Predigttext:
Pfr. Köppen , Osternacht 15. April 2001

Thema: Gesetzt den Fall, Ostern wäre nicht gewesen . . .

 

So schreibt der Apostel Paulus im 15. Kapitel seines Briefes an die Christen in Korinth:

„Ist Christus nicht auferstanden, so ist auch unser Glaube nichtig. Ist Christus nicht auferstanden, so sind auch die Entschlafenen, sogar die, die in Christus entschlafen sind, verloren. Ist Christus nicht auferstanden, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling derer, die entschlafen sind.“

Liebe Gemeinde in der Osternacht

Man kann konservativ über Ostern reden, und man kann modern über Ostern reden. Aber man kann nicht resignierend über Ostern reden.

Wer aus Ostern nicht Hoffnung gewinnt für heute, der hat es sicher nicht verstanden. Denn Ostern ist nicht vorbei und kein abgeschlossenes Ereignis. Ostern geht weiter:

Heute ist Ostern. Wie viel Wahrheit wir aus Jesu vergangener Geschichte entdeckt haben, das zeigt sich daran, wie viel Hoffnung wir daraus für unsere eigene künftige Geschichte gewinnen.

Trotzdem: Viele haben Schwierigkeiten mit dem Glauben an Ostern, an Jesu und unsere Auferstehung.

Lassen Sie es uns darum ruhig vernünftig angehen. Ich frage ganz schlicht: Gesetzt den Fall, Ostern wäre nicht gewesen  was wäre dann? Hier und heute!

Gesetzt den Fall, Ostern wäre nicht gewesen: Was tun wir dann, wenn Hoffnungen scheitern? Sie kennen das, wenn Hoffnungen und Träume vom Leben, langsam sterben.

Sollen wir ihnen dann einfach den Abschied geben? Nüchtern, rational? Etwa so: „Lies keine Oden, keine Gedichte, mein Sohn, lies die Fahrpläne! Die sind genauer.“ (H.M. Enzensberger)

Gesetzt den Fall, Ostern wäre nicht gewesen: Was sollte ich dann an Gräbern sagen, wie die Trauernden trösten?

Etwa so banal: „Es wird schon wieder werden!“? Wenn es eben nicht mehr geworden ist, wenn das Todsichere, das einzig Todsichere in unserem Leben eingetreten ist: der Tod? Ich wüsste dann nichts. Nichts, was trägt. Wüssten Sie etwas?

Gesetzt den Fall, Ostern wäre nicht gewesen: Wie steh ich dann selber da, bei meinem eigenen Tod? Ist da alles aus? Bin ich ausgelöscht - Oder kommt da noch was?

Gesetzt den Fall, Ostern wäre nicht gewesen: Wozu dann eigentlich sich privat und politisch für bessere Zustände einsetzen, für mehr Gerechtigkeit, für Frieden? Für gesunde Luft und sauberes Wasser? Wenn die Weltuntergangsapostel doch Recht haben sollten?

Gesetzt den Fall, Ostern wäre nicht gewesen: Es wäre nicht auszudenken! Wir wären die elendesten unter allen Kreaturen! „Nun aber ist Christus auferstanden!“ Und wir werden alle auferstehen! Diese zwei Sätze sind festzuhalten!

Natürlich, da steht Glaube gegen Glaube. Denn auch der Satz „Mit dem Tod ist alles aus“ ist ein Glaubensatz, nicht zu beweisen. Er ist ein Glaubenssatz wie der andere: „Mit dem Tod ist noch lange nicht alles aus. Weil nämlich Gott das Leben liebt, darum hat der Tod nicht das letzte Wort. Das sagt Ostern.“

Auch dieser Glaubenssatz lässt sich nicht beweisen. Aber im Unterschied zu dem andern - dass mit dem Tod alles aus sei -  hat er eine Menge guter Gründe auf seiner Seite, Gründe, die vermuten lassen, dass unsere Hoffnung nicht grundlos ist.

Zum Beispiel ahne ich:

Es wäre grässlich, gäbe es nur Rechnungen und Fahrpläne, exakt und nachweisbar, und keine Gedichte und Bilder und keine Musik. Es wäre grässlich, gäbe es nur die Arbeit und nicht die Hoffnung auf morgen, auf Freizeit und Muße.

Es wäre grässlich, würden wir nur berechenbar leben, nur rational, nur logisch  so wichtig mir das alles ist!  , aber ohne Liebe, ohne das Spiel der Erotik, ohne Zärtlichkeit, ohne die Hoffnung auf Liebe.

Was ich sagen will: Ohne das alles und ohne die Hoffnung als Motor wäre mein Leben und das Ihre vermutlich auch  nicht lebenswert. Ein Hundeleben.

Ostern: Das ist die nicht totzukriegende Hoffnung, dass einer das Leben liebt, das Leben gelingen lässt, noch im Scheitern  ich nenne ihn Gott  und dass darum mein Leben Sinn finden kann. Ostern verändert mein Leben hier und heute. Es pflanzt ihm Hoffnung ein. Darum will ich meine Hoffnungen hüten und pflegen. Sie sind ja so kostbar!

Oder können sie ohne Hoffnung leben?
Warum sonst investieren Sie in Ihre Arbeit so viel,
warum sonst investieren Sie in Beziehungen zu Menschen, die Sie lieben, so viel Vertrauen –
ja, warum pflegen Sie noch zu Toten Beziehungen, erinnern sich ihrer, pflegen ihre Gräber ,
wenn nicht in der unbestimmten Hoffnung, solche Liebe und solches Vertrauen reiche weiter als eben nur diese Spanne Leben lang? Weiter als bis zum Tod?

Verstehen Sie jetzt, warum ich meine, es gebe gute Gründe dafür, Ostern zu glauben, damals ebenso wie hier und heute, und mit Ostern an das Leben, das durch den Tod nicht kaputtgemacht werden kann, weil Gott selber es liebt?

Also gesetzt den Fall - Ostern ist nicht erfunden. Haben dann nicht die, die das glauben, allen Grund, ein paar Hoffnungen festzuhalten, trotz gescheiterter Träume und unerfüllter Wünsche?

Zum Beispiel die Hoffnung, dass es Sinn hat, das Richtige zu tun, auch wenn es sich zehnmal nicht bezahlt gemacht hat?

Zum Beispiel die Hoffnung, dass Enttäuschungen nicht bitter machen müssen?

Zum Beispiel die Hoffnung, dass Wege, die begangen wurden und uns versperrt sind, nicht die einzig möglichen Wege sind?

Zum Beispiel die Hoffnung auf Frieden, in dem es möglich wird, Waffen zu Pflügen umzuschmieden?

„Unmöglich“, sagen die Kritiker und Zweifler.
 

„Doch möglich“, antworten wir.

Denn seit Ostern macht es Sinn, Hoffnungen selbst dann festzuhalten, wenn ich nicht weiß, wie ich sie einlösen oder verwirklichen kann? Seit Ostern lohnt es sich Hoffnungen fest zu halten, bis sie ihre Spur in Leben finden.

Seit Ostern weiß ich das. Und deswegen sage ich ihnen an Ostern: Seid gut zu euren Hoffnungen und Träumen. Sie machen euch besser. Und lassen euch besser leben.

Amen

 

Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Berg
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