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10.02.2019 - Gottesdienst m. A.

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Predigt zu Markus 4,35-41 am 4. Sonntag vor der Passionszeit 2019 (10.2.) von Pfarrer Johannes Habdank in Berg

Stillung des Sturmes (revidierte Lutherübersetzung 2017)

Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns ans andre Ufer fahren. Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!

Herr, gib trübe Augen, für Dinge, die nicht taugen,
und Augen voller Klarheit für dich und deine Wahrheit. Amen

Liebe Gemeinde,

bei der Sturmstillung war Jesus der ruhende Pol, man kann auch sagen: er hatte „die Ruhe weg“, wenn auch nur bei ihm als einzigem die Ruhe nicht weg war. Alle anderen gerieten in Panik, er nicht. Dafür steht symbolisch dieses Kissen! Ist Ihnen das aufgefallen bei der Lesung? Er schlief auf einem Kissen. Da geht eine Welt unter, die Jünger Jesu machen sich in die Hose, es geht drunter und drüber, das ganze Schiff ist in schweren Turbulenzen. Und der Herr schläft auf einem Kissen, als wenn nichts wäre. Das kann ratlos oder gar ärgerlich machen - ist das nicht enttäuschend?

Die christlichen Kirchen – zu allen Zeiten von den Auslegern mit „dem Boot“ identifiziert – befinden sich in schwerer See und in erheblichen Strudeln, die Wellen schlagen allenthalben ins Schiff, und der Herr der Kirche verhält sich, als ob ihn das alles nichts anginge?

Immer wieder wird ruchbar, wie miserabel der Zustand der Kirchen ist: wie Kirche mit dem vielen Geld umgeht, das ihr die Kirchensteuer in die Kassen spült. FDP und AfD wollen die direkten staatlichen Finanzierungsleistungen an die Kirchen ablösen, weil sie diese Leistungen für historisch überholte Vermischungen von Staat und Kirchen halten. So werde die Axt an die Wurzel der Volkskirche gelegt, sagen die Verteidiger. Ich meine, dass diese direkten Transfers tatsächlich abgeschafft werden sollten, die Säkularisation ist über 200 Jahre her. Die Zahl der Menschen, die sich überhaupt noch einer Kirche verpflichtet wissen, nimmt in unseren Breiten kontinuierlich ab, bei gleichwohl blühendem frei vagabundierenden Religionsleben in der Gesellschaft, von Esoterik bis kapitalismuskompatiblem Soft-Buddhismus: sind unsere Kirchen nicht modernitäts- und religionsfähig genug, weil sie zu sehr am Alten kleben und an ihrer – abnehmenden – Macht? Ab 2030, also genau dann, wenn ich in den Ruhestand gehen werde, wird – nur als ein Beispiel - die Bayerische Landeskirche 700 Stellen aus finanziellen Gründen, aber auch wegen Nachwuchsmangels nicht mehr besetzen können. Und die Plausibilität dessen, was zumindest die offizielle Kirche im Namen ihres Herrn verkündet, schmilzt dahin: Gott - wer glaubt denn so was?

Vorletztes Jahr begeht die evangelische Kirche als Höhepunkt einer ganzen Lutherdekade abschließend ein Lutherjahr zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags: zwischen Selbstüberschätzung, Show-Effekten und nicht ganz klarer Wirkungslosigkeit - wir hier haben da eher Maß gehalten. Der Turm war unser sichtbares Zeichen und bleibender Beitrag.

Geschüttelt werden die beiden Kirchen derzeit von den unsäglichen Missbrauchsvorwürfen tausender Kinder und Jugendlicher beiderlei Geschlechts. Wir Evangelischen dachten erst, so etwas gibt bei uns so gut wie nicht. Gab es aber auch. Also kann es ja nicht am Zölibat allein liegen! Ein Papst gesteht ein, dass es massenhafte Vergewaltigungen von Ordensfrauen durch Mönche, Priester und sogar Bischöfe gebe. Neuerdings soll es auch junge Sexsklavinnen in Nonnenklöstern gegeben haben.

Nicht nur die äußeren Umstände sind für die christlichen Kirchen bedrohlich, auch innerlich knarzt es - und kracht das morsche Boot.
Da kann man sich schon als Christ 2019 in Deutschland wirklich die Haare raufen, man könnte resignieren, oder ist es zum Wahnsinnigwerden?

„Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen."

So steht es im Markusevangelium, die anderen Synoptiker, Matthäus und Lukas haben dieses Kissen aus ihrer Vorlage von Markus entfernt: dieses Kissen war schon ihnen nicht geheuer! Gab es wirklich Kissen auf den Booten, und dann nur für einen, womöglich den Steuermann, der aber schläft, eben auf diesem Kissen? Oder hatte Jesus, wie ein Ausleger meint, vielleicht immer „sein Kisschen“ mit dabei? Habe ich noch nie gehört, wird auch sonst nicht berichtet: beim Abendmahl vielleicht? Am Kreuz schon gar nicht ... . Die Wanderbewegung Jesu hatte nichts dabei, auf Befehl des Herrn, in kynisch-hellenistischer Tradition (und wie man es übrigens auch von buddhistischen Mönchen aus Urzeiten her kennt, wie es die Konfirmanden im Film letzte Woche gesehen haben). Dann kann Jesus selber auch nichts, schon gar kein Kissen, dabei gehabt haben. Das Kissen ist also symbolisch gemeint.

Das Idyll einer heilen Abendwelt, wie es auch am See Genezareth so oft zu erleben ist, schlägt um in ein lebensbedrohliches Szenario. Angsterfüllt reagieren die Jünger im Boot.

Einigermaßen panisch veranstaltet die Evangelische Kirche in Deutschland in ihren Sturmzeiten seit Jahren Zukunftskongresse, entwickelt neue Strategien, wie auf Dauer zu überleben sei, vom sog. Leuchtfeuerpapier vor einigen Jahren bis zum Reformprozess „PuK“ (Profil und Konzentration), der seit zwei Jahren angestoßen ist und kirchlich herumgeistert, um sich intern besser vernetzt und nach außen besser und glaubwürdiger aufzustellen.

Immer wieder tagt auch die Katholische Bischofskonferenz, um das Ruder zu halten, Segel um Segel werden eingezogen, vor allem aber muss man immer wieder neue Wassermassen über Bord schütten, Meldungen dementieren, Haushaltslöcher stopfen, Aufklärungsarbeit leisten, Informationslecks schließen. Und alles reicht nicht, ja, es wird eher immer schlimmer.

„Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen.“

Das „gute Gefühl“ der Jünger an seiner Seite schwindet. Es schlägt um in ungläubiges Staunen, in heftige Reaktionen, in die existentielle Frage, was sie ihm tatsächlich wert sind. Diese Provokation lässt manchen unter ihnen aggressiv werden. Was geht hier eigentlich ab? Jesus wird seinen Jüngern fremd, nicht nur damals. Sollen sie ihn ignorieren - oder gar aufgeben?
Man möchte ihn aus seinem Schlaf reißen und ins Gesicht schreien: „Meister, fragst du nicht danach, dass wir umkommen?“

Genau in dieser äußeren Bedrohung, mitten in der inneren Ausweglosigkeit - stellt Jesus eine Gegenfrage, die Frage nach ihrem Glauben:
„Warum seid Ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“

Was sollen wir dazu sagen? Haben wir noch keinen Glauben?

In Krisenzeiten wird unser Lebensvertrauen auf die Probe gestellt. Und gerade da ist Jesus uns ganz fremd? Wenn unser Gegenüber so ganz anders reagiert und handelt, als wir es erwarten, verschärft das die Situation noch einmal. Eigentlich ist da für Fremdheit kein Platz. Doch gerade dadurch, dass dieser fremde Herr sich nicht in unsere Strudel hinein ziehen lässt, dass er seine ganz tiefe Ruhe bewahrt, dass er aus einer inneren Sicherheit heraus spricht und handelt, kann sich eine scheinbar aussichtslose Situation drehen, in welchem Sinne?

Es geht nicht um Aktionismus, der vor allem sich selber gefällt, es geht nicht um schnelle Lösungen, die dann doch bei der nächsten Windböe nicht mehr gelten, es geht nicht um großartige Strategiepapiere und Maßnahmen, die in vielen, oft jahrelangen Steuerungs- und Projektgruppen mühsam entwickelt werden, um in so allgemein wie richtigen, also nichts sagenden Proklamationen zu enden, also in Belanglosigkeit unterzugehen, sondern um langsame, ehrliche, tiefe Veränderung, und zwar des eigenen Glaubens, bei jedem Einzelnen. Und davon ist jeder mehr oder weniger weit entfernt – das Ufer kennen wir, aber wir werden es so schnell nicht erreichen.
Denn unser Glaube muss verstehen, dass da ein Herr mit im Boot ist, der uns letztlich fremd bleibt.

Es ist nicht die Stillung des Sturmes, die das Wunder ist, das er bewirken kann, wenn wir ihm glauben. Es ist die Stillung im Sturm, die Christus uns zumutet: Bleibt ruhig, ganz ruhig, auch wenn euch alle Felle davon schwimmen, konzentriert euch auf das Wesentliche: Macht Euer Ding in der Nachfolge des Gottes, der das Kind in der Krippe ist, der Gottes Liebe und Vergebung predigt und der heilt, und - der am Kreuz hängt.

Lasst Euch nicht davon abbringen, von dem Gott zu erzählen, der sein Volk aus dem Meer gerettet hat auf der Flucht aus Ägypten und der Jona im Bauch des Walfisches gerettet hat, und der mitten in den Turbulenzen unseres kirchlichen und gemeindlichen Lebens die Ruhe weg hat und behält. Darum glaubt an den, der die Stille im Sturm ist. Der die Ruhe selbst ist. Nur so wird Glaube, wird Vertrauen sein.

Wer ist der, der im Auge des Orkans die Ruhe behalten kann, weil ihm die Elemente gehorchen? Der von seinem Kissen auferstandene Jesus hat zugesagt, dran zu bleiben. Im Moment der Krise, das ist klar, da gibt es nur Fragen und Gegenfragen. Aber es gibt wenigstens Fragen – und Fragen enthalten manchmal schon ihre Antworten in sich.

Das Kissen, über das ich mich erst so aufgeregt habe, entpuppt sich also als ein echtes Ruhekissen – ein Kissen der Sammlung und der Neugewichtung des eigenen Lebens, ein Kissen der Neubesinnung auf Gott und seine Welt, ein Kissen des Mutes, auch Turbulenzen zu ertragen und durchzustehen – wie im Flugzeug auf der Reise in den Urlaub.

Das Kissen erzählt uns diese Geschichte: Ruhe bewahren, akzeptieren, dass Jesus auch ganz anders reden und handeln kann, als wir es erwarten, und dass es uns entsprechend mit unserem Glauben und Zweifeln so geht.

Das Kissen besagt: sich auf diesen uns bisweilen so fremden Gott trotz allen Getöses um uns herum und in uns einlassen und an ihn zweifelnd glauben, aber nicht zu verzweifeln.

Mitten darin geschieht unerwartet Rettung - das ist unser, zugegeben etwas komischer, schwieriger und doch heilsamer christlicher Glaube.
Denken wir darüber nach bei Orgelspiel.

Amen.

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