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31.12.2018 - Gottesdienst

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Predigt zum Jahresschluss von Pfarrer Dr. Gerhard Pfister in der Kath. Pfarrkirche Aufkirchen (Johannes 8,31-35)

Liebe Gemeinde!

„Viel Lärm um wenig“ so hat eine Zeitung den Rückblick auf die Ereignisse des Jahres 2018 überschrieben. Es ist wenig passiert, vor allem wenig Gutes, aber es gab in der Politik und in der Öffentlichkeit viel Lärm um das Wenige, viel Streit und Krawalle.

Möglicherweise fällt Ihr persönlicher Jahresrückblick ähnlich aus, wenn Sie die Bilder und Ereignisse des abgelaufenen Jahres 2018 an sich vorüber ziehen lassen, die Weltereignisse und vor allem die Ereignisse des persönlichen Lebens. Aber vielleicht waren da auch Momente der Freude und des Glücks, Tage und Situationen, für die wir allen Grund haben, froh und dankbar zu sein. „Nun danket alle Gott“ werden wir nachher am Ende des Gottesdienstes miteinander singen. Und auch wenn wir Niederlagen erlebten oder Rückschläge und die mit ihnen einhergehenden seelischen Tiefpunkte, einige von uns sogar den Verlust eines geliebten Menschen, so war das alles andere als ein Lärm um nichts, sondern tief berührende Erfahrungen. Es ist gut, am Ende des Jahres wieder einmal innezuhalten und zurück zu schauen. Es ist gut, das auch in der Kirche zu tun und im persönlichen Gebet, vor allem im Dankgebet, denn mit Klagen sind wir oft genug schnell bei der Hand. Dann kommen wir ein gutes Stück weiter als die Jahresrückblicke und Bilanzen, die überall im Fernsehen, im Internet, im Radio und in den Zeitungen erstellt werden, die Rückblicke auf politische Ereignisse, kulturelle Glanzpunkte, sportliche Spitzenleistungen. Überall werden hier Daten und Fakten aufgezählt, um zu zeigen, wie es gewesen ist, manchmal auch mit Tendenzen und Prognosen, wie es vielleicht weitergehen wird. Aber nach dem Sinn des ganzen Geschehens wird kaum gefragt, danach worauf es eigentlich ankommt, das, woraus uns wirklich Lebenskraft und Zuversicht, Glück und Freude, Geduld und Hilfe erwachsen.

Wir wären sicher am heutigen Abend nicht hier, wenn uns diese Frage nach dem Sinn, nach der Grundlage unserer Lebenskraft und unserer Hoffnung nicht beschäftigen würde.

Die Worte Jesu, die wir heute aus dem Johannesevangelium hören, können uns helfen, darauf eine Antwort zu finden:

Lesung Johannes 8,31-32.35-36

Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger
und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
35 Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig.
Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

„Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort!“ „Wenn ihr bleiben werdet“, das heißt doch: Die Antwort auf die Grundfragen unseres Lebens erfahren wir nicht ein einem klugen Satz, der alle Probleme löst, sondern wir erfahren sie schrittweise, Stück für Stück im Lauf und im Vollzug unseres Lebens. Alles andere wäre naiv. Denn die Frage nach dem Sinn und Ziel meines Lebens oder gar die Frage nach dem Sinn und Ziel der Weltgeschichte insgesamt ist nicht in einem einmaligen Kraftakt zu lösen. Sie erfordert ständig eine neue Antwort, nicht nur das eine Jahr hindurch. Sie gehört zum Menschsein wie das Atmen. Deshalb stellt uns auch Jesus vor diese Frage: Was bleibt? Was bleibt, wenn sich so viel ändert, wenn die Zeit verrinnt und wir uns diesem Verrinnen ausgeliefert fühlen?

Aber Jesus fragt nicht nur nach dem, was bleibt, sondern er lädt uns ein zum Bleiben, dabeizubleiben. Er macht uns Mut, diese entscheidende Frage, entscheidend darüber ob unser Leben gelingt oder misslingt, nicht zu verdrängen in aller Hektik und Geschäftigkeit des Alltags, sondern dranzubleiben, dabeizubleiben, bei Jesus zu bleiben und auch bei denen zu bleiben, die sich ebenfalls dieser Frage aussetzen, bei Jesus und seiner Gemeinde zu bleiben. Denn alles, was wir in der Gemeinde tun, im Gottesdienst und bei den vielen Begegnungen und Aktivitäten der Jüngeren und Älteren, will ja nichts anderes sein als die Möglichkeit zur Begegnung mit Menschen, die gemeinsam auf der Spur des Lebens unterwegs sind. Die die Frage nach der tiefen Erfüllung und dem Sinn ihres Lebens umtreibt und die dabei die Erfahrung machen: Die Frage, die mich zeitlebens beschäftigt, bleibt nicht ohne Antwort. Es sind nicht wenige unter uns, denen etwa ein Wort aus der Bibel, ein Konfirmationsspruch oder Trauspruch, eine Tageslosung oder Jahreslosung oder ein ganz zufällig entdecktes Bibelwort an entscheidenden Weichenstellungen ihres Lebens Klarheit und Gewissheit gegeben hat.

Und auch diejenigen, für die das alles klingt wie ein Bericht aus einem Land, in dem sie noch nie oder schon lange nicht mehr waren, sind zu einer Entdeckungsreise eingeladen. Viele möchten das ja und warten nur auf einen Anstoß. Und solche Anstöße gibt es viele, sogar in der Zeitung, in den Medien. Da wird immer wieder, und zwar aus einer deutlichen Distanz heraus, aus der Warte des Beobachters von außen ausgesprochen, wie viel sich die Menschen unserer Zeit, auch die der Kirche Fernstehenden, von den Christen, von den Kirchen und ihrer Botschaft, an Orientierung erwarten und auch erwarten können.

Jesus verheißt uns: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“. Das gilt heute für meine und unsere Gedanken jetzt an der Schwelle vom zu Ende gehenden alten Jahr zum anbrechenden neuen Jahr. Ich darf das, was mich belastet und bedrückt, zu ihm bringen und in Gottes Hand legen. Ich kann neu anfangen, mit mir selbst und mit anderen neu anfangen, auch nach bitterem Streit und Verletzungen neu anfangen. Das gilt aber auch als feste Zusage für das kommende Jahr 2019. Denn die Bibel lässt uns über die Wahrheit nicht im Unklaren. Sie kann die Wahrheit sogar ganz knapp und deutlich beim Namen nennen: Jesus Christus. Denn der sagt nicht nur, wie wir heute von ihm aus dem Johannesevangelium gehört haben: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Er sagt auch, wie ebenfalls das Johannesevangelium von ihm berichtet: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“

Die Wahrheit ist nicht ein philosophischer Lehrsatz oder gar eine Zauberformel oder überirdische Eingebung, sondern die Wahrheit ist Person, ist erschienen in dem Menschen Jesus von Nazareth, ist unter uns anschaulich geworden in dem Kind in der Krippe, wie wir es an Weihnachten gefeiert haben, in dem überzeugenden Menschen Jesus, bei dem Reden und Tun übereinstimmen und durch den hindurch scheint, wer und was Gott ist. Freilich, weil die Wahrheit als Lebensmöglichkeit Person ist, wird sie nie unser Besitz. Sie ergreift höchstens Besitz von uns, und gerade darin erfahren wir dann, was Freiheit ist, die Freiheit, aus der wir leben können, die herrliche Freiheit der Kinder Gottes. Vor zwei Monaten zum Reformationsfest (einige von Ihnen waren im Gottesdienst dabei), haben wir uns daran erinnert, dass die christliche Freiheit, die von Jesus Christus geschenkte herrliche Freiheit der Kinder Gottes, zur entscheidenden Glaubensbotschaft der Reformation wurde. Ich bekomme sie von Gott geschenkt, ja ich habe sie schon geschenkt bekommen durch Jesus Christus: Weil mir Jesus Christus die Gewissheit gibt, dass ich Gottes geliebtes Kind bin. Er sagt in seiner Liebe bedingungslos Ja zu mir, so wie ich bin. Diese Wahrheit macht frei. Jesus Christus befreit zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Das ist es, was meinem Leben eine ungeahnte tiefe Freiheit gibt, umfassende persönliche Freiheit, noch tiefer und weiter als die Freiheit, die wir als Bürger eines demokratischen Staats haben.

Freilich: Die demokratische Freiheit, die wir gar nicht hoch genug einschätzen können, und die gottgeschenkte Freiheit eines Christenmenschen hängen eng zusammen. Es ist tatsächlich so, dass es die heutige demokratische Freiheit ohne die biblisch-christliche Freiheitshoffnung und Freiheitserfahrung nicht gäbe. Sicher, Demokratie ist ein griechisches Wort und ihre Formen haben die alten Griechen schon vor dem Christentum erprobt, aber die griechische Demokratie war dennoch ganz anders als unsere: Ein Recht und eine Freiheit nur für ganz wenige, die große Mehrheit der Bevölkerung dagegen unfrei, viele sogar Sklaven.

Dass Freiheit für alle Menschen möglich sein soll, alle eine unantastbare Würde haben (Art 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar), wäre ohne das biblisch-christliche Menschenbild und Freiheitsverständnis undenkbar. Auch in unseren äußeren demokratischen Freiheiten schimmert etwas durch von der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, der christlichen Freiheit, die uns nirgends so klar begegnet wie durch Jesus Christus selbst, durch die Wahrheit, die frei macht. Jesus Christus lässt uns in das Herz Gottes schauen, er lässt uns, lässt dich und mich die unvorstellbare und alles Maß übersteigende Liebe Gottes zu dir und mir spüren und erfahren. Diese Liebe wird für uns zur Lebensenergie, zur Leben spendenden Kraft, die frei macht. Deshalb dürfen wir unser Leben darauf einstellen: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Amen.

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