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Der Kreuzweg in Aufkirchen - ein ökumenischer Weg

Johann Ulrich Himbsel, den begabten, königlichen Baumeister, kennt man hier am See vor allem als den Begründer der Starnberger Dampfschiffahrt (1851) und der ersten Eisenbahn von München nach Starnberg (1854). Eine ganz andere Seite seines Wesens zeigt sich in seiner Stiftung von 1856: dem Kreuzweg in Aufkirchen.
Johann Ulrich Himbsel war ein vielgereister, phantasievoller und dynamischer Mann, aber auch gläubig und gottesfürchtig. Nach dem Tod seiner Frau und seines jüngsten Sohnes, die 1854 an der Cholera starben, ließ er aus Trauer den Kreuzweg mit seinen 14 Stationen anlegen, der von seiner Villa am See bis hinauf zur Wallfahrtskirche St. Mariae Himmelfahrt in Aufkirchen führen sollte. Aufkirchen war von alters her ein vielbesuchter Wallfahrtsort im bayerischen Oberland. Himbsel beauftragte den Bildhauer Anton Ganser mit der künstlerischen Gestaltung der Terracotten und Medaillons und sorgte selbst für die Fer-tigstellung der einzelnen Stationen, so daß die feierliche Einweihung des Kreuzweges am 16. Juli 18571 stattfinden konnte.
Die einzelnen Stationen sind:
- I. Jesus wird von Pilatus zum Tode verurteilt
- II. Jesus nimmt das Kreuz auf sich
- III. Jesus fällt zum ersten Mal
- IV. Jesus begegnet seiner Mutter
- V. Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
- VI. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
- VII. Jesus fällt zum zweiten Mal
- VIII. Jesus tröstet die weinenden Frauen
- IX. Jesus fällt zum dritten Mal
- X. Jesus wird seiner Kleider beraubt
- XI. Jesus wird ans Kreuz genagelt
- XII. Jesus stirbt am Kreuz
- XIII. Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Mariens gelegt
- XIV. Grablegung. Der Kreuzweg folgt in seinen Bilddarstellungen des Leidens Christi dem Kreuzweg in Jerusalem, der Via Dolorosa.
Der Kreuzweg Aufkirchen ist bis heute erhalten, wurde zwischenzeitlich restauriert und von Übermalungen befreit, und jede Station ist an drei Seiten mit einer Thujenhecke umpflanzt und vorn mit niedrig gehalte-nen Kornelkirschen und einem kleinen Ziergitter eingefriedet. Unterhalb der schön gearbeiteten Terracotten stehen Schmuck-Amphoren, die mit Blumen der Jahreszeit bepflanzt sind. Der etwa 1,2 km lange Weg mit seinen in gleichmäßigen Abständen liegenden Stationen liegt malerisch in der Landschaft. Er beginnt oberhalb des steilen Seehangs von Leoni, führt über die Ostuferstraße hangaufwärts, ist zum Teil eingebunden in Gärten und führt an privaten Anwesen vorbei, bis er gegenüber dem Eingangsportal der Kirche Mariae Himmelfahrt endet. In der Passionszeit beteiligen sich an dem Andachtsweg inzwischen beide Kirchen, die Andachten werden jeweils von verschiedenen Gruppen der katholischen und evangelischen Gemeinden vor den einzelnen Stationen gehalten, und die Bevölkerung nimmt daran regen Anteil. Am Karfreitag diesen Jahres, am 21. März, waren es trotz des sehr schlechten Wetters etwa 150 Personen.

Der Aufkirchner Kreuzweg, der sich so nahtlos in seine farbige Umgebung eingefügt hat, ist auch zur übrigen Zeit des Jahres ein Anziehungspunkt. Er ist ein schöner Spazierweg, an dessen Ende man eine wunderbare Aussicht über die Landschaft hat, bis weit hinein ins Gebirge. Zwei Bänke stehen zwischen den letzten beiden Kreuzwegstationen. Er bietet so zu jeder Zeit die Möglichkeit zur Meditation, zu einem stillen Gebet und zur Rückbesinnung auf unser Leben. Oft liegt ein frisch gebundener Strauß an einer seiner Stationen.
Liselotte Klein
(1 S. Sterzinger: J.U.Himbsel)
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