Predigttext:
Pfarrer Johannes Zultner, Frau Vogel, Herr Bullmann, Frau
von Menges , Pfarrer Hans Christian Schmidbaur  

ÖKUMENISCHER GOTTESDIENST mit Feier
     der Eucharistie (römisch-katholisch) und
     des Abendmahls (evangelisch-lutherisch)
an einem Altar, mit einer Liturgie (Lima-Liturgie) und je eigener Kommunion

Thema: Joh 17,6-9a.20-21.23b

 

Wir hören das Evangelium für diesen Gottesdienst, bei Johannes im 17.Kapitel. Es sind Worte Jesu aus seinem hohepriesterlichen Gebet zum Vater, mit denen er für die Einheit der Seinen bittet:

Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, daß alles, was du mir gebeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und sind zu dem Glauben gekommen, daß du mich gesandt hast.

Für sie bitte ich (...). Aber nicht allein für sie, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast. (...)

So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, daß du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.

Pfarrer Johannes Zultner (ev-luth)

    Liebe Gemeinde,

    wir feiern hier einen ökumenischen Gottesdienst. Warum Ökumene ?
    Weil es uns ein Bedürfnis ist ?  Ja. - Aber manchen ist es vielleicht auch kein Bedürfnis, und die sind heute auch nicht hier. So scheint es, als sei die Ökumene in das Belieben der Willigen gestellt.
    Die Ökumene ist aber nicht etwas Beliebiges, das man tun, aber ebenso gut auch lassen kann. Denn alle Christen, ohne Ausnahme, sind dazu beauftragt. Von wem ?

    Von Gott selber. Wir haben gerade das Evangelium aus Joh 17 gehört, den wichtigsten Text aus der ganzen Bibel zum Thema „Ökumene“.  Jesus betet zum Vater. Er hat nur ein einziges Anliegen:  Alle sollen eins sein. Die Einheit der Christen ist sein Herzensanliegen. Und da Jesus sein Gebet immer am Willen des Vaters ausgerichtet hat, ist dies auch der Wille des Vaters: Alle sollen eins sein.

    Weil wir aber im Vaterunser zu Gott sprechen: „... dein Wille geschehe“, uns also für den Willen Gottes einsetzen, sind wir zur Einheit der Christen, zur Ökumene beauftragt. Alle. Christsein ist gleichbedeutend mit der Beauftragung zur Einheit der Christen.
    Wer nichts tut, macht sich schuldig. Wer sich mit dem Erreichten zufrieden gibt, ebenfalls. Dies gilt für jeden einzelnen Christen, jede einzelne Christin wie auch für jede Kirche.

    In seinem Gebet sagt Christus auch, wofür die Einheit der Christen dient. Sie dient nicht den Kirchen selber. Sie dient der Welt: Nur, wenn die Christen, wenn die Kirchen Einheit zeigen, kann die Welt glauben:  „Alle sollen eins sein, ... , damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast.“
    Wenn es nur um die Kirchen ginge, bräuchten wir keine Ei
    nheit. Denn die Kirchen, für sich genommen, können auch so gut existieren. Aber es geht um die Welt. Es geht darum, die Welt überzeugend zum Glauben an Jesus Christus einzuladen. Das kann nur eine geeinte Christenheit. Nicht einheitlich, nicht uniform. Das will keiner. Aber geeint, das bedeutet: In jeder Kirche kann jeder alles finden, und jede Kirche schenkt es jedem auf ihre Weise. Das ist „Kirche für die Welt“, wie Dietrich Bonhoeffer, der im KZ für seinen Glauben hingerichtete Theologe, es forderte: „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie Kirche für die Welt ist.“

    Damit sind die Kirchen von doppelter Seite zur Einheit geradezu verpflichtet: von Gott her, denn die Einheit ist sein Wille und das Herzensanliegen Jesu; und von der Welt her, die nur eine geeinte – und trotzdem noch vielfältige – Kirche als zum Glauben einladende erkennen kann.

    Eine deutliche, eine große, wenn auch noch nicht ausreichende Bemühung, diesem doppelten Auftrag nachzukommen, war der Ökumenische Kirchentag in Berlin vor gut einem Monat. Drei Gemeindeglieder, die dort waren, geben nun Eindrücke wieder – speziell von der ökumenischen Dimension dieses Kirchentags.
     

    Drei Gemeindeglieder -  Nachklang des Ökumenischen Kirchentages

 

Christa Vogel

    Der erste ökumenische Kirchtag stand unter dem Motto „Ihr sollt ein Segen sein“.

    Es war ein Segen so viele junge fröhliche Menschen zu erleben. Das stimmt hoffnungsvoll und macht Mut.

    Die Ökumene erlebte ich in allen Veranstaltungen, in denen es nicht um Amt und gemeinsames Abendmahl ging, als intensives Miteinander.

    Wie sehr aber gerade die Themen „Amtsverständnis und gemeinsames Abendmahl“ die Menschen bewegten, sah man an der Beteiligung bei Vorträgen und Diskussionen zu diesem Thema, wie z. B.
    „ Ein Glaube, eine Taufe, getrennt beim Abendmahl“.

    Lange vor Beginn der Veranstaltung war eine der großen Messehallen wegen Überfüllung geschlossen, eine zweite, in der eine Monitorübertragung war, füllte sich ebenfalls bis auf den letzten Platz.

    Schmerzlich musste ich vier klare „ Neins“ zu den aufgeworfenen Fragen in aller Deutlichkeit erfahren:

    Darf ein evangelischer Christ an der Kommunion teilnehmen? Nein!

    Darf ein katholischer Christ am evangelischen Abendmahl teilnehmen? Nein!

    Darf ein katholischer Priester einem evangelischen Christen die Kommunion erteilen? Nein!

    Ist die Kommunion für einen Nicht-Katholiken gültig? Nein!

    Diese harten Abgrenzungen schmerzen und trennen mehr denn je. Hoffnungsvoll stimmten mich aber die Stimmen aus dem Teilnehmerkreis der evangelischen und katholischen Christen:  Hier wurde durchgängig deutlich, dass an der Basis, im gelebten Gemeindeleben, der Weg zur Gemeinsamkeit bereits deutlich erkennbar ist.

    So reifte in mir während der Tage in Berlin eine Vision:

    Vielleicht geht es so wie mit dem Mauerfall: Man weiß nicht wann, man weiß nicht wie, aber es werden die Christen aus dem Gemeindeleben mit Gottes Hilfe die Einigkeit bringen.

    Dafür bete ich im Hinblick auf unsere Kinder und die Zukunft der Christen in der Welt.

     

Axel Bernd Bullmann

    Auch ich war ein Teilnehmer des 1.Ökumenischen Kirchentages in BERLIN - und das gelbe Tuch, das Sie hier an mir sehen, ist das offizielle KichentagsTuch.

    Ich war beeindruckt vom AbschlußGottesDienst mit über zwei-hundert-tausend Teilnehmern. Schon das allein ist ein Erlebnis und überwältigend. Da ein gemeinsames Abendmahl nicht sein konnte, hat man das Symbol der alle Christen verbindenden

    Taufe stärker hervorgehoben, in dem kleine irdene Schälchen mit Wasser durch die Massen wanderten, womit man von seinemR Nächsten ein Zeichen empfing und ebenso eines geben konnte, bevor man die Schale weiterreichte.

    Über diese Symbolik ein gelungenes Zeichen der Verbundenheit aller durch das Sakrament der Taufe.

     

Astrid von Menges

    Nach dem sehr schönen Bericht von Frau Vogel möchte ich kurz darstellen, was die Ökumeniker von beiden Seiten auf dem Kirchentag an Gründen für die immer noch bestehenden „Neins“ erwähnt haben:

    Zunächst wurde betont, dass in den letzten 25 Jahren schon viele Probleme im gegenseitigen Verständnis zwischen Katholiken und Lutheranern gelöst wurden, vor allem, was das Abendmahl / die Eucharistie betrifft: So werfen die Katholiken uns Lutheranern nicht mehr vor, dass wir das Abendmahl seines Sinnes entleeren und nur noch die Erinnerung an Jesus Christus feiern. Wir Lutheraner stoßen uns nicht mehr an der Lehre vom Messopfer. Zwischen Katholiken und Lutheranern besteht voller Konsens, dass Jesus Christus im Brot und Wein real präsent ist.

    Keine Einigung besteht bisher über den rechten Vollzug: Nach katholischem Verständnis ist die Eucharistie an das Amt eines Priesters gebunden, der durch einen Bischof geweiht wurde und dadurch in der apostolischer Sukksession steht.
    Nach lutherischer Lehre geht die Einladung zum Abendmahl unmittelbar von Jesus Christus aus.

    Doch kleine Schritte der Annäherung sind in letzter Zeit zu verzeichnen: So hat Kardinal Kasper, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, erklärt, dass die apostolische Sukzession nicht das einzige Kriterium bei einem Priester / Pfarrer sein kann. Und selbst die kurz vor dem Kirchentag veröffentlichte päpstliche Enzyklika erlaubt nunmehr in Ausnahmefällen die Teilnahme von Nichtkatholiken an der Eucharistie, wenn ein „geistliches Bedürfnis“ dafür vorliegt. Es wurde auch von beiden Seiten in Berlin betont, dass für die Verständigung im Bischofsamt durchaus Stoff vorhanden ist.

    Generell wird von katholischer Seite die Kirchengemeinschaft vor der Eucharistiegemeinschaft gefordert. Katholiken und Lutheraner sind sich allerdings ohnehin einig, dass die Sakramente nur bedingt als einheitsstiftend anzusehen sind.

    Beide Seiten sind sich auch einig darin, dass das Ziel der Ökumene die „Kirche der Einheit“ und nicht eine „einheitliche Kirche“ ist.

    Wie das zu erreichen ist, weiß nach menschlichem Ermessen im Moment niemand, und so dreht sich nach den Worten der bayerischen Professorin Johanna Haberer das Rad der Ökumene ratlos weiter.

Pfarrer Dr. Hans Christian Schmidbaur

    Als ich mich auf diesen Gottesdienst vorbereitete, kam mir ein Ereignis aus meiner Studienzeit in den Sinn: Ein Student fragte den Professor: „Was ist eigentlich Kirche?" Der Professor sagte: „Oh Gott, das ist eine schwierige Frage!"

    Das Problem der Kirchenspaltungen ist  auch wenn wir es zunächst gar nicht so empfinden kein neuzeitliches Phänomen. Die Spaltungen in lauter Gruppierungen, Kirchen und Sekten, von denen sich jede für die „einzig wahre" Kirche Gottes hielt, war schon ein Problem in der Urphase des Christentums in der Antike: Im 3. und 4. Jahrhundert gab es nicht nur die lateinische Reichskirche, sondern auch gnostische Gegenkirchen, Arianer, Priscillianer, Donatisten, usw..

    Das war die Epoche des lateinischen Kirchenvaters Augustinus (354430). Augustinus entwickelte deshalb eine ungemein differenzierte Lehre von der Kirche als dem Volk Gottes: Er unterschied zwischen einer sichtbaren und einer unsichtbaren Kirche: Erstere ist die sichtbare Organisation mit ihren Gemeinden, ihrer Liturgie und Verkündigung, ihrer Hierarchie und ihrem getrennten Miteinander zu Staat und Gesellschaft. Dem gegenüber gibt es die „unsichtbare Kirche" der wirklich Glaubenden: Man kann der Kirche, so Augustinus, „nur dem Leib nach angehören" (durch Taufe und christliche Erziehung), aber im Leben dennoch ganz anderen Ideen und Zielen folgen. Man kann ihr aber auch „dem Leibe und dem Geiste nach angehören". „Viele die draußen scheinen, sind in Wahrheit drinnen, und viele, die drinnen scheinen, sind in Wahrheit draußen!" schrieb der Kirchenvater.

    So sind sichtbare und unsichtbare Kirche nie ganz identisch, aber auch nicht gänzlich verschieden: Ihre Bestimmung und ihr Auftrag ist es, die. Welt zu heiligen, auf dass die Welt immer mehr sich wandelt und von der „civitas terrena" (der gottfernen Weltstaat) zur "civitas Dei" (dem Gottesstaat) wird. Christen sind nicht dazu da, die Welt zu verteufeln und zu meiden, sondern sie zu heiligen!  Das ist ihr Auftrag und ihre Sendung.

    So betonte Augustinus: Kirche soll deshalb eine sichtbare Wirklichkeit auf Erden sein, mit eigenem Recht, einer eigenen Hierarchie und einem getrennten Miteinander zu Staat und Gesellschaft: Der Staat braucht die Kirche, um ein menschlicher Staat zu werden, und die Kirche braucht den Staat, um durch seinen Schutz in Frieden ihren Dienst erfüllen zu können.

    Im Mittelalter kam es, bedingt durch die Entfaltung der abendländischen Kultur, zu tendenziellen Vereinseitigungen: Im Investiturstreit der StauferKaiser setzte die römische Kirche die Selbständigkeit ihrer Hierarchie von den weltlichen Herrschern durch. Die InnozenzPäpste erklärten sich zu „Stellvertretern Jesu Christi auf Erden" und versuchten, auch die weltliche Macht zu kontrollieren. In Rom wurde die „konstantinsche Schenkung" gefälscht, nach der Kaiser Konstantin auch das Kaiseramt dem Nachfolger Petri übereignet habe. So empfingen auch weltliche Herrscher ihr Amt vom Papst „zu Lehen". Die "Konstantinsche Schenkung" wurde zwar immer wieder in Frage gestellt, aber erst unter Nikolaus Cusanus (14011464) als Fälschung entlarvt.

    Reformatorische Theologen betonten deshalb antithetisch die Kirche als „unsichtbare Gemeinschaft der Glaubenden" und unterstellten die sichtbare Organisation der Kirche, ihre Strukturen und Ämter den weltlichen Herrschern: Bis heute sind teilweise in protestantischen Ländern Europas die Könige Oberhäupter des Landeskirchen, so in Großbritannien, Dänemark, Schweden oder Norwegen.

    Diese Einsicht löste den Prozess der Ökumene aus: Anstatt nur auf das Trennende zu schauen, versuchte man, die verbliebene Gemeinsamkeit zu betonen und aktiv zu leben. Ökumene ist ein Auftrag für jeden Christen, der aus dem göttlichen Willen stammt. Natürlich: Lehrunterschiede gibt es weiterhin, besonders im Amts und Kirchenverständnis. Wir müssen hier den Weg der gegenseitigen Verständigung im Sinne eines Ringens um die Wahrheit gehen. Die Einheit darf nicht eine „Einheit des kleinsten gemeinsamen Nenners" sein, sondern nur eine Einheit, die für alle die Wahrheit ist. Diese Einheit lässt aber auch eine „Versöhnte Verschiedenheit" in Ritus und Brauchtum durchaus zu. Dieser Weg hat in der Gemeinde Berg eine lange und fruchtbare Tradition; die zu pflegen uns anvertraut ist. Dieser gemeinsame, ökumenische Gottesdienst und das gemeinsame Pfarrfest, zu dem ich nochmals herzlich einlade, ist ein sichtbares Zeichen, dass diese Einheit in Glaube und Leben gewachsen ist

 

Evangelisch - Lutherische Kirchengemeinde Berg
Gemeindezentrum - Fischackerweg 10 - Katharina von Bora-Haus