Anfängen, die Wunderbares zeigen, sondern auch voraus in die Zukunft, zum Ziel, zur Vollendung unseres Lebens und unserer Welt. Das Geheimnisvolle, nicht Beweisbare findet seinen besonderen Ausdruck in der Sprache der Symbole und Rituale, in Kunst und Musik, in dem, was Menschen nicht nur rational, sondern auf vielfältigere Weise anspricht. Wir leben in einer Welt voller Brüche und Spannungen, sehnen uns nach Bildern und Klängen des Gan-zen und Heilen. Und die entstehen nicht nur im Denken, sondern finden vielfältigen Aus-druck. So malen Kinder ihre Bilder und dabei auch ihre Träume von der Welt. Künstler lassen ihre Visionen Gestalt werden, auf ihre Weise und oft sehr verschlüsselt. Und so haben sie zu allen Zeiten auch christlichen Glauben bereichert und einen Schatz geschaffen, der sich in Malerei und Skulpturen, Tanz und Musik, Architektur und Dichtung zeigt. Da ist so viel zum Sehen und Hören, so viel an Symbolik. Glaubenshoffnung drückt sich in der Vielfalt des mit Phantasie und Kreativität Geschaffenen, in Ritualen, Fest und Feier Gelebtem aus. Tragfähig-keit des Glaubens zeigt sich auch im Symbolreichtum, der durch die Jahrhunderte hindurch entstanden ist und auch heute noch Menschen anrühren kann. Und so gehört es zur christli-chen Bildungsverantwortung auch, Zugänge zu diesen Schätzen zu eröffnen, zu Kunst und Musik, zum Kirchenraum mit seiner besonderen Atmosphäre, zu den zu Liedern gewordenen Gebeten. Da tut es uns Evangelischen gut, dass wir an dem prächtigen Aufkirchener Kirchen-raum Anteil haben können. Solche Zugänge zu den sinnenhaft-ganzheitlichen Sprachen des Glaubens können Freude wecken, Lust zum Mitmachen und Dabei-Sein, und dabei die Glau-benszuversicht ausstrahlen, die in diesen Schätzen steckt. In diesem Sinne reicht christliche Bildungsverantwortung bis hin zu dem Gestalten von Gottesdiensten, in denen man sich zu-hause fühlen kann, mit Kopf und Herz spüren kann, was Glauben ausmacht. So verstanden ist in den katholischen Kirchen die Einladung der Kinder und Jugendlichen zum Ministranten-dienst auch eine wertvolle Bildungschance. Evangelische Traditionen sind in den zurücklie-genden Jahrzehnten durch lebendiges Brauchtum aus dem katholischen Bereich bereichert worden. Und die Erfahrungen mit den ökumenischen Kinderbibeltagen und Familiengottes-diensten weisen uns da einen guten Weg.

Mit allen Sinnen Erlebtes haftet mehr als bloße Worte, das ist eine pädagogische Binsenweis-heit. Und es ist noch wirksamer, wenn man sich mit der ganzen Person einbezogen und auf-gehoben weiß, zum Mitmachen angeregt wird und beim Mitgestalten eigene Phantasie und Kreativität einbringen kann. So können und sollen in Kunst und Musik Ausgedrücktes ge-meinsam Mitvollzogenes und Gefeiertes zu dem werden, was Glaubensgewissheit stärkt und Lebenszuversicht fördert. Der Fächer der vielfältigen Aspekte einer christlichen Bildungsver-antwortung ist nun weit geöffnet, und es gäbe da noch viel zu ergänzen.

Ich möchte diesen Fächer jetzt aber wieder schließen und versuche das so auf den Punkt zu bringen: Bildung ist letztlich das, was Menschen Mut macht zum Leben, Zuversicht stärkt, Verantwortung weckt und Neugier auf die uns umgebende Welt, was eigene Hoffnung wach-sen lässt und auch Träumen Raum gibt, mit all dem, was dazu gehört an Ideen, Einsichten, Wissen, Interessen, Fähigkeiten und Begabungen. Bildung in diesem Sinne ist das, was den eigenen Horizont weitet – ganz im Sinne dessen, wie es Saint-Exupéry formuliert hat: Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern wecke in den Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Das heißt also: Wenn du Menschen zur Bildung helfen willst, gib ihren Träumen Nahrung und Haftpunkte, hilf ihnen so ihre eigenen Spuren zu legen in die sich ihnen erschließende Welt hinein, auch in die Welt des Glaubens.

Das ist Rohstoff nicht nur zwischen den Ohren, und da hält auch viel dem Vergessen stand, weil es immer wieder um das Wesentliche im Leben geht.

 

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Jeweils 2. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

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                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

 ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr

Projektchor

unter der Leitung von
Prof. Dr. Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier