Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Berg
Gemeindezentrum - Fischackerweg 10 - Katharina von Bora-Haus

 

Predigttext:
Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns,
Samstag, 29.01.2005
MS-Klinik Kempfenhausen

Thema: „Wer ist Gott? Wie erfahren wir Gott? ”
             Joh. 3,24

 

Wer ist Gott? Wie erfahren wir Gott?

Zwei Antworten entnehme ich der Bibel:

„Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Joh 3,24)
„Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh 4,16)

Deshalb sagt Paulus zu Recht: „Dieser Geist bezeugt unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind“ (Röm 8,16). Mit anderen Worten: daß wir von unserer Herkunft her an Gott teilhaben und in alle Zukunft mit ihm, unserem Vater, verbunden bleiben. Dazu paßt das Vaterunser, das uns Jesus beten gelehrt hat. Es ist menschengestaltig gedacht, natürlich. Aber so bekommen wir eine Vorstellung, so können wir Gott im Gebet anreden.

 

Der Physiker C.F. v. Weizsäcker hat gesagt: „Das Eigentliche des Wirklichen ist Geist.“ Das ist die Sprache des Theoretikers, und dennoch auch für den Glauben hilfreich: Geist ist die Kraft, die „die Welt im Innersten Zusammenhält“ (Goethe): Geist verbindet alles, was ist, mit dem Lebensgrund Gott: das werdende und vergehende Leben, das Kranke und Gesunde in uns, Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine, die scheinbar tote Materie. Und alles hat teil an dem großen Wandel, in dem Leben sich vollzieht.

Tibetisch ist der Spruch: „Gott schläft in den Steinen, träumt in den Pflanzen, atmet in den Tieren, wacht auf in den Menschen.“ Das heißt: In allen Lebensvorgängen ist er die treibende Kraft (= das Eigentliche des Wirklichen).

Liebe tut dasselbe wie der Geist: Sie bringt und hält zusammen. Aber Liebe kann noch etwas mehr:  Liebe kann leiden, ertragen, was schwer ist. Deshalb ist es dasselbe, wenn wir sagen: Ich habe dich lieb, oder: Ich kann dich leiden. Da kommt das tiefste Wesen der Liebe heraus.

Um Gottes Liebe zu uns zu bezeugen, hat Jesus sich hinrichten lassen. Er ist nicht weggelaufen, hat nicht zur Gewalt gegen die Gewalttäter aufgerufen, hat die Botschaft von Gottes Liebe nicht verraten. Er konnte uns Menschen sogar als gewalttätige Menschen leiden.

Als Geist und Liebe ist Jesus Christus in unserer Mitte. Sein Geist gibt uns Kraft, daß wir Menschen uns selbst leiden können. Uns untereinander mit allen Fehlern und Mängeln. Aber auch uns selbst, mit unseren kleinen und großen Leiden.

(Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns, Waldstr. 17, 82335 Berg)