Pfarrer Dr. Hermann Ruttmann,
Epiphanias, das Erscheinungsfest 22.06.2008
Katharina von Bora-Haus

Thema: “ Das Zeichen der Taufe.
                   Matthäus 3,7-17

 

Liebe Gemeinde,

Martin Luther hat in seinen letzten Lebensjahren dieses Tauflied getextet und die Taufe Jesu in seinem Lied „Christ, unser Herr, zum Jordan kam“ für uns gedeutet. Martin Luther war die Taufe bedeutsam und auch Matthäus hat sie in seinem Evangelim ganz vorne angesiedelt. Matthäus hat nach der Kindheitsgeschichte Jesu noch nichts von diesem erwachsenen Jesus erzählt – er steigt stattdessen mit diesem ruppigen und ungepflegten Kerl, „Sankt Johann“ wie Luther ihn in seinem Lied nennt, ein. Johannes der Täufer tritt auf und wird zum Wegbereiter Jesu – so, wie es der Prophet Jesaja vorhergesagt hat: „In der Wüste wird er auftreten und rufen: Baut für den Herrn eine Straße, ebnet ihm seinen Weg!“ Und dieser Johannes verspricht weder Erfolg noch Wohlstand noch ein einfaches Leben. Er schockt seine Zuhörer in einer Art und Weise, die einen Pfarrer oder einen Lektor hier in der Kirche bald einsam werden lassen würden: „Kehrt um,denn Gottes Herrschaft ist nahe an uns herangerückt.“ Trotzdem kommen die Leute zu ihm und fast scheint es, als möchte er das auch noch verhindern, denn er fährt fort:

Matthäus 3,7-17 nach Klaus Berger

Wir glauben, dass Matthäus sein Evangelium geschrieben hat, um Menschen zu unterrichten, die getauft werden wollten. Menschen der 2. Generation nach Jesus im Raum Syrien und Libanon: 40 Jahre ist Jesus schon tot – es gibt kaum noch Augenzeugen seines Auftretens und die neuen Christen müssen unterrichtet werden, wie heute Konfirmanden unterrichtet werden müssen. Und ein guter Konfirmandenunterricht fängt mit einem ordentlichen Donnerwetter an: „Wenn Ihr nur wegen Eurer Geschenke hierher kommt, wenn Ihr nur die Kohle Eurer Verwandten abzocken wollt, dann könnt Ihr gleich nach Hause gehen. Nur weil Ihr die Töchter und Söhne unserer Kirchenvorsteher oder von guten Kirchensteuerzahlern seid, braucht Ihr nicht zu glauben, dass das hier ein Spaziergang ist. Wenn es Euch nicht passt, dann geht besser jetzt!“ Da kommt Freude auf bei den Konfirmanden – und wahrscheinlich auch bei den Eltern, wenn sie nach Hause kommen und vom ersten Unterricht erzählen.

„Die sollen doch froh sein, dass überhaupt noch jemand in die Kirche kommt, die sollen doch froh sein, dass wir noch nicht ausgetreten sind. Der Pfarrer lebt doch, weil wir so gnädig sind mit ihm.“ Wir können uns leicht vorstellen, was los wäre. Aber genau das sagt Matthäus seinen taufbereiten Gemeindegliedern, so muss das bei den damaligen Konfirmanden ankommen, was Matthäus an den Beginn seines Taufunterrichts stellt: „Ihr Natterngezücht! Niemand kann euch einen Schleichweg sagen, auf dem ihr Gottes Zorngericht entkommen könnt! Bildet euch nicht ein, es könnte euch helfen, dass ihr Abrahams Kinder seid.“ Und was bietet er seinen Taufbereiten an? Was sollen sie anders machen? Taten will er sehen, nicht nur schöne Worte bei der Taufe, im Konfirmandenunterricht – er will sehen, dass sich das Leben ändert: „Nur eins hilft: Eure Taten müssen endlich von eurer Umkehr zeugen. Jeder Baum, der keine guten Früchte liefert wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“

Und Johannes prophezeit: Das war noch das kleinste, verglichen mit dem, was Euch noch bevorsteht: Ich gebe Euch nur ein Zeichen mit der Taufe im Jordan – ein Zeichen dafür, dass Ihr versprecht umzukehren, „denn Gottes Herrschaft ist nahe an uns herangerückt“. Aber das alles ist nur ein müder Vorgeschmack auf das, was noch kommt, wenn der Messias, der Gesalbte, der Christus, auftritt: Nicht mit Wasser, sondern mit Geist und Feuer wird der Messias taufen. Nur wenn Ihr das erleben wollt, lohnt es sich anzufangen. Nur wenn Ihr mit dem Messias das Leben er-leben wollt, lohnt es sich, den Konfirmandenunterricht, den Taufunterricht zu machen. Die wenigsten von Ihnen werden wie ich vom Bauernhof kommen – deshalb will ich Ihnen kurz erläutern, wie wir früher Getreide gereinigt haben: Wir haben es gegen ein großes Fangsieb geworfen und der Wind und das Sieb haben die Spreu vom Weizen getrennt. Übrig bleibt das, womit man backen kann, von dem man satt wird, das, was man mahlen und gebrauchen kann.

Johannes stellt die Leute vor die Entscheidung ihres Lebens, eine Entscheidung, die sich oft Jahre hinziehen kann: So, wie sich unser Leben fortlaufend verändert, so, wie ich heute ein anderes Verhältnis zu Gott und zu Jesus habe, wie vor 20 Jahren. So, wie ich als Konfirmand ein anderes Verhältnis hatte als als kleines Kind. Wir reifen in unserem Leben wie der Weizen reift – nur dass wir die Wahl haben, uns von Gott zu trennen oder bei ihm zu bleiben. Mitten in diesen Entscheidungsruf kommt nun Jesus zu Johannes und befiehlt ihm, ihn zu taufen. Martin Luther hat dies folgendermaßen beschrieben: Wir singen die Strophen 3 und 4 des Liedes.

Seit der Taufe Jesu ist die Taube unser Zeichen für den Heiligen Geist – vorzugsweise haben wir sie im Kanzeldeckel, um zu zeigen: Das, was hier gepredigt wird, hat zwar ein kluger Mensch geschrieben, aber ist Gottes Wort, wird vom Heiligen Geist vermittelt. Warum die Taube? Als Zeichen für die Friedfertigkeit? Wir versuchen sie immer von unseren Kirchtürmen fernzuhalten, weil sie alles verunreinigen. Warum also die Taube? Nun Klaus Berger hat nicht nur gut übersetzt, nein, er hat auch eine Anmerkung geschrieben: „Der Vergleich mit der Taube ist wohl deshalb gewählt, weil die Art des Fliegens verglichen werden soll, denn Tauben bewegen sich durch die Luft und lassen sich dann an einer Stelle nieder. Insoweit ist sie nicht sehr flugfreudig.“ Der Heilige Geist glitt also auf Jesus herab wie eine Taube fliegt. Gott zeigt, dass er mit Jesus ist, die Menschen sollen sehen und hören, dass sich die Worte des Johannes erfüllen. Und der Heilige Geist bleibt bei Jesus, wie eine Taube sich nach ihrem Gleiten an einer Stelle niederlässt.

Aber warum lässt sich Jesus taufen? Auch Johannes ist ja zunächst erstaunt: Jesus ist doch als Gottes Sohn sündlos, er muss doch das Zeichen des Neubeginns nicht haben. Nun, ich denke, dass sich Jesus einfach mit uns auf eine Stufe stellen wollte: Er tut, „was Gott von jedem verlangt, den er als Gerechten annehmen will.“ Keiner kommt ohne Taufe aus – selbst Jesus wurde getauft. Und so, wie Jesus als Sohn Gottes bestätigt wird bei der Taufe, so dürfen wir uns alle als Söhne und Töchter Gottes fühlen. Der Heilige Geist wird verliehen, Gott ist mit dem, der das Zeichen der Umkehr, die Taufe, wählt und nimmt uns als seine Kinder an.

In diesem schlichten Bild der Taube, die auf den getauften Jesus herunterschwebt, spiegelt sich der ganze Inhalt des Neuen Testaments. Dieser Taufunterricht des Matthäus ist eindrücklicher als alles, was wir an Filmen und Blättern im Konfirmandenunterricht bieten können. Seine Botschaft: Wir sind mit der Taufe von Gott angenommen und stehen mit Jesus auf einer Stufe. Nicht mehr und nicht weniger.

Was kann uns die Taufe am Jordan für unser Leben mitgeben?

  • Ein Wort, für unsere Konfirmanden wie für uns: Das Leben mit Gott ist kein Spaziergang: Die Taufe ist kein Schleichweg, mit dem man Gott täuschen könnte. Ebenso wenig wie die Konfirmation. Wer sich auf den Weg einlässt, der sollte es auch ernst meinen.
  • Gott ruft immer wieder zur Entscheidung, unser Glauben kann reifen – aber wir tragen die Verantwortung dafür, ob wir noch auf dem Weg zum Weizen oder zur Spreu sind.
  • Wir sind durch die Taufe Kinder Gottes, wir haben den Heiligen Geist empfangen und stehen mit Jesus auf einer Stufe.

Ob wir nun unsere Taufe in der Konfirmation bestätigen wollen oder wir schon zum Weizen gereift sind: Ich wünsche uns, dass das Zeichen der Taufe uns daran erinnere, dass wir alle zu Jesus und Gott gehören. Dazu helfe uns die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.