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Theologie für die Gemeinde

unter der Leitung von
Herrn Prof. Harz 
findet am 05.03.2012 
um 20.00 Uhr im 
Katharina von Bora-Haus statt.
Thema: "Dietrich Bonhoffer"


Berg
am Starnberger See
 

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuelles

Predigttext Pfarrer Dr. Pfister

Aktuelles >>
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Vorletzte Woche war der zweite Ökumenische Kirchentag in München. Eine ganze Reihe von uns hat daran teilgenommen, die meisten anderen haben den Ökumenischen Kirchentag im Fernsehen verfolgt. Vieles wurde ja direkt übertragen. Wohl nicht nur für die Teilnehmer waren es 5 beeindruckende und bewegende Tage bis zum Abschlussgottesdienst auf der Theresienwiese mit 100000 Menschen, die trotz Regen und Kälte gekommen waren und miteinander feierten. Diesen Gottesdienst haben auch viele Zuhausegebliebene in voller Länge im Fernsehen miterlebt oder mindestens einen Kurzbericht in den Nachrichten gesehen.
 
Und selbst am Bildschirm war die besondere Atmosphäre dieses Gottesdienstes zu spüren. Wie gesagt, äußerst abschreckendes Wetter mit Regen und Kälte, aber die Hoffnung, die das Thema dieses großen Ökumenetreffens bildete, war deutlich zu spüren, wie mir in der letzten Woche viele bestätigt haben: sogar noch am Bildschirm.
 
Wir haben ja den Abschnitt aus dem ersten Petrusbrief, aus dem die ökumenische Kirchentagslosung „Damit wir Hoffnung haben“ stammt, gerade als Lesung gehört. Sie hat etwas ausgelöst. Man spürte, was die Menschen bewegte, die neu gestärkte oder auch ganz neu gewachsene Erfahrung: Wir sind gemeinsam auf dem Weg. Wir Christen gehören zusammen, viel mehr und stärker als es in den amtlichen kirchlichen Äußerungen zum Ausdruck kommt.
 
Viele waren mit leiser Skepsis nach München oder auch nur zum Fernsehapparat im Wohnzimmer gekommen. Nicht nur wegen der Mißbrauchsfälle, sondern vor allem skeptisch, weil in der Ökumene so wenig vorangeht, ja manches (wie z.B. die Gemeinsamkeit in den Gottesdiensten, die vor 10 Jahren stärker war als heute und vor 20 Jahren stärker als vor 10 Jahren)  eher wie ein Rückschritt aussieht. Andere waren gerade deshalb gekommen, weil sie etwas bewegen wollten. Aber Skeptiker und Beweger  wurden bewegt von dem Geschehen dieser Tage. Reich erfüllt von einer Erfahrung, die so dicht und für manche regelrecht beglückend so nicht erwartet worden war, auch von mir nicht.
 
Das lässt uns unseren ökumenischen Pfingstgottesdienst in diesem Jahr, egal wie viele oder wenige wir hier in der Pfarrkirche in Aufkirchen sind, dankbar feiern. Denn wir haben eine neue Ahnung von Pfingsten bekommen, eine Ahnung von dem bewegenden Pfingstgeschehen, das in der Bibel erzählt wird.
Sonst können die meisten mit Pfingsten ja wenig damit anfangen, zu mindestens viel weniger als mit Weihnachten oder mit Ostern.
Jetzt ahnen wir vielleicht deutlicher, was es damit auf sich hat: An Pfingsten und von Pfingsten her ereignet sich nicht nur eine flüchtige emotionale Begeisterung, sondern eine starke Erneuerung von innen heraus, durch eine Kraft, die aber nicht von den Beteiligten selbst produziert wird, sondern die von außen kommt, nicht machbar, sondern geschenkt.
 
Darauf weist genauso, wenn nicht noch viel mehr unser Pfingstevangelium hin, das wir in diesem Gottesdienst gehört haben. Im Johannesevangelium wird der an Pfingsten geschenkte Heilige Geist als Beistand, als Anwalt (Martin Luther übersetzt als „Tröster“) bezeichnet.
 
Was tut dieser Helfer und Tröster, der Heilige Geist? Wie sieht seine Unterstützung für uns aus? Das wird im Evangelium verblüffend einfach und nüchtern beschrieben: Der Heilige Geist lehrt und erinnert. Lehren und erinnern, das ist die Wirkung des Heiligen Geistes! Kein flüchtiges Gefühl, keine verzückte Ekstase, keine überirdisches Ausflippen, kein geistlicher Massenrausch, sondern einfach Erinnerung an Jesus Christus.
 
Vielleicht denken Sie jetzt: Was ist das schon? Wenn wir uns nur an die Vergangenheit erinnern, wird doch gar nichts bewegt.
 
Doch wir haben es immer wieder erlebt: Das stimmt so nicht. Schon so manche Gedenktage und Gedenkjahre, die uns an Ereignisse unserer deutschen Geschichte wie das dritte Reich oder den zweiten Weltkrieg erinnert haben, führten zu langen und heftigen Auseinandersetzungen.
 
Denn in der Erinnerung an die Vergangenheit stecken explosive Kräfte. Sie sind durchaus imstande, die Gegenwart bedrängend in Frage zu stellen und auch zu verändern.
Und was für jede Erinnerung zutrifft, das gilt erst recht für die Erinnerung an Jesus Christus, an sein Leben, an seine Person, an seine Sache, seine Botschaft. In ihr steckt eine besonders gewaltige, herausfordernde Kraft.
 
Durch kirchliche Lehren und Gewohnheiten ist diese Kraft  ja oft eher verdeckt. Andere müssen darauf hinweisen, z.B. Nichtchristen, die sie entdeckt und für ihr Wirken fruchtbar gemacht haben: z.B. im 20. Jahren Mahatma Gandhi, der ganz wesentliche Einsichten aus dem Neuen Testament gewann, oder in jüngerer Zeit der Dalai Lama.
 
Der Heilige Geist, sagt uns das Johannesevangelium heute am Pfingstfest, ist nichts anderes als diese lebendige und immer neu Leben hervorrufende Kraft der Erinnerung. Er ist die Art und Weise, wie Jesus in seiner Gemeinde gegenwärtig ist und wirkt. In der Erinnerung an ihn werden seine Verheißungen und die mit ihnen verbundenen Hoffnungen unter uns neu lebendig. Etwa die Bergpredigt oder das Abschiedsgebet Jesu für seine Jünger „Dass sie alle eins seien“, Darin beweist er selbst seine Kraft.
 
Wie überraschend, wie machtvoll und lebendig das passiert, zeigt sich immer wieder im Leben der christlichen Gemeinde. Der Ökumenische Kirchentag war ein eindrucksvolles Beispiel.
Wir haben auch andere erlebt. In den letzten 20 Jahren haben wir uns immer wieder erinnert an die große Wende in Ostdeutschland und Osteuropa, die von Friedensgebeten ausgehend, ohne Gewalt und zur Verblüffung der Machthaber („wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete“).
 
Es lassen sich also durchaus vielfache Hinweise finden für das, was uns das Evangelium von dem Tröster und Beistand, dem Anwalt gegen die Resignation und gegen den scheinbar unabänderlichen Zwang der Verhältnisse sagt: Der Heilige Geist erinnert an Jesus Christus und lehrt leben. Denn er erinnert nicht nur an das, was Jesus gesagt hat. Sondern wenn er daran erinnert, lehrt er auch zu leben.
 
Er lehrt uns, dass wir uns nicht mit den Verhältnissen abfinden, so wie sie sind. Nicht mit den die Welt bestimmenden Verhältnissen und auch mit den kirchlichen: Wenn die Mauer zwischen Ost und West und der eiserne Vorhang gefallen sind, wie viel leichter kann der Heilige Geist die Mauern zwischen den christlichen Konfessionen einreißen. Der Heilige Geist lehrt uns, im Vertrauen auf Jesus und seinen Geist, den er uns als Helfer versprochen hat, in unserem Lebenskreis und weltweit einzustehen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Der Frieden bekommt dabei einen besonderen Akzent. Was Jesus im Pfingstevangelium vom Frieden sagt, ist nicht nur ein schöner Satz fürs Poesiealbum, sondern weist hin auf die explosive, aufrüttelnde und vorwärtstreibende Kraft der Erinnerung an ihn. Diese Zusage unseres Herrn hat nichts von ihrer Wirkkraft verloren: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“
 
Das gilt ganz persönlich: Jesus verspricht mir Frieden ganz wesentlich als die Heilung des Zwiespalts in meiner eigenen Seele, dass ich im Frieden die Wahrheit über mich selbst ertragen kann, dass die Spannung in mir selbst überwunden werden kann und dass ich damit auch in eine neue Beziehung zu den anderen Menschen hineinfinden kann.
 
Und so gilt es zwischen den Menschen weltweit. Carl Friedrich von Weizsäcker sagte einmal in einer Predigt in Starnberg: Die Kirche muss, wo Konflikt ist, den Frieden, die wahre Versöhnung suchen; wenn sie kann, zu bringen suchen. Eben darum kann sie sich nicht auf die Verkündigung nur eines jenseitigen oder nur eines privaten Wortes Gottes beschränken.
Diese Worte des nüchternen Wissenschaftlers sind ein deutlicher Hinweis, dass in unserer Zeit die ursprüngliche Kraft der Erinnerung an Jesus Christus, die lange verschüttet oder eingeengt war, an diesem Punkt tatsächlich neu aufgebrochen ist.
 
Heute am Pfingstfest dürfen wir es feiern, nicht nur als Aufgabe, sondern vor allem als Gabe, als Geschenk. Wir dürfen es feiern und dabei neu erfahren: Der Herr steht zu seiner Zusage: „Der Tröster, der Heilige Geist, wird euch alles lehren und an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Seinem Geist können wir uns vertrauensvoll öffnen: „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“
 
Amen.
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am 5.2.2012 mit Berger Projektchor in Aufkirchen

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