Sie sind hier: Home Aktuell

 

16.09.2018 - Gottesdienst am 16. Sonntag nach Trinitatis

Aktuell >>

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank über Prediger 3, 11

Lesung: "Alles hat seine Zeit" (Prediger 3, 1-15)

1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
2 Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
9 Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.
10 Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.
11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
12 Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.
13 Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
14 Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll.
15 Was geschieht, das ist schon längst gewesen, und was sein wird, ist auch schon längst gewesen; und Gott holt wieder hervor, was vergangen ist.

Predigt über den Monatsspruch September 2018

Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3, Vers 11)

Liebe Gemeinde, so lautet der Monatsspruch für September 2018, den ich für heute als Predigttext ausgewählt habe. Den Kontext haben Sie zuvor als Lesung gehört. Es ist einer der bekanntesten, ja der klassische Text aus der alttestamentlichen Weisheitsliteratur, also für uns heute gesagt: einer Art philosophischen, eher skeptischen Version biblischen Glaubens, Lebensklugheit und -weisheit und kritischer Glaube sind da miteinander verbunden, und in dieser Mischung ist die atl. Weisheit für heutige moderne Ohren und Geister besonders ansprechend. 

Ich sage jetzt erst etwas zur biblischen Weisheit überhaupt, und dann gehe ich auf den Monatsspruch ein und frage, was er möglicherweise für uns heute zu bedeuten hat.

Zur Weisheitsliteratur im AT gehören das Buch der Sprüche, der Prediger, das Buch Hiob, einige Psalmen und die bei uns nicht kanonischen Bücher Jesus Sirach und Weisheit. Weisheitliche Elemente finden sich in der Josephsnovelle, in den Büchern Rut, Jona und Ester.

Weisheit im Alten Israel meint weniger die Fähigkeit, die Welt theoretisch zu betrachten und auf grundsätzliche Fragen Antwort geben zu können. Sonderns Weisheit meint im Alten Israel zuallererst Lebensklugheit: dass du die rechten Verhaltensregeln beherrschst und anwendest, dass du dich im Lebensalltag gut zurechtfindest und mit den Dingen und den Menschen zurechtkommst. Zur Weisheit gehört dementsprechend etwa der Sachverstand des Handwerkers oder des Künstlers, der Verstand des Herrschers oder des Richters, oder die Fähigkeit eines Mannes oder seiner Frau, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen.

Diese Weisheit ist selbst erworbenes Erfahrungswissen oder beruht auf überliefertem Erfahrungswissen. Das Erfahrungswissen basiert auf der Beobachtung von Lebensvorgängen, der Zuordnung von Vergleichbarem und dem Auseinanderhalten von Nicht-Vergleichbarem und auf der Erkenntnis von Regeln – und aus alledem ergeben sich Einsichten in als vorgegeben betrachtete Ordnungen: der Natur / Schöpfung, oder auch zwischenmenschlicher Bezüge.

Und diese Einsichten wurden dann in besonders gestalteten Sprüchen, meist in Parallelismen geformten Sentenzen ausgedrückt – ganz dichte Poesie –, wie vorhin exemplarisch in der Lesung gehört, damit man sie sich leichter merken und besser weitergeben konnte.

Die Sprüche wurden gesammelt, es soll ganze Weisheitsschulen gegeben haben, in denen die Gelehrten die Sprüche und Grundsätze der Weisheit pflegten.

Die Weisheit war übrigens ein allgemeinorientalisches Phänomen, speziell die israelitische Weisheit gilt vor allem als von den Ägyptern beeinflusst.

Ziel und Zweck der Weisheit ist es, Gefahren und Schaden vom Leben fernzuhalten und den Weg zu einem rechten, angesehenen und gelingenden Leben zu weisen.

Grundlage der Weisheit ist die Fähigkeit zu hören. Der junge, noch unerfahrene König Salomo bittet Gott um ein „hörendes Herz“ (1 Kö 3,9), um sein Volk zu regieren. Aus Freude und Dank darüber, dass er sich nicht Reichtum, Macht oder den Tod der Feinde gewünscht hat, erhält er ein weises und einsichtiges Herz (1 Kö 3, 12). Weisheit als Fähigkeit zu hören. Weisheit als Fähigkeit umsichtig zu herrschen, außer am Königshof spielte im gesellschaftlichen Leben die Weisheitspflege vor allem eine Rolle in der Familie und überall da, wo Beratungs- und Erziehungsbedarf gegeben war.

Weisheit umgreift weiter intellektuelle Kompetenz, Handlungskompetenz und Gerechtigkeitssinn. Sie führt zu Anerkennung und Erfolg. Gott zu ehren gilt als Anfang der Weisheit, also auf seine Gnadentaten sorgsam zu achten, seine Gebote anzunehmen. Selbst der Einfältigste kann ein Weiser werden, wenn er sich in den Geboten Gottes, den Regeln des Lebens unterweisen lässt und sie befolgt.

Also: Weisheit in religiöser Sinnrichtung führt zur Wahrnehmung Gottes und umgekehrt. Die Menschen erhalten dadurch Anteil an der Weisheit des Schöpfers selbst, die auch gerne als eigenständige göttliche Persönlichkeit vorgestellt wird als „Sophia“.

Im Buch Prediger, aus dem unsere Lesung heute stammt wie auch der Monatsspruch, artikuliert sich eine skeptisch gewordene Weisheit, die das Leben sehr kritisch sieht, die sozialen Beziehungen, die Herrschaftsverhältnisse: es werden Ungerechtigkeiten benannt, die Lebensbedeutung von Wohlstand und sogar auch selbst erarbeitetem Reichtum werden angesichts der Vergänglichkeit alles Seins in Frage stellt. Und es wird die Nichtigkeit alles Lebens betont, was dann oft fast schon nihilistisch anmutet: Das Leben ist kurz, Todestag und Trauer sind wichtiger als Geburt und Freude über das Leben, alles ist Windhauch und vergänglich, alles ist leer, hohl, eitel – Vanitas! Ein Motiv, das im Barock wieder aufgegriffen wurde.

Weise soll der werden, der sich an die Gebote Gottes, an die Regeln des Lebens, wie sie sich aus Erfahrung ergeben, hält, vielleicht auch gerade angesichts der Vergänglichkeit des Lebens, um etwas zu haben, woran du dich festhalten kannst, was dem Leben Richtung gibt, einen geistig-moralischen Lebensrhythmus, so dass du dein Leben im mehr oder weniger unübersichtlichem Umfeld bewältigen und meistern kannst. Weisheit, zurückgebunden in Gott, die um ihre Grenzen weiß, aber doch auch Lebensorientierung gibt, Lebenshilfe ist. Dazu gehört auch der Aufruf zur Freude trotz der Eitelkeit des Lebens, solange du lebst! 

Liebe Gemeinde, vor diesem Hintergrund komme ich jetzt zum Monatsspruch für September, er lautet, noch einmal:
Er – also Gott – hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3, Vers 11)

Die Aussage ist, dass jeder Mensch eigentlich zumindest eine Ahnung hat oder haben muss von Gott. Über alle zeitliche Veränderung und, was alles wann seine Zeit hat, hat der Mensch ein Ewigkeitsbewusstsein eingepflanzt bekommen. Jeder Mensch, auch der Atheist, wenn er sich negativ auf Gott und das Ewige bezieht. Er glaubt vielleicht nicht an einen persönlichen Gott oder an den Gott der Bibel oder der christlichen Tradition. Fällt ja manchmal bei bestimmten Ausprägungen der Gottes-vorstellung etwas schwer. Also, wenn mir einer sagt, ich glaube nicht an Gott. Dann frage ich immer zurück: an welchen, bitte? An den alten Mann mit Bart! Ich auch nicht, sage ich dann. An den Gott, der zur Legitimation von Kriegen herhalten musste! Ich auch nicht, sage ich dann. Und viele andere allzu menschliche Vorstellungen von Gott. Ich auch nicht. Und irgendwann lande ich mit solchen Gesprächspartnern dann immer bei dem Gedanken, der selbst einem hartgesottenen Atheisten zugänglich ist, dass es nicht um objektive Gottesvorstellungen geht, sondern um Religion, womit die persönliche Rückbindung an etwas Höheres, als wir alle es sind, gemeint ist, und seien es „nur“ letzte, höchste Werte. An irgendein letztes Absolutes oder Ewiges glaubt jeder, ob er es wissen will, oder nicht, ob er es wahrhaben will oder nicht.

Und da stimmt dann selbst für den Atheisten, dass dem Menschen, wie es im Monatsspruch heißt: die Ewigkeit ins Herz gelegt ist; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3, Vers 11)

Und, liebe Gemeinde, das gilt nicht nur für den sogenannten Atheisten, sondern für jeden von uns. Wir leben zwar von Gottes Werk, dass er uns geschaffen hat und seinen Sinn und Geist in uns gelegt hat, aber wir sind uns nicht gerade immer dessen bewusst und durchschauen das alles auch nicht wirklich. Gottes Wege mit seiner Welt und mit uns sind unerforschlich. Und dennoch sollen wir Vertrauen haben in Gott und in unser Leben?

Ich, und Sie vielleicht auch, habe etwa – um es an einem Beispiel zu verdeutlichen – die Erfahrung gemacht, dass es keine Regel gibt, warum wer nach welchem Leben und in welchem Alter stirbt. Ob es ein kleines Kind ist, das plötzlich stirbt, ein junger Mensch bei einem Unfall ums Leben kommt, ein erfolgreicher Manager plötzlich nach nur zwei Jahren Ruhestand innerhalb eines Jahres an ALS aus dem Leben scheiden muss, eine uralte Frau, die sich seit Jahren gewünscht hat, zu sterben, erst mit 105 sterben darf. Es ist nicht durchschaubar. Und dennoch sollen wir glauben, dass jedes dieser Leben mit seinem Tod seinen Sinn hatte und auch die jungen Leben, die früh beendet waren, vollständige Leben, in sich abgeschlossene Leben waren? Da kannst du nur ins Unbekannte und Ungewisse hinein vertrauen, dass dieses Leben, jedes Leben bei einem Höheren, als wir alle es sind, gut aufgehoben ist, dass es am Ende, wann auch immer es ist, gut sein wird.

Er – also Gott – hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3, Vers 11)

So ist es: wir können ihm nur glauben. Und hoffen, dass unsere Endlichkeit in seiner Ewigkeit aufgehoben ist, der Ewigkeit, die uns im Leben bereits umfängt, und die er in uns alle gelegt hat, zumindest anfänglich und keimhaft, und sei es nur in Form der Ahnung. Worin wir mit ihm verbunden sind. Das wäre Weisheit im Sinne der Bibel.

Liebe Gemeinde, ich komme zum Schluss: 
Wenn auch jeder Willige ein Weiser werden kann, so scheint die Weisheit, die die Bibel meint, doch eher eine Sache zu sein, zu der einige Jahre Lebenserfahrung gehören. Zeit, in der sich so etwas wie Weisheit und Gotteserkenntnis entwickeln können, aus und durch Erfahrung. Weisheit zu erwerben ist ein Prozess, der wohl nie ganz abgeschlossen ist. Doch ein sichtbares körperliches Indiz, ein Zeichen für Weisheit und Gerechtigkeit scheint es zu geben, dass man zumindest auf einem guten Weg ist, laut Sprüche 16, 31: „Graue Haare sind eine Krone der Ehre; auf dem Weg der Gerechtigkeit (und Weisheit) wird sie gefunden.“ Insofern ist jedes graue Haar als Zeichen von Weisheit dankbar wahrzunehmen und entsprechend zu pflegen! 

Amen.

 

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail jh(at)evgberg(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekreteriat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(at)evgberg(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

 

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

Jeweils 2. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

 ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr

Projektchor

unter der Leitung von
Prof. Dr. Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier