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Theologie für die Gemeinde

unter der Leitung von
Herrn Prof. Harz 
findet am 05.03.2012 
um 20.00 Uhr im 
Katharina von Bora-Haus statt.
Thema: "Dietrich Bonhoffer"


Berg
am Starnberger See
 

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuelles

Predigttext Pfarrer Dr. Ruttmann

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Liebe Gemeinde,

„Wieviel Risiko verträgt mein Leben?“ – so lautet die Frage, die ich heute in dieser Predigt stellen möchte: „Wieviel Risiko verträgt mein Leben?“. Wir müssen in unserem Leben ständig Entscheidungen treffen – allerdings haben sie unterschiedlich gewichtige Folgen: Ob ich mir jetzt den Kühlschrank von Bosch oder von Privileg kaufe, spüre ich vielleicht noch einige Wochen auf dem Konto, aber dann ist es verschmerzt. Ob ich allerdings die ganz bestimmte Frau heirate oder nicht, ob ich den einen Partner auswähle oder nicht, das spüre ich vielleicht ein Leben lang. Oder ob ich diese Entscheidung wieder rückgängig mache, werde ich wohl auch ein Leben lang spüren.
 
Wir müssen ständig Entscheidungen treffen und nicht selten in unserem Leben müssen wir Entscheidungen treffen, die noch ziemlich lange nachhalten. Und diese Entscheidungen sind immer ein Risiko – ein Risiko, das mir ziemlich viel verhageln kann oder ein langes Glück bescheiden kann. Die Entscheidung, welchen Partner, welche Partnerin ich für mein Leben wähle, ist so eine riskante Sache  - oder auch ein Umzug. Ich erinnere mich noch gut an den letzten Umzug: Vom Pfarrerdasein ins Landeskirchenamt, vom Karpfenteich ins Piraniabecken, wenn Sie so wollen. Vom Dorfpfarrer zum Immobilienmanager – da wäre es gelogen, wenn ich sagte, dass ich schon gewusst hätte, ob es klappt oder nicht. „Wieviel Risiko verträgt mein Leben?“
 
Bei diesem Schritt habe ich schon eine gehörige Portion Vertrauen gebraucht. Eine gehörige Portion Vertrauen in die Versprechungen der Menschen und darin, dass Gott unseren Weg richtig begleitet und segnet. Gott schickt immer wieder Menschen auf den Weg, so wie er in den Wochen vor der Geburt Jesu die Maria und den Josef auf den Weg nach Bethelehem schickte, so wie er die 3 Weisen aus dem Morgenland, die landläufigen Heiligen 3 Könige, auf den Weg schickte ins Barbarenland nach Palästina. So, wie er seine Propheten ins Land schickte oder Johannes den Täufer ins Jordengebiet – und immer wieder haben diese Menschen das Vertrauen aufgebracht, dass das Risiko dieses Aufbruchs gerechtfertigt ist, dass es eine richtige Entscheidung ist. Und immer brauchte es das Vertrauen auf Gott, dass dieser Weg begleitet wird und gesegnet wird. Unser heutiger Predigttext ist eine solche Weggeschichte: Ich lese den Beginn des Weges, den Abraham mit seinem Gott macht – 1. Mose 11 und 12: 
27Terach zeugte Abram, Nahor und Haran; und Haran zeugte Lot. 28Haran aber starb vor seinem Vater Terach in seinem Vaterland zu Ur in Chaldäa. 29Abrams Frau hieß Sarai. 30Aber Sarai war unfruchtbar und hatte kein Kind. 31Da nahm aTerach seinen Sohn Abram und Lot, seinen Enkel, und seine Schwiegertochter Sarai, und führte sie aus bUr in Chaldäa, um ins Land Kanaan zu ziehen. Und sie kamen nach Haran und wohnten dort. 32Und Terach starb in Haran.
Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 
 
Abraham heißt noch „Abram“ – er hat seinen Namen noch nicht verändert. Und Abram ist zunächst nichts anderes als der Sohn des Terach, der eine Frau geheiratet hat, die hübsch ist, ihm aber keine Kinder bringen wird. Sie leben in einem Land, das wir heute als Irak kennen, sie leben am fruchtbaren Euphrat, in Ur. Dieser Norden des Irak zählt zu den ältesten kultivierten Gegenden, die Landwirtschaft, die Schrift, die Sternenkunde, die Baukunst – alles war hoch entwickelt. Wir wissen nicht, von was diese Familie des Terach gelebt hat und warum sie umziehen will. Aber sie macht sich auf den Weg: Den Lot nehmen sie mit, der gerade seinen Vater verloren hat, einen Waisen, der versorgt werden will. Ein Paar, das keine Kinder bekommen kann, Abram und Sarai, und der alte Vater Terach. Der andere Sohn bleibt in Ur und hat wahrscheinlich das bekommen, was nicht transportfähig war: Vielleicht das Vieh und den Hof, falls sie so einen hatten.
 
Terach beschließt, nach Kanaan, nach Palästina zu ziehen und er nimmt seinen verwaisten Enkel und seinen kinderlosen Sohn mit Frau mit. Keine besonders aufregende Truppe, die da unterwegs ist, auf einer Strecke, die in etwa der Strecke von München nach Flensburg entspricht, knapp 1000 Kilometer. Nach diesen 1000 Kilometern kommen sie nach Haran, im heutigen irakischen Kurdengebiet, an der Grenze zum heutigen Syrien und der Türkei. Bislang ist von Gott noch keine Rede, wir wissen noch nicht einmal, warum sie diesen Weg nach Kanaan aufnehmen wollen. Und wir wissen auch nicht, warum sie dann in Haran halt machen „und dort wohnen“. Das heißt, sie haben sich dort niedergelassen und der Traum von Palästina ist ausgeträumt: „Wieviel Risiko verträgt mein Leben?“ 
 
Nicht soviel, wie wir manchmal meinen, eingehen zu können. Da hat einer seine Familie genommen, ist ein hohes Risiko eingegangen und ist auf halbem Weg stecken geblieben und ist der Verlierer. Er stirbt, der Terach – und die drei sitzen da: Abram, Sarai und Lot. In Haran, wo sie nie hinwollten, wo ein ganz anderes Volk lebt, wo sie Fremde sind. Mitgenommen und Sitzengelassen.
 
Ist es Ihnen schon einmal so gegangen? Dass jemand über Sie bestimmt hat? Mit Ihnen ein Risiko eingegangen ist? Und Sie dann hat sitzen lassen? Dass Sie jemand bequatscht hat, überredet hat, mit großen Versprechungen, dass er Entscheidungen getroffen hat, die Sie betreffen und Sie dann alleine gelassen hat? In solchen Momenten muss man aufpassen, dass man nicht verbittert wird, dass man nicht jegliches Risiko künftig vermeiden will oder alles einfach hinwirft. Da haben sich Leute auf den Weg gemacht und sind in einer Sackgasse gelandet. Zumindest sind sie nicht da gelandet, wo sie hinwollten. Aus solchen Situationen kommen sogenannte gescheiterte Existenzen hervor: Leute, die in den Krieg gezogen sind, weil sie den Versprechungen ihrer Führer glaubten – und zerschlagen zurückkamen. 
 
Lesen Sie die Lebensgeschichten dieser jungen Männer, die durch die Hölle von Stalingrad gingen. Oder die Geschichte im ersten Rambo-Film mit Silvester Stallone – das ist eigentlich kein Baller-Film, sondern die Anklage eines Vietnam-Veteranen, der auf den Weg geschickt wurde und dann alleine gelassen wurde. Oder die Geschichten von jungen Frauen und Männern, die ihre Jugendliebe nicht heiraten durften, weil ihr Vater dagegen war und statt dessen Vernunftehen eingehen mussten – die dann nicht immer gut gingen. Die Verbitterung, die Einsamkeit und die Mutlosigkeit in einem solchen Leben ist nachvollziehbar – das war die Situation der drei in Haran, Abram, Sarai und Lot. Auf den Weg gesetzt und verloren.
 
Und Gott? Gott nimmt diesen Weg in seinen Dienst. Er hat drei Menschen, die wohl einigermaßen über die Runden kommen, vielleicht sogar wohlhabend geworden sind – aber nicht glücklich. Denn sie sind Fremde in einem Land, in das der Vater sie mitgenommen hat, auch wenn sie es inzwischen „Vaterland“ nennen. Gott nimmt diese Sackgasse in seinen Dienst: Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.  Gott spricht zu Abram, erstmals spricht er direkt. Es steht nicht, dass die Familie gottesfürchtig gewesen wäre oder dass sie Gott um Rat angefleht hätten, nein Gott spricht einfach zu Abram.
 
Und Abram? Einmal enttäuscht und sitzengeblieben 1000 Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt? „Wieviel Risiko verträgt mein Leben?“, mag er sich gefragt haben. Und er vertraut Gott und seinen Wegen – und er macht sich auf den Weg, von dem er nicht mehr weiß, als dass Gott es ihm zeigen werde und dass ein Vater auch schon davon träumte. So nahm Abram Sarai, seine Frau, und Lot, seinen Neffen, mit aller ihrer Habe, die sie gewonnen hatten, und die Leute, die sie erworben hatten in Haran, und zogen aus, um ins Land Kanaan zu reisen. Es scheint ihm in Haran nicht schlecht gegangen zu sein – er hat weitere Menschen in seinen Haushalt aufgenommen und Hab und Gut erworben. Und auch für diese Menschen trägt er das Risiko mit: Er entscheidet für sie, wie sein Vater vor ihm – aber nun ist es Gottes Weg, dem er vertraut.
 
Immer wieder haben Menschen dieses Vertrauen auf Gott aufgebracht: Maria und Josef auf ihrem Weg nach Bethlehem und später mit ihrem Sohn durch dessen Leben. Die drei Magier, von denen wir in dieser Woche am Epiphaniastag gehört haben, die sich auf den Weg machen. Und die Jünger Jesu, deren Geschichte mit Gott nach der Taufe Jesu am Jorden beginnt. Die Jünger Jesu werden nicht einfach mal umziehen, nein, sie werden ihre Familien verlassen, sie werden in der Unsicherheit herumziehen, sie werden nicht wissen, wo sie nächtigen, wo das Essen herkommen soll – und sie werden schwanken und zweifeln; aber das Grundvertrauen, den Glauben an Gottes Wege, dass das Risiko in ihrem Leben eingegangen werden kann, dass sie nicht sitzengelassen werden, dass sie begleitet werden – dieses Vertrauen führte sie auf ihen neuen Wegen.
 
„Wieviel Risiko verträgt mein Leben?“ Abram hat sich entschieden: Wenn Gott meinen verfahrenen Weg in den Dienst stellen will, dann ist es ein Weg, dem man vertrauen kann. Gott nimmt unseren Lebensweg in den Dienst, so verfahren er auch sein mag. Und er gibt seine Wegzeichen auf dem Weg, damit er nicht in der Sackgasse endet. So wird es Abram erfahren – so erfuhren es Maria und Josef, die drei Magier und die Jünger Jesu.
 
Uns wünsche ich, dass wir das Risiko eines neuen Weges in unserem Leben auf uns nehmen, Neues beginnen und Gott vertrauen, dass seine Wegzeichen, seine Sterne, uns die richtigen Abbiegungen nehmen lässt.
 
Und der Friede Gottes, der weiter reicht als unsere Vernunft, sei mit uns allen. Amen.
 
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