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Theologie für die Gemeinde

unter der Leitung von
Herrn Prof. Harz 
findet am 05.03.2012 
um 20.00 Uhr im 
Katharina von Bora-Haus statt.
Thema: "Dietrich Bonhoffer"


Berg
am Starnberger See
 

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuelles

Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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 Predigt über die Sonne

Die Sonne ist der Stern im Zentrum des Sonnensystems. In der gehobenen Umgangssprache wird der Individualname unseres Zentralgestirns auch für andere Sterne verwendet („Sonnen“). Trotz ihrer Entfernung von durchschnittlich 150 Millionen Kilometern, ist die Sonne für das Leben auf der Erde von fundamentaler Bedeutung. Viele wichtige Prozesse auf der Erdoberfläche, wie das Klima und das Leben selbst, werden durch die Strahlungsenergie der Sonne angetrieben. So stammen etwa 99,98 % des gesamten Energiebeitrags zum Erdklima von der Sonne – der winzige Rest wird aus geothermalen Wärmequellen gespeist. Auch die Gezeiten gehen zu einem Drittel auf die Schwerkraft der Sonne zurück. Innerhalb des Milchstraßensystems ist die Sonne ein „durchschnittlicher“, zu den Gelben Zwergen gehöriger Stern. Ihr Durchmesser beträgt ca. 1,4 Mio. Kilometer, das ist 109-facher Erddurchmesser).“

Liebe Gemeinde,

 

das ist die heutige naturwissenschaftlich-quantitative Sichtweise aus einem Lexikon. Die ersten Anfänge einer wissenschaftlichen Sicht der Sonne liegen bei dem frühgriechischen Philosophen Xenophanes, der als erster die Sonne als feurige Ausdünstung oder Wolke ansah. Das war revolutionär, denn im gesamten antiken Umfeld, auch weltweit wurde die Sonne in der Religionsgeschichte als ein, der höchste oder sogar einzige Gott verehrt, von wegen: gelber Zwerg! Die Sonne als Gott: Bei den Griechen hieß er Helios, bei den Römern Sol, den GermanenSunna, bei den Japanern Amaterasu, den SiouxWi, den Persern Mithras, den Slawen Svarožić, in Südasien Mitra oder Surya, bei den Sumerern Utu; und bei den AztekenTonatiuh oder Huitzilopochtli.

Ja, das war in polytheistischen Glaubenssystemen so: die Sonne war ein Gott neben oder über anderen – insofern war 1350 Jahre vor Christus Echnaton gedanklich am weitesten gewesen, als er die Sonne, Aton: die Scheibe, als die lebensspendende Urkraft des Lichts und damit auch der Zeit als alleinigen Gott – Monotheismus / Monolatrie – gegen die traditionelle Vielgötterei seiner Vorfahren und Gesellschaft etabliert hat. Sein großer Sonnenhymnus war noch lange im Orient verbreitet und gilt als religionsgeschichtliche Vorlage, Bezugsgröße für den Psalm 104, den wir vorhin im Wechsel gesprochen haben. Ein großes Lob des Schöpfers!

Und genau das ist der Unterschied zwischen allen Sonnen-Religionen der weiteren und näheren Umwelt und der biblischen Religion: er findet sich klar beschrieben in der Bibel auf S. 1 im Schöpfungsbericht:

1.Tag: Licht und Finsternis, 2.Tag: Himmelfeste, 3. Trennung Land-Wasser, Erschaffung der Pflanzenwelt, und dann erst am 4. Tag – und das ist natürlich eine heftige Polemik gegen die Sonnenreligionen und Sternenglauben – heißt es: Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und, dass sie scheinen auf die Erde. Und Gott machte zwei große Lichter; ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.

Das ist eine völlig sachlichnüchterne Sicht der Sonne: sie ist nicht Gott, sondern Geschöpf, und auch nur eines unter vielen, wenn auch ein wichtiges, mehr aber nicht.

 

Und diese Sicht der Dinge, die die Welt entgöttert, um allein den zu loben und anzubeten, der die Welt geschaffen hat, steht auch heute noch in klarem Kontrast zu allem, was sich etwa neureligiös der Sonne zuwendet: Ich meine jetzt nicht das sommerliche Sonnenbad im Freien, am Strand oder in einem der zahlreichen Solarien von Bräunungsstudios durch sog. Sonnenanbeter. Nein. Neben regelrechten Sonnensekten erlangt die Sonne in manchen Bewegungen der Esoterik auch wieder eine große Bedeutung. Hier gibt es viele Versuche, alte Sonnenkulte wieder zu beleben. Manche Esoteriker sehen sogar Jesus als Personifizierung der geistigen Sonnenenergie, des so genannten Sonnenstrahls. Zurecht?

Wie ist der biblische Befund? In alttestamentlicher Tradition wird Gott selbst manchmal Sonne genannt, und am jüngsten Tag soll die Sonne der Gerechtigkeit über den Frommen aufgehen. Die haben wir vorhin besungen.

Und bei Jesus, im NT? Jesus selbst hat sich nicht als Sonne bezeichnet, bei seiner Verklärung soll sein Angesicht wie die Sonne geleuchtet haben. Er selbst hat allerdings gesagt: Ich bin das Licht der Welt! Und das war nun der Anknüpfungspunkt für die spätere Entwicklung in der Christusvorstellung, für ihre Solarisierung, wie ich es nennen will, und wie wir sie in Liedern unseres Gesangbuches finden, z. B.:

3. Vers von „Ich steh an deiner Krippen hier“:

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht, wie schön sind deine Strahlen!

Eine tröstliche Sonne in dunkler Zeit will Jesus Christus sein.   

Oder das Ende von „Wie soll ich dich empfangen“:

Ach, komm, ach komm, o Sonne, und hol uns all zumal, zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal.  

Wenn wir den Tod überwunden haben werden, wird uns Christus als Sonne in seinem Licht festlich empfangen! 

Aber auch ohne den Bezug auf Jesus Christus finden wir die Sonne selbst als Teil der Schöpfung im Gesangbuch, aber auch im berühmten Sonnengesang des Franz von Assisi, in dem die Sonne als Mitgeschöpf und Bruder genannt wird, ansonsten ist es ein großer Lobgesang der Schöpfung, den ich abschließend vortrage, gesprochen:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.
Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.
Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt (trägt)
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.
Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.
Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut. Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

Singen wir Laudato si, eine moderne Version des alten Sonnengesangs!

Südafrikanisches Gebet: Bewahrung der Schöpfung

Herr, Gott der Schöpfung, wir sagen dir Dank für deine Welt,die du so vielfältig, voll Wunder und Herrlichkeitgeschaffen hast.

Wir loben dich, Ursprung alles Seins,und danken dir für diese Welt, die deine Hand ins Leben rief:für die Tiere, die Vögel und alle Blumen,für die Berge und Ebenen, die Meere und Wälder,für die Schätze der Natur, die du reichlich schenkst.

Wir danken dir für das Leben,das du uns und unseren Lieben gegeben hast. Wir danken dir für die Vielzahl der Menschenund Kulturen in unserem Land.

 

Als der Leib Christi auf Erdenverpflichten wir uns,mit dankbarem Herzen für die SchöpfungSorge zu tragen und sie zu bewahren. Amen.
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Montag, 6. Februar

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