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Theologie für die Gemeinde

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Herrn Prof. Harz 
findet am 05.03.2012 
um 20.00 Uhr im 
Katharina von Bora-Haus statt.
Thema: "Dietrich Bonhoffer"


Berg
am Starnberger See
 

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuelles

Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

Aktuelles >>

Predigt über Glaube und Glaubwürdigkeit (Konfirmation 2010)

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Eltern, Paten und Angehörige, liebe Festgemeinde!

Es geht um Glaube und Glaubwürdigkeit. Seit vielen Wochen. Und zwar in der öffentlichen Debatte über die Kirche, mit vielen veröffentlichten Meinungen, die sich leider sehr oft bewahrheitet haben.

Es geht um Glaube und Glaubwürdigkeit. Auch in diesen Tagen. Beim Ökumenischen Kirchentag. Ist ein Ökumenischer Kirchentag glaubwürdig, wenn namhafte Laienbewegungen oder kritischere Geister nicht angemessen beteiligt sind? Ist ein solcher Kirchentag glaubwürdig, wenn man hört und liest, dass dort Christen die Einheit der Kirchen fordern – aber doch wissen müssten, dass es über 400 Kirchen und christliche Konfessionen weltweit gibt? Welche Einheit? Eine blühende Vielfalt, für jeden müsste eigentlich etwas dabei sein – was soll da der Ruf zur institutionellen Einheit? Gerade wir Protestanten glauben doch – kirchen- und institutionen-kritisch – an die geistliche, unsichtbare Gemeinschaft der Heiligen, also auch die geistliche, unsichtbare Einheit der Christen, die allein in Christus selbst liegt, in der Bezugnahme auf ihn.
Das ist altprotestantisches Erbe. Dass wir Evangelischen unterscheiden zwischen der sichtbaren Kirche, also für heute bei uns gesprochen: der vorfindlichen Organisation auf Gemeinde-, Dekanats- und Landeskirchenebene zum Beispiel einerseits, und andererseits der geistiggeistlichen Gemeinschaft der vielfältig persönlich Glaubenden, so oder etwas anders Gläubigen, die auch das Christentum außerhalb der verfassten Kirche mit umfasst, aller Getauften und all derer, die Christentum irgendetwas Positives abgewinnen können, etwa als allgemein kulturkreisprägende Kraft. Das ist alles Kirche. Diese weite, offene Vielfalt macht den christlichen Glauben, das Christentum glaubwürdig.
Schon zu Jesu Lebzeiten war das so, waren die Jünger Jesu kein homogener Club, sie haben sich auch gestritten, wer Jesus am Nächsten ist, und einer hat sich von ihm verabschiedet, ihn sogar verraten, war aber dennoch dabei, bis fast zuletzt. Und die Urchristen waren auch kein einheitliches Gebilde. Die einen haben dem judenchristlich orientierten Petrus angehangen, den anderen war Paulus, der das Christentum in die damalige weite griechische Welt exportiert hat, mit seiner Deutung des Glaubens, das Wahre.

Es ging immer um Glaube und Glaubwürdigkeit, auch in den letzten acht Monaten in den Konfirmandenstunden. Die meisten von euch waren schon relativ gut vorinformiert aus dem Elternhaus oder der Schule, was unsere christliche Religion betrifft. Vieles war aber wohl auch noch neu für Euch.
Besonders gefallen zu haben scheint, wie eurer Konfirmanden-Website zu entnehmen ist, dass wir viel über die anstehenden Themen diskutiert haben, jeder Frage nachgegangen wurde, durchaus auch sehr kritisch: ob es nun um Lebensthemen wie Freundschaft, Sinn des Lebens auf dem Markt der Lebensmöglichkeiten ging oder auch Sterben, Tod und Trauer, oder um Glaubensthemen im engeren Sinn: was kommt danach, das alte Glaubensbekenntnis, Jesus Christus, Abendmahl, evangelisch-katholisch, Gottesdienst und Kirchenjahr oder auch um die Grundlagen des Islam im Vergleich. Immer stand das Gespräch im Mittelpunkt und die Frage, was kann ich selber davon glauben, was ist mir glaubwürdig? Was kann ich auch nicht glauben?
Und das genau gehört auch zum Wesen des evangelischen Christentums, von Beginn an: Der Zweifel – er ist die Voraussetzung von Glauben. Ohne Zweifel kein Glaube. Das ist ganz wesentlich seit Luther. Glaube ist nichts Statisches, fertiges, er lebt immer in Spannung mit dem Zweifel am Glauben, entwickelt sich weiter.

Was der traditionelle Glaube der Kirche ist, das ist für die meisten christlichen Kirchen zusammen gefasst im apostolischen Glaubensbekenntnis, das etwa 1.600 Jahre alt ist. Wir werden es noch gemeinsam sprechen.
Ob du selbst das alles glauben kannst, was da gesagt wird, darum geht´s. Darum ging´s auf unserer Konfirmandenfreizeit. Und zwar, was den zweiten Artikel betrifft: Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn; empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben usw. – was fehlt? Ja, das Allermeiste vom Leben und Wirken Jesu. Also gerade das, was neben seinem Leiden und Sterben und seinem Nachleben uns heutige Menschen besonders an ihm interessiert!
Dazu haben wir vieles im Markusevangelium nachgelesen. Und wir haben uns einen lebensnahen Jesusfilm angeschaut – zum heiteren Ausgleich dann noch das Leben des Brian.


Worauf es mir ankam, ist, was ihr selbst aufgeschrieben habt: was ihr an Jesus gut und überzeugend findet. Da zeigt ihr nämlich, dass ihr eine eigene, ganz persönliche Sprachfähigkeit in Sachen Jesus entwickelt habt. Ich zitiere einiges aus euren Beiträgen:

Ich glaube an Jesus, weil er der Menschheit eine neue Art zu denken gibt.
Ich finde seine Gutmütigkeit gut, in allen Menschen etwas Gutes zu sehen, auch bei Schwerverbrechern und Mördern, jeden Menschen hält er für etwas Besonderes.
Jesus ist Anti-Gewalt, er wollte die Menschen nicht mit Gewalt überzeugen, sondern indem er ihnen zeigt, was er meint.
Ich finde es gut, dass er auch kritische Jünger aufgenommen hat.
Er behandelt alle Menschen gleich. Er teilt mit allen, egal ob arm oder reich.
Er hat niemand belästigt, war meistens nett, hat nicht gelogen, hat nie aufgegeben zu glauben.
Ich finde gut an ihm, dass er barmherzig und fromm war, aber trotzdem noch Spaß hatte.
Gut finde ich, dass er seine Macht nicht missbraucht hat und dem Teufel widerstanden hat, auch wenn er durch ihn sehr mächtig geworden wäre.
Ich glaube an ihn, weil er Menschen geheilt hat.
Obwohl er die Macht hatte, Tote zu erwecken, wurde er nicht überheblich.
(Andere finden, dass es teilweise „unwirkliche“ Wunder sind, etwa die Auferweckung des Lazarus, der schon einige Tage tot war.)
Mir gefällt, dass er trotz seiner Angst stand hält und nicht davon läuft, obwohl er weiß, dass er gekreuzigt wird. (Andere finden das unlogisch.)
Ich glaube, dass Jesus den Menschen in dunklen Zeiten Mut geben und sie erfreuen kann.
Er hilft zu helfen, doch ihm konnte nicht geholfen werden, man kann sich auf ihn stützen, doch er konnte sich nicht stützen.
Mir gefällt an Jesus Christus, dass er auch die Leute geliebt hat, die gegen ihn waren;
dass ihm Worte und sein Glaube wichtiger waren als sein Leben;
dass er Schmerzen ertragen hat, um Gewalt auszulöschen;
dass er den Menschen soooo liebte, dass er für ihn starb.
Ich finde gut, dass Jesus sich nicht hat einschüchtern lassen, sondern sein eigenes Ding gemacht hat. Ich finde es beeindruckend, dass er die gesamte Nachwelt verändert hat.
Ich finde gut, dass ich frei entscheiden kann, ob ich an Jesus glaube oder nicht.


Soweit ein Ausschnitt aus dem, was ihr euch zu Jesus Christus gedacht habt. Mir sagt das mehr als das kirchliche formelhafte Bekenntnis, weil es euere Glaubensansichten, etwas sehr Persönliches und Aktuelles ist.

Und das ist das, was ich euch auf den weiteren Weg mitgeben will: es geht nicht erstrangig um die Kirche, wobei der Einzelne dann schauen kann, wo er bleibt, wenn er nicht mitkommt, was da gesagt und geglaubt werden soll.
Nein: es geht vor allem anderen um euch, um jeden einzelnen Menschen, ihr seid so wertvoll, dass ich euch bitte, weiterhin auch in Verbindung mit eurer Kirche, dieser Gemeinde zu bleiben. Es geht um eine Kirche, die für die Menschen da ist, denn nur dann kann man auch hoffen, dass die Menschen für die Kirche da sind und dabei bleiben.


Und das Dabeibleiben kann ja ganz unterschiedliche Formen annehmen: die einen beteiligen sich an der künftigen Jugendgruppe – dazu erhaltet ihr bald eine Einladung; andere wollen vielleicht Mentoren beim nächsten Konfirmandenjahrgang bei der Freizeit werden und später Jugendleiter in der Gemeinde oder auf Lindenbichl. Andere lassen sich weiterhin auch mal hin und wieder im Gottesdienst blicken oder engagieren sich sozial für Menschen, die Hilfe brauchen und wollen. Und zum Sommerfest am 2. Juli seid ihr jetzt schon herzlich eingeladen!


Die Konfirmation ist kein Ende, sondern nur eine wichtige Zwischenstation auf eurem Weg, wie euer Leben ja auch sonst nichts Statisches ist, sondern immer in Bewegung und Entwicklung. So wie das christliche Leben auch.
Wie Martin Luther sagt:

Das christliche Leben ist nicht Frommsein, sondern Frommwerden, nicht Gesundsein, sondern Gesundwerden, nicht Sein, sondern Werden, nicht Ruhe, sondern Übung. Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber. Es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber im Gang und Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzt noch nicht alles, es bessert sich aber alles.

Es geht um Glaube und Glaubwürdigkeit. Und zwar eueren Glauben und euere Glaubwürdigkeit – vor allem vor euch selbst, vor euren Mitmenschen und vor Gott. Glaube – persönlich ganz unterschiedlich – und Glaubwürdigkeit sind entscheidend im Leben. Das habt ihr ja hoffentlich gemerkt - in unserer Zeit. Dazu sollt ihr gesegnet werden in der Konfirmation.

Amen.

Und der Herr sei und bleibe mit eurem Geiste. Amen.
 

 

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Montag, 6. Februar

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