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25.12.2018 - Gottesdienst

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Predigt am 1. Weihnachtsfeiertag 2018 von Pfarrer Johannes Habdank in Berg

Liebe Gemeinde,

es geht an Weihnachten traditionell und auch schon biblisch, wie wir aus dem Prolog des Johannesevangeliums gehört haben, um die „Inkarnation“, also dass in Jesus Gott selbst Mensch geworden sei.

Dazu hat der lutherische ostdeutsche Theologe und Kirchenmann der ehem. DDR, Dietrich Mendt, eine Geschichte geschrieben mit dem Titel: Von der Erfindung der Weihnachtsfreude.

Und seine Erzählung geht so:

„Die Geschichte, die ich euch erzählen möchte, spielt im Himmel, und ich bin in einiger Verlegenheit, wenn ihr mich jetzt fragt, wo der Himmel ist. Den Zeitpunkt der Geschichte kann ich euch allerdings genau nennen, es war im Jahre 1 vor der Geburt unseres Herrn, des Kindes Jesus von Nazareth. (…)

Im Himmel war gerade eine Beratung, eine „Diskussion“, würden wir sagen, aber im Himmel gibt es keine Diskussionen wie auf der Erde, obwohl man dort sehr oft miteinander berät und einander viel Kritisches sagt – aber es wird nichts übelgenommen. Und wo gibt es auf der Erde schon eine Diskussion, in der nichts übelgenommen wird? Im Himmel wird immer die Wahrheit gesagt, das heißt, es wird weder etwas verschwiegen noch was erzählt, was nicht stimmt. So ist das im Himmel.

Das Thema der heutigen Beratung war die Ankunft des Messias auf der Erde. „Ich meine, es ist so weit“, sagte Gott Vater. „Die Menschen haben lange genug ausgeharrt, und wir haben durch unsere Propheten die Sache schon mehrmals bekanntgegeben und versprochen, nun müssen wir endlich was tun. Über tausend Jahre warten die Menschen, das ist eine lange Zeit, wenigstens auf der Erde.“

Und dann überlegten Gott und die Engel, die mit ihm im Himmel wohnten, wie man das wohl machen könnte, den Messias schicken. Einer schlug vor, man solle einfach den jetzt regierenden König von Juda  nehmen: „Du baust ihn um, Gott Vater, zu einem Heiligen, denn das ist er leider noch nicht. Aber du wirst sehen, wie gut er sich macht.“ Andere waren mehr für einen Propheten, einer nannte sogar den Namen Johannes, der später der Täufer hieß. Wieder andere waren für einen Fürsten der übrigen Stämme Israels. „Einer, mit dem sie nicht so rechnen, kann sich eher durchsetzen! Denn wenn er aus dem Hause Juda kommt, vergleichen sie ihn mit dem großen König David, und womöglich schneidet er dann schlechter ab, der Messias. Das schadet unserem Ruf im Himmel.“

Gott Vater war mit keiner der vorgebrachten Ideen einverstanden.

„Zu wenig Freude!“, sagte er. „Zu wenig Freude! Wenn der Messias kommt, sollen sich die Leute freuen. Gleich wenn sie ihn zum ersten Mal sehen, sollen sich die Leute freuen. Lachen sollen sie! Und ich fürchte, sie fürchten sich, anstatt zu lachen. Wenn einer mit dem Säbel daher kommt! Oder mit einer Krone und einem prächtigen Purpurmantel! Mit so einem redet man doch nicht, da geniert man sich, da hat man einfach Angst, auf der Erde.“

Gott Vater schaute sich um. „Im Himmel gibt es so etwas nicht mehr: Kronen, Säbel und Purpurmantel – das müssen sie alle unten lassen. Oder wenn er kommt wie ein Prophet, mit einem Kamelhaarfell und wildem Bart, das macht doch keine Freude! Wie muss einer aussehen, damit man sich freut?“

Der Engel Gabriel kaute an seinen Fingernägeln. Das tat er immer, wenn er scharf nachdachte, obwohl sich das auch im Himmel nicht gehört. „Vielleicht wie in Kind?“, sagte er. „Über ein Kind freut man sich immer.“

„Ein Kind?“ Gott Vater stemmte die Arme in die Seiten. „Ein Kind? Natürlich, ein Kind! Habt ihr schon ein einziges Mal einen Menschen gesehen, der sich fürchtet, wenn er ein Kind sieht, einen Säugling? Ich nicht. Das gibt´s auf der ganzen Erde nicht und im Himmel erst recht nicht. Ein Kind macht immer Freude.“ Gott Vater legte die Stirn ein wenig in Falten. Dann fügte er hinzu: „Wenigstens, wenn es noch klein ist.“

Jetzt hatten sie´s: Ein Kind! Der Messias musste als Kind auf die Welt kommen.

„Und wer spielt das Kind? Wen nehmen wir da? Das Kind von König Herodes? Das geht doch wohl nicht. Oder von einem Propheten? Oder von einem Rabbi aus Jerusalem? Das Kind wird erwachsen, daran muss man denken. Und es soll doch ein tüchtiger Erwachsener werden. Wer weiß, was ihm alles noch bevorsteht.“

Alle dachten wieder angestrengt nach. „Wer spielt das Kind?“ - „Ich“, sagte endlich Gott Vater.

Jetzt hätte es im Himmel beinahe eine richtige weltliche Diskussion gegeben. „Du? Das geht doch nicht“, sagte der eine. „Ein richtiger Mensch? Gott als Kind? Da lachen ja die Menschen.“

„Sie sollen doch lachen“, sagte Gott Vater. „Natürlich, lachen sollen sie.“

„Aber sie sollen doch nicht Gott auslachen! Das ist doch was ganz anderes.“

Gott Vater lächelte: „Vielleicht nicht.  – Ist es nicht besser, alle lachen, wenn sie mich sehen, auch wenn ein paar darunter sind, die mich auslachen?“

„Und der Himmel, der soll wohl leer stehen?“

„Ja, der steht dann leer“, sagte Gott Vater.

„Und wenn was schiefgeht unten auf der Erde?“

„Es geht schief“, sagte Gott Vater, „aber das versteht ihr jetzt noch nicht.“

Im Himmel war es ganz still geworden.

Gabriel bemerkte: „Es geht schief! Das sagst du so! Und wir? Denkst du gar nicht an uns?“ Gabriel war nahe am Weinen.

„Natürlich denke ich an euch. Aber ich denke auch an die Menschen. Schließlich kann Engeln nicht mehr viel passieren. Aber mit den Menschen, mit denen kann sehr, sehr viel passieren. Und deswegen geht es schief mit mir.“

„Warum? Warum nur?“ Das fragten mindestens sieben Engel gleichzeitig.

Gott legte seine Stirn in Falten: „Damit es gut geht!“, sagte Gott Vater. „Aber da reden wir dann in vierunddreißig Jahren wieder darüber.“
Und er klatschte in seine Hände: „Jedenfalls fängt es mit Freude an, weil es mit einem Kinde anfängt. Und das verspreche ich euch: Zuletzt wird wieder Freude sein – und sie wird bleiben!“

Soweit diese Geschichte, warum Gott und kein anderer Mensch wurde, warum Gott und kein anderer in diesem Kind zur Welt kam.
Wie Martin Luther sagt: „Wer Gott erkennen und ohne Gefahr von ihm spekulieren will, der schaue in die Krippe, auf das Kind: Er schaue auf der Jungfrau Marien Sohn, der der Mutter im Schoß liegt und säuget an ihren Zitzen, oder am Kreuz hängt – danach will er fein lernen, wer unser Gott sei.“

Im Jesuskind und seinem späteren Leben, seinen Worten und seinen Taten, auch in seinem Weg ans Kreuz, erkennen wir Gott, den Gott der Liebe und der Vergebung, den Gott, der in den Schwachen mächtig ist, den Gott, dem wir unbedingt vertrauen dürfen. Das ist die christliche Glaubensbehauptung!

Unser Leben liegt mit dem Jesuskind, ja, in Gestalt dieses Kindes von damals auch heute in Gottes Hand, und eines jedes Menschleins vom Anfang seines Lebens an auch. Auch Ihres und Eures, meines.

Und deshalb, das ist der aktuelle lebensweltliche Umgangssinn von Weihnachten mit jedem Kind: Wie wir mit unseren Kindern aus dem Glauben an jenes exemplarische Kind, das Jesuskind, umgehen, das ist das Wichtige für uns heute, für unsere Gegenwart und Zukunft.
Wie wir umgehen mit den Kindern: den ganz kleinen. Den heranwachsenden. Den unsäglich pubertierenden. Den schon erwachsenen. Denen, die uns bis heute besonders nahe und vertraut sind. Den bisweilen fremden Schwiegerkindern. Den Kindern, die wir nicht oder nicht mehr verstehen. Denen, die mit uns oder mit denen wir nicht mehr sprechen. Denen, die ihre alten Eltern vergessen zu haben scheinen. Denen, die nur noch aufs Erbe warten. Den Kindern auch, die schon vor uns gestorben sind. Den Kindern, mit denen wir uns gut verstehen, wie Freunde. Auch den angenommen und den geistigen. Sie alle sind unsere Kinder. Und wir alle sind ja auch Kinder. Je älter man wird, desto mehr und intensiver erinnert man sich oft auch seiner eigenen Kindheit. Unsere Kinder sind eine ernste Verantwortung, aus der Vergangenheit in der Gegenwart und für die Zukunft. So lange wir leben. Sie sind unsere Vergangenheit und unsere Zukunft mitten in der Gegenwart. Mit denen und in ihnen findet Weihnachten statt, als Fest des Kindes. Und wir selbst waren und sind in gewisser Weise immer Kinder, Kinder Gottes vor allem. Bleiben wir es in Erinnerung an jenes Kind in der Krippe, und was aus ihm geworden ist bis heute, nicht nur an Weihnachten und tun wir für die Kinder unser Bestes.

Dann kommt wahre Weihnachtsfreude auf, nicht nur an Weihnachten! Wie heißt es am Ende jener Geschichte?

„Dann wird Freude sein, und sie wird bleiben!“

Amen.   

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