Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Berg
Gemeindezentrum - Fischackerweg 10 - Katharina von Bora-Haus

 

Predigttext:
Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, 
Festgottesdienst anlässlich der Visitation
Sonntag Jubilate, 07.05.2006
Katharina von Bora-Haus ,Berg

Thema: „Ihr seid teuer erkauft, ...
            
1. Kor 7,23

 

Liebe festliche Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

„Gib mir mal den Opa und das Seil!“ Man lernt bei Visitationen eindeutig dazu. Ich jedenfalls habe in den Berger Tagen neben vertrauten Tatsachen eine Menge an Neuem erfahren – unter anderem, dass einen der eben zitierte Satz nicht misstrauisch stimmen muss, sondern einfach bedeutet, dass die Pfadfinder gerade in Windeseile ein perfektes Zelt mit allem Drum und Dran und eben auch einem Opa, dem Dach, aufbauen. Dekan Piper und ich sind nach wie vor sehr versucht, dem uns offerierten pfadfinderischen Angebot zu erliegen, als, wie man uns sagte, „Quereinsteiger“ einen „Crash-Kurs“ zu machen, um „die Meute zu leiten“. Das klingt doch in mancherlei Hinsicht sehr verlockend, nicht nur, weil die Pfadfinder unbedingt mehr Gruppenleiter brauchen! Sie merken: Die Jugend dieser Gemeinde und alle, die in ihr mitarbeiten, Jugendausschuss, Pfadfinder mit Solarkocher, die Teams für Kinderbibelwoche, Lindenbichl, Jugendfreizeiten und Jugendgottesdienst haben an einem in jeder Hinsicht sonnigen Nachmittag schnell das Herz des Visitationsteams gewonnen. Sie alle lassen sich ihren Glauben etwas kosten: Freie Zeit, Einsatz der eigenen vielfältigen Gaben und Fähigkeiten zum eigenen Nutzen und dem anderer.

„Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte“ – dieses paulinische Wort aus dem 1. Korintherbrief war das vom Mitarbeiterkreis gewählte biblische Motto für die Visitation, einen geschwisterlichen Besuchsdienst, wie wir die Visitation verstehen – Begegnungen und Gespräche, die die Verbundenheit untereinander stärken und neue Impulse für beide Seiten bringen sollen. Wir sind teuer erkauft – das könnten, sollten aber keine klammheimlichen Anspielungen auf die schwere Zeit vor zwei Jahren sein, in denen Berg und Starnberg gebeutelt waren von Konflikten. Wir sind teuer erkauft – das ist die Erinnerung daran, was wir alle miteinander Gott wert sind: Liebe und Hingabe bis zum Tod in einer Welt, die auch am heutigen Tag leidet unter Rechthaberei bis hin zum tödlichen Fundamentalismus, unter Gewalt, die andere sogar durch die Vernichtung des eigenen Lebens zwingen will, sich zu fügen und zu unterwerfen unter fremde Gesinnungen und Weltanschauungen. Die tägliche Wahl zwischen Leben und Tod, die wir alle zu treffen haben, zeigt manchmal eine traurige Vergessenheit dessen, dass wir selbst, dass unsere Daseinsmöglichkeiten nicht mit Druck oder Brutalität erkauft sind, sondern mit purer Liebe und Zuwendung Gottes.

Wir stehen mitten in der Osterzeit. Der, dessen Tod wir bedacht haben und dessen Auferstehung wir feiern, sagt von sich: „Ich bin ein  König". Wer ihm, dem Gegenbild zum landläufigen Siegertyp das abnimmt, bekommt ein unkonventionelles Bild vom Herrschen. Fast jeder kennt den Satz Jesu, man möge die andere Wange hinhalten, wenn ein anderer einen geschlagen hat. Das wird oft missverstanden. Die andere Wange hinzuhalten ist ein Impuls. Der Impuls, nicht einfach bloß blind zurück zu hauen, weil einer den Erstschlag geführt hat, sondern völlig überraschende Wege in Konflikten zu suchen. Der am Kreuz hängt, ist Gottes wahrer Mensch. Einer, der andere nicht seinem Diktat unterwirft, sondern sie leben lässt. Er ist wahrhaft menschlich, weil er aufmerksam zuhört und hinschaut, weil er einfühlsam ist und fürsorglich, weil er fähig ist zum Mitleiden und sich vor der Not des anderen beugt, auf jede erdenkliche Weise zu helfen versucht. Er ist wahrer Mensch von unendlicher Größe, weil er unbeirrt sich selbst treu bleibt. Manchem fällt es schwer, die Konfrontation mit soviel Liebe, Gnade und Freiheit zu ertragen – man müsste sonst vielleicht sein Leben ändern. Weil Veränderung Arbeit macht, wendet man sich ab oder kann nur noch mit Vernichtung reagieren.

"Ich bin ein König" - das sagt und lebt Jesus. Himmel und Erde prallen aufeinander. Wenn der ein König ist, dann sind die sonstigen Kaiser und Könige Irrläufer: Die, die Träumen, Sehnsüchten und Hoffnungen keine Chance geben, sondern sich nur auf das konzentrieren, was vor Augen steht und machbar ist. Leben im egoistischen Interesse oder im Interesse einer Weltanschauung missbrauchen und vernichten. Wir sind teuer erkauft – und wir sollen leben, sollen sein, mit der inneren Freiheit davon, wie uns die Welt ansieht. Dazu gehört Wahrheit. Allerdings ist Wahrheit über sich selbst, über andere zu erfahren, nicht immer angenehm. Ihr ins Auge zu schauen und sie auch zu akzeptieren verlangt den ganzen Mann, die ganze Frau. Es braucht Zeit, sich der Wahrheit zu stellen, ihr die Herzenstür zu öffnen und sie in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren. Wer fragt, was im eigenen Leben stimmt und wahr ist, der muss anschauen, was er tut, wie er mit sich selbst und anderen umgeht. Wenn sie Jesus nachfolgen, leben Christen hellwach mitten in der Welt, gehen aber in dieser Welt nicht auf. Sie anerkennen die Welt und ihre Gesetze, wenn die rechtens sind. Sie haben einen so weiten Horizont, dass sie Grenzen überwinden, wenn die dem Leben schaden.

Werdet nicht der Menschen Knechte. Das ist eine für unsere Zeit eine sehr passende Mahnung. Wir leben in einer Gesellschaft, die an Effektivität ausgerichtet ist, am Nutzen, und die Menschen am liebsten danach beurteilt, wie schön, fit und erfolgreich sie sind. Diesem in Wahrheit unmenschlichen Zeitgeist gilt es zu widerstreben – aus der doppelten Einsicht heraus, dass es letztlich kein einziges Leben ohne Verletzungen und ohne Narben gibt und dass jedes Leben, gleich wie jung oder alt, wie stark oder schwach, wie vital oder körperlich und seelisch eingeschränkt, wie glänzend oder von schattet begleitet, dass jedes Leben ohne Ausnahme bei Gott geliebt und hoch angesehen ist. Es war für mich bewegend, im Gespräch mit dem Bürgermeister und am Mitarbeitendennachmittag vom 40 Jahre alten Kranken- und Altenpflegeverein zu hören, in und mit dessen Arbeit manch Verächtlichkeit gegenüber Alter und Krankheit ein klares christliches Nein entgegen gesetzt wird. So, dass man den Menschen, die um Unterstützung bitten, nicht einfach mitleidig, sondern ganzheitlich respektvoll begegnet: Pflege wird angeboten und zugleich Nahrung für Geist und Seele. Das hat mich ebenso beeindruckt wie das enorme ehrenamtliche Engagement im Vorstand des Vereins und die ökumenische Ausrichtung der Arbeit.

Werdet nicht der Menschen Knechte, folgt nicht inhumanem Zeitgeist. Die Kommune will sich engagieren für betreutes Wohnen in Berg – damit gut Betuchte ebenso wie Menschen, die nicht das Glück haben, ein hohes Einkommen vorweisen zu können, gleichermaßen Unterstützung bekommen können. Im Sinne des lutherischen Berufsethos, wonach der einen rechten Gottesdienst feiert, der seiner persönlichen Verantwortung in Leben und Gesellschaft nachkommt, wird, wenn Sie das Projekt verwirklichen, auch hier ein rechter kommunaler Gottesdienst gefeiert. Gut, wenn die Christengemeinde mitdenkt und unterstützt, was geplant ist. Container-Wohnanlagen habe ich gesehen und gehört von den Überlegungen zu einem Familiennotruf für häusliche Konflikte, davon, dass manche im wohl situierten Berg die Armut gar nicht entdecken, die es auch hier gibt – und dass die, die helfen wollen, oft erst Scham der betroffenen Familien überwinden müssen: Not zu leiden tut ja noch mehr weh, wenn die Umgebung völlig frei von allen solchen Sorgen scheint. Sie, liebe Brüder und Schwestern in Berg, sind keine Knechte und Mägde der Menschen, wenn sie unbeirrt an Ihrer Zuwendung festhalten für die, die sie brauchen, die oft an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Gegen den Zeitgeist, der sich an der bloßen Effektivität des Menschen orientiert, arbeiten alle, die sich in der Marianne-Strauß-Klinik engagieren. Mit Hochachtung habe ich von den Ärzten gehört, was dort geleistet wird; mich gefreut über die Arbeit des Freundeskreises, der seit über 18 Jahren existiert. Unverzichtbar ist der evangelische Beitrag in einer Klinik, die es mit unheilbar chronisch kranken Männern und Frauen zu tun hat, die sich plagen mit ihrem Schicksal, deren Angehörige zutiefst mitleiden unter dem, was ihren Liebsten widerfährt und unter der Last der Aufgaben schier zerbrechen. Die Frage nach dem, der uns teuer erkauft hat, wird hier sehr deutlich gestellt – mit verzweifelter, leiser oder bitterer Stimme, auch und gerade von denen, die dem Glauben scheinbar den Rücken gekehrt haben. Deutlich habe ich den Wunsch der Ärzte nach noch mehr evangelischer Präsenz gehört. Ich denke, diese Gemeinde mit ihren vielen professionell ehrenamtlichen Mitarbeitenden - jedes 15. Gemeindeglied arbeitet mit! - hat die große Chance, einen zusätzlichen Besuchsdienst aufzubauen. Seine Mitglieder könnten durch ihre Anwesenheit in der Klinik segensreich für Patienten, Pflegende und Ärzte wirken. Ich möchte Sie, liebe Schwestern und Brüder sehr dazu ermutigen, dieses Ziel energisch anzugehen.

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. Seid nicht selbstgenügsam, passt Euch nicht dem Zeitgeist an, wo er menschenverachtend ist, sondern pflegt einen geistvollen Umgang untereinander und sorgt mit für eine menschenwürdige Gesellschaft. Dazu gehört, Versöhnung aktiv zu leben, alte Vorwürfe nicht zu wiederholen, sondern zu begraben, offen und friedensbereit auf die zuzugehen, mit denen man im Streit gelegen ist. Wie man eine eigenständige Person sein kann, die in Freiheit ihre Individualität entfaltet und dabei das Wohl anderer umfassend im Sinn behält – das ist ein zentrales reformatorisches Thema, eines, das Martin Luther umgetrieben hat. In seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, die 1520 erschien, hat er zwei berühmte Thesen aufgestellt. Sie lauten: "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan". Und: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan". Freiheit ist also die Balance zwischen einem Selbstbewusstsein voller Gottvertrauen und der Bereitschaft, für andere da zu sein. Die reformatorische Einsicht, dass ein Christenmensch Herr und Knecht, Herrin und Magd zugleich ist, lässt sich nicht - wie es manchmal geschieht - billig aufspalten in eine beschauliche, sofakissengestützte innere Freiheit einerseits und in eine demütig-buckelnde Anpassung nach außen.

Freiheit ist nicht der Rückzug in die Freiheit des bloß geistigen Lebens. Wenn der evangelische Friedrich Schiller in seinem mitreißenden Drama „Don Carlos“ den Marquis von Posa zum König von Spanien sagen lässt: „Geben Sie Gedankenfreiheit“ (Schiller, Don Carlos, Infant von Spanien III,10), dann hat diese geistige Freiheit konkrete Folgen für Volk und Einzelne. Innere, gottgeschenkte Freiheit wirkt im eigenen Handeln in der Welt weiter. Mann und Frau müssen von Kindesbeinen an lernen dürfen, wann es dem eigenen Gewissen angemessen und damit rechtens ist, auf Freiheit zu pochen oder eben in Freiheit auf sie zu verzichten - das ist starke evangelische Autonomie. Solche souveräne Selbstständigkeit sich anzueignen - und zu behalten, ist alles andere als leicht. Schön, dass es in Ihrer Gemeinde das literarische Frühstück gibt, das sich immer wieder geistvoll auch mit solchen Fragen befasst. Oder das Angebot, sich demnächst im Mai über religiöse Erziehung in der Familie zu informieren – ein gewiss geistreicher Austausch über eine wahrhaft existentielle Frage: Für die Familien selbst und für unsere ganze Kirche. In Ihrer Gemeinde werden regelmäßig hochrangige theologische Gespräche geführt und die Möglichkeit gegeben, sich in geistlichen Exerzitien zu üben.

Lutherische Freiheit, die dem Nächsten verpflichtet ist, zeigt sich auch im ökumenischen Miteinander. Ich habe darüber viel Gutes erfahren und konnte mit dem Visitationsteam auch einer Sitzung des Christenrates beiwohnen. Viel ist geschehen und geschieht in Berg, was anderswo noch Vision ist: Ökumenische Gottesdienst am Ersten Advent, in der Gebetswoche zur Einheit der Christen, traditionell am Pfingstmontag und beim Sommerfest. Inzwischen hat es auch einen ökumenischen Jahresempfang gegeben. Es ist zu hoffen, dass Ihre realen Utopien, die Sie ökumenisch in Berg leben, auch in Zukunft Wirklichkeit bleiben können. Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte: Gleich was uns für ein Wind ins Gesicht bläst – Ökumene ist keine Wahlmöglichkeit, für oder gegen die man sich entscheiden kann. Ökumene ist Pflicht für jeden, der sich dem Auftrag Jesu Christi verbunden und gehorsam weiß. Wir können und dürfen fröhlich unsere jeweilige unterschiedliche Frömmigkeit kultivieren  – aber  unsere Glaubwürdigkeit in der Welt hängt auch davon ab, ob wir unseren Glauben gemeinsam bezeugen und überzeugend leben.

Die Vielfalt in unseren Gemeinden, auch in der Ihren, bis hin zu Kunst und Künstlermarkt, zu Kirchenmusik, den fast schon königlich-bayerischen BergerBlechBläsern, dem Chor mit seiner wunderbaren Leiterin und dem Kinderchor, trägt neben dem Berger „Herzstück“, Gottesdienst und Familiengottesdienst,  dazu bei, mit Leib und Seele zu begreifen: Wir sind alle miteinander Gottes geliebte Geschöpfe, die voller Lebensfreude und Verantwortungsbewusstsein Gemeinde, Gesellschaft und Welt mitgestalten – nicht einfach angepasst, sondern in wohl überlegter und anderen gegenüber achtsamer Eigenständigkeit. Es lässt sich mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele spüren, wie wohl es tut, sich selber und seine Nächsten oder Fernsten so anzuschauen, wie wir wirklich sind: Männer und Frauen, die  immer wieder scheitern, die aus eigener Kraft eben nicht selig werden können, noch nicht mal auf Erden – die aber von Gott rücksichtslos geliebt werden. Die Lehre von der Rechtfertigung, die das Motto der Visitation ja in sich trägt, ist nicht Theologie von gestern, sondern Lebenshilfe für heute. Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.„Das Haus der Freiheit hat uns Gott gegründet“ heißt es bei Friedrich Schiller im Wilhelm Tell (I,3). Man merkt wieder, dass er Protestant war, wenn er auch, typisch für unsere Konfession, zu manchem gehörige Distanz gehalten hat. 

Dieses Haus der Freiheit ist eines, in dem man sich wie auf dem wunderschönen Berger Kirchengelände frei bewegen kann, treppauf, treppab laufen, im Keller stöbern, im Dachgeschoss sich mal verkriechen, für sich sein und schmökern kann – ein Haus, in dem man frei und zugleich geborgen ist. Georg Wilhelm Friedrich Hegel bezeichnete den Eigen-Sinn Luthers als Beginn einer großen Revolution. Einer Revolution, die nichts anerkennt und gelten lässt, es sei denn durch selbständige und anderen gegenüber verantwortliche und achtsame Gedanken gerechtfertigt. Christsein ist eine individuelle Beziehung zwischen dem Gläubigen und Gott. Es erfordert das persönliche Gefühl des einzelnen, seine Nachdenklichkeit, seinen eigenen Glauben. Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2 Korinther 3,17) sagt Paulus im zweiten Korintherbrief. Die beiden, Geist und Freiheit, sind offensichtlich ein untrennbares Paar. "Grad weil der Geist die Welt aus den Angeln zu heben vermag, grad darum muss er's auch versuchen lernen, und müssen ihm nicht Händ und Füß gebunden sein, dass er's nicht probieren kann" schreibt eine Schriftstellerin der Romantik, Bettina von Arnim in einem Brief an den preußischen König.

Sich seiner selbst bewusst binden und dabei die Freiheit des eigenen Denkens, Empfindens, Redens und Handelns bewahren, kann private und öffentliche Welt aus den Angeln heben. Wer sich vom Geist der Freiheit bewegen lässt, bedenkt, was andere sagen, bewegt es in Kopf und Herz, rückt nötigenfalls von der eigenen Position ab, hat er sie nach sorgfältiger Prüfung als falsch erkannt. Christlicher, evangelischer Glaube hat das zu seinem Zentrum - auf das Ja  Gottes zu vertrauen und getrost in aller Unvollkommenheit zu leben. Das Bewusstsein, teuer erkauft, gerechtfertigt, mit individuellen Gaben und Fähigkeiten gesegnet zu sein, die nicht nach Knechtschaft, sondern nach Verwirklichung drängen, beflügelt und verpflichtet zu neuen Taten. Bedingungslose  Liebe schenkt Phantasie und Ideen. Noch einmal zur Jugend: Es hat mich gefreut, beim Internet-Kurs dabei sein zu können und zu erleben, wie ein gelungener Internet-Auftritt hingelegt wird. Genau so wichtig ist es, dass sich die Konfirmanden im Gemeindebrief- und Kindergottesdienst-Team engagiert haben, bei der Seniorenarbeit (ob sie wohl auch Sitzgymnastik gemacht haben?) oder dem Offenen Tanzen – und da hat man sich über drei Buben freuen können! Sich nicht zum Knecht zu machen, heißt eben auch, sich nicht auf Rollen festlegen zu lassen, sondern ganz neue Seiten an sich zu entdecken und bisher Ungelebtes leben zu lassen.

Wer sich geliebt weiß, der hat Lust, etwas für sich und andere zu tun – so, wie es übrigens auch der unverzichtbare Ausschuss für Feste und Feiern tut oder die Leiterin der Mutter-Kind-Gruppe, die auch ein Motto ausgegeben hat: „Ich versuche, Mamas und Kinder glücklich zu machen. Es ist eine Folge der Rechtfertigung, wenn sich Christen in ihrem persönlichen Verhalten darum bemühen, zu einer lebens- und liebenswerten Gesellschaft und Kirche beitragen. Die Kombination aus Freiheit, Geist und Liebe  - selbst wenn sie einen nicht gerade tagtäglich beflügelt - verleiht doch Schwingen, die einen aus dem Morast eigener und fremder Dummheit oder Unterwerfung heben. Sie macht möglich, dass Menschen sich selbst als Ebenbilder Gottes annehmen und verändern, dass sie werden, wie sie sein dürfen und sollen, dass sie ihre eigene Identität entdecken und behalten, dass sie aus freien Stücken sich an andere Menschen binden und Verantwortung für sich und andere übernehmen. So frei zu sein, ist ein Geschenk des Himmels und lässt einen nicht allein am heutigen Sonntag Jubilate jubilieren. Ein Himmel, der sich auch über Berg und seine ganz unterschiedlichen Menschen mit ihren vielen beeindruckenden Gaben und Fähigkeiten verheißungsvoll wölbt. Amen.