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Berg
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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuelles

Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

Aktuelles >>

Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht ver-lassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. (1. Korinther 4, 6-10)

Liebe Gemeinde,
zum eben gehörten Predigttext möchte ich Ihnen heute drei Gedanken nahebringen:

Erstens. Der Text und auch sein Kontext tragen starke Züge einer Ver-teidigungsrede. Paulus musste sich mit den Korinthern besonders viel und hart herumschlagen, sie waren eine richtige „Zoff“-Gemeinde. Und je autoritärer der Apostel da im Konflikt auftrat, desto mehr warf man ihm auch vor, dass es ihm eigentlich hauptsächlich um sich selber ginge, dass er sich selbst predige - dagegen verteidigt er sich offen, schon einen Vers zuvor: Wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Diener um Jesu Christi willen.
Also: Mit der Predigt des Evangeliums von Jesus Christus will Paulus Jesus Christus als das wahre Licht, das in ihm leuchtet, erscheinen lassen, und nur insofern leuchtet sein Licht in ihm auch für andere – dessen allerdings ist sich Paulus gewiss, wie es heißt:
Denn der Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesus Christi.
Soweit klingt das ja uns Heutigen alles von der bekannten christlichen Lichtmetaphorik von Weihnachten und Ostern recht vertraut, auch aus den Evangelien: Christus spricht: ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht bleiben in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Oder: Christus spricht, und das ist in Ergänzung dazu zu sehen: Ihr seid das Licht der Welt! … Nur weil und insofern das Licht Jesus Christi in uns scheint, können wir dieses sein Licht und auch an andere weiter geben. Was uns an ihm einleuchtet, das können wir auch gegenüber anderen vertreten.
Das besondere an diesem Pauluswort im 2. Korintherbrief gegenüber diesem allgemein christlichen Grundgedanken ist, wie uns dieses Licht gegeben ist und worin es uns scheint.

Zweitens. Wie ist uns dieses Licht gegeben?
Nicht absolut und vollkommen, wir können nicht darüber verfügen, sondern: Wir haben diesen Schatz nur in irdenen, wörtlich: tönernen und damit auch zerbrechlichen Gefäßen.
Darin liegt für uns heute zum einen das Eingeständnis, dass wir als Menschen nur begrenzte Möglichkeiten haben, Gott, das Absolute, die absolute Wahrheit zu erkennen und zu benennen. Wir bedienen uns menschlicher Vorstellungen und Symbole, die selbst endlich-begrenzten Charakter haben und über sich selbst hinausweisen auf Gott selbst, das Vollkommene, die uns aber selbst als solche nicht angemessen greifbar und darstellbar sind. Deswegen beten wir an, hoffen darauf, auf die göttliche Vollkommenheit und Wahrheit und unser Sein bei Gott. Soweit die rein religiöse Dimension des Wortes: Wir haben diesen Schatz nur in irdenen Gefäßen.
Das kann man auch ins Ethische gewendet verstehen: Die absolute Erfüllung der göttlichen Gebote, der 10 Gebote, der Bergpredigt Jesu mit dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe und der Feindesliebe – deren absolute Erfüllung ist ebenfalls keine menschliche Möglichkeit, dazu müssten wir lupenreine Heilige, ja, wie Luther einmal sagt: Jesus Christus selbst sein. Sind wir aber nicht. Wir sind alle Heilige und Sünder zugleich,
- weswegen es ja auch im Glaubensbekenntnis nicht einfach heißt: Wir glauben an die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen – heilig soll heißen: unsichtbar mit Gott völlig verbunden und in ihm geborgen, in diesem Sinne: vollkommen zu Gott gehörig –, und dann heißt es gleich unmittelbar anschließend: Vergebung der Sünden. Wir sind also Heilige, die aber sündigen, also wohl auch Unheilige und Scheinheilige, daher vergebungsbedürftige Kreaturen. Ja. Wir sind auf Erden immer mit Gott verbunden, aber auch von ihm, seinem Wesen und Willen getrennt lebend.
Wir haben diesen Schatz des Evangeliums nur in irdenen Gefäßen. Wozu? Zu welchem Zweck eigentlich? Hat das einen Sinn?
Ja, schon den einen, den ich eingangs schon angesprochen habe - und da merkt man eben wieder, wie sich Paulus verteidigt, wenn es heißt:
Damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.

Und dann hat das Wort: Wir haben diesen Schatz nur in irdenen Gefäßen - noch einen für Paulus persönlich und für uns möglicherweise auch sehr nachdenkenswerten Sinn, und zwar als ein Deutungsangebot für unser Leben, wenn es uns nicht gut geht, nämlich:

Drittens: den Gedanken der Leidensgemeinschaft mit Christus. Darin soll uns das Licht Jesu Christi scheinen.
Die folgenden Worte des Apostels lassen zunächst einmal durchblicken, wie es Paulus gerade selbst geht, als er schreibt:
Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht.
Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. (Wörtlich: Wir sind Ratlose - also: wir wissen nicht wie es weiter geht – ; aber nicht ganz Ausweglose.
Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen (von Gott, ist gemeint). Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.
Paulus ist in ernster Gefahr, Lebensgefahr, gesundheitlich und körperlich sowieso nicht der Stärkste, seine Redegabe war ja auch schon sprech-technisch beschränkt, und jetzt war er von Verfolgung, Verhaftung und Schlägen bedroht, ganz genau wissen wir´s nicht – jedenfalls stand er schwerstens unter Druck von allen Seiten – und die persönliche Kapitu-lation scheint nicht mehr weit – scheint, denn da ist ja noch einer, an dem er festhält - und der an ihm, der ihn durchträgt, der ihn sagen lässt:
aber wir ängstigen uns nicht – aber wir verzagen nicht, es gibt noch einen Weg – wir sind nicht verlassen – wir kommen nicht um.
Und das ist Gott. Dass er diesen Glauben dennoch hat in seiner Situa-tion – gut, das wird man von einem Apostel als Vorbild ja vielleicht noch erwarten dürfen, wird sich jetzt der eine oder andere denken. Aber woran liegt es, dass er diese Hoffnung noch hat?

Nicht einfach „an Gott“ – Paulus sagt: Gott „im Angesicht Jesu Christi“, und zwar dem Angesicht des sterbenden und auferstehenden, auf neue Weise ewig lebenden Christus.
Das meint Paulus, wenn er sagt: Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde. Diese tief empfundene Verbundenheit mit dem Gekreuzigten und der innere Blick des geistigen Auges auf ihn ist das, was ihm Halt gibt und Durchhaltevermögen, eine Überwindungsperspektive.
Liebe Gemeinde, die schon damals als Zumutung empfundene Ansicht des Paulus ist die, dass wir in der Wahrnehmung eigener Schwachheit und eigenen Leidens und des eigenen Sterbens nicht auf uns selbst fixiert sein sollen, sondern auf das „Prosopon“, griech.: Angesicht und Person, auf Angesicht und Person Jesus Christi selbst schauen sollen: Wie ist es ihm ergangen?
Wenn du darauf schaust, kann er dir zum Bruder im Leid, im Sterben und Tod werden – dann kannst du mit Perspektive auf Jesu Christi „Leben“ selbst leben. Und damit meint Paulus nicht das irdische Leben Jesu, sondern die Auferstehung und sein ewiges Leben. Also das, was über das menschliche Leben Jesu hinausgeht und auch heute noch über unser Leben hinausweist.
Es ist eine, für heute gesprochen, eher mystisch-innerliche Christus-frömmigkeit, mit der Paulus zunächst einmal für sich glaubt, dass es ihm selbst, aber dann auch im Weiteren allen von ihm Angesprochenen, gut tut, wenn Sie, wie er, in ihren Krisenerfahrungen, Niederlagen, Gefahren-situationen aller Art, Lebensbedrohungen, im Leiden und früher oder später bevor stehenden Sterben sich an Jesus Christus in seinen ent-sprechenden Stationen orientieren und mit ihm sich innerlich verbunden wissen können. In unserer ökumenischen Tradition geschieht das heute etwa, wenn wir uns die Passion, den Kreuzweg gemeinsam vergegen-wärtigen oder am Karfreitag die sieben Worte Jesu am Kreuz bedenken.
Dieser Gedanke der Leidensgemeinschaft mit Christus - dahinter steckt ein ganz starker, fester Glaube. Ein Glaube, der auch der Kritik stand-hält, das sei blanker religiös legitimierter Zynismus gegenüber allen Leidenden, etwa allen unheilbar Kranken, allen, deren Leben ausweglos ist, die mitten in der Katastrophe stecken, deren Leben zu Ende geht. Alles nur Vertröstung? Oder noch schärfer nach dem Motto: In eurem Leiden ist Christus heute für die Welt gegenwärtig, seid froh, dass ihr leiden dürft, das ist euere christliche Mission! Eine solche Haltung mag mittelalterlichem Kirchenglauben entsprechen, ist aber zumindest aus heutiger Sicht theologischer und religiöser Zynismus, unverantwortlich und geschmacklos. Insbesondere in der Anwendung auf „die anderen“.
Das meint Paulus sicher nicht.
Er selbst nämlich ist Leidensgenosse. Und nur aus dieser Position heraus entwickelt er diesen Gedanken der Leidensgemeinschaft mit Christus. Von da aus findet er selbst Trost, Erleichterung, Hoffnung, die ihn durchträgt: im Blick auf seinen Herrn Jesus Christus. Und ob das ein Glaubensmodell für heutige Menschen ist, das kann und muss nur jeder für sich selbst überlegen, das lässt sich nicht von anderen andemon-strieren, nicht vorschreiben, vormachen wohl schon, es gibt solche Vorbilder des Glaubens in schwerer Zeit. Und Jesus Christus mag dir zum Urbild dafür werden.

Ich komme zum Schluss, liebe Gemeinde:
Worauf basiert diese Beharrlichkeit, dieser Gottes- und Christusglaube, der nicht aufgibt, nicht aufhört in schlechten Zeiten?
Auf etwas, was der Apostel von Gott gehört hat, auf der tiefgründigen Einsicht, die nicht jedem zugänglich ist, aber uns allen zu wünschen wäre in einer Art Eingebung, die sich bei Paulus ein paar Kapitel weiter findet, sie lautet (2 Ko 12,9): „Er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Das ist keine „Beruhigungspille“ für schwere Zeiten, sondern Gottes Gebot und Bitte, sein Wille, eine Aufforderung zum Nachdenken und Glauben an alle: denen es gut geht; denen es schlecht geht; und an alle, die ein-fach freundlich so dahinleben, sollen sie es genießen!
Erfahrung ist, um es mit einfachen Worten zu sagen, die zur winterlichen Jahreszeit passen: Wir leben alle auf sehr dünnem Eis. Dass wir einbrechen, kann jederzeit passieren. Daher: Lassen wir uns an seiner Gnade genügen; denn seine Kraft ist in uns Schwachen mächtig.
Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geist. Amen.
 

 

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