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31.03.2019 - Sonntag Laetare

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Predigt über„Brot des Lebens“ (Johannes 6, 41-43. 47-51a) an Laetare 2019
von Pfarrer Johannes Habdank in Berg

Liebe Gemeinde,
zum Besten aus der Bibel gehören die „Ich-bin-Worte“ Jesu aus dem Johannes-evangelium. Das Johannesevangelium ist Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus entstanden und reflektiert mit diesen „Ich-bin-Worten“ Jesu Selbst-verständnis und Sendungsbewusstsein, nicht in hochtheologischen Spitzen-sätzen, sondern in bildlicher Sprache, in Gleichnisworten.


Es sind 7 „Ich-bin-Worte“, nämlich
:
Ich bin das Licht der Welt.   
Ich bin der Weinstock.
Ich bin der gute Hirte.
Ich bin die Tür.
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Eines fehlt noch!? „Ich bin das Brot des Lebens.“

Das ist das erste „Ich-bin-Wort“ aus Johannes 6. Dort steht (Vers 41-51a  partim):

„Da murrten die Juden über Jesus, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“

Liebe Gemeinde, abgesehen davon, dass dies eine der wenigen Stellen im Neuen Testament ist, die noch oder wieder offen und ehrlich sagen, dass Jesus Josefs Sohn ist, dessen leibliche Eltern also als Vater Josef und Mutter Maria bekannt sind, ist das eine der ganz grundlegenden Passagen des Neuen Testaments zu Jesu Selbstverständnis. Und zwar nicht zuletzt deswegen, weil hier eine Sprache gesprochen wird, die jeder versteht, oder nicht?

„Ich bin das Brot des Lebens.“
Das Wort geht auf Jesus selbst zurück.

Brot war zu Jesu Zeiten und überhaupt in der Antike das Grundnahrungsmittel schlechthin, im Bereich des Flüssigen waren es Wasser und Wein, vielleicht auch noch Olivenöl.

Heute könnte man vielleicht auf Brot verzichten, die Kartoffel wäre zum Beispiel ein Ersatz. Damals bekanntlich noch nicht. Brot war unverzichtbar. Zur Herstellung des Brotes wurde Korn in eine Drehmühle, wie seit zweitausend Jahren üblich, gegeben und zwischen zwei runden Mühlsteinen zerrieben: einem unteren, dem sog. Liegenden, und einem oberen, dem sog. Läufer, der mit einem Verbindungszapfen im unteren drinsteckte und gedreht wurde von einem Esel – deswegen hieß der obere Drehstein auch „der eselige Mühlstein“ – oder einem Kamel. Meistens aber waren Esel und Kamel ganz menschliche Figuren, nämlich Frauen: Hausfrauen oder Sklavinnen. Für Männer galt damals solche Arbeit als unangemessen und unpassend. Das war damals so.

In der Früh wurde das Mehl gesiebt, dann säuerte es den ganzen Tag, gebacken wurde am nächsten Tag. Für eine mehrköpfige Familie war der Großteil des Tages mit Kornmahlen und Backen in Beschlag genommen. Man konnte auch zu Mehl und Wasser Salz hinzufügen, um etwa mittels salzigem Gerstenbrot oder –kuchen braunen Zähnen und unangenehmem Mundgeruch vorzubeugen.

Die Brotqualität von damals würde keinen Lebensmittelqualitätstest heute überstehen, etwa bei Tim Mälzer medienwirksam im Fernsehen. Im Gegen-teil: Es wäre ein biblischer, nein: allgemein antiker Lebensmittelskandal!

Meist wurde Gerste verwendet, Brot aus Weizen war nur wenigen Personen der Oberschicht vorbehalten. Die Brotqualität, die die große Mehrheit der Bevölkerung genießen durfte, war also miserabel, in einigermaßen halbwegs zivilisierten Ländern heute würde man es gerade oder noch nicht einmal den Schweinen zu fressen geben. Oftmals war das Brot kaum ordentlich gemahlen, klumpig und sehr schnell schimmlig. Selbst teures, feines, helles Weizenbrot enthielt etwa 2 % Schmutz, also Sand, Dreck und Staub von der Mühle, vom Korn, vom Acker.

Jesus Christus spricht: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Das meint natürlich nicht: Ich bin der wahre Lebensmittelskandal des Lebens. Sondern, wie das Brot zu seiner Zeit unverzichtbar war: Ich bin für Euch, die Ihr an mich glaubt, unverzichtbar, unersetzlich. Ich bin notwendig für Euch. Und - Gott selbst hat Euch mich gegeben. Wie Gott selbst dem Volk Israel auf seiner Wanderung göttliche Speise, Manna vom Himmel gegeben hat, so hat er Euch mich, Jesus gegeben. Und noch mehr: Ich bin das Brot des Lebens, dessen Beziehung zu ihm nicht mit dem menschlichen Tod endet, sondern darüber hinaus Leben ist, in Ewigkeit mündet und Leben schon jetzt gibt: Ein Leben, das den Tod nicht kennt, das bin ich und kannst Du sein, wenn Du mir glaubst. Also: Wer das glaubt, hat schon jetzt das ewige Leben. Das ewige Leben bricht nicht jenseits des Grabes an, sondern beginnt hier und jetzt. Jeder Mensch, der etwas mit Jesus anfangen kann, mit seiner Botschaft, mit seinem Leben, in dem geht es bereits los, fängt es an, das ewige Leben.

Und das kann, wie ich immer wieder betone, ganz unterschiedlich sein bei jedem Einzelnen: es kann der soziale Jesus sein, mit dem Du Dich identifizierst und etwas anfangen kannst, der sich um die Ausgegrenzten, die Kranken und Schwachen kümmert, es kann aber auch der vergebende sein. Es kann der kinderliebe Jesus sein, der die Kinder zu sich ruft und sie segnet, es kann auch der Jesus sein, der die instituotionelle Ökonomisierung der Religion kritisiert und drastisch dagegen vorgeht, so etwa bei der Tempelreinigung. Es kann der Jesus sein, der gut und gerne gefeiert hat. Es kann aber auch der zu seinem Gottvater flehentlich bittende Jesus sein, der im Garten Gethsemane inständig betet: „Vater, ist´s möglich, so lass diesen Leidenskelch an mir vorüber gehen. Aber nicht, was ich will, sondern was du willst.“ Ja, es geschehe, wie wir jedes Mal im Vaterunser bitten und im Leben auch manchmal demütig einsehen müssen: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Jesus Christus spricht: „Ich bin das Brot des Lebens“ – das ist ein menschlich-alltäglich sehr nahes Bild, nichts Abgehobenes. Jesus erhebt den Anspruch, dass das, was er sagt, was er tut, wie er lebt und wofür er gestorben ist, mitten ins Menschenleben gehört, ganz allgemein und überallhin, wie das überall verbreitete Brot, Grundnahrungsmittel, so sein Leben: es ist ein absolutes „Basic“, wie man heute sagt! Damals wie heute: Jesus mit seinen Forderungen, etwa in der Bergpredigt, seinen Segnungen vielen Kranken und Schwachen, Ausgegrenzten gegenüber, seinem Leiden und Sterben und mit seinem Neuaufleben, über seinen Tod hinaus.
„Ich bin das Brot des Lebens“ ? Ist er das, wenn nein, warum nicht, wenn ja, worin – für Sie, für Euch, für Dich und mich? „Haben“ wir dieses Brot des Lebens? Brot an sich zu haben heißt ja ganz elementar: satt sein, genug haben. Martin Luther schreibt im Kleinen Katechismus zur Bitte um das tägliche Brot: Brot heißt "alles, was zur Leibesnahrung und -notdurft gehört als Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen". Für all das steht Brot. Auch wenn wir zuweilen achtlos damit umgehen, wissen wir doch, dass Brot Leben bedeutet.

Das zeigt auch folgender Versuch, den Verhaltensforscher vor einigen Jahren einmal gemacht haben: Sie haben eine Ausstellung mit Kunstwerken eröffnet. Der Weg zu einigen Kunstwerken war gepflastert mit Brotscheiben, die dicht an dicht lagen. Um zu diesen Kunstwerken zu gelangen, hätte man also über die Brotscheiben gehen müssen. Fast keiner der Besucher hat das getan. Die Leute haben lieber darauf verzichtet, diese Ausstellungsstücke zu betrachten, als dass sie über Brot gelaufen wären. - Das Symbol des Lebens tritt man nicht mit Füßen. Das steckt tief in uns drin - Gott sei Dank!

Ich bin das Brot des Lebens. Der Spruch soll zum Besten der Bibel gehören. Gehört er auch für uns zum Besten, für Dich und mich?

Besinnen wir uns und hören Orgelmusik. Ja, denken wir darüber nach.

Amen.

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