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14.04.2019 - Palmsonntag Gottesdienst

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Predigt zum Palmsonntag über Johannes 12, 12-19 und Jesaja 50,4-9
von Pfarrer Dr. Gerhard Pfister in Berg

Liebe Gemeinde,
„Hosianna, Hosianna dem Sohne Davids, gelobet sei, der da kommt im Namen des Herren“, so hat der Chor gerade gesungen und damit den Jubel aufgenommen, der uns beim Einzug Jesu in Jerusalem von der Volksmenge berichtet wird (im Evangelium gehört). In anderen Gottesdiensten, vor allem den katholischen, wird dasselbe heute in anderer  Weise sichtbar und handfest aufgenommen mit Palmzweigen oder Palmbuschen. Oft werden sie schon vor dem Gottesdienst mit einer Prozession in die Kirche gebracht oder im Gottesdienst gesegnet und an alle verteilt. Ich habe heute auch einen mitgebracht, aus der MS-Klinik Kempfenhausen, aus unserem Gottesdienst gestern Abend, wo sich auch die Evangelischen über die von der katholischen Pfarrei gestifteten Palmzweige gefreut haben. Ganz ähnlich wie auf unserer Gemeindereise nach Sizilien am Palmsonntag vor 4 Jahren, wo wir in einem Städtchen im Madoniegebirge ganz unerwartet in die Palmsonntagsprozession der katholischen Pfarrei mit einbezogen wurden. Einige, die dabei waren, sind heute hier.

Solche Palmsonntagsbräuche mit Palmzweigen oder ersatzweise Weidenruten mit Palmkätzchen spielen ja bei den Evangelischen keine so große Rolle wie bei den Katholiken, wo die Palmweihe und die Palmsonntagsprozession unbedingt mit dazugehören, das Fest also groß und freudig gefeiert wird. In den evangelischen Palmsonntagspredigten überwiegen dagegen die kritischen Töne, vor allem die Warnungen vor dem trügerischen Schein: die Menge, die damals in Jerusalem den einziehenden Jesus mit Palmzweigen und Hosiannarufen begrüßt, wird ein paar Tage später nicht weniger laut „Kreuzige“ rufen. Das ist zwar richtig, aber wir sollten deshalb nicht sofort dem Volk von Jerusalem die Freude am Einzug Jesu und uns die Freude am Palmsonntag vermiesen. Plötzliche Freude und spontaner Jubel ist nicht nur grundsätzlich etwas sehr schönes, beim Einzug Jesu hat er erst recht seine Berechtigung. Jesus geht seinen Weg, nicht nur den Weg ans Kreuz, sondern der Weg zur Rettung der Welt, zum Sieg über den Tod. Das haben die Menschen damals instinktiv, also mehr unbewusst als bewusst, erkannt. Dass die Erkenntnis nicht von langer Dauer war, steht auf einem anderen Blatt. Aber der Jubel und seine Nachwirkungen in den Palmsonntagsbräuchen nimmt uns auf jeden Fall mehr in das Geschehen hinein als kritisch-distanziertes Abstandnehmen. Wer den Jubel des Palmsonntags nicht ein Stück weit nachvollzieht, kann wohl auch den Schmerz des Karfreitags und die österliche Siegesfreude nicht ganz empfinden. Zumal es am Palmsonntag beim Jubel der Volksmenge nicht nur um eine wetterwendische Laune, sondern wirklich um den vorweggenommenen Jubel über das Ende und Ziel des Weges Jesu geht.

In früheren Jahrhunderten wurde bei der Palmsonntagsprozession auch ein Esel mitgeführt, ein lebendiger oder ein hölzerner auf Rädern, der  das  Jahr über auf dem Dachboden der Kirche aufbewahrt wurde. Sogar in einigen alten evangelischen Kirchen gibt es ihn noch als Museumsstück. Ich möchte nicht für einen neuen Einsatz an den Palmsonntagen im 21. Jahrhundert plädieren. Aber der Esel erinnert an etwas ganz Wichtiges: Jesus reitet beim Einzug in Jerusalem auf einem jungen Esel. Damit knüpft er an eine damals schon alte Tradition an und zeigt: Ich bringe Frieden. Er weist sich in der Tat damit als der König des Friedens aus. Denn der Esel ist nicht nur das Lasttier der Bauern und kleinen Händler. Er ist auch das Tier des Friedens. So wie Jesus einzieht, so zogen damals Herrscher ein, wenn sie in friedlicher Absicht kamen. Für den Krieg hatte man Pferde.

Den Esel brauchte ein Herrscher, um seine friedliche Absicht zu demonstrieren, um Frieden zu bringen. So können wir es im AT beim Propheten Sacharja nachlesen, den ja auch der Evangelist Johannes in der Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem zitiert. Und an diese Stelle musste damals sicher auch so mancher bibelkundige Zuschauer denken, wenn er Jesus so daher kommen sah: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin... Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.“

Auf einem Esel kommt kein König, der seine Macht durch Kampf und Krieg, durch Rüstung oder Militärparaden demonstrieren muss. Sondern der König des Friedens, der Gerechtigkeit, der Hilfe.

Die Menschen in dieser Geschichte brechen darum beim Einzug Jesu in Jubel aus, der zwar nicht von Dauer ist, aber in diesem Augenblick stark und echt. Sie sind von Anfang an nicht passiv gewesen, sondern haben selbst die Initiative ergriffen. Sie haben von den erstaunlichen Taten des Wanderpredigers Jesus aus Nazareth gehört, dass er sogar gegen den Hunger und gegen den Tod angeht. Und so kommen sie aus der Stadt heraus, gehen Jesus entgegen und geleiten ihn mit Jubel. So formieren sie sich zu einem gewaltigen Demonstrationszug, um Jesus als dem gott-gesandten Heilbringer zuzujubeln und so vielleicht zu noch sensationelleren Taten anzureizen. Mit Zweigen in der Hand laufen sie Jesus entgegen. Die Palmzweige symbolisieren, was sie sich von ihm erwarten: Leben und Heil, Frieden und Hoffnung.

In der Darstellung des Johannesevangeliums wird viel deutlicher als in den anderen Evangelien, dass hier die religiöse Sehnsucht und Hoffnung der Volksmenge, der Pilger, die mit großen religiösen Erwartungen aus vielen Ländern zum Passafest nach Jerusalem gekommen sind, die Dinge in Bewegung bringt. Die Palmzweige, die die Menschen in die Hand nehmen, sind ein deutliches Zeichen ihrer Hoffnung. Noch heute gelten die Palmzweige, nicht nur auf Grabsteinen und in Todesanzeigen, als Zeichen der Hoffnung und der freudigen Erwartung.

Und Jesus lehnt diese Sehnsüchte und Hoffnungen keineswegs in Bausch und Bogen ab. Er verurteilt sie nicht, sondern lässt sie sich erst einmal gefallen. Er kennt die tiefen Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen und akzeptiert sie. Freilich verunsichert er gleichzeitig die Menschen, die ihm da zujubeln, durch merkwürdige Akzente und auch Verfremdungen. Er kommt nicht mit den Insignien der Hoheit, sondern mit den Zeichen der Niedrigkeit, zu denen der Esel ja auch gehört. Er handelt so, als ob er jeden Hinweis auf seine göttliche Sendung unterdrücken wollte, obwohl die Volksmenge, die ihn mit „Hosianna“ als den König von Israel begrüßt, doch im tiefsten Grunde Recht hat. Freilich im tiefsten Grunde, in einer Tiefe, die den Menschen gar nicht bewusst ist. Jesus ist nicht der sensationelle Wundertäter, der auf Anhieb alle Probleme löst und alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumt. Sondern wirklich der gottgesandte Heiland und Retter, der auch die dunklen Schatten kennt und die Abgründe der menschlichen Existenz durchschreitet, bis hin zum Leiden und Sterben.

Deshalb handelt er nach der Vision der Propheten, nicht nur der des Propheten Sacharja vom Friedenskönig, sondern auch nach der Vision des Propheten aus der Babylonischen Gefangenschaft, dessen Namen wir nicht kennen und der meist der zweite Jesaja, weil seine Worte im Buch Jesaja aufgezeichnet wurden. Diese Worte sind auch die alttestamentliche Lesung zum Palmsonntag und in diesem Jahr nach der neu eingeführten  Ordnung auch Predigttext (Jesaja 50,4ff):

Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zur rechten Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

Der gottgesandte Heiland und Retter geht nicht auf einen Triumphzug, sondern in Leiden und ans Kreuz.

Im Palmsonntagsevangelium haben wir gehört, wie nicht einmal Jesu engste Freunde, die vertrautesten Jünger den Einzug des Friedenskönigs in Jerusalem verstehen. Noch viel mehr gilt das für die Andeutungen Jesu, dass sein Weg ins Leiden und in den Tod führt. Auch die engsten und vertrautesten Freunde und Jünger bleiben in Missverständnissen stecken und kommen erst viel später zur Einsicht, erst nach Ostern, als ihnen deutlich war, dass nicht der Tod am Kreuz Jesus bezwungen hatte, sondern dass  er am Kreuz den Tod bezwungen hatte.

Auch wir werden es nicht mit Verstandeskräften begreifen können. Aber wenn wir dem Weg Jesu nachspüren, spüren wir die Kraft des Lebens in unsrer spannungsvollen Wirklichkeit.

Das Friedenszeichen des Esels, das Lebenszeichen des Kreuzes machen uns deutlich, dass es nicht unsere Kräfte sind, sondern die Urkraft und Quelle des Lebens, die Kraft des ewigen und allmächtigen Gottes, die sich uns in der Geschichte des ohnmächtig sterbenden Jesus aufschließt.

Besonders jetzt in der Karwoche, wenn wir die Stationen vom Palmsonntag bis zum Karfreitag und Ostern mitgehen, haben wir die Chance, Geheimnis unseres Herrn zu erspüren, das sich in seinem Leiden und Sterben erschließt und das auch das Geheimnis unseres wahren, wirklichen Lebens ist.

Amen

Fotos vom Gottesdienst mit Chor und Fötenensemble in der Bildergalerie.

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