Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Berg
Gemeindezentrum - Fischackerweg 10 - Katharina von Bora-Haus

 

Predigt an Heiligabend 2006:
Pfarrer Johannes Zultner,
Christvesper 24.12.2006 - 18.00 Uhr
Pfarrkirche Aufkirchen, Berg

Thema: “Warum feiren wir Weihnachten
                 Johannes 7,28-29

 

Warum, liebe Gemeinde, feiern wir Weihnachten ?

Was steht heute, an diesem Heiligen Abend 2006, im Mittelpunkt unseres Denkens und Fühlens, Wünschens und Wollens ?

Ein Grund zum Feiern findet sich immer. Auch in Japan ist Weihnachten seit einigen Jahren sehr beliebt, obwohl kaum ein Japaner sagen kann, was er da feiert. Es ist einfach Mode geworden, wie bei uns Halloween. Lichterketten und Dekorationen nach amerikanischem Vorbild bringen eine stimmungsvolle Atmosphäre, die auch die Japaner anspricht und den Umsatz der Geschäfte steigert. Was da gefeiert wird, davon haben die Japaner, wie aus Radiointerviews zu entnehmen war, keinen blassen Schimmer. Warum auch, sie sind fast zu hundert Prozent Buddhisten. Was soll ihnen ein christliches Fest sagen ?

Was sagt Weihanchten uns ? Heute, am Heiligen Abend 2006 ? Spricht dieses Fest zu uns - aus seinem Kern, aus seiner Mitte heraus - in die Mitte unseres Lebens hinein, in unser Herz ?

Vielleicht ist mein Herz in diesen Tagen ein Ort unbändiger Freude, fast überbordernd vor Lebendigkeit, weil so vieles gelungen ist, weil das Leben so schön ist. – Habe ich da Weihnachten, die Verkündigung himmlischer Freude, noch nötig ? Ist es nicht überflüssig und aufgesetzt ?

Vielleicht ist mein Herz in diesen Tagen eine einzige Wunde, ein Ort, an dem Trauer, Angst und Hoffnungslosigkeit sich die Hand reichen. – Habe ich da auch noch Weihnachten, die Verkündigung himmlischer Freude, nötig ? Ist es nicht ein Hohn ?

Warum feiern wir Weihnachten ?

Wie sagte eine Konfirmandin vor Jahren: "Was, an Weihnachten, da wo so wahnsinnig viel los ist, da feiert ihr auch noch Gottesdienst ?"

Das Weihnachtsfest aus seinem Kern, seiner Mitte heraus zu feiern ist gar nicht so leicht. Heute haben wir dazu noch einen nicht gerade einfachen Predigttext, nur zwei trockene Verse:

Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wißt, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. (Johannes 7,28-29)

Dieser Text ist spröde, schwer zugänglich. Vielleicht können wir ihn besser verstehen, wenn wir uns kurz in die damalige Zeit begeben und uns vorstellen, wie es gewesen sein könnte, als Jesus diese Worte sprach:

    Die Sonne stand schon hoch, als sie die Zinnen Jerusalems vor sich sahen und sich bald darauf anschickten zum Tempelberg hinaufzusteigen. Dieses Jahr wollten sie zum Fest in der Heiligen Stadt sein. Vater und Sohn hatten sich diese Pilgerreise schon seit langem vorgenommen. Drei Tage Fußmarsch über staubige Straßen und Wüstenpfade hatten sie hinter sich, nun waren sie am Ziel. Aaron, der Sohn, der drei Jahre zuvor Bar-Mizwa gefeiert hatte und sich seither für die Thora und die Geschichte der Väter Israels interessierte, wollte unbedingt einmal zum Laubhüttenfest nach Jerusalem. Immer wieder mussten sie die Reise verschieben. In diesem Jahr hatte Jakob, sein Vater, endlich die nötige Zeit gefunden.

    Die Stadt brodelte, durch alle Tore der Stadtmauer kamen Pilger herein und strömten zum Tempel. Diesen hatten Aron und Jakob inzwischen auch erreicht.

    Jetzt standen sie vor dem ersten Tor und wurden einer Menge gewahr, die sich dort um einen Mann drängte und laut und aufgebracht miteinander diskutierte. "Mose hat euch doch die Beschneidung gegeben ... und ihr beschneidet Menschen auch am Schabbat" rief der Mann. "Wenn nun ein Mensch am Schabbat die Beschneidung empfängt, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, was zürnt ihr dann mir, weil ich am Schabbat den ganzen Menschen gesund gemacht habe ?".

    Aaron zog seinen Vater hinüber zu der Menge. Das schien doch Jesus von Nazareth zu sein, der Rabbi aus Galiläa, der mit einer Schar von Jüngern durch die Gegend zog und mit seinen Reden und Taten immer wieder für Aufsehen sorgte. "Vater, das ist Rabbi Jeschua, von dem einige sagen, er sei der Messias, der neue König. Ich möchte ihn sehen." "Ach, wieder so ein aufgeblasener Prophet, einer der sich selbst für wichtiger hält als alle Lehrer Israels" brummte der Vater. Die Begeisterung des Sohnes konnte ihn überhaupt nicht anstecken. "Ist das nicht der, den sie töten wollen?" rief einer aus der Menge "und sie lassen ihn hier so frei reden ?" - "Sollten unsere Oberen nun doch erkannt haben, dass er der Christus ist ?" schrie ein anderer.

    "Nein, wo denkt ihr hin, wir wissen doch woher dieser ist - aus Galiläa, dort gibt es viele solche Volksaufwiegler. Aber das weiß man doch schon lange: Aus Galiläa kommt kein Prophet". Das war auch die Meinung Jakobs und deshalb wollte er seinen Sohn aus dieser Menschenansammlung wegziehen, aus der heraus gerade ein anderer brüllte: "Wenn der Christus eines Tages kommen wird, so wird niemand wissen, woher er ist".

So ging die Debatte - siehe Johannes 7,22-27 - und die Reaktion Jesu darauf ist nun eben unser Predigttext am heutigen Heiligen Abend, Johannes 7,28-29:

Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wißt, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.

Die entscheidende "Weihnachtsfrage" damals und heute, liebe Mitchristen: „Ist dieser Galiläer der von Gott gesandte Retter ?“

Dieser kurze Text ist, bei aller seiner Trockenheit, ein Weihnachtstext. Denn er führt uns genau zum Kern der Weihnachtsbotschaft: "Christ der Retter ist da", wie wie es auch heute in unsrem Schlusslied singen werden.

Ist er da? Glaube ich, dass in dieser Heiligen Nacht Gott zur Welt kommt und damit auch zu mir ? Gerade zu mir? Das ist die Kernfrage des Christfestes.

Wenn wir Christen bekennen, dass Jesus, der armselig in einer Krippe zur Welt Gekommene, der Heiland sei, dann stehn wir schlagartig in Widerspruch zu vielem, was in dieser Welt gilt.

Der Wert des Menschen ist dann nicht an Erfolg, Einfluss, Schönheit oder Leistungsfähigkeit zu messen. Der Mensch erhält seine Würde und seinen Wert allein von Gott, der in Jesus Christus selber Mensch wurde - aber in einem Stall, auf der Flucht, als Kind armer Leute, aus der unbedeutenden Provinz Galiläa. Das war für die Zeitgenossen damals ein Anti - Messias.

Doch wegen seiner Geburt in Armut und wegen seines Todes am Kreuz waren schließlich die Menschen davon überzeugt, dass in ihm Gott zur Welt gekommen war: Nicht trotz dieser Schwäche, sondern genau in dieser Schwäche, nicht trotz dieser Armut, sondern genau in dieser Armut kam Gott zur Welt.

Gott hat sich mit den tiefsten Abgründen des Menschseins solidarisch gemacht. Das ist die Revolution des Christentums, das ist der Punkt, in dem wir uns von anderen Religionen unterscheiden.

Wenn der Mensch seine Würde und seinen Wert nicht durch Leistung oder perfekte Funktionsfähigkeit bekommt, dann hat auch das behindert geborene Kind seine Würde, auch wenn es nie lesen und schreiben lernen wird, oder genauso der alte Mensch, der Mühe hat mit dem Leben Schritt zu halten.

"Ihr wisst woher ich komme, aber es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt" sagt Jesus in unserem kurzen Predigttext seinen Zeitgenossen, die im Tempel herumstanden.

Auch ich möchte mir dies heute gesagt sein lassen: Dass ich Jesus kenne und doch nicht kenne. Es wäre so traurig, wenn ich ihn vielleicht gerade an Weihnachten ganz und gar verkenne. Dann würden die Mitte des Festes und die Mitte meines Lebens sich nicht berühren, Weihnachten wäre ein leeres Getue.

Mit seinen Worten, die er als Erwachsener im Tempel sprach, möchte Jesus uns auch aus den weihnachtlichen Missverständnissen herausholen. Die Weihnachtsidylle, die nur das "herze Jesulein" sieht oder den Stall mit Ochs und Eselein romantisch verbrämt, kann den Blick für das Kommen Gottes mehr verstellen, als ihn dafür zu öffnen.

Das Weihnachtsfest in seinem Kern stellt die doppelte, die verbindende Frage: Nach Gott und nach meinem Leben, nach Gott und nach dem Leben dieser Welt.

An Weihnachten kommt etwas zu mir. An Weihnachten kommt alles zu mir. Das „Eine“ und das „Alles“, „hen kai pan“, so hat eine nachchristliche spätantike Philosophie Gott genannt. Das ist es aber noch nicht. Wenn dieser in Jesus gekommene Gott mein Ein und Alles wird, vielleicht nur für Augenblicke, aber immer wieder für Augenblicke, dann hat der Kern von Weihnachten die Mitte meines Lebens berührt. Es ist eine Berührung, die ich dann nie mehr vergesse und nach der ich mich sehne. Ich wünsche Ihnen und mir diese Berührung so sehr!

In der Bibel und von vielen Christen ist es bezeugt:
Wenn Gott in mein Leben tritt, muss anderes gehen. Es muss das gehen, was mein Leben zerstört.
In der biblischen und christlichen Geschichte ist es bezeugt:
Wenn Gott in die Welt eintritt, muss anderes gehen. Es muss das gehen, was das Leben, das Glück, den Frieden in der Welt hindert und zerstört.

Aber Gott tritt nicht mit Gewalt in mein Leben, er tritt auch nicht mit Gewalt in das Leben der Welt. Deshalb wohl kam er als Kind, als armes und hilfloses Kind. Sein Kommen als Kind war zugleich sein Ruf an die Welt, sich ebenfalls aufzumachen, zu ihm und für ihn. Und so wird in den Weihnachtsgeschichten die Welt in Bewegung gesetzt, in eine Bewegung auf Gott hin: Aus der Nähe kommen die Hirten, aus der Ferne die Weisen.

Die Bewegung Gottes auf die Welt hin setzt die Welt in Bewegung auf ihn hin. Wenn wir in dieser Weise das Weihnachsfest „bewegend“ finden, dann sind wir der Sentimentalitätsfalle entronnen und haben uns von den Worten des 30jährigen Jesus im Tempel heilsam ernüchtern lassen.

Die Mitte von Weihnachten und die Mitte meines Lebens könnten sich für Augenblicke berühren. Welches Glück, welche Freiheit, welche Hoffnung!

Möge diese Berührung das große Weihanchtsgeschenk Gottes an diesem Abend sein, für uns alle, für jeden von uns.

Eine Strophe des nun folgenden, großartigen Liedes vorwegnehmend, könnte ich dann sagen und singen:

      Ich lag in tiefster Todesnacht,
      du warest meine Sonne,
      die Sonne, die mir zugebracht
      Licht, Leben, Freud und Wonne.
      O Sonne, die das werte Licht
      des Glaubens in mir zugericht',
      wie schön sind deine Strahlen!

Amen.

 

 

Heiligabend 2006   CHRISTVESPER  18.00 Aufkirchen
ABLAUF-GEBETE-LESUNGEN-Lieder
Pfarrer Johannes Zultner

BLÄSERMUSIK VOR DEM GOTTESDIENST

GLOCKENLÄUTEN

MUSIK ZUM EINGANG 

GRUSS  - BEGRÜSSUNG  

LIED 42,1.2.3.5.6 Dies ist der Tag, den Gott gemacht

EINGANGSGEBET 

ALTTESTAMENTLICHE LESUNG Jesaja 9,1-6

LIED 20,1.2.4.5 Das Volk, das noch im Finstern wandelt

WEIHNACHTSEVANGELIUM Lukas 2,1-20

LIED 544,1-4 Nun freut euch, ihr Christen, singet Jubellieder

CREDO 

LIED 30,1-3 Es ist ein Ros‘ entsprungen

PREDIGT

PREDIGTLIED  37,1.3.4  Ich steh an deiner Krippen hier

ANSAGE zum Dankopfer

BLÄSERMUSIK  - DANKOPFER

ABKÜNDIGUNGEN

FÜRBITTGEBET

VATERUNSER

Lichter aus – nur noch Lichter am Weihnachtsbaum

LIED 44 O du fröhliche  

SEGEN

MUSIK ZUM AUSGANG

KOLLEKTE AM AUSGANG

FRIEDENSLICHT FÜR ALLE

 

 

EINGANGSLIED Dies ist der Tag, den Gott gemacht (EG 42)

Dies ist der Tag, den Gott gemacht,
sein werd in aller Welt gedacht;
ihn preise, was durch Jesus Christ
im Himmel und auf Erden ist.   Ps 118,24

Die Völker haben dein geharrt,
bis daß die Zeit erfüllet ward;
da sandte Gott von seinem Thron
das Heil der Welt, dich, seinen Sohn.

Wenn ich dies Wunder fassen will,
so steht mein Geist vor Ehrfurcht still;
er betet an und er ermißt,
daß Gottes Lieb unendlich ist.

Herr, der du Mensch geboren wirst,
Immanuel und Friedefürst,
auf den die Väter hoffend sahn,
dich, Gott, Messias, bet ich an.

Du unser Heil und höchstes Gut,
vereinest dich mit Fleisch und Blut,
wirst unser Freund und Bruder hier,
und Gottes Kinder werden wir.

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757
Melodie: Vom Himmel hoch, da komm ich her (Nr. 24)

EINGANGSGEBET
Ewiger, guter Gott.
Du stiftest Frieden in friedloser Zeit.
Du rufst uns aus aller Hast in deine Stille.
Du führst uns aus Gedankenlosigkeit zum Dank
und aus tausend Sorgen hin zu dem einen, was not ist:
zu dem Kind in der Krippe,
in dem deine Liebe uns Menschen erscheint.
So nimm uns ganz in deine Freude hinein.
Sei und bleibe du uns nahe in ihm, Jesus Christus, deinem Sohn, unserm Bruder und Herrn. Amen.

 

Wir hören die WEISSAGUNG des Propheten Jesaja, die er 700 Jahre
vor der Geburt Christi aufschrieb, im  9. Kapitel seines Buches:
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht,
und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Du weckst lauten Jubel, du machst gross die Freude.
Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte.
Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulte
und den Stecken ihres Treibers zerbrochen.
Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht
und jeder Mantel, durch Blut geschleift,
wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.
Und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst.
Auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende
auf dem Thron Davids und in seinem Königreich,
daß er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Solches wird tun die Leidenschaft unseres Gottes Jahwe. 

Wir hören das EVANGELIUM zu Weihnachten bei Lukas im 2. Kapitel:
1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. 8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. 15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für al

LIED NACH DEM EVANGELIUM Nun freut euch, ihr Christen (EG 544)

1. Nun freut euch, ihr Christen,
singet Jubellieder
und kommet, o kommet nach Bethlehem.
Christus der Heiland stieg zu uns hernieder.
Kehrvers   Kommt, lasset uns anbeten,
                   kommt, lasset uns anbeten,
                  
kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn.

2. O sehet, die Hirten
eilen von den Herden
und suchen das Kind nach des Engels Wort;
gehn wir mit ihnen, Friede soll uns werden.
Kehrvers

3. Der Abglanz des Vaters,
Herr der Herren alle,
ist heute erschienen in unserm Fleisch:
Gott ist geboren als ein Kind im Stalle.
Kehrvers

4. Kommt, singet dem Herren,
singt, ihr Engelschöre.
Frohlocket, frohlocket, ihr Seligen.
Himmel und Erde bringen Gott die Ehre.
Kehrvers

Text: 1971 nach "Adeste fideles"
von John Francis Wade und Jean François Borderies um 1790
Melodie: "Herbei, o ihr Gläub'gen" (Nr. 45)

 

LIED VOR DER PREDIGT Es ist ein Ros entsprungen (EG 30)
                      
Jesaja 11,1

1. Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter
wohl zu der halben Nacht.
2. Das Blümlein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie, die reine Magd;
aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.
3. Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt's die Finsternis.
Wahr' Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

Text:  Trier 1587
Melodie: 16. Jh., Köln 1599


PREDIGTLIED  Ich steh an deiner Krippen hier (EG 37)

1. Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dir's wohlgefallen.
2. Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.
3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht',
wie schön sind deine Strahlen!
4. Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!


FÜRBITTEN AN HEILIGABEND

Ewiger, guter Gott, himmlischer Vater,
wir danken dir,
dass du uns auch in diesem Jahr die Freude und das Licht
des Weihnachtsfestes erleben lässt.
In deinem Sohn Jesus Christus
kommst du uns nahe
und wirst unser Bruder.

Deshalb können wir alles vor dir ausbreiten,
was uns Mühe macht:
Unsere Fehler und Versäumnisse,
unsere Unruhe und Angst,
unsere Sorgen und Bitterkeiten.
Wir legen alles in deine Hand.

Du kennst unsere Sehnsucht nach Freude,
die das Leben hell und lebenswert macht,
die uns hilft auch Schweres zu ertragen.
Herr, verwandle und erneuere uns.

Gib uns die Freiheit,
unsere Herzen und Gedanken dir zu öffnen.

Gib uns den Frieden,
den nur du uns geben kannst.

Wir bitten dich für deine Kirche:
du hast ihr dein Wort
von der großen Freude anvertraut.
Gib, dass alles, was in der Kirche geschieht,
dazu dient, diese Freude erfahrbar zu machen
und lebendigen Glauben zu wecken.

Wir bitten dich für die Regierungen der Völker,
dass sie den zerstörerischen Wettlauf
um Macht und Überlegenheit beenden
und lernen deine Schöpfung gemeinsam zu bewahren.

Wir bitten dich für alle,
die gerade an den Feiertagen ihre Einsamkeit fühlen,
denen es schwerfällt, sich zu freuen:
die Traurigen, die Kranken,
die Gefangenen, die Arbeitslosen,
die Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror.

Wir bitten dich für alle, deren Sorgen wir nicht kennen,
denen du aber ins Herz schaust.
Lass es trotz allem auch um sie leuchten und hell werden.
Ermutige und tröste sie.

Lass das Licht der einen großen Nacht uns allen scheinen -
das Licht, in dem wir deinen Sohn erkennen,
für uns ein Mensch und Bruder geworden.
Ihm vertrauen wir unser Leben an.
Sein Name sei gelobt,
jetzt und in Ewigkeit.

Amen.